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Nachhaltige Aktien 15.12.2003

15.12.2003: Wochenrückblick: Elefantenhochzeit in der Windkraftbranche: Vestas will NEG Micon übernehmen - Vossloh erhöht die Prognose - Tomra schließt Werk in Finnland

Die Aktienindizes bewegten sich in der vergangenen Woche uneinheitlich. Während DAX und MDAX geringfügig zunahmen, gab der TecDAX zwei Prozent ab. Ebenso fiel der Nikkei-225 in Japan um zwei Prozent. Der US-amerikanische Nasdaq Combined Composite Index legte dagegen ein Prozent zu, der Dow Jones Industrial Average sogar zwei Prozent.

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrem Monatsbericht die Erwartung für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,4 Prozent gesenkt. 2004 soll das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Eurozone nach den Vorstellungen der EZB zwischen 1,1 und 2,1 Prozent wachsen, im Jahr 2005 dann 1,9 bis 2,9 Prozent. Die Prognosen beruhen auf verschiedenen Annahmen, darunter einem Außenwert des Euro von 1,17 Dollar sowie einem durchschnittlichen Rohölpreis von 28,5 Dollar pro Barrel 2003 und 24,5 Dollar 2005. Die Schweizerische Nationalbank äußerte sich etwas vorsichtiger. Eine ungünstige Entwicklung auf den Finanzmärkten und zunehmende geopolitische Spannungen könnten die Wirtschaftsentwicklung der Schweiz beeinträchtigen, heißt es im Lagebericht der Züricher Notenbank.

Agenturberichten zufolge erwägt die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Öllieferungen künftig in Euro oder nach einem Währungskorb zu berechnen. Es gebe entsprechende Gespräche in der OPEC mit dem Ziel, eine Kompensation für den Kursrückgang des Dollar zu schaffen, hieß es.

 

Die Förderung des Marktzugangs für erneuerbare Energien in Deutschland wird verbessert. Nach einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums stehen im nächsten Jahr 200 Millionen Euro für das sogenannte Marktanreizprogramm zur Verfügung, zehn Millionen mehr als in diesem Jahr. Bis 2006 sollen die Mittel auf 230 Millionen Euro steigen. Zudem könnten ab 2004 neben Privatpersonen auch Kommunen, kommunale Einrichtungen und Kirchen Anträge auf Zuschüsse und Teilschulderlasse stellen. Mit dem Programm sollen Investitionsanreize für den Absatz von Technologien der erneuerbaren Energien geschaffen werden.

 

Die dänische Vestas Wind Systems A/S will ihren ebenfalls dänischen Wettbewerber NEG Micon A/S übernehmen. Vestas ist unbestrittener Weltmarktführer in der Herstellung von Windturbinen, NEG Micon war im Jahr 2002 die Nummer drei. Die vergrößerte Vestas-Gesellschaft käme nach eigenen Angaben auf einen Weltmarktanteil von mindestens 35 Prozent, mit einem Umsatz von mehr als 2,7 Milliarden Euro und 8.500 Beschäftigten im Jahr 2004. Die Synergien aus dem Zusammenschluss sollen sich auf 67 Millionen Euro summieren. Über die Notwendigkeit, das Personal zu reduzieren, werde später entschieden, hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Gesellschaften. Den NEG Micon-Aktionären wird angeboten, ihre Anteilsscheine in Vestas-Aktien zu tauschen. Nachdem NEG Micon am 11. Dezember - dem Tag vor Bekanntgabe des Angebots - bei 67,50 und Vestas bei 92 Dänischen Kronen notierten, bedeutet das einen Aufschlag von 36 Prozent für NEG Micon-Aktionäre. Dementsprechend stieg der NEG Micon-Kurs auf 92,5 Kronen. Auch Vestas waren im Wochenverlauf schon kräftig gestiegen, der Schlusskurs von 94,5 Kronen lag um 12,5 Prozent höher als am Ende der Vorwoche. Die Transaktion wird eine Kapitalerhöhung um 270 Millionen Euro erforderlich machen, die von den Vestas-Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 30. Dezember noch genehmigt werden muss. Der Zusammenschluss steht unter verschiedenen Vorbehalten, darunter der Zustimmung der Kartellbehörden, der Zustimmung der Vestas-Aktionäre und einer Annahmequote von mindestens 66,7 Prozent seitens der NEG-Micon-Aktionäre. Diese haben nun bis zum 21. Januar 2004 Zeit, sich zu entscheiden. Beide Unternehmen haben in der vergangenen Woche noch Großaufträge gemeldet, Vestas aus Kanada, NEG Micon aus Australien.

