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Nachrichten 03.03.2003

4.3.2003: Wochenrückblick: MVV Energie gewinnt dezentral - Umweltkontor und Sunways auf Tiefpunkt

(H.K.) Die Eurozone verzeichnet einen wachsenden Handelsbilanzüberschuss. Insgesamt wurden mehr Waren ausgeführt als im Ausland eingekauft. Die Statistiken für Deutschland zeigen besonders deutlich, dass hier das leichte Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr wesentlich auf den Export zurückzuführen ist. In den USA ist es umgekehrt, dort überwiegen die Importe den Export, Folge ist ein Defizit in der Handelsbilanz. Die eingeführten Waren gehen überwiegend in den privaten Konsum. Nun ist in den USA das Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Volkswirte der Investmentbank Morgan Stanley verwiesen darauf, dass die Volkswirtschaften der Welt in immer stärkere Abhängigkeit von den USA geraten sind. Sie senkten ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden zwei Jahren. Die US- Statistiken zeigen aber auch eine leichte Belebung der produktionsorientierten Industrien. Unterstützt vom schwachen Dollar könnten sich die USA nun zum Netto-Exporteur wandeln. In der wirtschaftlich globalisierten Welt würde dies zu Lasten des Wachstums exportorientierter Wirtschaften wie der Eurozone und Japans gehen. Nach gängiger Auffassung ist ständiges Wachstum für das Funktionieren der Marktwirtschaft notwendig.

 

"Am Abgrund tanzt es sich genauso gut wie im Boom." Diesen Satz schreibt die Frankfurter Allgemeiner Zeitung dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup zu, der sich entsprechend auf dem diesjährigen Frankfurter Opernball geäußert haben soll.

 

Der DAX verlor in der zurückliegenden Woche vier Prozent, der MDAX ein und der Nemax-50 drei Prozent. In New York sanken der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Combined Composite Index um jeweils anderthalb Prozent. Der japanische Nikkei-225 büßte zwei Prozent ein. Rohöl verteuerte sich um vier Prozent. Bereits im Januar hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) die tägliche Fördermenge um sechs Prozent angehoben, um dem Preisanstieg entgegen zu wirken. Die viel gelobten Marktmechanismen scheinen jedoch zur Zeit wirkungslos zu sein.

 

Bei der Förderung erneuerbarer Energien greifen die Staaten zu unterschiedlichen Maßnahmen. Großbritannien will umgerechnet 90 Millionen Euro Steuergelder für ein Förderprogramm ausgeben, um bis zum Jahr 2010 den Anteil erneuerbarer Energien auf zehn Prozent zu heben. Dänemark hingegen kündigte an, künftig verstärkt auf den Emissionshandel zu setzen. Es sei billiger, die Verschmutzungsrechte von anderen Staaten zu kaufen, um die Kyoto-Vorgaben zu erfüllen, sagte der dänische Umweltminister Schmidt. Australien will laut Presseberichten die Förderung der Fotovoltaik ersatzlos streichen. In Deutschland forderte der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), nur noch diejenigen erneuerbaren Energiequellen zu fördern, die bei geringem Kapitaleinsatz "möglichst viel Öko-Strom" erzeugen würden. Der VDEW hatte sich bereits auf der Messe E-World darüber beschwert, dass die dezentrale Stromerzeugung beispielsweise aus Wind zu erhöhtem Regelungsaufwand führe und zusätzliche Kraftwerksreserven erforderlich mache. Die Fachwelt wartet nun gespannt auf eine Erklärung, wie sich der Verband die regenerative Energiegewinnung vorstellt.

 

Die Mannheimer MVV Energie AG (WKN 725590) meldete für das erste Geschäftsquartal um 15 Prozent auf 483 Millionen Euro gesteigerte Umsätze. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist ohne Einmaleffekte um 64 Prozent auf 46 Millionen Euro gestiegen. Die Mitarbeiterzahl ist auf 5700 gestiegen, vor einem Jahr lag sie noch bei 3500. Der MVV-Vorstand kündigte weitere Beteiligungen an Stadtwerken und Dienstleistungsunternehmen an. Die Kapazität des Unternehmens im Bereich der Erneuerbaren Energien solle ausgebaut werden. So wolle man in diesem Jahr drei Biomassekraftwerke ans Netz bringen, wodurch MVV Energie nach eigenen Angaben zum Marktführer in Deutschland werde. Außerdem wolle man im Bereich der Windparkentwicklung - vor allem im europäischen Ausland - zulegen, hieß es. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde bestätigt: Der Umsatz soll die zwei Milliarden-Grenze überschreiten, das EBIT soll um fünf Prozent auf 120 Millionen Euro wachsen.

 

Die MVV Energie AG ist ein europaweit tätiges Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen, das viele Beteiligungen an Stadtwerken hält. Strom und Wärme werden möglichst dezentral erzeugt, bei einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energieträger. Die MVV-Aktie verteuerte sich um zwei Prozent auf 15,55 Euro.

 

Der Kurs des US-amerikanischen Solarzellen-Herstellers Evergreen Solar Inc. (WKN 578949) stieg in der vergangenen Woche um 29 Prozent auf zum Schluss 1,91 Dollar. Zeitweilig wurden bis zu 2,20 Dollar für die Papiere gezahlt, womit sich der Kurs seit Jahresanfang verdoppelt hatte. Evergreen Solar wird am 5. März die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahrs bekannt geben. Dem gegenüber fiel die Aktie der Sunways AG (WKN 733220) in der vergangenen Woche bis auf 0,78 Euro ab. Der Schlusskurs von 0,93 Euro bedeutet einen Wochenverlust von 26 Prozent. Die Geschäftszahlen des Konstanzer Solarzellenherstellers sind für den 27. März angekündigt.

