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Nachhaltige Aktien 06.10.2003

6.10.2003: Wochenrückblick: Baumarktkette Hornbach will FSC-zertifiziertes Holz verkaufen - Nordex übergibt Windpark - Wasserstoff Energieträger der Zukunft?

Die Indizes der Weltbörsen zeigten in der vergangenen Woche wieder aufwärts. Der DAX gewann drei Prozent hinzu, der TecDAX sechs Prozent. Ähnlich das Bild in den USA, wo der Dow Jones Industrial Average um drei und der Nasdaq Combined Composite Index um fünf Prozent stiegen. Der japanische Nikkei-225 kletterte um vier Prozent nach oben.

 

Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen sind in den vergangenen 30 Jahren um das siebenfache und die versicherten Schäden um das 14-fache gestiegen. Das sagte Gerhard Berz, Leiter des Bereichs Georisikoforschung bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG. Der Versicherer betreibe ein wesentlich strikteres Risikomanagement als noch vor zehn Jahren, sagte Berz - unter anderem wegen der Klimaveränderungen. "Dieser Sommer hat uns klar gemacht, das Klima ist nicht mehr das, was es mal war", so Berz.

 

Die Hornbach-Baumarkt AG ist der WWF Wood Group beigetreten. Das teilte die Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) mit. Die WWF Wood Group setze sich für den Handel mit Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft ein. Mitglieder seien neben Hornbach unter anderem Obi und Bahr. Diese drei Baumärkte wollen nun vermehrt Produkte in ihr Sortiment aufnehmen, die nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert sind. Hornbach betreibt nach eigenen Angaben 79 Bau- und Gartenmärkte in Deutschland sowie weitere Märkte in fünf Ländern. Insgesamt verfügt das Unternehmen über eine Million Quadratmeter Verkaufsfläche und beschäftigt 9400 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2002/03 erreichte die Hornbach-Baumarkt AG, die ein Teilkonzern der Hornbach Holding AG ist, nach vorläufigen Angaben einen Umsatz von 1,62 Mrd Euro.

 

In der sächsischen Stadt Meerane wird ein Solarpark errichtet. Für 4,5 Millionen Euro sollen Sonnenstromanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,1 Megawatt/peak installiert werden. Das geht aus einer Mitteilung der Sesol Gesellschaft für solare Systeme mbH aus Langewiesen (Thüringen) hervor. Bereits im Frühjahr 2004 soll der Strom ins Netz der Stadtwerke Meerane eingespeist werden. Den Angaben zufolge sind am ausführenden Konsortium neben Sesol die ErSol Solar Energy AG (Erfurt) sowie Siemens AG (Fürth), UESA GmbH (Uebigau) und A&H Bau GmbH (Meerane) beteiligt.

 

ErSol ist eine Tochter der börsennotierten Umweltkontor Renewable Energy AG. Der Technologiekonzern aus Erkelenz beschäftigt sich neben der Produktion von Solarzellen vor allem mit der Projektierung von Windparks sowie mit der Herstellung von Biodiesel in der Tochtergesellschaft Nevest new energy AG. Nevest-Pressesprecher Joachim Gerhard sprach in einem ECOreporter.de-Interview über eine Spezialität seines Unternehmens: die Herstellung von koscherem Pharmaglyzerin. Glyzerin entstehe als Nebenprodukt bei der Biodieselproduktion; die Koscher-Qualität erlaubt der Nevest laut Gerhard, höhere Verkaufspreise zu erzielen. Umweltkontor-Aktien sanken unter geringen Umsätzen um drei Prozent auf 1,36 Euro. Analysten der Postbank AG empfahlen, die Papiere zu "halten".

 

Die MVV Energie AG, Energiedienstleister aus Mannheim, begann nach eigenen Angaben mit dem Bau einer Müllverbrennungsanlage in Leuna (Sachsen-Anhalt). Die Anlage soll nach Fertigstellung jährlich 195.000 Tonnen Müll verwerten, aus denen 19 Megawatt elektrische Energie gewonnen werden sollen. Darüber hinaus sei die Auskopplung von Wärme möglich, hieß es. MVV notierten leicht schwächer bei 15,19 Euro.

 

Der Hamburger Hersteller von Windturbinen Nordex AG meldete die Übergabe eines Windparks in Irland an den Auftraggeber, den Energieversorger Airtricity. "Kings Mountain" bestehe aus zehn Turbinen vom Typ N80 mit einer Nennleistung von je 2,5 Megawatt. Nach eigenen Angaben hat Nordex in Irland und England im Jahr 2002 einen Marktanteil von rund 27 Prozent erreicht. Die Nordex-Aktie legte sieben Cent auf 0,81 Euro zu.

 

Dräger Medical AG & Co. KGaA, ein Teilkonzern der Lübecker Drägerwerk AG, gab die Akquisition des Geschäftsbereichs Neonatologie der US-amerikanischen Hill-Rom Company Inc. bekannt. Der unter dem Namen Air-Shields geführte Geschäftsbereich erzielte den Angaben zufolge im Jahr 2002 einen Umsatz von rund 40 Millionen Dollar. Über den Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. Die Drägerwerk-Vorzugsaktien verteuerten sich um zwölf Prozent auf 39,30 Euro.

