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Nachhaltige Aktien 18.06.2001

18.6.2001: ECOreporter.de-Interview mit Bernd Weber, ab 1. Juli neuer Vorstand der Hamburger Janosch film & medien AG: "Wir sehen den Medienmarkt nicht als das Geschäft der bunten Bilder!"

Bernd Weber und Claudia Grett übernehmen vom 1. Juli 2001 an die Leitung der Janosch film & medien AG. Sie lösen Dr. Ulrich Kypke ab, der bislang für den Aufbau des Unternehmens verantwortlich war.

ECOreporter.de:

Herr Weber, haben Sie schon eine Wohnung in Hamburg?

 

Weber:

Nein.

 

ECOreporter.de:

Wann fiel die Entscheidung, dass Sie Vorstand bei der Janosch AG werden?

 

Weber:

Sie fiel im Frühjahr - als sich abzeichnete, dass sich eine geeignete Nachfolge bei unit energy finden würde.

 

ECOreporter.de:

Dass Sie das Vorstandsmandat bei unit energy aufgegeben haben, bezeichneten viele als unvorhergesehen, auch Aktionäre waren erstaunt. Hat Sie diese Reaktion überrascht?

 

Weber:

Unvorhergesehen mag es für viele gewesen sein. Das heißt aber nicht, dass es ungeplant war. Viele Aktionärinnen und Aktionäre kennen mich auch persönlich - und sie wissen, dass ich nicht zu hektischen, unüberlegten Aktionen neige.

 

Wer die Geschichte der unit energy verfolgt, der weiß, daß ich von der Position des Aufsichtsratsvorsitzenden in den Vorstand gewechselt bin, als das Unternehmen in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet. Ich bin mit dem Ziel angetreten, das Überleben des Unternehmens zu sichern. Das ist gelungen. Mein Vorstandskollege Zdenek Lomecky und ich haben die ersten harten Sanierungsschritte gemeinsam gemacht. Wir haben Partner gefunden. Und wir haben im vergangenen Jahr die Produktionskapazität der unit energy verdreifacht. Damit sind noch nicht alle Fragen gelöst. Aber uns beiden war auch klar, dass für die unit energy mittelfristig eine andere Führungsspitze geeigneter ist. Darum begannen wir rechtzeitig mit dem Aufsichtsrat die Diskussion über eine Nachfolge. Im April wurde diese Diskussion abgeschlossen und ein neuer Vorstand wurde eingesetzt. Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß solche Dinge im Stillen ablaufen. Schließlich hatten mein Kollege Lomecky und ich bis zum Schluß unsere Aufgaben zu erledigen.

 

Die Reaktion der Aktionärinnen und Aktionäre kann mich darum nicht überraschen. Ich bin jedoch davon überzeugt, daß sie sehen werden, daß diese Entscheidung richtig war.

 

ECOreporter.de:

Sie wechseln von der Strom- in die Medienbranche. Was liegt Ihnen vom Gefühl her näher?

 

Weber:

In die Strombranche bin ich durch mein Engagement bei ökologisch orientierten Unternehmen und die Krise bei unit energy hineingestoßen worden. Ich bin gelernter Journalist, habe ein Medienunternehmen mit aufgebaut - das ist der Beruf, den ich gewählt habe.

 

ECOreporter.de:

Es hat verschiedentlich Kritik daran gegeben, daß Janosch die Rechte an seinem Werk für viel Geld verkauft hat, aber selbst kaum Aktien der Janosch film & medien AG habe. Ist diese Kritik berechtigt?

 

Weber:

Zum einen ist es für mich nicht die Frage, ob Janosch viel oder wenig Geld für sein Werk bekommen hat. Die Frage ist doch vielmehr: Sind die erworbenen Rechte ihr Geld wert? Und da reden wir immerhin über den größten Teil des Lebenswerks von Janosch, einem der bedeutendsten Künstler und Autoren deutscher Sprache. Mein Urteil ist da ganz klar: Die Rechte sind ihr Geld wert.

 

Zum anderen: Der weit überwiegende Teil des Kaufpreises wird nicht in bar, sondern in Aktien der Janosch film & medien AG bezahlt. Janosch wird also nach dem Mehrheitsgesellschafter B.A.U.M. AG der größte Aktionär werden. Klarer kann Janosch sein Engagement und sein Vertrauen in die Zukunft der Janosch film & medien AG nicht zeigen.

 

ECOreporter.de:

Die Janosch AG ist jung. Welche Perspektive sehen Sie selbst für sich mit diesem Unternehmen: Wird es ein Engagement von der Dauer wie bei unit energy?

 

Weber:

Nein. Die Aktionärinnen und Aktionäre der Janosch film & medien AG werden sich wohl für etwas länger an mich gewöhnen müssen. Da sie ja alle B.A.U.M.-Aktionäre sind, kennen mich schon viele. Dieses Unternehmen werden meine Vorstandskollegin Claudia Grett und ich aufbauen - zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit den Aufsichtsräten und den Aktionären. Das geht nicht im Schnellverfahren.

