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Nachhaltige Aktien 22.03.2006

22.3.2006: Wandel in der Textilindustrie - Bank Sarasin untersucht, wie das Konzept der Nachhaltigkeit in einer "Problem"-Branche Schule macht

"Das Beispiel der Bekleidungs-, Textil- und Luxusgüterindustrie zeigt, wie nachhaltiges Wirtschaften Reputationsrisiken reduziert und daher auch ökonomisch sinnvoll ist", fasst Makiko Ashida die Ergebnisse der Studie der Bank Sarasin & Cie AG zusammen. Sie arbeitet als Nachhaltigkeitsanalystin für das Finanzinstitut und hat die Untersuchung mit dem Titel "Just Do It - aber verantwortungsbewusst" verfasst.Sportartikelhersteller wie adidas, Puma oder Nike waren seit den 90er Jahren von vielen NGO"s für die Zustände in ihren Zulieferbetrieben und die ökologischen Belastungen durch die Produktionsmethoden an den Pranger gestellt worden. Sie mussten erfahren, dass negative Schlagzeilen und der damit verbundene Reputationsverlust zu beträchtlichen finanziellen Risiken für die Unternehmen führen können. Wie die Studie der Bank Sarasin festhält, trägt der Markenwert bei ihnen bis zu 70 Prozent zum gesamten Unternehmenswert bei. Das Image der Marken war aber durch die Kritik stark beeinträchtigt worden.

 

Basierend auf der Analyse von 18 Unternehmen der Bekleidungs-, Textil- und Luxusgüterindustrie kommt die Autorin in der Studie zu dem Ergebnis, dass die meisten Sportartikelhersteller mittlerweile verantwortungsbewusst mit Sozial- und Umweltrisiken umgehen. Verbesserungsbedarf hätten dagegen vor allem die großen Luxusmarken. In der Untersuchung wird festgestellt, dass Unternehmen, die hohe soziale und ökologische Standards in ihren Lieferketten erreichen, attraktive Marken mit hohem Marktpotential schaffen können. Denn aus den sozialen Konfliktpotenzialen ergäben sich für die Unternehmen echte Chancen. So wachse der Markt für ethische Produktlabels ("Fair Trade", "Bio") stetig. Hersteller, die gezielt auf hohe soziale und ökologische Standards setzten, würden langfristig davon profitieren können.

 

Die Studie führt Beispiele auf: So sei etwa der Baumwollanbau aus ökologischer Sicht heikel, Baumwolle nach Kaffee das am zweitstärksten durch Pestizide belastete Agrarprodukt der Welt. Darüber hinaus nehme deren Anbau weltweit mehr als die Hälfte des bewässerten Agrarlands in Anspruch und sei damit für ein bis sechs Prozent des gesamten globalen Süßwasserverbrauchs verantwortlich.Auf diese Herausforderung reagierten etliche Sportartikelhersteller, indem sie den Anteil biologisch produzierter Baumwolle zu erhöhten und die Unternehmen umfassende Umweltprogramme auflegten, erläutert Ashida. So sei Nike beispielsweise inzwischen zu einem der größten Abnehmer von Bio-Baumwolle geworden, habe mit "Nike Organics" eine Produktserie aus einhundertprozentig zertifizierter Bio-Baumwolle auf den Markt gebracht. Auch Puma und Timberland haben laut der Analystin den Anteil ökologisch angebauter Baumwolle in ihren Produkten erhöht. Die Produktion von Bio-Baumwolle sei in den letzten zehn Jahren um fast das Vierfache gestiegen.

 

Insgesamt erhalten der Studie zufolge mittlerweile solche Unternehmen besonders hohes Nachhaltigkeitsrating, die noch vor wenigen Jahren wegen so genannter Ausbeutungspraktiken angegriffen wurden: adidas, Puma, Nike und Timberland. Diese positive Entwicklung sei nicht zuletzt auf das zunehmende Interesse von Investoren an nachhaltigen Kriterien zurückzuführen. Führend sei unter den untersuchten 18 Unternehmen adidas. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach verfüge über die vergleichsweise am weitesten entwickelten Umwelt- und Arbeitsstandards. Die durchzusetzen ist allerdings schwierig, schließlich hat beispielsweise adidas bereits den gesamten Herstellungsprozess an über 800 Zulieferer in alle Welt übertragen. Die Studie stellte aber fest, dass die Unternehmen "beträchtliche Personalressourcen" einsetzen, um etwa die Einhaltung der Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette regelmäßig zu kontrollieren. Das stößt jedoch an Grenzen, zum Beispiel in China, dem weltweit größten Textilproduzenten. Dort herrscht ein genereller Mangel an Menschen- und Arbeitnehmerrechten, sind unter anderem keine unabhängigen Gewerkschaften erlaubt. Und auch wenn alle führenden Sportartikelhersteller über umfassende ethische Arbeitskodizes verfügen, die unter anderem die Einhaltung der Kernkonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verlangen: Die Zulieferbetriebe haben laut Sarasin "eine Fülle von Mechanismen entwickelt", diese Anforderungen zu umgehen.

 

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Nachhaltigkeitsperformance der Bekleidungs- und Sportartikelfirmen allgemein besser ausfällt als die von Luxusgüterunternehmen. Diese setzten sich mit den Nachhaltigkeitsthemen bislang nur in begrenztem Umfang auseinander. Allerdings seien sie gegenüber Umwelt- und Sozialrisiken auch weniger anfällig, da hier Produktionsauslagerungen in Schwellenländer kaum eine Rolle spielen. Swatch, das im Nachhaltigkeitsranking der Bank Sarasin führende Luxusgüterunternehmen, habe den Umweltschutz in das interne Qualitätsmanagement und in das Risikomanagement integriert. Andere Hersteller wie LVMH, Christian Dior oder Burberry hätten bereits Umweltmanagementsysteme aufgebaut. Oft mangle es allerdings an spezifischen Informationen zu konkreten Umweltprogrammen. Raum für Verbesserungen sieht die Bank Sarasin für diese Branche noch "in etlichen Fällen".

 

Bildhinweise:

Gebäude der Bank Sarasin in Basel / Quelle: Unternehmen;

adidas-Werbeträger Tim Duncan/ Quelle: Unternehmen;

Produkte von Timberland / Quelle: Unternehmen

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