Werbung
Nachhaltige Aktien 07.12.2004

7.12.2004: Antec Solar Energy AG (Ökologik Ecovest): Höchste Warnstufe - es brennt zur Hauptversammlung

Hauptversammlung (HV) bei der Antec Solar Energy AG, der früheren Ökologik Ecovest AG aus Frankfurt, die im März 2004 mit der Antec Solar Energy GmbH verschmolzen wurde - eine spannende Angelegenheit, denn der Vorstand der Ökologik und der Antec Solar ist eine Reizfigur: Udo Bockemühl. Das feine Marriott Hotel in Frankfurt lieferte letzte Woche die Kulisse für die HV.

 

Schon vor der Eröffnung ging es heiß her: Die Toilette brannte, der bittere Rauch trieb die Tränen in die Augen.Omen oder nur dummer Zufall? Auch während der Versammlung machten etliche Kleinaktionäre dem Vorstand Udo Bockemühl Feuer. Gleich zu Beginn ließen sie die Muskeln spielen. So musste Alleinvorstand Bockemühl zunächst den gesamten Geschäftsbericht für 2003 vorlesen, von vorne bis hinten. Das hatte einer der Aktionäre mit der Begründung verlangt, auch auf mehrfache Anfrage hin sei ihm der Bericht nicht zugesandt worden. Dieser Klage schlossen sich auch andere Anwesende an. Der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bökmann wies allerdings Anschuldigungen zurück, die Zusendung an Aktionäre, die die Geschäftsführung kritisiert hätten, wäre absichtlich zurückgehalten worden. Die übrigen Aufsichtsräte, Joseph Wiechers, Gründer und Chef des Fairsicherungsladens, Münster, und der Versicherungsmakler Frank Preuss können nichts dazu sagen. Sie blieben der Hauptversammlung fern, "aus Termingründen".

 

Zwei Stunden lang trug Bockemühl den Bericht vor, ein hinter ihm auf dem Podium platzierter Weihnachtsbaum bildete die Dekoration. Wie es hieß, "bescherte" denn auch nach seiner Ansicht das Geschäftsjahr 2003 der Gesellschaft "sonnige Aussichten". Mit der Neuausrichtung des Unternehmens und dem Kauf des Solarmodulherstellers Antec Solar habe man "die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und die richtigen Maßnahmen" getroffen. Einen Schatten auf diese positive Einschätzung warf das Bilanzergebnis: ein Bilanzverlust von 4,86 Millionen Euro für 2003. Der Geschäftsbericht 2003 beziffert den Jahresfehlbetrag mit minus 11,276 Millionen Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit minus 11,278 Millionen Euro, bei Umsatzerlösen von 1,5 Millionen Euro. Dass Bockemühl den Bilanzverlust im Bericht als "nicht überraschend" bewertet, erhält vor dem Hintergrund der vorherigen Geschäftsentwicklung der von ihm geführten Ökologik Ecovest AG einen besonderen Zungenschlag.

 

Die Ökologik Ecovest AG, 1995 als Ökologik gegründet, eine Beteiligungsgesellschaft mit Focus auf ethisch und ökologisch ausgerichtete Firmen, hatte unter anderem durch den Verkauf von Beteiligungsfonds und Aktien Millionen eingesammelt. Die damit finanzierten Projekte der Öko-Beteiligungsgesellschaft endeten nicht selten mit Konkurs oder Insolvenz. In Zahlen: Der aktuelle Geschäftsbericht führt elf unmittelbare Beteiligungen der Antec Solar Energy AG auf. Allein fünf verfügen laut Unternehmensangaben über kein wirtschaftliches Eigenkapital mehr. Sie befänden sich deshalb in der Liquidation bzw. Insolvenz. Lediglich für vier unmittelbare Beteiligungen wurde ein Jahresergebnis 2003 vorgelegt, wovon drei ein Minus auswiesen. Im vergangenen Jahr hatte Bockemühl, damals Vorstand der Ökologik Ecovest AG, für das Geschäftsjahr 2002 den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals eingestehen müssen. Damals belief sich der Bilanzverlust nach Abzug einer Kapitalrücklage von 1,29 Millionen Euro auf satte 6,32 Millionen Euro.