 

ECOreporter.de:

Wo sehen Sie die Stärken der Janosch AG? Was unterscheidet die Janosch AG von den Mitbewerbern?

 

Weber:

Wo soll ich anfangen? Die größte Stärke heißt Janosch. Das ist sein Werk. Das ist die Marke Janosch mit einer überwältigenden Bekanntheit in Deutschland. Und das ist ein Janosch, der vor Ideen und Schaffungskraft sprüht - und von dem wir noch eine Menge zu erwarten haben.

 

Wir haben die einmalige Gelegenheit, dieses grandiose Lebenswerk zusammenzufassen, zu ordnen und auszuwerten. Das sind 230 Stoffe! Welches Unternehmen hat so umfassende Rechte? Wer hat ein solches Werk mit einer solchen Bekanntheit in der Hand? Dabei gibt es auch für viele noch unentdeckte Aspekte von Janosch: Da sind beispielsweise seine Erwachsenenromane und seine künstlerischen Arbeiten. Das wollen wir stärker ins öffentliche Bewußtsein rücken. Und natürlich wollen wir damit auch Geld verdienen.

 

Auch bei Rechten, die wir nicht selbst besitzen, verdienen wir mit: Die Bavaria Sonor GmbH besitzt einen Großteil der Merchandisingrechte - aber von jeder Mark, die Bavaria Sonor daraus einnimmt, fließt der größte Teil an uns. Jeder Tigerentenbleistift, jeder Kleiner Tiger-Kinderwagen, jede Janosch-Plüschfigur bringt auch uns Geld. Das ist eine sehr solide Basis. Die Banken sehen das genauso: Darum hat B.A.U.M. für den Erwerb der Rechte einen hohen Kredit bekommen. Das ist einer der großen Erfolge des jetzigen Vorstands Dr. Ulrich Kypke, der in den Aufsichtsrat wechselt.

 

Eine Stärke ist auch die breite Aktionärsbasis, die dieses Unternehmen trägt. Das ist etwas, was sich viele andere Unternehmen erst erarbeiten müssen.

 

Von vielen Mitbewerbern unterscheidet uns auch, dass wir nicht einfach die Rechte lizenzieren, sondern dass wir auch selbst produzieren. Damit decken wir einen großen Teil der Wertschöpfungskette ab. Ein erster, wichtiger Anfang ist unsere 85-prozentige Beteiligung an der Papa Löwe Filmproduktion. Diese Gesellschaft produziert die Zeichentrickfilme für die beliebteste deutsche Kindersendung, den Tigerentenclub. Und dort werden künftig auch Kinofilme produziert.

 

Nicht nur davon, sondern auch von anderen neuen Produktion unserer Gesellschaften wird man noch eine Menge hören. Wir werden dabei alle Kanäle nutzen - auch verstärkt die neuen Medien. Und wir werden ins Ausland gehen. Dort kennt man Janosch zwar in einzelnen Ländern - aber das Potential ist riesig.

 

ECOreporter.de:

Die nächste Frage liegt auf der Hand: Wo sehen Sie die Schwächen der Janosch AG?

 

Weber:

Wir sind eine Gesellschaft im Aufbau. Es wird vor allem darauf ankommen, die richtigen Menschen für den Aufbau zu finden. Der Name Janosch hat eine große Anziehungskraft und es ist beeindruckend zu sehen, wer alles gern mit uns zusammen arbeiten würde. Es wird sehr wichtig sein, die richtigen Menschen und Unternehmenspartner auszusuchen. Eines unserer Ziele ist es, Janosch international bekannt zu machen. Wir haben zwar gesicherte Anhaltspunkte dafür, wo und wie wir ansetzen müssen. Aber diese riesige Chance birgt natürlich auch Risiken. Meine Vorstandskollegin Claudia Grett bringt viel internationale Erfahrung und eine Menge Kontakte mit.

 

Ich will aber nicht verhehlen, dass wir auch die Risiken unseres Geschäfts sehen. Wir haben uns darauf verständigt, auch einmal ein auf den ersten Blick lukratives Geschäft auszuschlagen zugunsten eines sehr überlegten und strategisch orientierten Firmenaufbaus. Auch, wenn uns dies kurzfristig einmal die eine oder andere Umsatzmark kostet.

 

ECOreporter.de:

Der Medienmarkt ist ja nur oberflächlich das Geschäft der bunten Bilder. In Wirklichkeit geht es vor allem um Rechtehandel. Woher bekommt die Janosch AG die juristische Kompetenz?

