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Nachrichten 20.12.2002

20.12.2002: "Markt für Brennstoffzellen erst ab 2010" - ECOreporter.de-Interview mit DaimlerChrysler-Sprecher Kleinert

Der DaimlerChrysler-Konzern hebt seine Nachhaltigkeitsstrategie auch öffentlich immer stärker hervor: ECOreporter.de fragte Matthias Kleinert (Bild), den Generalbevollmächtigten von DaimlerChrysler für Politik und Außenbeziehungen, warum der Konzern für seine PKW keine Dieselrußfilter verwendet, eine Brennstoffzellen-Beteiligung verkauft hat und in Stuttgart weniger Steuern zahlt als der wesentlich kleinere Sportwagen-Hersteller Porsche.

 

ECOreporter.de: Im November 2002 hat die DaimlerChrysler AG einen Bericht über ihr gesellschaftliches Engagement vorgelegt... Dabei haben Sie erklärt, DaimlerChrysler bekenne sich zum integrierten Umweltschutz. Was bedeutet das "integriert"?

 

Kleinert:Umweltschutz ist für uns kein Thema im Wettbewerb mit vielen anderen, sondern ein zentrales Unternehmensziel. Es zieht sich von der Planung eines Produktes durch den gesamten Fertigungsprozess bis zum Recycling am Ende des Lebenszyklus durch die ganze Prozeßkette. "Integriert" bedeutet, dass der Umweltschutz dabei integraler Bestandteil der auf langfristige Wertschöpfung ausgerichteten Unternehmensstrategie ist.

 

ECOreporter.de: Schon lange kündigt die Automobilindustrie Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb an. DaimlerChrysler hat jedoch den Brennstoffzellen-Produzenten Xcellsis jüngst an Ballard Power abgegeben, Kapazitäten wurden dabei zurückgefahren. Hat DaimlerChrysler die Hoffnung auf den nahen Einsatz der Brennstoffzellen aufgegeben?

 

Kleinert:Wir unterstützten die Unternehmensstrategie von Ballard, Funktionalbereiche zusammenzufassen und sich von einem forschungsorientierten hin zu einem kundenorientierten Unternehmen zu entwickeln. DaimlerChrysler selbst arbeitet mit Nachdruck an der Brennstoffzellentechnologie sowie an anderen alternativen Antriebssystemen und sieht sich als Pionier und technologischer Führer auf diesem Gebiet. Wir sind überzeugt, dass die Marktreife dieser Technologie am besten in einer strategischen Allianz mit unseren Partnern Ballard und Ford zu realisieren ist und halten eine Zusammenarbeit der führenden Automobilhersteller für unerlässlich, um die noch anstehenden Aufgaben wie z. B. die Errichtung einer geeigneten Infrastruktur zu bewältigen. Die Brennstoffzellenfahrzeuge von DaimlerChrysler haben inzwischen das Forschungsstadium verlassen, und man befindet sich in der Phase der Felderprobung und Praxistests, um die Entwicklung zur Serienreife voranzutreiben. In 2003 werden beispielsweise 30 Mercedes-Benz Citaro Busse mit Brennstoffzellenantrieb in 10 europäischen Städten im öffentlichen Nahverkehr zum Einsatz kommen. Eine Marktdurchdringung - und da sind sich alle Hersteller einig - wird erst ab 2010 zu erwarten sein. Bis dahin müssen neben technischen Herausforderungen hinsichtlich Kosten, Gewicht und Lebensdauer auch die Fragen des Kraftstoffes und der dazu notwendigen Infrastruktur geklärt sein.

 

ECOreporter.de: Sie wollen den Flottenverbrauch der DaimlerChrysler-Fahrzeuge jedes Jahr um 0,2 Liter pro 100 Kilometer senken. Hand auf"s Herz: reicht das, um die Erwärmung des Erdklimas abzuwenden?