 

Vor der Verschmelzung mit der Antec war die Ökologik Ecovest laut einer Bewertung der Leipziger Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Anacor Treuhand GmbH lediglich 6,62 Millionen Euro wert. Das hatte Ökologik Ecovest in einer Pflichtveröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger (eBundesanzeiger) mitgeteilt. Dennoch konnte sie die Übernahme der Antec Solar GmbH stemmen, einem insolventen Hersteller von Dünnschichtsolarzellen mit Sitz im thüringischen Arnstadt. Und das kam so: Der Antec-Insolvenzverwalter Fritz Westhelle, Kassel, hatte im Winter 2002/3 vergeblich versucht, sie für mehr als drei Millionen Euro an einen jordanischen Investor zu verkaufen (wir berichteten:ECOreporter.de-Beitrag vom Februar 2002). Im April 2003 übernahm dann die Windstrom Frisia GmbH, Minden, die Antec Solar. Die Frisia gehört zu 100 Prozent Rainer Bökmann, zunächst Aufsichtsratsvorsitzender der Ökologik Ecovest AG und dann der Antec Solar Energy AG. Den Wert der Solarfabrik ermittelte ebenfalls die Anacor Treuhand GmbH. Die ist, wen wundert es, auch Prüfungsgesellschaft für den von Bockemühl verlesenen Geschäftsbericht. Wie es darin heißt, veranschlagte sie den Wert der vormals daniederliegenden Antec Solar auf erstaunliche 21,1 Millionen Euro. Über die Frisia brachte Aufsichtsratschef Bökmann das Solarunternehmen in die Antec Solar Energy AG ein, zu der sich die Ökologik Ecovest per Verschmelzung mit der Antec Solar Energy GmbH umbenannte. Die Ökologik Ecovest -Hauptversammlung stimmte dann im September 2003 einer Beschlussvorlage zu, die Frisia und damit Bökmann im Gegenzug mit Aktien zu bezahlen, rückwirkend zum 1. Juli 2003. Laut einer Meldung des elektronischen Bundesanzeigers (eBundesanzeiger) sollte die Mindener wind strom frisia GmbH für einen Geschäftsanteil an der Antec Solar im Nennbetrag von 50 Euro gerundet 457,98 Aktien der Ökologik erhalten. Dadurch wurde der Aufsichtsrat Bökmann zum Großaktionär der dann umgetauften Ökologik Ecovest. Wie er auf der aktuellen Hauptversammlung der Antec Solar Energy AG erklärte, gehören 56 % der Aktien der Gesellschaft seiner Frisia. Darüber hinaus gehören ihm persönlich weitere Anteile an dem Unternehmen. Laut der Antec Solar-Homepage besitzt er insgesamt 70 Prozent der Anteile. Ob und was Bökmann/Frisia bei dem Deal an Gewinn einstrichen, blieb auf der HV offen. Aber deutlich ist: Der Aufsichtsratsvorsitzende hat allein einen Anteil an der Antec Solar Energy AG, der nahe an der wichtigen 75-Prozent-Grenze liegt.

 

