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Nachhaltige Aktien 17.02.2005

17.2.2005: Ein Bauernhof als Aktiengesellschaft. Wie geht das? ECOreporter.de-Interview mit Kornelius Burgd?rfer-Bensel, Landwirt und Vorstand der Hof am Weiher AG

Ein Bauernhof als Aktiengesellschaft, geht das? Die Betreiber des Biolandhofes "Hof am Weiher AG" in Albessen, Westpfalz, haben es ausprobiert und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der 1987 gegr?ndete ?kobetrieb hat 93 Aktion?re und produziert ein breites Angebot an Lebensmitteln, die fast ausschlie?lich an Endverbraucher verkauft werden. ECOreporter.de sprach mit Kornelius Burgd?rfer-Bensel, Landwirt und Vorstand der Hof am Weiher AG.

 

 

ECOreporter.de: Herr Burgd?rfer-Bensel, Sie leiten einen Bauernhof als Aktiengesellschaft. Wie kamen Sie auf die Idee, eine AG zugr?nden, nicht einen Verein oder eine andere Gesellschaftsform?

 

Kornelius Burgd?rfer-Bensel:Das war eine Entwicklung ?ber mehrere Stufen: Zun?chst hatten wir einen Verein, den gab es schon vor Gr?ndung des Hofes. Der Vereinszweck war erst einmal die Gr?ndung des Hofes. Zwischenzeitlich haben wir es dann auch noch mit einer Landwirtschaftsgemeinschaft versucht. Unsere Erfahrung mit diesen teils oder vollst?ndig "ehrenamtlichen" Strukturen wiederholte sich aber: Es war zu wenig "Zug" drin. Letztlich blieb doch alles an meiner Frau und mir h?ngen.

 

Am Ende spitzte sich unsere Situation zu; wir waren schon kurz vor der Pleite, da brach die Gemeinschaft auseinander. Das war unser Einstieg in eine andere Rechtsform. Mit der Entscheidung bin ich bis heute sehr zufrieden. Und ich habe herausgefunden: Die Aktiengesellschaft ist im Grunde eine optimale Gesellschaftsform. Sie bietet auf der einen Seite sicheres Kapital für das Unternehmen, gleichzeitig k?nnen die Anteile einfach ?bertragen werden.

 

 

ECOreporter.de: Ist eine Aktiengesellschaft nicht teuerer als andere Gesellschaftsformen?

 

Burgd?rfer-Bensel:Teuer war eigentlich vor allem die Gr?ndung der Gesellschaft, da brauchten wir einen Wirtschaftspr?fer, einen Notar und einen Gutachter. Jetzt reicht der Steuerberater. Aufwendig sind nat?rlich die Sitzungen des Aufsichtsrates, auf der anderen Seite gibt es da eine Art von Verbindlichkeit, die den Aufwand wert ist. Mein Fazit ist: Blo? um eine neue Rechtsform zu bekommen sollte man keine AG gr?nden. Das lohnt sich nur, wenn es langfristige Ziele gibt.

 

 

ECOreporter.de: Wie sind die Stimmrechtsverh?ltnisse in der Gesellschaft?

 

Burgd?rfer-Bensel:Meine Frau und ich halten etwa ein Drittel der Aktien. Daneben gibt es 93 Kleinaktion?re, davon hat der gr??te cirka 16.000 Euro investiert. Unter unseren Aktion?ren sind viele Kunden, Freunde, Bekannte und Verwandte. Externe Investoren haben wir bisher nur sehr wenige.

 

 

ECOreporter.de: Was für Aktien haben Sie emittiert?

 

Burgd?rfer-Bensel:Wir haben uns für St?ckaktien als vinkulierte Namensaktien entschieden. Ganz gezielt, wir wollten Verbindlichkeit schaffen. Uns ist wichtig, dass wir neue Aktion?re auch pers?nlich kennen lernen. Das kann zu Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung f?hren, das wissen wir. Im Aufsichtsrat gab es dazu immer wieder Diskussionen, das Thema besch?ftigt uns.

 

 

ECOreporter.de: Wie aktiv sind die Beteiligten, nehmen sie an den Hauptversammlungen der Gesellschaft teil?

 

Burgd?rfer-Bensel:Zu unseren Hauptversammlung kamen in den letzten Jahren regelm??ig zwischen 20 und 30 Teilnehmer. Das sind in der Regel auch die Aktion?re, die mehr Geld investiert haben. Bei uns gibt es ja auch eine ganze Reihe von Engagements im Bereich von 100 Euro Betr?gen. Die durchschnittliche Beteiligung liegt bei 2000 Euro.

