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Direktbeteiligungen 29.02.2016

Anleiheinvestoren wichtigste Gläubiger von German Pellets?

Die Anleger der German Pellets GmbH müssen trotz durchwachsener Aussichten Geduld beweisen. Im Bild ein Werk von German Pellets in Deutschland. / Foto: Unternehmen

Das reguläre Insolvenzverfahren der German Pellets GmbH ist noch nicht eröffnet, aber schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass die Aussichten der Anleger auf Kapitalrückflüsse aus dem Insolvenzverfahren düster ausfallen werden. Um Gewissheit zu bekommen, brauchen die Anleger Geduld. Die Insolvenzverwaltung ermöglicht den Investoren eine Online-Registrierung.


Grund für die schlechten Aussichten ist vor allem die komplizierte Unternehmensstruktur. Hinzu kommt, dass mittlerweile einige Tochtergesellschaften der German-Pellets GmbH in die Insolvenz gefolgt sind. Der finstere Eindruck spiegelt sich auch in den Kursen der vier börsennotierten Wertpapiere von German Pellets wider. Ihr Wert tendiert gegen null. German Pellets hatte zwischen 2010 und 2015 drei Anleihen und zwei Genussrechte auf den Markt gebracht. Drei Anleihen und ein Genussrecht werden an der Börse gehandelt. Am heutigen Montagvormittag notieren diese Wertpapiere an der Börse bei Kursen zwischen 1,25 und 2,0 Prozent vom Nominalwert. Das heißt, Anleger die bei der Emission der Wertpiere eingestiegen sind, würden aktuell zwischen 98 und 99,75 Prozent Verlust einfahren.  


German Pellets schweigt zu Spekulationen um E.on-Kraftwerk

ECOreporter.de hatte schon anlässlich der geplatzten Gläubigerversammlung unmittelbar vor der Insolvenz darauf hingewiesen, dass die sehr spezielle Unternehmensstruktur der German Pellets GmbH aus Anlegersicht problematisch ist: Zwei US-Werke, die German Pellets lange Zeit auch gegenüber den Anlegern als Kernstück der Unternehmensstrategie darstellte, gehören nicht zum Unternehmen und damit nicht zur Insolvenzmasse (mehr dazu lesen Sie hier  ). Ein anderes „Leuchtturmprojekt“ von German Pellets   war der Kauf des Kohlekraftwerks Langerlo in Belgien vom Essener Energieriesen E.on. Vollzogen wurde das Geschäft Anfang Januar 2016. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt. Aber allein die geplante und weiterhin ausstehende Umrüstung von Kohle auf Holzpellets sollte 150 Millionen Euro kosten. Ob das Kraftwerk Langerlo tatsächlich im Besitz der German Pellets GmbH ist oder einer Firma des German-Pellets-Gründers Peter Leibold gehört, ist unklar. In Medien wird darüber spekuliert, dass das Kraftwerk mittlerweile an eine österreichische Firma übertragen worden sein könnte. German Pellets hatte im Rahmen der geplatzten Verlängerung der Anleihe von 2011 erklärt, Leibod sei bereit, das Kraftwerk in Langerlo zur Besicherung der Anleihe einzusetzen. Das deutet darauf hin, dass die Anlage schon vor der Insolvenz nicht der German Pellets GmbH gehörte. Wäre dem so, würde das ebenfalls die Insolvenzmasse schmälern. Zu den Besitzverhältnissen und Spekulationen gibt German Pellets auf Anfrage von ECOreporter.de keine Auskunft.


Kaum mehr Bargeld vorhanden?

Ohnedies hat sich die Lage der German-Pellets-Gruppe seit dem Insolvenzantrag augenscheinlich weiter verschlechtert. Medienberichte, nach denen das Barkapital von German Pellets nahezu aufgezehrt sein soll, hat das Unternehmen ebenfalls nicht kommentiert. Inzwischen haben außerdem vier der 27 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das sind die German Pellets Sachsen GmbH, die in Torgau Pellets herstellt, die German Pellets Supply GmbH & Co. KG, sowie die German Pellets Beteiligungs GmbH und die German Pellets Genussrechte GmbH. Zwei der vier neuen Verfahren leitet die Rechtsanwältin Bettina Schmudde. Sie verantwortet auch das Verfahren der Muttergesellschaft. Die beiden anderen neuen Verfahren leitet Dr. Sven-Holger Undritz. Beide Juristen kommen von der Hamburger Kanzlei White & Case. Aktuell rechnet die Insolvenzverwalterin Schmudde damit, dass das reguläre Verfahren im April 2016 eröffnet werden kann. Erst dann, so betont Schmudde auf der Internetseite der German Pellets GmbH, können die Anleger ihre Forderungen gegenüber dem Unternehmen durch die Anmeldung an der Insolvenztabelle geltend machen. Auf der Internetseite von German Pellets können sich Anleger allerdings schon jetzt registrieren.


Fachanwalt: „Anleger sollten Interessen bündeln“


Im Verlauf des Insolvenzverfahrens wird es für die Anleiheanleger Gläubigerversammlungen geben. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Fachanwalt Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth rät den Anlegern, ihre Interessen im Insolvenzverfahren zu bündeln: „Klar scheint immerhin, dass die Anleihebesitzer die größte Gläubigergruppe bei der German Pellets GmbH stellen“, sagt der Rechtsanwalt. Das sei ein Grund, geschädigte Anleger an den Entscheidungen im Insolvenzverfahren zu beteiligen. „Ohne eine Bündelung der Interessen wird das allerdings nicht funktionieren“, so Nieding weiter. Das gelte sowohl für die Anleger der börsennotierten Wertpapiere als auch für die Anleger der nicht börsennotierten Genussrechte, die 2010 auf den Markt kamen. Erste Bewerber, die um die Gunst der Anleger buhlen, um ein Amt als Gläubigervertreter zu erhalten, gibt es bereits. Lesen Sie auch diesen Beitrag  dazu, was Fachanwälte German-Pellets-Anlegern raten.

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