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Nachhaltige Aktien 05.04.2004

5.4.2004: Wochenrückblick: Bundestag beschließt EEG-Novelle - PV-Hersteller melden Verluste - Nordex verliert Hälfte des Grundkapitals

Die vergangene Woche glich die Kursverluste des März an den deutschen und US-amerikanischen Börsen wieder aus. DAX und TecDAX kletterten um fünf Prozent, vier Prozent legte der MDAX zu. Der Dow Jones Industrial Average Index stieg um zwei, der Nasdaq Combined Composite um fünf Prozent. In Japan gab der zuvor kräftig gestiegene Index Nikkei-225 leicht nach. Der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar notierte nach einem kurzen Aufbäumen unverändert zum Vorwochenschluss.

 

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat trotz der seit Monaten hohen Ölpreise beschlossen, das Angebot zu verknappen. Seit dem 1. April fördern die Mitgliedsländer der Organisation bereits eine Million Barrel pro Tag weniger als zuvor. Eine weitere Reduzierung der Förderquoten wurde bereits ins Gespräch gebracht. Äußerungen von Bijan Namdar Zangeneh, Ölminister des OPEC-Landes Iran, lässt sich entnehmen, dass ein dauerhaft höherer Ölpreis angestrebt wird. Die USA und andere Industrieländer reagierten mit heftiger Kritik auf den OPEC-Beschluss. Die International Energy Agency (IEA) zeigte sich besorgt. Das globale Wirtschaftswachstum beruhe zu einem wesentlichen Teil auf niedrigen Ölpreisen; die globale Konjunkturerholung werde durch hohe Preise gefährdet, hieß es in einer Erklärung der IEA.

 

Das Bundeskabinett hat den Nationalen Allokationsplan für die Erstzuteilung von Emissionsrechten des Klimagases Kohlendioxid beschlossen. Die Bundesregierung folgte damit einer Vorgabe der Europäischen Union zur Einführung des europaweiten Emissionshandelssystems. Mit ersten Reaktionen der Europäischen Kommission auf die Pläne der einzelnen Staaten ist in den nächsten Tagen zu rechnen. In Deutschland waren die Stellungnahmen höchst unterschiedlich. Vertreter der Stromwirtschaft und der energieintensiven Industrie begrüßten den Kompromiss grundsätzlich, stellten zum Teil aber bereits Nachforderungen. Hingegen kritisierten Umweltschutzverbände die Vereinbarung heftig. Nach Einschätzung beispielsweise des World Wide Fund for Nature (WWF) erhalte die Industrie nicht die geforderte Planungssicherheit, überdies verteuere die ausgehandelte Lösung den Klimaschutz unnötig. Ähnlich äußerten sich Volkswirte. Laut Wolfgang Wiegard, Vorsitzender des Sachverständigenrates der Bundesregierung, wäre eine stärkere Emissionsminderung für die Industrie gesamtwirtschaftlich effizienter gewesen. Dietrich Borst vom Hamburger Weltwirtschafts-Archiv sagte, nun müssten andere Bereiche der Volkswirtschaft mit Subventionen oder Zwangsmaßnahmen Emissionen einsparen. Das komme um ein mehrfaches teurer, meinte Borst. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums muss die Kohlendioxidemission bis zum Jahr 2012 um 17 Millionen Tonnen reduziert werden. Davon haben nun Industrie und Energiewirtschaft nur noch zehn Millionen zu erbringen. Die übrigen sieben Millionen Tonnen entfielen auf die Sektoren Privathaushalte und Verkehr.

 

Der Bundestag hat eine Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) verabschiedet. Beschlossen wurden unter anderem teilweise verbesserte Rahmenbedingungen für Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie. Die Vergütung für die Verbrennung von Altholz wird hingegen gesenkt. In der Windkraft wird die Vergütung künftig schneller sinken als bisher. Ebenso soll es ab 2006 eine stärkere Absenkung der Vergütung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen geben. Des weiteren gibt es Veränderungen in den Vorschriften für die Abnahme erneuerbaren Stroms und für den Netzanschluss. Die Bahn fällt künftig unter die Härtefallregelung, wodurch Wettbewerbsverzerrungen zugunsten des Straßen- und Flugverkehrs verhindert werden sollen. Branchenverbände der erneuerbaren Energien begrüßten die Veränderungen einhellig, äußerten aber auch einzelne Kritikpunkte. Die Gesetzesnovelle wird nun ein zweites Mal vom Bundesrat behandelt. Nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell könnte das Gesetz Anfang Juni in Kraft treten. Sollte der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anrufen, würde der Bundestag den Einspruch des Bundesrates zurückweisen, und das Gesetz träte erst Anfang Juli in Kraft, so Fell.