 

Kleinert:Die Senkung des Flottenverbrauchs ist ein Beitrag zur Verringerung der Emissionen, aber wenn man bedenkt, dass der Verkehr zum Beispiel im Jahr 2001 einen Anteil von 19% an den anthropogenen CO2 -Emissionen hat, wird klar, dass auch an anderer Stelle etwas getan werden sollte. Im übrigen arbeiten wir auch daran, Kraftstoffe aus Pflanzen zu gewinnen. Mit diesen entsteht kein zusätzliches Kohlendioxid.

 

ECOreporter.de: Jeder dritte Neuwagen in Deutschland ist ein Diesel. Vor allem der feine Dieselruß hat sich in vielen wissenschaftlichen Studien immer wieder als gefährlich herausgestellt. Er kann Krebs erzeugen und vermutlich sogar Herzinfarkte auslösen. Peugeot bietet mittlerweile serienmäßig Partikelfilter an. Deren Wirksamkeit und Zuverlässigkeit wurde vom ADAC zusammen mit dem Umweltbundesamt beim RWTÜV Essen geprüft, mit beeindruckendem Erfolg. Wann wird DaimlerChrysler seine Fahrzeuge mit Rußpartikelfiltern ausrüsten? Immerhin hat DaimlerChrysler schon vor 20 Jahren einen Anlauf genommen, solche Filter herzustellen...

 

Kleinert:Partikelfilter werden wir künftig da einsetzen, wo sie hilfreich sind, die strengen Abgasgrenzwerte der EU-4-Richtlinie zu erfüllen und gleichzeitig unserem ganzheitlichen Konzept zur Abgas- und Verbrauchsreduzierung dienen. Denn unser Ziel ist es, den Ausstoß gasförmiger Schadstoffe als auch die Partikel-Emissionen zu senken, ohne dabei andere wichtige Umweltschutzziele wie zum Beispiel die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs außer acht zu lassen. Die Partikel-Emissionen der Mercedes-Benz Personenwagen konnten in den vergangenen Jahren um mehr als 80 Prozent gesenkt werden. Im Mittelpunkt der Entwicklung stehen dabei Partikelfilter, die auf die Verwendung von Zusatzstoffen verzichten. Die Erfahrungen, die Mercedes-Benz in den Achtzigerjahren beim Einsatz von Partikelfiltern in den nach Kalifornien gelieferten Diesel-Personenwagen sammelte, bilden dabei eine wichtige Grundlage der heutigen Entwicklungsarbeiten. Die modernen CDI-Motoren von Mercedes-Benz werden das Ziel deutlich vor Inkrafttreten der EU-4-Abgaslimits (ab 2005) erreichen.

 

ECOreporter.de: DaimlerChrysler strebt das Ziel an, Umweltbelange mit sozialen und wirtschaftlichen Zielen zu verbinden. Als Beispiel verweisen Sie auf ein Kokosfaser-Projekt in Brasilien. Hierbei seien neue Waldflächen entstanden, die 27.000 Tonnen der gefährlichen Treibhausgase absorbieren. Welche dieser "gefährlichen Gase" werden absorbiert?

 

Kleinert:Es geht bei dem Kokosfaserprojekt, genannt POEMA ("Programm Armut und Umwelt in Amazonien") nicht nur um die Bindung von CO2 in Biomasse. Auch die absolute Menge an gebundenem CO2 ist vor dem Hintergrund, dass dieses Projekt Modellcharakter hat, zweitrangig. Mit POEMA zeigen wir seit 10 Jahren erfolgreich, wie man soziale und ökologische Belange zur Renaturierung des Regenwaldes vereint. Sie kennen sicher genug Projekte, die an dem Ziel der langfristigen Wiederaufforstung gescheitert sind. Wir haben mit POEMA mitgeholfen, die Grundlage für eine sozial und ökologisch nachhaltigen Nutzung des tropischen Regenwaldes zu legen.

 

ECOreporter.de: 27.000 Tonnen wären etwa 0,016 Prozent der 168 Millionen an Treibhausgasen, die der deutsche Straßenverkehr jährlich verursacht. Wie viele solcher Projekte wollen Sie in den nächsten Jahren starten?

