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Nachhaltige Aktien 21.10.2002

21.10.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Umwelttitel heiß begehrt: Über 100 Prozent Plus bei farmatic - Solaraktien steigen auf breiter Front

(H.K.) Die Konjunkturdaten in den großen Wirtschaftsgebieten der Welt haben sich nochmals leicht verbessert. In der Eurozone ist die Industrieproduktion gestiegen, und auch die Produktivität ist in einigen Ländern wieder gewachsen. Aus den USA wurde ein deutlicher Anstieg der Bautätigkeit gemeldet, besonders im Bereich Einfamilienhäuser. Verbesserte Produktionsdaten meldeten die Volkswirtschaften Japans und vor allem Chinas - hier betrug der Zuwachs gegenüber dem Vormonat 14 Prozent. Fachleute blieben dennoch skeptisch hinsichtlich der Perspektiven der Weltwirtschaft. Zum Teil wurden die Prognosen sogar noch gesenkt. Joseph Stiglitz, Wirtschafts-Nobelpreisträger, befürchtet "sehr negative Folgen" auf die Weltwirtschafts sollte es zu einem Krieg gegen den Irak kommen.

 

Dessen ungeachtet stiegen die amerikanischen und japanischen Indizes um jeweils sechs Prozent. Der deutsche MDAX legte sieben und der DAX acht Prozent zu. Am Neuen Markt stieg der Nemax All Share um 18 Prozent, der Nemax-50 um 21 Prozent. Aktienhändler zeigten sich überrascht von den starken Kursgewinnen. Sie machten Quartalsberichte und Ausblicke einiger großer Industrie-Unternehmen für den breiten Anstieg der Kurse verantwortlich. Die Höhe der Kursgewinne sei so wenig zu begründen wie die vorherigen Abschläge; viel werde nun von der weiteren Berichterstattung der Unternehmen in den kommenden Wochen abhängen, hieß es.

 

Ein besonders deutliches Beispiel für die Stimmung an den Märkten ist die Kursentwicklung der Nortorfer farmatic biotech energy AG (WKN 605192), einer Spezialistin für die großtechnische Umwandlung von Biomasse in Biogas. Die Aktie, die zum Jahresanfang noch um die 16 Euro gekostet hatte, war Anfang Oktober nach Vorstandswechsel und Gewinnwarnung bis auf 0,48 Euro eingebrochen. Am vergangenen Freitag stand der Kurs wieder bei 1,80 Euro. Allein von Montag bis Freitag hat sich der Preis für das Papier mehr als verdoppelt. Das Unternehmen hatte lediglich gemeldet, eines seiner britischen Biogas-Kraftwerke habe einen Umweltpreis erhalten.

 

Ähnlich das Bild bei IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850). Das Berliner Softwarehaus teilte mit, das es einen Auftrag des Bundeslands Bremen erhalten habe. Obwohl zu den Erlösen keine Angaben gemacht wurden, stieg der IVU-Kurs daraufhin um 18 Prozent auf 0,90 Euro, überschritt sogar kurzzeitig die Ein-Euro-Marke. Deutliche Zuwächse gab es auch beim Windparkprojektierer P&T Technology AG (WKN 685280) mit 44 Prozent, bei der Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (WKN 540750) mit 33 und der Dortmunder Harpen AG (WKN 603400) mit 26 Prozent.

 

Solartitel legten auf breiter Front zu. Die Aktien der Solar-Fabrik AG (WKN 661471), Modulhersteller aus Freiburg, stiegen um 37 Prozent; Sunways AG (WKN 733220), Zellenproduzent aus Konstanz, um 26 Prozent, und der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG (WKN 510840) kletterte 15 Prozent. Den stärksten Anstieg hatte der Berliner Modul-Anbieter Solon AG (WKN 724630) zu verzeichnen, der sich um 44 Prozent auf 0,95 Euro verteuerte - dies allerdings unter geringen Umsätzen. In den USA wurden AstroPower Inc. (WKN 912953) um 19 Prozent hochgehandelt und notieren nun wieder über acht Dollar.

 

Den zahlreichen Gewinnern unter den Umweltaktien stehen auch einige Verlierer gegenüber. Die beiden dänischen Windturbinen- Hersteller NEG Micon A.S. (WKN 897922) und Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), der Kölner Entsorger Interseroh AG (WKN 620990), der amerikanische Chiphersteller Transmeta Corp. (WKN 564775) sowie der Biomilch-Produzent Horizon Organic Holding Corp. (WKN 915302) mussten Kursrückgänge hinnehmen. Das Papier der Interface Inc. (WKN 868656), eines Herstellers ökologisch sinnvoller Bodenbeläge, verlor unter extrem hohen Umsätzen am Mittwoch bis auf 1,97 Dollar und stieg am Freitagnachmittag bis auf 3,50 Dollar. Der Schlusskurs von 3,10 Dollar liegt wieder neun Prozent höher als in der Vorwoche.

 

In Deutschland zeichnet sich eine Fortsetzung der Förderung erneuerbarer Energien ab. Der zeitliche Rahmen für Offshore-Windparks soll ausgedehnt werden, für das Marktanreizprogramm "Erneuerbare Energien" wurden zusätzliche Mittel zugesagt. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sollen als Schlüsseltechnologien behandelt werden und ein eigenes Forschungsprogramm erhalten. Die rot-grüne Koalition kündigte an, der Bereich Erneuerbare Energien werde aus dem Wirtschaftsministerium herausgenommen und dem Umweltministerium zugeordnet.

