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Nachhaltige Aktien 11.10.2002

11.10.2002: ECOreporter.de-Interview mit Marcus Brian, Das Grüne Emissionshaus, zum kritischen Plusminus-Beitrag über Windparks

Im Rahmen eines Beitrags zum Thema Windenergie des ARD-Magazins "Plusminus" wurde am Dienstagabend auf die immer wieder hinter den Prognosen zurückbleibenden Erträge von Windkraftprojekten hingewiesen. Das Freiburger "Grüne Emissionshaus" nannten die Autoren vom Bayrischen Rundfunk gleich zweifach als Quelle von Fonds, die ihr Soll nicht erfüllten. ECOreporter.de sprach dazu mit Marcus Brian, Pressesprecher des Freiburger Finanzdienstleisters.

 

ECOreporter.de: Herr Brian, in der ARD-Sendung "Plusminus" wurden am Dienstagabend Vorwürfe wegen eines Windparks Ihres Unternehmens erhoben. Es hieß, bei dem von Ihnen vertriebenen Windpark Bockelwitz lägen die Erträge weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück. Wie kam die im Emissionsprospekt angegebene Ertragsprognose zustande? Wie viele unabhängige Windgutachten lagen vor, welche Werte wurden durch die Gutachter ermittelt und welcher Wert wurde schließlich für die Berechnungen verwendet?

 

Marcus Brian:Die Ertragsprognose basierte auf einem Windgutachten der Firma Heliotec aus Freiberg. Von dem dort ermittelten mittleren Jahresertrag haben wir einen Sicherheitsabschlag für technische Risiken und Prognoseunsicherheiten von 15 Prozent vorgenommen. Dies ist auch aus heutiger Sicht eine sehr konservative Ertragsberechnung.

 

ECOreporter.de: Stimmt die Aussage von Plusminus: " Die Stromproduktion wird auf Dauer um voraussichtlich 10-15 Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben - und damit auch die Rendite."

 

Marcus Brian:Der erste Teil des Satzes spiegelt tatsächlich unsere derzeitige Einschätzung des Windpotenzials am Standort Bockelwitz wider und ist ein Zitat aus einem unserer Fondsreports. Es ist aber falsch, daraus eine in gleicher Höhe verminderte Rendite abzuleiten. Denn allein dadurch, dass die Stromvergütung nach EEG höher ist, als im Prospekt angenommen, können im Schnitt etwa die Hälfte der erwarteten Mindererträge kompensiert werden. Zudem sind die Zinsen für das Fremdkapital niedriger als im Prospekt angenommen, was ebenfalls zu Mehreinnahmen führt. Leider wurden diese Fakten, obwohl den Autoren bekannt, im Fernsehbeitrag verschwiegen.

 

Für die Investoren des Windparks Bockelwitz ist das alles übrigens nichts Neues. In unseren Fondsinformationen und auf den Gesellschafterversammlungen haben wir sie stets offen über die Situation des Windparks informiert.

 

ECOreporter.de: Der Fernsehbeitrag nennt außer Bockelwitz drei weitere Parks des Grünen Emissionshauses, in denen es zu Problemen gekommen sei. Was für Probleme sind dort?

 

Marcus Brian:Mindererträge sind derzeit in den Windparks Midlum, Willenscharen-Brokstedt und Ablaß zu verzeichnen. In allen Fällen hat dies mehrere Ursachen. Zum einen zeigt sich heute, dass die Vorhersagekraft der damals verwendeten Windgutachten teilweise unzureichend war. Im Fall Midlum muss man heute zum Beispiel davon ausgehen, dass die Gutachten, trotz der Daten dreijähriger Windmessungen am Standort, Abschattungseffekte durch Bäume im Süden des Windparks unterschätzt haben. Ein anderer Grund ist, dass die erst vor einigen Jahren entwickelten 1,5-MW-Windenergieanlagen zu Beginn ihrer Markteinführung nicht in jedem Fall die erwartete Leistung erbrachten. Nicht zuletzt liegt es natürlich auch an dem sehr schlechten Windangebot im vergangenen Jahr. Wie der derzeit gebräuchlichste Windindex zeigt, lag das Windangebot in Deutschland im Jahr 2001 um bis zu 30 Prozent unter den langjährigen Durchschnittswerten.