 

 

ECOreporter.de: Aktion?re einer Aktiengesellschaft erwarten im Allgemeinen eine Rendite aus ihrem Investment. Welche Rendite bieten Sie Ihren Anteilseignern?

 

Burgd?rfer-Bensel:F?r die ersten Jahre haben wir sehr betont, dass nicht viel zu holen ist. Inzwischen m?ssen wir uns aber mit der Frage auseinandersetzen. Die Diskussion dar?ber geht bei uns zur Zeit in Richtung auf Wertgutscheine für Eink?ufe auf dem Hof. Auf diese Weise w?rden die Ertr?ge an das Unternehmen zur?ck flie?en. Wir werden Gewinn machen. ?bersch?sse von 10.000 Euro und mehr sind aber im Moment nicht realistisch.

 

Der Markt für Biolebensmittel ist nicht einfach: Es gibt sehr starken Preisdruck, zum Beispiel beim Getreide. Wir wollen deshalb als n?chstes in die Veredelung investieren. Es soll eine Legehennen- und eine Schweinehaltung aufgebaut werden. Die Mittel aus der letzten Kapitalerh?hung sind für den Bau eines neuen Rinderstalles vorgesehen.

 

 

ECOreporter.de: Welches Volumen hatten die bisherigen Kapitalerh?hungen? Zu welchem Preis wurden die Aktien emittiert?

 

Burgd?rfer-Bensel:Der Ausgabepreis bei der ersten und zweiten Kapitalerh?hung war ein Euro je Aktie. Wir haben im ersten Schritt 156.000 Euro erl?st, im zweiten 40.000 Euro. Die n?chste Kapitalma?nahme streben wir in sp?testens zwei Jahren an, das werden dann cirka 80.000 Euro sein. Ein genehmigtes Kapital daf?r gibt es schon.

 

 

ECOreporter.de: Wie hoch ist das aktuelle Eigenkapital?

 

Burgd?rfer-Bensel:Zum Ende des Wirtschaftsjahres 2004 bel?uft es sich auf cirka 200.000 Euro.

 

 

ECOreporter.de: Die Bilanz 2003 weist erhebliche langfristige Verbindlichkeiten aus, konnten Sie die durch die Einnahmen aus der Kapitalerh?hung verringern?

 

Burgd?rfer-Bensel:Nein. Im Gegenteil, wir werden sogar neue Darlehen aufnehmen m?ssen; sonst k?nnen wir die M?glichkeit nicht nutzen, drei gut gehende Wochenm?rkte in Kaiserslautern zu beliefern. Daf?r m?ssen wir investieren, aber es wird neues Wachstumspotential daraus entstehen.

 

 

ECOreporter.de: Geh?rt die bewirtschaftete Fl?che der AG, oder sind die Fl?chen gepachtet?

 

Burgd?rfer-Bensel:Bis auf drei Hektar sind die Fl?chen gepachtet. Der weitere Fl?chenerwerb ist nat?rlich ein wichtiges Ziel für die Zukunft. Allerdings wird das unsere Rentabilit?t nicht steigern, die Rendite für Verp?chter liegt bei uns in der Gegend unter drei Prozent!

 

 

ECOreporter.de: Was für eine Betriebsgr??e streben Sie langfristig an?

 

Burgd?rfer-Bensel:Das ist schwer zu sagen. Noch vor 15 Jahren galten 25 Hektar in unserer Gegend als sch?ne Gr??e für einen Betrieb. Heute ist unser Betrieb mit 70 Hektar nach wie vor eher klein. Die Effektivit?t in der Landwirtschaft l?sst sich aber nur mit mehr Fl?che steigern. Vor allem wollen wir aber bei der Vermarktung wachsen. Und wachsen m?ssen wir wohl, um konkurrenzf?hig zu bleiben. Die Basis für das Wachstum sollte aber der Absatz sein.

 

 

ECOreporter.de: Nach einem Verlust in 2002 haben Sie 2003 einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Was für ein Ergebnis erwarten Sie für das Gesch?ftsjahr 2004?

 

Burgd?rfer-Bensel:Wahrscheinlich wird es einen kleinen Verlust von cirka 2000 Euro geben. M?glicherweise auch eine Schwarze Null, das h?ngt ganz von der Vermarktung der Lagerbest?nde ab.

 

ECOreporter.de: Herr Burgd?rfer-Bensel, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!

 

Weitere Informationen zur Hof am Weiher AG finden Sie hier:

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