 

Der Photovoltaik-Konzern Sunways AG aus Konstanz hat den Jahresabschluss vorgelegt. Der Konzernabschluss nach der Bilanzierungsmethode IAS (International Accounting Standard) weist einen Umsatzzuwachs um 50 Prozent auf 38,7 Millionen Euro aus. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hat sich um 0,3 Millionen auf minus 2,1 Millionen Euro verschlechtert. Der Konzernfehlbetrag belief sich auf minus 1,6 Millionen Euro, so dass sich der gesamte Bilanzverlust nach IAS nun auf 9,86 Millionen Euro beläuft. Die Eigenkapitalquote lag am Jahresende bei 57 Prozent. Nach Angaben von Sunways-Vorstand Roland Burkhardt hat die unsichere Förderpolitik im vergangenen Jahr zu einem Nachfrageeinbruch geführt. In der Folge sei die Produktion zeitweilig nicht ausgelastet gewesen. Die Markteinführung neuer Produkte, Investitionen und nicht zuletzt der Verfall der Absatzpreise hätten das Ergebnis weiter gedrückt. Im laufenden Jahr soll der Umsatz um mindestens zehn Prozent wachsen und ein positives Ergebnis erreicht werden. Bereits im ersten Quartal sei in Folge der neuen Einspeisevergütungen ein spürbarer Aufschwung zu verzeichnen, hieß es. Die Sunways-Aktie gab fünf Prozent auf 2,42 Euro nach. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg empfahlen die Aktien zu "halten" und wiesen zugleich auf das erhöhte Risiko der Papiere hin.

 

Wettbewerber SolarWorld AG aus Bonn meldete Umsätze von 98,5 Millionen Euro, nach 108,9 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatzrückgang wird mit dem Aufbau der internen Wertschöpfungskette erklärt: Frühere Außenumsätze würden nun zu Innenumsätzen und fielen aus dem konsolidierten Konzernabschluss heraus. Unkonsolidiert sei der Umsatz auf 175 Millionen Euro von 149 Millionen im Vorjahr gewachsen. Das EBIT hat sich auf minus 3,1 Millionen Euro verschlechtert, der Konzernfehlbetrag weitete sich auf minus 5,4 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote sank auf 39 Prozent. Die Zahlen liegen nach Unternehmensangaben im Plan. Es seien umfangreiche Investitionen in die Schließung der Produktionskette getätigt worden. Die vollständige Integration der Prozessstufen sei nun erreicht. Auch im Geschäftsbericht der SolarWorld ist von Preisdruck und Nachfrageschwankungen im vergangenen Jahr die Rede. Man erwarte jedoch, dass sich die Preisentwicklung im laufenden Jahr beruhigen werde. Der Vorstand will der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von unveränderten 0,18 Euro vorschlagen. Nach Angaben von Vorstandssprecher Frank Asbeck rechnet das Unternehmen im Jahr 2004 mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und einem Konzerngewinn im einstelligen Millionenbereich. Bereits das erste Quartal werde ein positives EBIT liefern, ergänzte Finanzvorstand Philipp Koecke. SolarWorld kletterten um elf Prozent auf 17,20 Euro.

 

WindWelt AG meldete einen Umsatzanstieg um 28 Prozent auf 6,35 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Das EBIT des Betreibers von Wind- und Solarkraftwerken sank auf 1,16 Millionen von 1,23 Millionen Euro. Das Konzernergebnis ist mit minus 2,26 Millionen Euro negativ. Das Bonner Unternehmen will nach eigenen Angaben künftig auch als Windparkprojektierer auftreten. Die Aktie wurde unter geringen Umsätzen sieben Prozent höher bei 1,95 Euro gehandelt.

 

Plambeck Neue Energien AG, Windparkprojektierer aus Cuxhaven, hat laut eigener Mitteilung ihre Beteiligung an der SSP Technology A/S auf 90 Prozent erhöht. Testergebnisse hätten gezeigt, dass die von SSP hergestellten Rotorblätter für Windturbinen höhere Stromerträge erbrächten, hieß es. Plambeck gaben drei Prozent auf 2,39 Euro nach. Für die Aktie gab es zwei gegensätzliche Analystenempfehlungen. Die Landesbank Baden-Württemberg empfahl nach Auswertung des Jahresabschlusses, die Papiere zu "verkaufen". Analysten von First Berlin sprachen hingegen eine "strong buy"-Kaufempfehlung aus, das Kursziel liege auf Zwölfmonatssicht bei 4,50 Euro. First Berlin ist laut Eigendarstellung ein 1998 gegründetes Investmenthaus mit Sitz in Berlin. Mit der Plambeck Neue Energien AG bestehen laut Analysetext geschäftliche Beziehungen.