 

In der Nordsee soll ein Windpark mit 119 Anlagen und einer elektrischen Leistung von 550 Megawatt entstehen. Die Eos Offshore AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der Vareler innoVent GmbH und der Bremer WPD AG (nicht börsennotiert), hat nach eigenen Angaben einen Bauantrag für das 1,3 Milliarden Euro teure Projekt gestellt.

 

Drei deutsche Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien haben sich zusammengeschlossen: Aus der BVT Energie- und Umwelttechnik AG, der Etaplan Ingenieurbüro für energietechnische Analysen und Planung GmbH und der PDF Project Development Fund Management GmbH wurde die Renerco Renewable Energy Concepts AG. Um große Projekte im europäischen Ausland verwirklichen zu können, seien professionelle Strukturen und eine Mindestgröße des Unternehmens nötig, begründete der Vorstand des Münchener Unternehmens den Zusammenschluss.

 

Private Investoren geben ihre Zurückhaltung bei Projekten erneuerbarer Energien offenbar langsam auf. Mehrere Unternehmen meldeten die vollständige Zeichnung ihrer Fonds, darunter die Erkelenzer Umweltkontor Renewable Energie AG für den Windpark Lüneburg und die nicht börsennotierte Hamburger voltwerk AG für den Solarpark in Hemau bei Regensburg.

 

Im niederländischen Almelo ist eine Produktionshalle der GE Wind Energy ausgebrannt. Laut dem Bericht eines niederländischen Online-Informationsdienstes unter Berufung auf ANP sollen von den 700 Beschäftigten 200 entlassen werden, für die anderen will die Tochter des US-amerikanischen General Electric-Konzerns Kurzarbeit beantragen. In der Halle wurden Flügel mit bis zu 57 Metern Länge hergestellt. Die Polizei untersuche die Brandursache noch, hieß es.

 

Bernd Fessler wird zum Jahresende aus dem Vorstand der Sunways AG ausscheiden. Es habe Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Aufsichtsrat und dem Finanzvorstand der Sunways AG gegeben, teilte der Konstanzer Hersteller von Solarzellen mit. Fessler scheide in freundschaftlichem Einvernehmen aus und bleibe der Sunways AG beratend verbunden, hieß es. Der Kurs sank um drei Prozent auf 1,90 Euro.

 

Einen Großauftrag meldete die Solar-Fabrik AG. Die Freiburger werden im kommenden Jahr Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 9,2 Megawatt an die RWE Schott Solar liefern. Damit seien rund zwei Drittel der geplanten Jahresproduktion durch Aufträge gedeckt, so die Mitteilung des Unternehmens. Der Kurs kletterte um acht Prozent auf 3,50 Euro.

 

Der Aufsichtsrat der Mannheimer MVV Energie AG hat für das abgelaufene Geschäftsjahr eine unveränderte Dividende vorgeschlagen. Sofern die Hauptversammlung am 12. März 2004 zustimmt, werden pro Aktie 0,75 Euro ausgeschüttet. MVV gaben leicht auf 15,15 Euro nach.

 

Die US-amerikanische ITT Industries Inc. will die Düsseldorfer Wedeco AG übernehmen. Das bereits im November angekündigte Angebot an die Wedeco-Aktionäre wurde nun von ITT verbindlich bekannt gegeben. Die Anteilseigner des Wassertechnik-Spezialisten können sich bis zum 16. Januar 2004 entscheiden, ob sie ihre Papiere zum Stückpreis von 18 Euro der ITT andienen wollen.

 

Die Vossloh AG, Werdohl, erhöhte die Schätzung für das Jahresergebnis. Der Hersteller von Schienenfahrzeugtechnik erwartet nach eigenen Angaben nun einen Umsatz von 892,1 Millionen Euro, was einen Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem vergangenen Geschäftsjahr bedeute und leicht über der letzten Prognose von 890 Millionen Euro liege. Gut 36 Millionen des gesamten Zuwachses von 147,6 Millionen Euro entfallen den Angaben zufolge auf im laufenden Jahr neu erworbene Unternehmen. Das Betriebsergebnis soll zum Jahresende um 65 Prozent auf 82 Millionen Euro steigen, das EBIT um 25 Prozent auf 97,7 Millionen. Wegen der erhöhten Anzahl von Aktien wird der Gewinn pro Aktie aber auf 3,70 Euro sinken, nach 3,85 Euro im vergangenen Jahr. Für das Jahr 2004 erwartet der Konzern ein EBIT von 106,3 Millionen Euro und einen Gewinn pro Aktie von 3,90 Euro, bei Umsätzen von 963 Millionen. Für das laufende Geschäftsjahr soll eine Dividende "nicht unter der des Vorjahres" ausgezahlt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende Burkhard Schuchmann. 2002 waren 1,20 Euro pro Aktie ausgeschüttet worden. Mehrere Analystenhäuser haben ihre Kaufempfehlung für die Aktie bestätigt, erhöhten aber das Kursziel. Equinet und UBS nannten 46 Euro als fairen Wert, das Bankhaus Lampe lag mit 45 Euro leicht darunter. Der Kurs stieg um neun Prozent auf 41,75 Euro.

