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Direktbeteiligungen 14.04.2003

14.4.2003: Ökologisches Einkaufszentrum in Hamburg wird nicht eröffnet

Von Kai Kreuzer, bio-supermaerkte.de - Es sollte das größte Öko-Zentrum Europas werden, das Vivo in Hamburg. Als "das Ö" gestartet und seit 1997 in der Vorbereitung, platzte nun das ganze Projekt, kurz vor dem geplanten Eröffnungstermin am 2. April 2003. Das Altonaer Wochenblatt titelte am 26.3.2003 "Vivo: das endgültige Aus". In dem Artikel ist davon die Rede, dass die Finanzbehörde die Notbremse zöge. Knapp 14 Tage vor dem geplanten Eröffnungstermin habe Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner das bundesweit einmalige Projekt gestoppt. Grund sei die schleppende Vermietung sowie ein befürchteter Fehlbetrag von 2,5 Mio. Euro, so das kostenlose Stadtteilblatt.

 

Bereits zwei Mal war die Eröffnung des 40 Millionen-Euro-Projekts verschoben worden. Ursprünglicher Termin war der Oktober 2002 gewesen, dann hieß es 26. Februar für die Einweihung der 20.000 qm großen Gewerbefläche. Bauherr und Investor des geplanten Nachhaltigkeitszentrums, wie es auch genannt wurde, war die Hamburger Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und Projektplanung (HaGG). Die Stadt Hamburg ist zu 60 % an dieser Gesellschaft beteiligt, zu je 20 % sind es die Handwerkskammer und die Handelskammer. Für die Planung und Vermietung war Peter Moll (siehe Bild) von der Unternehmensberatung Ecom in Köln verantwortlich. Zu einer Stellungnahme sah sich die Ecom außerstande, da ihnen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit untersagt worden sei.

 

Ausgangspunkt der Planungen war ein Zusammenschluß von Handwerkern, Händlern und Dienstleistern aus der Öko-Branche gewesen. Ziel des Öko-Kaufhaus Gedankens war ein gemeinsames Auftreten nach Außen sowie ein Profitieren von Synergieeffekten, die durch die Ansiedlung unter einem Dach entstehen.

In einem Artikel des Hamburger Abendblatts vom 3.2.2003 wird darüber berichtet, dass 60 % der Verkaufsfläche unter Vertrag sei. "Läden aus den Bereichen Kosmetik, Schuhe, Spielzeug und Bücher seien in Planung," sagte Moll dem Abendblatt, doch sei vieles "Wunschdenken". Die Rezession treffe das Projekt hart. Eine nicht ganz unwichtige Rolle dürften die angepeilten Mieten gespielt haben. Sie sollen zwischen zwölf und 20 Euro je Quadratmeter betragen haben, zuzüglich sechs Euro für das Centermanagement. Dass es Probleme in der Vermarktung der Flächen gab, ist schon seit längerem bekannt. Ende Januar erschien ein kurzer Beitrag in der Morgenpost, in dem die Befürchtung geäußert wurde, dass der Imageschaden, der durch Leerstand entsteht, dem "ambitionierten Projekt den Todesstoß" versetzen könnte. Autor Matthias Onken: "Kaum einer der für die Bio-Branche typischen Kleinbetriebe setzt mit einem Standortwechsel derzeit seine Existenz aufs Spiel."

 

Weitere Gründe für ein Scheitern sieht die Tageszeitung Taz: "zögerliche Mietinteressenten und kein Anschluss an die Öko-Szene". Der Wechsel des Öko-Zentrum-Betreibers von der Neuwerk Consult hin zur Ecom AG habe geschadet. Daraufhin, so die Taz Hamburg, seien viele avisierte Mieter abgesprungen. Im Vorfeld, so die Replik, hätten HaGG und Neuwerk versäumt, feste Mietverträge abzuschließen, um die Interessenten bei der Stange zu halten. Fazit ist, dass die unsichere Vermietungssituation dazu geführte, dass jeder gewartet hat, bis der andere den ersten Schritt unternimmt.

 

Nun steht das Gebäude in Altona in baulich fertigen Zustand da und wartet auf eine Nutzung. Ein transparenter Glaspalast, der eine Wohnwagensiedlung, die vorher auf diesem Gelände war, verdrängt hat. Letzter Schritt in der unheilvollen Entwicklung: die städtische Immobiliengesellschaft Sprinkenhof AG mit ihrem Chef Karl-Heinz Ehlers (CDU) bekommt die Verwertungsrechte. Ein Behördensprecher, so das Altonaer Wochenblatt, habe betont, dass er dafür "freie Hand" bekäme. Das bisherige Konzept werde aufgegeben. Für die zukünftige Nutzung kann sich Ehlers verschiedene Konzepte vorstellen, sei es ein Behördenzentrum oder auch ein gemischtes Einkaufszentrum u.a. mit Öko-Läden.

 

Mit am neuen Vivo beteiligt sein sollte der Bio-Discounter Erdkorn. Bereits seit zwei Jahren in die Planungen eingebunden, ist Erdkorn-Geschäftsführer Thomas Hinz Mitte Januar ausgestiegen. Seine Anforderungen waren, wie er sagt, bis dahin nicht erfüllt worden. Er war vor allem mit dem Branchenmix im Einkaufscenter nicht zufrieden.

"Es ist nie so komplett zustande gekommen," so Hinz, wie die Planung dies vorgesehen hatte. Außerdem hielt er Ottensen/Altona als Standort bei weitem nicht für ideal. Diese Lage sei aus verschiedenen Gründen nicht besonders geeignet. Es gäbe dort bereits eine hohe Dichte an Bio-Fachgeschäften, hinzu komme die soziodemographische Struktur als Szeneviertel und außerdem sei die Verkehrsanbindung nicht gut genug.

 

"Das kann durch eine ordentliche PR und einen absolut passenden Branchenmix wieder ausgeglichen werden", ist Hinz überzeugt. Aber letzteres hätte es eben nicht geben. Daher habe er für eine Verschiebung des Eröffnungstermins plädiert, bis alle Flächen vermietet gewesen seien. Eine "zu geringe Professionalität beim Management" habe ihn letztlich dazu bewogen aus dem Konzept auszusteigen.

 

Diesen Beitrag veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von

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