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Nachhaltige Aktien 08.12.2003

8.12.2003: Wochenrückblick: Europäische Union will Photovoltaik kräftig ausbauen - MVV steigert Gewinn - REpower strebt nach China

Die Aktienindizes zeigten in der vergangenen Woche wenig Veränderung. Am stärksten bewegten sich noch der DAX und der japanische Nikkei-225, die um je drei Prozent stiegen. Der TecDAX und die US-amerikanischen Indizes wichen hingegen nur maximal ein Prozent von ihren Vorwochenwerten ab.

 

Die Europäische Union werde ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll nicht einhalten können, wenn die Mitgliedsstaaten keine neuen Schritte für den Klimaschutz unternähmen, sagte Margot Wallström, Umweltkommissarin der Union, bei der Vorstellung des jährlichen Emissionsberichts. Vor allem im Verkehrssektor sei die Entwicklung nicht zufriedenstellend, obwohl die Technik für schadstoffärmere Fahrzeuge vorhanden sei, sagte die Kommissarin.

 

Forschungskommissar Philippe Busquin informierte auf einer Tagung in Brüssel über das Ziel der Europäischen Union, bis zum Jahr 2010 Photovoltaik-Generatoren mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt drei Gigawatt zu installieren. Dazu seien nicht nur technische, sondern auch rechtliche und sozio-ökonomische Hürden zu nehmen. Im Ergebnis sollten sowohl Europas Industrie als auch die Gesellschaft gewinnen, sagte Busquin. Der Kommissar zitierte eine Marktstudie über die international größten Hersteller von Solarstromtechnik. Auf Platz eins stand im vergangenen Jahr die japanische Sharp mit einem Produktionsausstoß von 123,1 Megawatt, gefolgt von der BP Solar Group (73,8 Megawatt) und Kyocera aus Japan (60 Megawatt). Die US-amerikanische AstroPower kam laut Studie mit 29,7 Megawatt auf Platz sechs. Busquin zufolge hat Europa das Potenzial, langfristig zum weltweit größten Produzenten von Photovoltaik aufzusteigen und somit Japan von Platz eins zu verdrängen.

 

Die SolarWorld AG wird nach eigenen Angaben für ihre Beteiligung Joint Solar Silicon GmbH & Co. KG (JSSI) Fördermittel von bis zu 2,3 Millionen Euro erhalten. Gefördert werde ein Projekt, das die kostengünstige Gewinnung von solarem Silizium zum Ziel habe. Silizium ist ein Rohstoff für die Solarindustrie, der nach Angaben von SolarWorld-Vorstand Asbeck bisher zumeist teuer aus der Elektronikbranche eingekauft wurde. Mit der Herstellung von speziell für die Photovoltaik-Industrie geeignetem Solar-Silizium könnten die Produktionskosten wesentlich gesenkt werden, so Asbeck. SolarWorld ist ein aufstrebender Photovoltaik-Hersteller mit Sitz in Bonn und Produktionsstätten in Freiberg und Gällivare (Schweden). Die Produktionskapazität liegt nach Unternehmensangaben seit kurzem bei 50 Megawatt für Solarmodule. Bisher trat SolarWorld jedoch vor allem als Zulieferer von Wafern für andere Hersteller in Erscheinung. Die SolarWorld-Aktie notierte unverändert bei 11,80 Euro.

 

Die nicht börsennotierte Phönix SonnenStrom AG errichtet derzeit nach eigenen Angaben eine 400 Meter lange Photovoltaik-Anlage auf einer Lärmschutzwand der Deutschen Bahn AG. Das Pilotprojekt habe eine Spitzenleistung von 20 Kilowatt (peak) und soll im kommenden Jahr auf 180 Kilowatt ausgebaut werden. Verbaut würden amorphe Silizium-Module des japanischen Herstellers Mitsubishi Heavy Industries, hieß es. Eine 300 Kilowatt-Freilandanlage mit Modulen des gleichen Herstellers sei kürzlich eingeweiht worden, berichtete der Solargroßhändler aus Sulzemoos bei München weiter.

 

Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG legte die vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahrs vor. Der Umsatz ist den Angaben zufolge um ein Prozent auf 1,695 Milliarden Euro gestiegen, das um Sondereffekte bereinigte EBIT erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 121 Millionen Euro. Der bereinigte Jahresüberschuss nach Fremdanteilen stieg um neun Prozent auf 25 Millionen Euro oder 0,50 Euro pro Aktie. Die Ergebnisse in den großen Segmenten Strom, Wärme, Gas, Wasser, Müllheizkraftwerke und Dienstleistungen hätten sich durchweg verbessert, hieß es; im kleinen Bereich Erneuerbare Energien (Umsatz zwei Millionen) führten die hohen Investitionen in die drei Biomasse-Kraftwerke Mannheim, Königs Wusterhausen und Flörsheim-Wicker zu einem negativen Ergebnis. Nach Aussage von Rudolf Schulten, Vorstandsvorsitzender des fünftgrößten deutschen Stromversorgers, habe sich MVV mit diesen Investitionen eine gute Ausgangslage für die zu erwartende Verschärfung des Wettbewerbs im Energiegeschäft verschafft. Zur Dividende machte das Unternehmen keine Angaben. Die MVV-Aktie notierte am Freitag leicht stärker bei 14,25 Euro. Analysten der HypoVereinsbank stuften die Aktie nach den Zahlen mit "neutral" ein.