 

Der britische Wasserversorger und Entsorger Severn Trent plc legte die Ergebnisse des Halbjahrs zum 30. September vor. Der Gruppenumsatz ist den Angaben zufolge um elf Prozent auf 1,006 Milliarden Pfund gestiegen, der Vorsteuergewinn kletterte um 14,6 Prozent auf 151,1 Millionen Pfund. Für das verwässerte Ergebnis pro Aktie ergibt sich ein Zuwachs um 12,5 Prozent auf 34,1 pence. Während Umsatz und Gewinn in der größten Sparte Severn Trent Water nur moderat um vier bis fünf Prozent wuchsen, legte der Entsorgungsbereich Biffa beim Umsatz 19,8 Prozent zu, der Bereich Services konnte hingegen mit einer deutlichen Gewinnsteigerung aufwarten. Analysten von Lehman Brothers hatten zuvor schwächere Ergebnisse erwartet; nach Vorlage der Zahlen erhöhten sie das Kurziel auf 770 pence, Anleger sollten die Aktie "übergewichten". Goldman Sachs stuften das Papier mit "outperform" ein. Der Kurs kletterte um fünf Prozent auf 759,5 pence.

 

Tomra Systems ASA kündigte die Schließung einer Fabrik in Heinola (Finnland) an. Der Automatenhersteller aus Norwegen will damit seine Produktivität erhöhen. Tests mit Rücknahmeautomaten für Einweg-Getränkeverpackungen in Deutschland hätten gezeigt, dass der Markt vollständig von Norwegen aus bedient werden könne. Ein weiterer Betrieb mit eigener Forschung, Entwicklung und Produktion sei daher nicht erforderlich. Die finnischen Aktivitäten würden in Norwegen weitergeführt. Tomra erwartet einmalige Kosten von 35 Millionen Norwegischen Kronen im laufenden Geschäftsquartal aus dieser Maßnahme, die danach zu jährlichen Einsparungen von 25 bis 30 Millionen Kronen führen soll. Die Aktie verteuerte sich in Oslo um zwei Prozent auf 40 Kronen.

 

Um fünf Prozent auf 23,70 Dollar stieg der Kurs des US-amerikanischen Kaffeerösters Green Mountain Coffee Roasters Inc. Das Unternehmen aus Waterbury hatte mitgeteilt, dass die Supermarktkette Stop & Shop Supermarket Co. künftig Bio-Kaffee von Green Mountain in 330 ihrer Geschäfte anbieten wird.

 

Starke Schwankungen zeigte der Kurs der Evergreen Solar Inc. Die Aktie fiel zeitweilig unter 1,50 Dollar, notierte aber am Freitagabend wieder bei 1,83 Dollar - drei Prozent niedriger als vor einer Woche. Der Solarzellenhersteller aus Marlboro (USA) hatte bereits in der Vorwoche eine Veränderung im Vorstand bekannt gegeben. Nun wurde der bisherige CEO Mark A. Farber abgelöst und durch Richard M. Feldt ersetzt. Evergreen plane, die Produktionskapazität in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zu vervierfachen. Hierfür sei ein CEO mit langjähriger Erfahrung in der Führung schnell wachsender Unternehmen nötig, hieß es in der Mitteilung. Feldt war zuvor CEO bei Perseid. Farber bleibt dem Unternehmen als Direktor für Marketing und Geschäftsentwicklung erhalten.

 

Vorstandswechsel auch beim US-amerikanischen Immobilien-Finanzierer Freddie Mac: Neuer CEO ist Richard F. Syron. Er löst Gregory J. Current ab. Freddie Mac war zuvor aufgrund von Bilanzfälschungen in die Schlagzeilen geraten.

 

Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)

General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)

Green Mountain Coffee Roasters Inc. (ISIN US3931221069 / WKN 887856)

MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)

NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)

Severn Trent plc (ISIN GB0000546324 / WKN 878228)

Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)

Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)

Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)

Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)

Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)

Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)

 

Bildnachweis: NEG Micon-Turbinen der 2 MW-Klasse in Wulfshagen / Quelle: Unternehmen

 

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.