 

Kleinert:DaimlerChrysler versteht solche Projekte als Teil seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung, die weit über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgeht. Wir haben nicht nur in Brasilien, sondern auch in Südafrika solche Projekte angestoßen, und es werden weitere Projekte beispielsweise in Asien folgen. Im übrigen ist das POEMA-Projekt nicht auf die Senkung von CO2-Emissionen angelegt, sondern schafft für die Menschen in der Region eine Lebensgrundlage.

 

ECOreporter.de: Wendelin Wiedeking, Vorstandschef von Porsche, weist immer wieder darauf hin, dass der Sportwagen-Hersteller und nicht etwa DaimlerChrysler in Stuttgart die meisten Gewerbesteuern zahlt. Er sieht sein Unternehmen in der Pflicht, auch als Steuerzahler seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Inwiefern vertritt DaimlerChrysler eine andere Einschätzung, und wenn, wie verträgt sie sich mit Ihrem Anspruch, ein "Good Corporation Citizen" zu sein?

 

Kleinert:Gesellschaftliche Verantwortung ist ein Thema, das wir bei DaimlerChrysler sehr ernst nehmen. Wir können auch auf Zeiten verweisen, als wir der größte Steuerzahler Europas waren, ohne uns dafür besonders selbst auf die Schulter zu klopfen. Die steuerliche Betrachtung ist nur ein Teilaspekt der gesamtwirtschaftlichen Unternehmensleistung für das Gemeinwesen. Und da leistet unser Unternehmen mit seinen weltweit über 370.000 Mitarbeitern einen erheblichen Beitrag. Wir haben bei der Vorstellung unseres Berichtes "Verantwortung in der Gesellschaft - Verpflichtung für die Zukunft" äußerst positive Reaktionen, auch von Seiten der Politik, bekommen. Wir verstehen uns mit unserer Mitwirkung am Global Compact und an weiteren Vereinbarungen wie dem Code of Conduct überall in der Welt, wo wir vertreten sind, als Mitbürger in einer sozialen Verantwortungsgemeinschaft.

 

ECOreporter.de: Herr Kleinert, wir danken für das Gespräch!

 

 

Biographie

 

Matthias Kleinert ist Generalbevollmächtigter für Politik und Außenbeziehungen der DaimlerChrysler AG

 

Geboren am 9. März 1938 in Berlin, aufgewachsen in Besigheim/Baden-Württemberg, absolvierte er 1958 in Bietigheim das Abitur. Danach studierte er Politische Wissenschaften an der Deutschen Hochschule für Politik an der Freien Universität Berlin, 1963 legte er sein Examen als Diplom-Politologe ab.

 

Von 1964 bis 1969 war Matthias Kleinert wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Zentralstelle für Gesamtdeutsche Hochschulfragen. 1969 trat er in die Redaktion des Senders RIAS Berlin ein.

 

1972 übernahm Kleinert die Leitung der Pressestelle der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag und 1975 wurde er zum Parlamentsrat ernannt. 1978 berief ihn Ministerpräsident Lothar Späth zum Sprecher der Landesregierung von Baden-Württemberg und Leiter der Abteilung für Grundsatz, Planung und Information im Staatsministerium Baden-Württemberg.

 

Von Juni 1984 bis Ende 1987 war Matthias Kleinert Politischer Staatssekretär im Staatsministerium und Sprecher der Landesregierung Baden-Württemberg. Seit 1. Januar 1988 leitete Matthias Kleinert bei Daimler-Benz (heute DaimlerChrysler AG) den Direktionsbereich "Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftspolitik". 1990 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Daimler-Benz AG ernannt. Der Vorstandsvorsitzende Jürgen E. Schrempp berief Matthias Kleinert am 1. Juli 1995 zum Leiter des Ressorts "Politik und Außenbeziehungen". Im neuen DaimlerChrysler-Konzern verantwortet Kleinert das Ressort weltweit außerhalb der NAFTA-Region als Senior Vice President.

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