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Direktbeteiligungen 02.06.2015

Bald Entscheidung über die Zukunft von Prokon: GLS Bank plädiert für Genossenschaftsmodell

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank. / Quelle: Unternehmen

In einem Monat, am 2. Juli, entscheidet eine Gläubigerversammlung über die Zukunft des insolventen Windkraftunternehmens Prokon. Zur Wahl stehen der Verkauf des Windkraftgeschäfts an den Energiekonzern EnBW und die Fortführung des Unternehmens als Genossenschaft. Welche der beiden Alternativen das Rennen machen wird, ist offen. Nun hat sich ein prominenter Marktaktuer des nachhaltigen Investments für das Genossenschaftsmodell ausgesprochen: die GLS Bank.


Nach eigenen Angaben hat die Nachhaltigkeitsbank seit der Insolvenz im Januar 2014 mehrere Zeichner von Prokon.Genussrechten sowie „Die Freunde von Prokon e.V.“ beraten, einen Zusammenschluss von mehr als 10.000 Anlegern des Unternehmens. Vorstandssprecher Thomas Jorberg zu einer Stellungnahme veranlasst. Er sieht eine Übernahme von Prokon durch die EnBW kritisch. So weist er in einer Stellungnahme darauf hin, dass EnBW im letzten Jahr rund 450 Millionen Euro Verlust geschrieben hat. Der Kurswert der EnBW-Aktie sei in den vergangenen vier Jahren um rund 40 Prozent gesunken. Die Aktionäre von EnBW hättenen dadurch rund 2,6 Milliarden Euro an Wertverlust erlitten. Dennoch habe der Atomkonzern angekündigt, in den nächsten Jahren 3,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien zu investieren und weitere drei Milliarden in Stromnetze. Für Prokon hat EnBW 550 Millionen Euro geboten und damit andere Interessenten wie die Capital Stage AG übertroffen.


Jorberg liest aus dem Angebot von EnBW vor allem ab, dass es „die Werthaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Windparkbetreibers unterstreicht“. Fragwürdig sei allerdings, wie die EnBW das Genossenschaftsmodell „öffentlich zu diskreditieren versucht“.  EnBW-Chef Frank Mastiaux warne vor vermeintlichen unternehmerischen Risiken – obwohl die Zeichner der Genussrechte diese bereits getragen hätten. Als Genossen hätten sie in Zukunft „die Chance, Prokon in einer zukunftsweisenden Struktur weiterzuentwickeln“.


Der Vorstandssprecher der GLS Bank spricht sich für die Umwandlung von Prokon in eine Energiegenossenschaft aus. Jorberg erklärt: „Durch die Gründung einer Genossenschaft würden die engagierten Kapitalgeber zu stimmberechtigen Eigentümern. Sie könnten eine erfolgreiche Neuausrichtung von Prokon gewährleisten“. Die GLS Bank sei bereits mit Prokon über die Entwicklung verschiedener Projekte im Gespräch und sehe deren Finanzierung „sehr positiv“.


Prokon war einst als Alternative gegen die großen der Energiebranche angetreten. Der Anlegerverein Freunde von Prokon sind im Internet und auf zahlreichen Veranstaltungen aktiv, um Überzeugungsarbeit für ihre Ziele zu leisten. Ihr Konzept sieht vor, das bisher investierte Kapital im Unternehmen zu belassen und Prokon als unabhängiges Energieunternehmen in Bürgerhand fortzuführen.  Dafür sollen die Genussrechte zunächst in Anleihen umgewandelt werden, damit Anleger, die nicht mitziehen wollen, aussteigen können. Die Anleihe soll 15 Jahre lang laufen und mit 3,5 Prozent verzinst sein. Das heißt, diejenigen Anleger, die die Genossenschaft mittragen, binden sich für 15 Jahre. Entscheidet sich die Mehrheit für diese Variante, würden alle Lieferanten und Genussrechteinhaber mit Forderungen bis zu 1.000 Euro laut Insolvenzverwalter Holger Penzlin zunächst ebenfalls eine Barzahlung erhalten. Diejenigen Anleger die ihre Anleihen verkaufen, anstatt bei „Prokon 2.0“ dabei zu bleiben, müssten sich Penzlin zufolge allerdings gedulden, bis sie Geld bekommen. Das hänge mit der Realisierung der Darlehen im Zusammenhang mit den rumänischen Wäldern und dem Pelletwerk in Torgau zusammen. Der Gründer und ehemalige Chef von Prokon hatte erhebliche Summen in den Waldkauf in Rumänien gesteckt und dem Pelletwerk in Torgau einen zweistelligen Millionenkredit gewährt. Damit Prokon als Genossenschaft fortgeführt werden kann, müssten laut Penzlin rund 30.000 Anleger Genossenschaftler werden, auf die Barabfindung verzichten und ihr Kapital dem Unternehmen so als Eigenkapital zur Verfügung stellen.


Für die Genussrechtsinhaber würde der Verkauf an EnBW den Abschied aus dem Unternehmen bedeuten. Eine weitere Beteiligung in Form einer Anleihe sieht das EnBW-Angebot nicht vor. Insolvenzverwalter Penzlin schätzt die Insolvenzquote auf 50 bis 60 Prozent, sollte das Angebot von EnBW angenommen werden. Damit müssten die Prokon-Investoren mehr als die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals abschreiben. Aber häufig liegen Insolvenzquoten im unteren zweistelligen Prozentbereich, so dass die Verluste meist mehr als 80 Prozent betragen. Rund 75.000 Anleger hatten über eine Milliarde Euro in Genussrechte von Prokon investiert.

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