 

Um zwölf Prozent auf 19,25 Euro kletterte der Kurs der REpower Systems AG. Der Hamburger Windturbinenbauer hat nach eigener Mitteilung zwei Absichtserklärungen mit chinesischen Partnern unterzeichnet. Mit der Tianjin Hi-Tech Holding Group soll ein Joint Venture gegründet werden, an dem REpower die Mehrheit hält und das in China Turbinen vom Typ MD77 (1,5 Megawatt) produzieren und errichten soll. Ein weiterer Vorvertrag habe die Förderung konkreter Windparkprojekte durch die Regierung von Tianjin zum Inhalt. Auch eine Meldung der Wiesbadener ABO Wind AG könnte dem Kurs Auftrieb gegeben haben. Die nicht börsennotierte Projektierungsgesellschaft hatte die Baugenehmigung für einen Windpark in Frankreich gemeldet, der aus sechs Anlagen MD77 bestehen wird.

 

Konkurrent Nordex AG meldete einen Auftrag für elf Anlagen der gleichen Leistungsklasse aus Brandenburg. Der Auftragswert betrage rund 18 Millionen Euro. Nordex stiegen um drei Cent auf 0,72 Euro. Weltmarktführer Vestas Wind Systems A/S sackten dagegen um weitere zehn Prozent auf zum Schluss 84 Dänische Kronen ab. Analysten von Lehman Brothers haben die Aktie nach der Gewinnwarnung in der Vorwoche mit "underweight" eingestuft.

 

Nach Angaben der Plambeck Neue Energien AG habe das Bundeskartellamt keine Einwände gegen das Joint Venture mit der dänischen Energi E2 A/S. Der gemeinsamen Realisierung des Offshore-Windparks "Borkum Riffgrund" stehe nun nichts mehr im Wege, hieß es. Plambeck notierten zwei Prozent schwächer bei 2,33 Euro.

 

Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) stellte die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu Energie und Klimaschutz vor. Der Umfrage zufolge sehen die Deutschen den Klimawandel mehrheitlich als reale Bedrohung an und seien entsprechend bereit, in Zukunft verstärkt auf erneuerbare Energie zu setzen. 72 Prozent der Befragten würden erneuerbare Energien bevorzugen, 22 Prozent Gaskraftwerke und fünf Prozent Kohle. Die Bereitschaft, den Stromversorger zu wechseln, sei jedoch weniger deutlich ausgeprägt. Zugleich kritisierte der WWF das Bundesumweltministerium für die "nicht ausreichende" Ausweisung von Schutzgebieten in der Nord- und Ostsee. Die wichtigsten Verbreitungsgebiete von seltenen Seevögeln und Schweinswalen sowie andere Lebensgemeinschaften müssten vor dem Druck der Windenergie-, Rohstoff- und Fischereiwirtschaft geschützt werden. Die Umweltstiftung nannte unter anderem die Schutzgebiete "Sylter Außengrund", "Borkum Riffgrund" und "Östliche Deutsche Bucht", die vergrößert werden müssten. Für den naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie bleibe auch außerhalb dieser Seegebiete genügend Raum, meinte der Vertreter des WWF.

 

Vorstand und Aufsichtsrat der Nortorfer farmatic biotech energy AG sind wieder vollzählig. In den Aufsichtsrat wurde Willi J. Müller bestellt, Gründer der Vorgängergesellschaft von farmatic, bis 2002 Aufsichtsrat und noch heute Großaktionär. Zum Vorsitzenden des Gremiums wurde Karl-Wilhelm Giersberg gewählt. Neuer Vorstandsvorsitzender wurde Armin Weiß, der vor dem Börsengang der farmatic dort leitende Positionen innehatte. Ulrich Wogart wurde von seiner Position abberufen. Er war bisher Finanzvorstand und kurzzeitig - seit dem Rücktritt des Vorsitzenden Loick in der Vorwoche - Alleinvorstand der Gesellschaft. Farmatic kletterten in Frankfurt um vier Cent auf 0,74 Euro.