 

Die Bremer Woll-Kämmerei AG (BWK) wird die Geelong Wool Combing, eine ihrer beiden australischen Kämmereien, schließen. Darüber hinaus werde man in der Wollverarbeitung in Bremen Kurzarbeit einführen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. BWK begründete diese Maßnahmen mit schwacher Nachfrage, andauernden Tarifauseinandersetzungen und einem rückläufigem Wollangebot in Australien. Die BWK-Aktien verloren elf Prozent auf 1,20 Euro.

 

Nach Angaben des Vorstands der a.i.s AG aus Mülheim an der Ruhr ist ein von der MAS Beteiligungs-GmbH gehaltenes 75-Prozent Aktienpaket an die Temana Unternehmensverwaltungs-GmbH übergegangen. Temana ist eine Tochtergesellschaft der Kölner Agor AG. Erst im Oktober 2001 hatte die Temana laut Geschäftsbericht der a.i.s ein Aktienpaket in gleicher Größe ihrerseits verkauft. Bei der MAS handelt es sich dem Bericht zufolge um eine Beteiligungsgesellschaft des a.i.s-Vorstands. Im September 2003 hatte die a.i.s Insolvenz beantragt. Die Aktie notierte am vergangenen Freitag bei 0,20 Euro.

 

Zwei unterschiedliche Analystenempfehlungen gab es für die Aktie des Verkehrstechnik-Konzerns Vossloh AG. Während die Fachleute der Hamburger Sparkasse angesichts einer "überzeugenden Strategie und erfreulicher Halbjahreszahlen zum Kauf" rieten, stuften die Kollegen vom Bankhaus Lampe das Papier nur mit "marketperformer" ein: Der fairen Wert der Aktie liege bei 37 Euro, so das Bankhaus Lampe. Dieser Kurs wurde am Freitag mit 36,68 Euro auch fast erreicht - ein Anstieg um fünf Prozent gegenüber der Vorwoche.

 

Die österreichische SW Umwelttechnik AG teilte den Wechsel des Börsensegments mit. Künftig seien die Aktien in der betreuten Auktion des Auction Markets der Wiener Börse notiert. Das Unternehmen strebe den Wiedereinzug in den Prime Market an. Darüber hinaus sei mittelfristig eine Kapitalerhöhung geplant, hieß es. Der Kurs legte sechs Prozent auf 21,50 Euro zu.

 

Der britische Wasserversorger und Dienstleister Severn Trent plc gab erste Ergebnisse des Halbjahrs bekannt, das am 30. September endete. Den Angaben zufolge erwartet man, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Goodwill und Einmaleffekten (PBITA) um vier bis acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen sei. Verglichen mit dem zurückliegenden Halbjahr ergäbe diese Größe einen Zuwachs um mehr als 20 Prozent. Die genauen Zahlen wurden für den 9. Dezember angekündigt. Severn Trent notierten in London einen halben pence höher mit 676 pence. Analysten von Goldman Sachs nannten die Aktie ihren "bevorzugten Wert im Wasserversorgungsbereich", die Einstufung laute "outperform".

 

Tomra Systems ASA ist nach eigenen Angaben in den neu aufgelegten Kempen/SNS Smaller Europe Socially Responsible Investment Index aufgenommen worden. Der von Kempen Capital Management and SNS Asset Management aufgelegte Nachhaltigkeitsindex umfasse 70 Werte, die aus 1.700 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von maximal zwei Milliarden Euro ausgewählt wurden. Der norwegische Hersteller von Rücknahmeautomaten für Getränkeverpackungen wies darauf hin, dass man nun in sieben großen Indizes für sozial verantwortliches Investment vertreten sei, darunter in den Dow Jones Sustainability Indizes World und Stoxx (DJSI World and DJSI Stoxx), dem FTSE4Good Index, dem Ethibel Sustainability Index, dem Storebrand Best in Class Index, sowie im Nordic Sustainability Index. Eine kurze Meldung der Norweger über einen weiteren Rahmenvertrag mit einer deutschen Handelskette im Volumen von bis zu 45 Millionen Norwegischen Kronen (5,5 Millionen Euro) gab der Aktie neuen Auftrieb, sie kletterte um gut zehn Prozent auf 39,70 Kronen.

Die Europäische Kommission will erst am 22. Oktober darüber entscheiden, ob sie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland zum sogenannten Dosenpfand einleiten wird. Bemängelt werden die Umsetzungsmodalitäten der Pfandregelung; die Kommission befürchtet Benachteiligungen ausländischer Getränkehersteller. Das deutsche Bundesumweltministerium hat derweil die "jahrelange Obstruktionspolitik" des deutschen Einzelhandels gegen die gesetzliche Regelung scharf kritisiert.