 

ECOreporter.de: Plusminus berichtet, die Energiekontor AG habe zwei unter Plan laufende Windparks von den Anlegern zurückgekauft. Wie gehen Sie mit den Anlegern Ihrer von Mindererträgen betroffenen Windparks um?

 

Marcus Brian:Es ist ja nicht nur für die Investoren enttäuschend, wenn ein Windpark nicht zu 100 Prozent die Erwartungen erfüllt. Deshalb sind wir ebenso wie die Anleger stark daran interessiert, die Stromproduktion der betroffenen Windparks nachhaltig zu verbessern. Im Fall Bockelwitz beispielsweise haben wir erreicht, dass dort voraussichtlich im kommenden Jahr eine zusätzliche Anlage im Windpark aufgestellt werden kann. Sie würde die Ertragssituation des Windparks spürbar verbessern. Auch diese Information ist übrigens in dem Beitrag von Plusminus unerwähnt geblieben.

 

ECOreporter.de: Was werden Sie tun, um in Zukunft solche Pannen zu vermeiden?

 

Marcus Brian:Unsre jüngsten Fonds, Borsum-Ahlerstedt, Saubusch, Rhede und Wansleben am See, zeigen, dass wir die Erfahrungen mit bestehenden Windparks genutzt haben. So haben wir für die Windenergiefonds Borsum-Ahlerstedt und Rhede mit dem Anlagenhersteller Enercon Garantien für Ertrag, Wartung, Instandhaltung und Inbetriebnahmezeitpunkt ausgehandelt und dadurch wesentliche Risiken minimiert. Beim aktuell in der Platzierung befindlichen Windenergiefonds Wansleben am See beruht die Ertragsprognose auf vier Windgutachten und Windmessungen am Standort. Zusammen mit dem Generalunternehmer haben wir zudem eine Ertragsgarantie abgegeben. Nicht zuletzt wurden hier 15 Prozent der Nettoerlöse für Wartung und Instandhaltung einkalkuliert, was deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.

 

ECOreporter.de: Die Autoren des Fernseh-Beitrags haben Ihr Unternehmen besonders hervorgehoben. Wie häufig sind Fehlschläge in der Branche insgesamt?

 

Marcus Brian:Ich bin mir sicher, dass alle Anbieter der Branche, die bereits länger am Markt sind, Windparks in ihrem Portfolio haben, die weniger Strom produzieren als erwartet. Das legt auch eine aktuelle Studie von Fonds-Media in Hamburg nahe, die zeigt, dass die Stromproduktion der bisher realisierten Windparks im Schnitt um rund 16 Prozent hinter den Erwartungen zurück blieb. Manche Anbieter versuchen das zu verschleiern, in dem sie zum Beispiel die im Emissionsprospekt genannten Soll-Werte indexieren, d. h. immer dem aktuellen jährlichen Windangebot anpassen. Andere legen einfach keine aussagekräftige Leistungsbilanz vor. Dass es ausgerechnet uns traf, liegt zum einen daran, dass die Stromproduktionsdaten unserer Windparks für jeden zugänglich sind und dass es ein Kommanditist des Windenergiefonds Bockelwitz war, der den Bayerischen Rundfunk auf dieses Thema gebracht hat.

 

ECOreporter.de: Hat Plusminus Ihnen die Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen?

 

Marcus Brian:Ja. Wir hätten uns die umfangreiche Stellungnahme allerdings auch genauso gut sparen können, denn die Autoren haben in ihrem Beitrag keine einzige der dort aufgeführten Informationen berücksichtigt.

 

ECOreporter.de: Herr Brian, wir bedanken uns für das Gespräch!

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