 

Der Vorstand der MVV Energie AG (WKN 725590) sagte gegenüber der Nachrichtenagentur vwd, sein Unternehmen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr einen geschätzten Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielt. Im Vorjahr waren es 1,2 Milliarden gewesen. Auch beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) erwarte er eine Steigerung. Die genauen Zahlen will MVV am 11. Dezember vorlegen. Das Mannheimer Unternehmen investiert vor allem in Kraftwerke, die aus Biomasse Strom und Wärme erzeugen. MVV-Aktien stiegen um drei Prozent auf 14,99 Euro.

 

Tomra Systems ASA (WKN 872535) gab die Ergebnisse des dritten Quartals bekannt. Während die Umsätze des norwegischen Automatenherstellers um drei Prozent gestiegen sind, hat der Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich abgenommen. Das Quartals- Ergebnis pro Aktie liegt jedoch bereits wieder höher als vor zwölf Monaten. Für das Zurückgehen des Gewinns macht Tomra vor allem Währungseinflüsse verantwortlich. Die Liquidität des Konzerns habe sich weiter verbessert, die Eigenkapitalquote liege bei 77 Prozent. Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen zurückgehende Umsätze. Langfristig sei man jedoch optimistisch. Der neue Automaten TOMRA 710 sei vielversprechend: Die Maschine könne sowohl Pfandflaschen und Getränkekisten als auch Einwegverpackungen (wie Dosen) zurücknehmen. Man habe bereits ersten Bestellungen erhalten. Tomra stiegen um acht Prozent auf 49 Norwegische Kronen (6,61 Euro).

 

Fannie Mae (WKN 856099), Hypotheken-Finanzierer aus den USA, meldete ebenfalls Quartalsergebnisse. Der Gewinn ist deutlich auf 0,98 Dollar pro Aktie zurückgegangen. Im Vorjahreszeitraum waren es 1,19 Dollar. Der Rückgang sei auf Sondereinflüsse zurück zu führen, hieß es, ohne diese hätte der Gewinn sich auf 1,62 Dollar pro Aktie belaufen. CEO Franklin D. Raines hob hervor, dass die Kreditausfälle auf ein 18- jähriges Tief gesunken seien; für das vierte Quartal gab er einen optimistischen Ausblick. Analysten aus dem Haus Bear Stearns hatten schwächere Zahlen erwartet; sie stuften die Aktie mit "Outperformer" ein und nannten als Kursziel 100 Dollar. Fannie Mae verteuerten sich um zehn Prozent auf 71,89 Dollar.

 

Die Quartalszahlen des Möbelherstellers Herman Miller Inc. (WKN 863205) zeigen gestiegene Gewinne bei gesunkenen Umsätzen. Die schwachen Umsatzzahlen wurden mit der schlechten Wirtschaftsstimmung in den USA begründet, das stark verbesserte Ergebnis mit der erfolgreichen Restrukturierung des Unternehmens. Herman Miller wird am 15. Januar eine Quartalsdividende ausbezahlen. Der Kurs blieb stabil bei 16,88 Dollar.

 

Gute Ergebnisse auch beim Bekleidungshersteller Timberland Co. (WKN 873525). Gegenüber dem Vorjahresquartal haben sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich zugenommen. Das Unternehmen sei schuldenfrei und verfüge über reichlich Liquidität, hieß es. Für das vierte Quartal gab CEO Jeffrey B. Swartz hingegen einen eher pessimistischen Ausblick, er begründete diesen mit den Arbeitskämpfen in den Häfen an der Westküste der USA. Timberland legten zwölf Prozent auf 32,32 Dollar zu.

 

Der Chiphersteller Transmeta Corp. (WKN 564775) konnte im abgelaufenen Quartal seinen Umsatz deutlich ausweiten und hat zugleich die Verluste verringert. Das Unternehmen, bekannt für seine besonders stromsparenden Mikroprozessoren, will nun bereits im aktuellen Quartal die Gewinnschwelle erreichen. Die Anleger sind offenbar weniger optimistisch als das Management: Die Aktie verlor weitere acht Prozent auf nur noch 0,78 Dollar.

 

Active Power Inc. (WKN 502716) hatte einen Umsatzverlust um die Hälfte gegenüber dem Vorjahresquartal zu vermelden. Gegenüber dem Vorquartal sei der Umsatz leicht angestiegen. Der Verlust konnte weiter verringert werden. Die Zahlen würden den Erwartungen des Managements entsprechen. Man sei zuversichtlich, den Business-Plan für die kommenden drei bis vier Jahre einhalten zu können. Active Power ist ein US-amerikanischer Hersteller von unterbrechungsfreien Stromversorgungs-Geräten (USVs), die ohne Batterie arbeiten. Active Power waren bereits in der Vorwoche kräftig gestiegen und legten nun noch einmal sechs Prozent auf 2,06 Dollar zu.

 

Plug Power Inc. (WKN 928999), ein Brennstoffzellen-Unternehmen aus den USA, berichtete über einen Vertrag mit dem japanischen Autohersteller Honda Motor Co. Ltd. Ziel der Zusammenarbeit sei die Entwicklung eines Prototypen für das "Home Refueling". Ein "Home Refueling System" ermögliche die individuelle Produktion von Wärme für die Heizung, heißem Wasser und Strom, zusätzlich aber auch von Wasserstoff als Treibstoff für das Auto. Dieses System soll mit Erdgas gespeist werden. Wegen seines guten Wirkungsgrads sei es besonders umweltfreundlich, teilten die Unternehmen mit. Plug Power, wie alle Brennstoffzellen-Aktien recht volatil, kletterten um 24 Prozent auf 5,25 Dollar.

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

 

www.umweltbank.de

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