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Direktbeteiligungen 26.06.2002

26.06.2002: Schweinswale könnten durch unangenehme Töne von "Borkum West" ferngehalten werden

Prokon-Manager zu den Folgen des Baus von Offshore-Parks für die Natur

(DH) Im letzten Ecoreporter.de-Magazin (Nr. 11/2002)

hat der Biologe Klaus Lucke auf die Gefahren von

Offshore-Windpark-Projekten wie dem geplanten

"Borkum West" hingewiesen. In dieser Ausgabe

kommt der Manager des aktuell größten und bislang

einzigen genehmigten deutschen Offshore-Projekts

zu Wort. Alexander Klemt arbeitet für die Firma Prokon

Nord aus Leer, die neben Offshore-Anlagen auch

gewöhnliche Windparks sowie Biomasse-Kraftwerke

plant und errichtet.

 

ECOreporter.de: Gab es Voruntersuchungen zu den

Auswirkungen des Offshore-Projekts "Borkum West"?

 

Klemt:Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und

Meeresforschung hat beispielsweise den Bestand an

Vogelarten und Fischen aufgenommen. Das Forschungs-

und Technologiezentrum in Büsum - Teil der

Universität Kiel - erfasst derzeit noch den Bestand an

Meeressäugern.

 

ECOreporter.de: Wieviel Geld wird in ihrem Projekt für

Forschungen zum Naturschutz ausgegeben?

 

Klemt:Für die ökologische Begleitforschung für den

Offshore-Windpark "Borkum-West" sind etwa. 2,5 Millionen

Euro notwendig. Mindestens die gleiche Summe

ist für die technische Optimierung und sonstige

Gutachten nötig. Die Gesamtkosten betragen etwa

140 Millionen Euro.

 

ECOreporter.de: Wieviel Fläche benötigt eine einzelne

Offshore-Windkraftanlage?

 

Klemt:Eine Sicherheitszone im Umkreis von 500

Metern der Anlagen darf nicht befahren und befischt

werden.

 

ECOreporter.de: Wird untersucht, ob sich wegen der

Offshore-Anlagen Strömungs- und Wellenveränderungen ergeben, die auf den Inseln die Erosion verstärken

und damit Vogelbrutstätten und Robbenbänke

verändern?

 

Klemt:Offshore-Windenergieanlagen führen nicht zu

derartigen Veränderungen. Die Fundamente verändern

das Strömungsregime nur minimal.

 

ECOreporter.de: Liegen dazu Untersuchungsergebnisse

vor?

 

Klemt:Da keine Besorgnis besteht, dass es zu Veränderungen

kommen könnte, gibt das Bundesamt für

Seeschiffahrt und Hydrograhie so etwas nicht in Auftrag.

Würde man in solch kleinteilige Dimensionen

vordringen wollen, würde sich der Baubeginn um 20

Jahre verzögern. Wir dürfen nicht vergessen: Windstrom

kann erheblich zur Reduktion von Kohlendioxid

beitragen und den Anstieg des Meeresspiegels bremsen.

Allerdings werden Untersuchungen zu den geringfügigen

Veränderungen durch den Offshore-Park

vorbereitet.

 

ECOreporter.de: Offshore-Windkraftanlagen erzeugen

Vibrationen und Schallwellen unter Wasser. Beeinträchtigt

das Fischschwärme und Meeressäuger

nicht?

 

Klemt:Wahrscheinlich werden verstärkte Schallemissionen

während des Baus der Anlagen das Verhalten

von Schweinswalen beeinflussen. Wir könnten die

Tiere aber mit Geräten verscheuchen, die für sie unangenehme

Töne erzeugen. Die werden gerade in

der dänischen Nordsee eingesetzt. Ergebnisse zu

ihrer Wirkung liegen noch nicht vor. Wir haben für

unsere Projekte aber Gebiete ausgewählt, in denen

nicht so viele oder gar keine Schweinswale und außer

ihnen keine weiteren Meeressäuger vorkommen.

 

ECOreporter.de: Könnten Schallemissionen während

des Betriebs die Tiere stören?

 

Klemt:Die Lautstärke während des Betriebs ist sehr

gering. Bundesumweltamt, Bundesamt für Naturschutz

und Deutsches Windinstitut untersuchen das

zusammen. Experten schätzen, dass die Schwingungen

für die Tiere in einem Abstand von rund einem

Kilometer nicht mehr wahrnehmbar sind. Ob sie nahe

der Anlagen zu einer Beeinträchtigung wie z.B. Stress

führen, ist nicht bekannt. In dem viel befahrenen Meeresgebiet

aber sind die Tiere einen hohen Hintergrundpegel

gewohnt. Das Projekt beginnt mit einer Pilotphase

von zwölf Anlagen, damit wir Begleitstudien

zum Verhalten der Meerestiere durchführen können.

Beim weiteren Ausbau sollen die Einflüsse auf die

Umwelt minimiert werden, soweit technisch möglich.

 

ECOreporter.de: Beeinflusst die Frequenzhöhe der

Turbinen Vogelschwärme?

 

Klemt:Die Rotoren der Offshore-Anlagen werden in

der Minute sechs bis 14 Umdrehungen machen. Sie

sind nicht wesentlich schneller als die Rotoren an

Land. Vögel können den Anlagen ausweichen. Gesichert

ist, dass der Große Brachvogel die Nähe der

Anlagen als Rast-und Ruheplatz meidet. Bei Kiebitz,

Rotschenkeln und Austernfischern zeigen die Gutachten

keine eindeutigen Ergebnisse.

 

ECOreporter.de: Wie werden die Stromkabel verlegt?

 

Klemt:Das Kabel wird im Wattenmeer bei Ebbe ein

bis zwei Meter tief eingegraben, auf hoher See eingespült:

Man verwendet eine Wasser-Hochdruckdüse,

um einen Graben in das Sediment zu ziehen.

Eine erhebliche oder sogar nachhaltige Beeinträchtigung

der Natur ist durch das Verlegen nicht zu

erwarten. Wir dürfen nur Kabel verwenden, die keine

messbaren elektromagnetischen Felder erzeugen.

 

ECOreporter.de: Könnten die Kabel von Offshore-

Windparks nicht auch entlang der Schifffahrtswege

verlegt werden - ohne Nationalparkquerung?

 

Klemt:Das Kabel müsste dann wegen der Nähe zu

den Schiffahrtswegen mindestens fünf Meter tief in

den Boden eingegraben werden - aus Sicherheitsgründen.

Diese umfangreichen Bauarbeiten am Rande

des Nationalparks führen zu einer sehr viel stärkeren

Beeinträchtigung des Wattenmeers als eine

Verlegung über die Inseln durchs Rückseitenwatt.

 

ECOreporter.de: Bei vielen Großprojekten in Deutschland

wurden Baugenehmigungen erteilt, bevor Umweltauswirkungen

untersucht waren... Muss sich die

Offshore-Branche nicht auch diesen Vorwurf gefallen

lassen?

 

Klemt:Auf keinen Fall. Das BSH gestaltet das Verfahren

mit einer ungeheuren Umsicht und gibt allen

Beteiligten sehr weitreichende und detaillierte Untersuchungen

auf. Eventuelle Auswirkungen können realistisch

erst an Hand einer Pilotphase eingeschätzt

werden. Daher sind diese und eine zugehörige Begleitforschung

zwingend erforderlich.

 

ECOreporter.de: Herr Klemt, wir danken für das Gespräch.

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