 

Presseberichten zufolge müssen sich zwei Investmentfonds des US-amerikanischen Bankhauses Morgan Stanley einer Untersuchung durch die Wertpapieraufsicht SEC unterziehen. Es gehe um mögliche Insiderkäufe von Aktien der Dean Foods Co., die getätigt wurden, als die Investmentbank ein anderes Unternehmen bei einer möglichen Übernahme von Dean Foods beraten hatte, hieß es. Dean Foods hatte im Juni 2003 Absichten bekannt gegeben, seinerseits den Biomilchproduzenten Horizon Organic Holding Co. vollständig zu übernehmen. Die Aktien beider Unternehmen notierten in der vergangenen Woche fast unverändert, Horizon bei 23,95 Dollar, Dean Foods bei 30,42 Dollar.

 

Zwei nordamerikanische Hersteller von Brennstoffzellen-Technik meldeten Geschäftserfolge. Hydrogenics Corp. aus Kanada berichtete über Bestellungen von Testausrüstungen durch führende japanischer Autohersteller. Die US-amerikanische FuelCell Energy Inc. hat nach eigenen Angaben Bestellungen vom Militär erhalten. Die Kurse reagierten unterschiedlich: Während Hydrogenics in Toronto zwei Prozent auf 6,45 Kanadische Dollar absanken, legten FuelCell in New York sieben Prozent auf 12,30 Dollar zu. Kursgewinne auch bei anderen Unternehmen der Wasserstoftechnik: Ballard Power Systems Inc. (Kanada) plus fünf Prozent, Millenium Cell Inc. plus zwölf und Plug Power Inc. (beide USA) plus 15 Prozent.

 

Deutschland hat seinen Vorsprung verloren - die Rolle des Technologieführers haben die USA übernommen. Das sagte Reinhold Wurster, Project Manager Hydrogen bei der L-B-Systemtechnik GmbH, Ottobrunn, auf dem Medienforum Deutscher Wasserstofftag in München. Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender der Wiesbadener Linde AG, ging in seinem Redebeitrag auf die Dringlichkeit der Wasserstoff-Technologie ein. Seiner Darstellung nach gebe es keine Alternative, da Wasserstoff als Energieträger zusammen mit Brennstoffzellen eine "Brücke hin zur Einführung kohlenstofffreier Energien, insbesondere erneuerbarer Energien" bilde. Sie eröffne den Weg zu einer flexiblen und umweltverträglichen Energieversorgung, die so keine andere Technik leisten könne. Der Vizepräsident der International Association for Hydrogen Energy, Carl-Jochen Winter, nannte die Wasserstoffindustrie ein Nachhaltigkeitsprojekt, zu dem nicht nur ökologische Ideale zwingen würden, sondern globale Märkte und die dem Wandel unterworfene internationale Vertragslage.

In der Europäischen Kommission sind die Potenziale der Wasserstofftechnik offenbar erkannt worden. Bei der Vorstellung eines Maßnahmenkatalogs gab Kommissionspräsident Romano Prodi das Ziel aus, im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer vollständig integrierten Wasserstoffwirtschaft zu gelangen. Laut Forschungskommissar Philippe Busquin würden Wasserstoff und Brennstoffzellen helfen, "die Probleme im Zusammenhang mit sicherer Energieversorgung, Umweltauswirkungen und Klimawandel sowie einer stärker dezentralisierten Energieerzeugung zu lösen." Zudem könnten sie den Übergang zu erneuerbaren Energieträgern erleichtern, so Busquin.

 

Wochenverlierer bei den Umweltaktien ist die US-amerikanische Energy Conversion Devices Inc., deren Aktien 35 Prozent ihres Wertes verloren. Gründe für diesen Kurssturz wurden zunächst nicht bekannt. Auch der Kölner Kondomhersteller condomi AG verlor mit minus elf Prozent deutlich. Hingegen konnten die beiden in der Vorwoche stark gefallenen Papiere der SolarWorld AG (Bonn) sowie der Active Power Inc. (USA) ihre Kursverluste zum Teil wieder ausgleichen - beide gewannen gut zehn Prozent hinzu.

 

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)

a.i.s AG (ISIN DE0006492903 / WKN 649290)

Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)

Bremer Woll-Kämmerei AG (ISIN DE0005272009 / WKN 527200)

condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)

Dean Foods Co. (ISIN US2423701042 / WKN 900219)

Drägerwerk AG (ISIN DE0005550636 / WKN 555063)

Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)

FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)

Horizon Organic Holding Corp. (ISIN US44043T1034 / WKN 915302)

Hornbach-Baumarkt AG (ISIN DE0006084403 / WKN 608440)

Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)

Linde AG (ISIN DE0006483001 / WKN 648300)

Millenium Cell Inc. (ISIN US60038B1052 / WKN 940511)

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (ISIN DE0008430026 / WKN 843002)

MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)

Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)

Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)

Severn Trent plc (ISIN GB0000546324 / WKN 878228)

SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)

SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)

Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)

Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)

Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)

 

 

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

 

 

Bildnachweis: Logo des Forest Stewardship Council (FSC) / Quelle: www.fsc-deutschland.de