 

Der Kölner Dienstleistungs- und Rohstoffkonzern Interseroh AG kündigte den Erwerb von "knapp über 50 Prozent" an der Holzkontor Brandenburg GmbH an, die Zustimmung des Bundeskartellamtes vorausgesetzt. Interseroh begründete diese Entscheidung mit der wachsenden Bedeutung des Rohstoffes Altholz für die energetische Verwertung. Den Rest der Anteile werde die MVV Energie AG halten, die ab Anfang 2004 in ihrem Königs Wusterhausener Biomassekraftwerk jährlich 120.000 Tonnen Altholz verfeuern werde. Dieses soll dann die Interseroh Holzkontor Brandenburg liefern, hieß es. Interseroh-Aktien verteuerten sich um fünf Prozent auf 11,40 Euro.

 

Die Hamburger B.A.U.M. AG hat ihre Aktionäre zur ordentlichen Hauptversammlung am 13. Januar 2004 eingeladen. Aus dem Einladungstext geht hervor, dass der Gesellschaft ein Bilanzverlust in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro entstanden ist. Die Aktie verlor drei Cent auf 0,14 Euro.

 

Die nicht börsennotierte HerMerlin ethic & innovation Öko-Beteiligungs-AG erhöht gegenwärtig ihr Kapital mit der Ausgabe von bis zu 100.000 Inhaberaktien. Das Bezugsrecht kann laut Mitteilung der Langenaltheimer Gesellschaft bis zum 31. Dezember 2003 wahrgenommen werden.

 

Nach Angaben der Vereinigten Wirtschaftsdienste (vwd) wird die Deutsche Bahn AG Anfang 2004 eine Vorentscheidung über die Vergabe eines milliardenschweren Diesellok-Auftrages treffen. Als mögliche Interessenten nannte vwd verschiedene Unternehmen, darunter die Vossloh AG aus Werdohl. Vossloh werden gegenwärtig bei 38,25 Euro gehandelt. Analysten der österreichischen Ersten Bank stuften die Aktie mit "accumulate" ein und erhöhten das Kursziel auf 45 Euro. Zur Begründung verwiesen sie auf die Ergebnisse des dritten Quartals und die gute Marktstellung des Konzerns.

 

Einen deutlich auf 1,157 Millionen Dollar angestiegenen Reingewinn für die zurückliegenden neun Monate meldete die Schweizer Precious Woods Gruppe. Das Wachstum um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum sei zum Teil auf Einmaleffekte zurückzuführen und könne deshalb nicht auf das Gesamtjahresergebnis hochgerechnet werden. Das in der nachhaltigen tropischen Forstwirtschaft tätige Unternehmen berichtete über gut gehende Verkäufe und einen Auftragsbestand in Rekordhöhe. Der Aktienkurs zeigte wenig Veränderung, er lag am Freitag bei 61 Schweizer Franken.

 

Der österreichische Karton- und Faltschachtelhersteller Mayr-Melnhof Karton AG kauft eigenen Angaben zufolge bis zu 1,2 Millionen Aktien zurück. Der Rückkauf habe am 5. Dezember begonnen und werde längstens bis zum 13. November 2004 dauern, hieß es. Der Kurs stieg in Wien fünf Prozent auf 93,81 Euro.

 

Der US-amerikanische Chiphersteller Transmeta Corp. berichtete über einen Vertriebserfolg seines Efficeon-Prozessors. Der Computerhersteller HP wird den Chip in sogenannte Blade PCs einbauen. Blade PCs werden in Rechenzentren eingesetzt und konzentrieren eine hohe Rechenleistung auf engstem Raum. Transmetas energiesparsame Prozessoren würden sich für diese Anwendung besonders eignen, weil sie vergleichsweise wenig Wärme erzeugen. Zusammen mit der Infrastruktur-Technologie von HP könne das zu Einsparungen von 50 Prozent der Betriebskosten gegenüber herkömmlicher Technik führen, so die Mitteilung. Transmeta kletterten in New York um 14 Prozent auf 3,77 Dollar.

 

Zu den Kursverlierern der Woche gehört die Karlsruher init innovation in traffic systems AG, deren Aktie 18 Prozent auf 4,30 Euro verlor. Auch der US-amerikanische Luftfilterspezialist CECO Environmental Corp. gab deutliche 15 Prozent auf 1,70 Dollar ab.

 

B.A.U.M. AG (ISIN DE0005083109 / WKN 508310)

CECO Environmental Corp. (ISIN US1251411013 / WKN 906379)

farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)

init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)

Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)

Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)

MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)

Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)

Phönix SonnenStrom AG (unnotiert, ISIN DE0005309603 / WKN 530960)

Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)

Precious Woods AG (ISIN CH0013283368)

REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)

SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)

Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)

Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)

 

Bild: Holzaufarbeitung bei Interseroh. Der Rohstoffkonzern will Mehrheit an Holzkontor Brandenburg erwerben

 

 

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

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