 

Bei den Aktien der Erkelenzer Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) kam es in der letzten Woche zum Ausverkauf. Der Kurs sank unter hohen Umsätzen bis auf einen Euro; danach setzten einige größere Käufe ein. Insgesamt beträgt der Wochenverlust 20 Prozent auf 1,15 Euro. Umweltkontor ist ein Windparkentwickler, der Ende vergangenen Jahres per Hauptversammlungs-Beschluss sein Geschäftsfeld auf Biomasse und Solarzellen-Herstellung erweitert hat. Dieser Beschluss wird durch eine Aktionärin gerichtlich angefochten. Analysten von SES Research vermuten bei Umweltkontor eine schlechte Geschäftsentwicklung im Bereich Wind. Aufgrund der Ausweitung der Geschäftsfelder gebe es jedoch Wachstumsperspektiven; die Aktie wurde mit "Outperformer" eingestuft, der faire Wert liege bei vier Euro, meinen die Analysten. Umweltkontor will seinen Jahresbericht am 28. März veröffentlichen.

 

Bei den Herstellern von Windturbinen zeichnet sich eine zunehmende Konzentration und verschärfter Wettbewerb ab. General Electric, einer der größten Konzerne der Welt, will laut Ankündigungen in der Presse seine Windsparte zu einem "milliardenschweren Geschäftsbereich" ausbauen. Nach den Worten des GE Wind Energy-Vorstands Steven Zwolinski sei sein Unternehmen in der Lage, die Kosten für Windkraftanlagen um ein Fünftel zu senken. Die Pfleiderer AG (WKN 676470), Neumarkt, dagegen steigt aus dem Geschäft mit dem Wind aus: Sie will ihre Tochter Pfleiderer Wind Energy GmbH verkaufen. Der Rostocker Turbinenhersteller Nordex AG (WKN 587357) kündigte an, für europäische Kunden künftig nur noch in Rostock zu produzieren, dadurch hoffe man Kosten zu sparen, hieß es. Die Nordex-Aktie verlor weitere 20 Prozent, sie wurde am Freitagabend bei nur noch 0,79 Euro notiert.

 

Auch die Kurse der dänischen Turbinenbauer gaben weiter nach: Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769) minus 19 Prozent auf 38,10 dänische Kronen (5,13 Euro), NEG Micon A.S. (WKN 897922) minus 14 Prozent auf 62,50 Kronen (8,41 Euro). Die Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703) verloren neun Prozent auf 21 Euro. REpower ist auch in der Energiegewinnung aus Geothermie aktiv. Ein vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) zusammen mit REpower geplantes geothermisches Kraftwerk im Nordwesten Berlins durchlaufe derzeit eine entscheidende Testphase, teilte das GFZ mit.

 

Die Berliner IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850) konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein leicht positives Ergebnis erwirtschaften. Das EBIT des Verkehrstelematik-Anbieters hat 0,8 Millionen Euro erreicht, der Umsatz ist um 40 Prozent auf 36 Millionen Euro gestiegen. Im laufenden Jahr solle der Umsatz auf 39 Millionen Euro steigen, der Gewinn solle deutlich verbessert werden, hieß es. Die IVU-Aktie legte am Freitag nach der Bekanntgabe der Zahlen unter leicht anziehenden Umsätzen auf 0,82 Euro zu - ein Wochengewinn von neun Prozent.

 

Weitere Geschäftsergebnisse und Kurse in Kürze

 

Best Water Technology AG (BWT, WKN 884042), Wassertechnologie, Österreich (vorläufiges Ergebnis): Umsatz plus drei Prozent auf 431 Millionen Euro, Konzernergebnis unverändert 15,1 Millionen, Auftragsbestand um drei Prozent gestiegen. Enttäuschende Entwicklung in der Brennstoffzellen- Sparte. Kurs: minus 0,5 Prozent auf 9,10 Euro.

 

SW Umwelttechnik AG (WKN 910497), Wasserschutz/Infrastruktur/Engineering, Österreich: Umsatz minus zwei Prozent auf 69 Millionen Euro, EBIT minus 37 Prozent auf 2 Millionen, Auftragsbestand unverändert. Ausbau der Marktanteile in Ungarn und Rumänien. Ausblick: "Umsatzerhöhung und deutliche Ertragsverbesserung". Kurs: minus sechs Prozent auf 16,78 Euro.

 

Plug Power Inc. (WKN 928999), Brennstoffzellen, USA: Umsatz auf 11,8 Millionen Dollar verdoppelt, Verlust pro Aktie um 60 Prozent auf 0,93 Dollar verringert. Analysten: RBC Capital Markets stufen von "Sector Perform" auf "Underperform" ab, Kursziel vier Dollar. Kurs: leicht schwächer bei 5,38 Dollar.

Wild Oats Markets Inc. (WKN 903461), Einzelhandelskette für Naturprodukte, USA: Umsatz plus drei Prozent auf 919 Millionen Dollar, Gewinn pro Aktie 0,26 Dollar (Vorjahr: Verlust 1,80 Dollar). Kurs: plus 15 Prozent auf 8,58 Dollar.

 

Gaiam Inc. (WKN 929048), Internet-Handelshaus, USA: Umsatz plus 13 Prozent auf 111 Millionen Dollar, Gewinn pro Aktie plus 38 Prozent auf 0,44 Dollar. Das Unternehmen ist schuldenfrei, der Kassenbestand beläuft sich auf 11 Millionen Dollar. Kurs: minus 26 Prozent auf 5,01 Dollar.

 

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

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