 

Nordex AG, Hamburg, wird auf der Hauptversammlung im Mai den Verlust der Hälfte des Grundkapitals anzeigen. Diese Bilanzentwicklung entspreche dem planmäßigen Verlauf des Restrukturierungsprogramms, hieß es. Im Geschäftsjahr 2004/05 will der Windturbinenhersteller wieder schwarze Zahlen schreiben. Dann soll auch über eine Stärkung der Kapitalbasis entschieden werden. Den vorläufigen Zahlen zum ersten Halbjahr (31. März) zufolge laufe das Geschäft besser als geplant. Im ersten Quartal habe sich der EBIT-Verlust auf minus 6,7 Millionen Euro belaufen - halb so viel wie im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Nordex-Aktie sank um sechs Cent auf 0,91 Euro.

 

Gamesa Energía und Gamesa Eólica, Windenergie-Tochterunternehmen des spanischen Maschinenbauers Gamesa Corporación Tecnológica meldeten Vertriebserfolge in den USA und in China. Gamesa verteuerten sich in Madrid um acht Prozent auf 35,11 Euro.

 

Mehrere Großaufträge meldete auch GE Energy, Tochter des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co. und Hersteller unter anderem von Windturbinen. Nach Taiwan sollen 26 Windturbinen zu je 1,5 Megawatt geliefert werden, nach Kanada 20 und nach Frankreich 45 Anlagen.

 

Laut aktuellem World Market Update 2003 der dänischen BTM Consult ApS war GE Energy (vormals GE Wind Energy) im vergangenen Jahr weltweit die Nummer zwei unter den Windturbinen-Herstellern, nach der dänischen Vestas Wind Systems A/S und vor der deutschen Enercon GmbH. Gamesa hat sich auf den vierten Platz vorgeschoben. Nur drei der zehn Marktführer hätten ihre Weltmarktanteile gesteigert: Neben GE Energy waren das REpower Systems AG aus Deutschland und Mitsubishi aus Japan, so BTM Consult.

 

Die init innovation in traffic systems AG erwartet für 2004 deutlich gesteigerte Umsatz- und Ergebniszahlen. Das sagte Gottfried Greschner, Vorstandsvorsitzender des Karlsruher Verkehrstelematik-Anbieters, auf der Bilanzpressekonferenz. Der Geschäftsbericht weist leicht gesunkene Umsätze und ein stark rückläufiges EBIT aus. Init stiegen in Frankfurt um 19 Prozent auf 4,27 Euro.

 

Best Water Technology AG (BWT) aus Österreich berichtete um 3,5 Prozent auf 416 Millionen Euro gesunkene Umsätze. Das EBIT des Wassertechnik-Spezialisten lag mit 13,6 Millionen Euro um 44 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. BWT führt den Gewinneinbruch vor allem auf das schwache Halbleiterindustriegeschäft der Sparte Aqua Systems Technologies zurück. Darüber hinaus hätten die HOH Water Technology-Gesellschaften einen negativen Ergebnisbeitrag geliefert. Diese seien erst im vergangenen Geschäftsjahr gekauft worden. Trotz des auf 7,7 Millionen Euro halbierten Konzernergebnisses will der BWT-Vorstand eine unveränderte Dividende von 0,24 Euro vorschlagen. Im laufenden Jahr sei eine Umsatz- und Ertragssteigerung zu erwarten, hieß es. BWT legten in Wien 13 Prozent auf 20 Euro zu.

 

Severn Trent plc, britischer Wasserversorger und Entsorger, kündigte die Jahresergebnisse für den 8. Juni an. Erste Verlautbarungen aus dem Konzern lassen auf positiv entwickelte Ergebnisse schließen. Der Kurs kletterte um ungewöhnliche sechs Prozent auf 776 pence.

 

Bei einigen US-amerikanischen Umweltaktien waren kräftige Zugewinne zu beobachten: Energy Conversion Devices Inc. stiegen um 19 Prozent, Capstone Turbine Corp. um 13 und FuelCell Energy Inc. um zehn Prozent. Die im Bulletin Board gehandelten Papiere der WorldWater Corp. legten wie schon in der Vorwoche deutlich zu, ihr Kurs stieg um 58 Prozent auf 0,44 Dollar. In Frankfurt zogen Solar-Fabrik AG um 18 Prozent auf 5,20 Euro an.

 

Best Water Technology AG (ISIN AT0000737705 / WKN 884042)

Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)

Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)

FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)

Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)

General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)

init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)

Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)

Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)

REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)

Severn Trent plc (ISIN GB0000546324 / WKN 878228)

Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)

SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)

Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)

Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)

WorldWater Corp. (ISIN US98155N1063 / WKN 909889)

 

Bildnachweis: Sonne, Wind und Wasser: Mit der Verabschiedung der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bieten sich für die Anbieter von Ökostrom neue Wachstumschancen / Photomontage: ECOreporter.de

 

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

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