 

Weber:

Halt! Wir sehen den Medienmarkt nicht als das Geschäft der bunten Bilder. Dafür steht Janosch nicht. Und dafür steht weder der scheidende noch der neue Vorstand - und ich glaube, dafür steht auch nicht die Mehrzahl unserer Aktionärinnen und Aktionäre. Janosch ist seit Jahrzehnten erfolgreich. Das schafft man nicht mit bunten Bildchen, sondern nur mit Inhalten, die lange Zeit überdauern. Diese Inhalte und die damit vermittelten Werte sind der eigentliche Kern. Daran orientieren wird uns. Darum ist die Janosch film & medien AG eben kein Rechtehändler. Wir werden ein medienübergreifendes Family Entertainment-Unternehmen aufbauen, das stetig weitere eigene Rechte schafft. Medienübergreifend heißt: Es wird nicht nur Bücher und TV-Zeichentrickfilme geben, sondern auch Kinofilme, einen verstärkten Internetauftritt, Live-Events und, und, und. Orientiert an den Bedürfnissen der ganzen Familie schaffen wir Erlebniswelten.

 

Um auf den zweiten Teil der Frage einzugehen: Wir sind erst wenige Mitarbeiter - aber die Juristin Sylvia Sobanek ist von Anfang an dabei. Wir haben spezialisierte juristische Berater. Und mit dem Jurist Norbert Klingner sitzt ein renommierter Medienrechtsfachmann bei uns im Aufsichtsrat. Klar ist die juristische Seite wichtig. Darum haben wir uns hier gut gerüstet.

 

ECOreporter.de:

Viele Janosch-Aktionäre sind B.A.U.M.-Aktionäre. Und sie sind das, weil sie mit ihrer Geldanlage etwas für die Umwelt tun wollen. Wo ist das Umweltengagement der Janosch AG?

 

Weber:

In vielen, vielen Janosch-Werken findet sich der Grundgedanke der Bewahrung der Natur. Emil Grünbär und seine Bande verkörpern das Umweltengagement geradezu. Mit dem Werk von Janosch kann man diese Gedanken besser als auf irgend eine andere Weise in die Köpfe und Herzen der künftigen Generationen tragen. Mal ehrlich: Ist das nicht eine unglaublich reizvolle und wirkungsvolle Sache für ökologisch orientierte Menschen - ob als Vorstand oder als Aktionär? Aber das ist nur ein Teil der Antwort. Ich meine, Ökologie und Ethik gehören zusammen. Unsere Aktionärinnen und Aktionäre setzen sich für den Schutz der Umwelt ein, weil sie wissen, dass ihre Bewahrung nicht nur eine Überlebensfrage ist, sondern auch eine ethische Frage. Das weiß ich aus vielen Diskussionen. Und ich weiß aus diesen Gesprächen auch, dass diese ethischen Überlegungen nicht beim Umweltschutz halt machen. Ethik ist auch eine Frage des Zusammenlebens und der Erziehung. Mir fällt kein Kinderbuch-Autor ein, der sich mit dieser Vehemenz und dieser Breite dafür eingesetzt hat.

 

ECOreporter.de:

Welche Umsatz- und Gewinnziele für die Janosch AG haben Sie sich für 2001 und 2002 gesetzt?

 

Weber:

Für 2001 sind 5,3 Millionen Euro Umsatz prognostiziert bei einer "schwarzen Null"; 2002 sollen es 7,3 Millionen Euro Umsatz sein bei einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro. Naturgemäß sind diese Prognosen bei einem jungen Unternehmen mit besonderen Unsicherheiten behaftet.

 

Nach meinen vielfältigen Erfahrungen im ökologischen Investment kann ich nur sagen: Ein behutsames, strategisch angelegtes Vorgehen ist uns wichtiger als die schnelle Mark. Claudia Grett und ich werden in den kommenden Wochen unsere Strategie festzurren und dann legen wir zügig los.

 

ECOreporter.de:

Wohin man auch geht: Janosch-Figuren sind schon da. Auf Tellern, in Büchern, im Fernsehen, Sie wollen sie auch ins Kino bringen. Da droht doch langsam eine gewisse Tigerenten-Übersättigung...

 

Weber:

Vielen Dank für Ihre Einschätzung der Kraft der Janosch-Figuren. Richtig ist: Es gibt kaum ein Kind, das diese Figuren nicht liebt. Und es gibt kaum Eltern, die ihren Kindern diese Figuren nicht ruhigen Gewissens geben. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob es eine Tigerenten-Übersättigung gibt. Vielleicht ist das so. Aber zum einen gibt es immer wieder eine nachwachsende Kindergeneration, die sich genauso ungebrochen für Janosch begeistern kann wie die vorige. Und zum anderen gibt es so viele Janosch-Figuren, die noch nicht so bekannt sind wie die Tigerente. Denken Sie an tolle Figuren wie Papa Löwe und seine Familie, den Kastenfrosch, Kaspar Mütze... Da gibt es auch in Deutschland noch ein großes Potential. Und dann ist da noch das Ausland.

 

ECOreporter.de:

Bei der unit energy haben Sie eine Börseneinführung hinter sich. Wann bringen Sie Janosch auf¥s Parkett?

 

Weber:

Wenn alles zusammenpaßt: die Situation der Firma, das Klima an der Börse, der Wille unserer Aktionäre. Nicht früher, aber auch nicht später. Die Planung sieht den Börsengang für Herbst 2002 vor.

 

ECOreporter.de:

Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch!

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