Mit neuem Namen und neuer Firmenanschrift, aber mit gleichem Vorstand und Aufsichtsrat setzt die frühere Ökologik Ecovest nun als Antec Solar Energy AG vor allem auf die Produktion von Solarmodulen. Die weitgehende Abkehr vom früheren Geschäftsfeld begründet die Unternehmensführung mit dem "anhaltend schlechten Beteiligungsgeschäft".Von den photovoltaikfremden Investitionsbereichen will sie sich laut dem Geschäftsbericht schrittweise zurückziehen. In seiner Wortmeldung kritisierte ein Aktionär, dass sich das Unternehmen künftig von einem einzigen Produkt abhängig mache, obwohl es als kleiner Anbieter mit Großkonzernen konkurrieren müsse. Dem hielt der Vorstand entgegen, dass die Produktion erfolgreich angelaufen und das Unternehmen bis Herbst nächsten Jahres mit Bestellungen ausgelastet sei. Er verwies auf die gegenwärtig große Nachfrage für Solarmodule. Wegen dieser werde die Antec Solar Energy AG zunächst auch keinen neuen Solarfonds auflegen, sondern ihre Module an Dritte veräußern, anstatt sie an eigene Projekte zu liefern. Wie Bockemühl in Frankfurt erklärte, soll die erworbene Fabrik zügig abgeschrieben werden, mit zwei Millionen Euro pro Jahr. Nach seinen Angaben im Geschäftsbericht rechnet er auch für 2004 mit einem negativen Geschäftsergebnis. In den Folgejahren könne das "Erreichen der Gewinnschwelle" gelingen. Was ihn trotz der Vielzahl der unter seiner Führung fehlgeschlagenen Beteiligungen in den letzten Jahren dazu befähigt, die Antec Solar erfolgreich zu führen, erläuterte Bockemühl den Aktionären nicht. Zurückhaltung bewahrte er auch bei der Frage eines Aktionärs nach seinem Gehalt. Die Bezahlung des Vorstands habe man im Geschäftsbericht ganz bewusst nicht genannt, da dieser nur aus seiner Person bestehe. Die Höhe seiner Vergütung sei aber "nicht unangemessen oder aus dem Üblichen herausragend", betonte Bockemühl.

 

Auch durch andere kritische Fragen der anwesenden Kleinaktionäre ließ sich Bockemühl nicht aus der Reserve locken. Wohl auch aus Einsicht in die eindeutigen Mehrheitsverhältnisse waren nur wenige private Anteilseigner auf der Hauptversammlung erschienen. So fiel am Ende der mehrstündigen Aussprache die Zustimmung für die Beschlussvorlagen der Unternehmensführung wenig überraschend aus. Der Vorstand wurde mit 99,2 % der abgegebenen Stimmen entlastet, der Aufsichtsrat mit 78,6 %. Mit 99,6 % wurde beschlossen, dass auch der Geschäftsbericht des Geschäftsjahres 2004 von der Anacor Treuhand GmbH geprüft wird. Dieser könnte dann besonderes Interesse auf sich ziehen. Denn laut Bockemühl visiert die Unternehmensführung für das kommende Jahr wieder einmal den Gang an die Börse an. Man wolle bis Weihnachten verfolgen, wie erfolgreich das Listing der Phönix Sonnenstrom AG laufe und dann eine Entscheidung treffen, so der Vorstand auf Anfrage eines Aktionärs. Die Börse dürfte Bockemühls Traum sein: Einen Börsengang hat er nicht zum ersten Mal versprochen(wir berichteten:ECOreporter.de-Beitrag vom Juli 2002).

 

Bildhinweise:

Wachhund Pino / Quelle: ECOreporter.de;

Geschäftsbericht der Antec Solar AG / Quelle: ECOreporter.de;

Kann die Antec Solar Energy AG mit Modulherstellern wie Sharp konkurrieren? / Quelle: Sharp

ECOreporter.de-Abonnement

Als Abonnent haben Sie Zugriff auf alle Exklusivinformationen von ECOreporter.de.

Ein umfassender Service für alle, denen nachhaltige Investments etwas wert sind!

Abonnent werden

ecoanlageberater - deutschlandweit

ecoanlageberater - deutschlandweit

Wo finde ich eine/n Fachberater/in für Nachhaltiges Investment?
Absolvent/inn/en des Fernlehrgangs ecoanlageberater ganz in Ihrer Nähe

weiterlesen

ECOreporter - Artikel kaufen

PayPal

Sie möchten einen bestimmten Bericht in ECOreporter.de lesen? Sie können auch einzelne Artikel kaufen - vom Aktientipp bis zum ausführlichen Testbericht.
Schon ab 2,40 Euro!

Sie wollen alles in ECOreporter.de lesen? Dann abonnieren Sie! Ab 99,60 Euro pro Jahr, das sind pro Monat nur 8,30 Euro.
Die umfangreichste deutsche Seite zu nachhaltigen, ethischen Geldanlagen steht Ihnen dann komplett offen!
Abonnent werden

Einloggen schließen
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Zum Seitenanfang Zum Seitenanfang