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Wachhund-Warnung 24.10.2006

Anlagecheck: Deutsches Geld in spanischer Sonne - Bundesbürger im Visier von Solar-Aktiengesellschaft

Sonne ole" in Spanien: Da muss doch auch Geld bei Deutschen in Spanien zu holen sein. Ein spanisches Unternehmen mit deutscher Leitung probiert es: Es will Solarstromanlagen in Spanien bauen. Die ECO Invest proyectos de energias renovables SA mit Sitz in Els Poblets südlich von Valencia sucht dafür derzeit Investoren. Der Ausgabepreis je Vorzugsaktie beträgt 100 Euro, ab 2000 Euro kann man einsteigen, 10 Millionen Euro sind zu platzieren.

 

Laut dem Emissionsprospekt will die Gesellschaft den künftigen Vorzugsaktionären fünf Prozent Garantiedividende jährlich zahlen. Das sei in Spanien vorgeschrieben, erklärt Michael Roller, Vorstand der ECO Invest SA: "Wenn wir keine Dividende zahlen können, müssen wir aber nicht etwa Insolvenz anmelden. Die Aktien werden dann automatisch zu Stammaktien - bis die Gesellschaft die Dividende nachzahlen kann." Obwohl das Unternehmen erst aufgebaut wird, sieht Roller keine Problem in der Garantiezahlung. ECO Invest investiere in Solaranlagen, da gebe es gute Einspeisevergütungen, so der Vorstand.

 

Geschäftszweck der ECO Invest SA sind dem Emissionsprospekt zufolge "Projekte zur Herstellung von erneuerbaren Energien". Was für Vorhaben sind das konkret sind, verrät der Prospekt nicht im Detail. Die einzelnen Investitionen würden "zum Zeitpunkt der Zeichnung des Aktienkapitals noch nicht fest stehen", heißt es lapidar. Der Vorstand bestätigt im Gespräch, dass noch kein einziges Projekt verbindlich genehmigt sei.

 

900 Prozent Mehrwert in wenigen Monaten?

Interessenten können die stimmrechtslosen Vorzugsaktien nur über einen Treuhänder kaufen. Dabei handelt es sich um den Steuerberater der Gesellschaft, die "Euro Fiscal Levantes SL" aus Dénia. Die Stammaktien der Firma sind laut Roller in den Händen von fünf Aktionären, ihn selbst eingerechnet. Der Ausgabepreis bei Gründung der Gesellschaft Ende 2005 lag bei zehn Euro je Aktie, bestätigt Roller. Wie erklärt sich nun der enorme Aufschlag von 900 Prozent, den die neuen Aktionäre zahlen sollen? Der Vorstand verteidigt sich: "Die Vorzugsaktionäre haben das verbriefte Recht auf die Garantiedividende. Zudem haben wir eine Menge Know How in Form von Kontakten eingebracht und die Projektentwicklung seit der Gründung stark weiterentwickelt. Mehrere Projekte sind unterschriftsreich, wir warten nur noch darauf, dass sie abgeschlossen werden. Die Mittel aus der Aktienemission fließen überdies voll dem Unternehmen zu." Also: Die Anleger zahlen 100 Euro pro Aktie, sind aber nicht stimmberechtigt - die Gründer schon.

 

Die Beteiligungskonstruktion über einen Treuhänder habe man gewählt, um die "Verwaltung zu vereinfachen", erklärt der Vorstand auf Nachfrage. "Der Treuhänder ist gleichzeitig unser Steuerberater", sagt Roller. Ein Treuhänder, der ansonsten kein Geld mit der AG verdient, wäre auch nicht schlecht. Wie der Vorstand weiter erläutert, hält der Treuhänder das eingehende Geld nicht zurück, die Mittel würden derzeit vielmehr laufend verbraucht. In Spanien sei die Projektierung sehr langwierig: Der Zeichnungsstand liegt laut Roller bei "ungefähr 450 - 500.000 Euro.

 

Schlanke Verwaltung: Ein-Mann-AG

Der Vorstand arbeitet eigenen Angaben zufolge "in der Startphase" als einziger fester Angestellter der Gesellschaft. Die gesamte Verwaltung der Gesellschaft erledige der Steuerberater. 100 Euro für die Aktie einer AG mit einem einzigen "Angestellten", sprich Vorstand? Das ist ambitioniert, um es vorsichtig zu sagen.

 

Wie Roller bekennt, wurde der Emissionsprospekt der ECO Invest nicht durch die Bonner Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüft. Als spanisches Unternehmen sei man dazu nicht verpflichtet, erklärt er: "Wir vermarkten in Spanien, da müssen wir den Prospekt nicht in Deutschland genehmigen lassen. Unsere deutschsprachige Webpage richtet sich vor allem an Deutsche, Schweizer und Österreicher, die in Spanien leben." ECO Invest verweist jedoch im Emissionsprospekt eigens auf eine Inkassostelle. Und die liegt in Deutschland.

 

Anja Neukötter, Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, stellt dazu fest: "Das öffentliche Angebot von Wertpapieren in Deutschland setzt grundsätzlich einen von der BaFin gebilligten Wertpapierprospekt voraus. Emittenten können im Rahmen des EU-Passes ihre Aktien auch EU-weit anbieten. Für ein öffentliches Angebot von Wertpapieren auch in Deutschland muss im Rahmen eines so genannten Notifizierungsverfahrens ein von der jeweiligen Heimatbehörde gebilligter Wertpapierprospekt nebst einer Billigungsbescheinigung der Heimatbehörde bei der BaFin hinterlegt werden. Die ECO Invest S.A. hat derzeit keinen Wertpapierprospekt bei der BaFin hinterlegt." (Stand: 23.10.2006) Das Unternehmen teilte bis Redaktionsschluss nicht mit, ob eine Prüfung des Emissionsprospekts durch die spanischen Behörden erfolgt sei.

 

Fazit: Vom Kauf der Aktien der ECO Invest SA ist abzuraten. Der ist das Unternehmen ein Kandidat für die Wachhundrubrik von ECOreporter.de.

 

 

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Bildhinweise:

Michael Roller, Vorstand der ECO Invest S.A. / Quelle: Unternehmen;

in Spanien boomt der Solarmarkt: Photovoltaikanlage in Barcelona / Quelle: SunTechnics Técnicas Solares

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