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Nachrichten 24.11.2011

Bald tot oder lebendig wie eh und je? – Südeuropas Photovoltaikmärkte im Schatten der Schuldenkrise

Südeuropa ist ein Epizentrum der Staatsschuldenkrise. Gerade krisengeschüttelte Länder wie Spanien, Italien und auch das besonders stark betroffene Griechenland sind für einige Akteure der Solarbranche und ihre Anleger wichtige Märkte. Ist es damit bald vorbei? ECOreporter.de sprach mit Herstellern und Fondsinitiatoren über gegenwärtige und zukünftige Probleme, Risiken und Chancen auf diesen Märkten.

Spanischer Solarpark. / Quelle: Phoenix Solar


Die Euro-Krise hat die Investoren verunsichert, auch im Bereich der Solarinvestments in die sonnenscheinreichen Länder Südeuropas. „Es gibt sowohl im privaten als auch im institutionellen Bereich Anleger, die aus Angst vor einer Rezession und einem wie auch immer gearteten Auseinanderbrechen der Eurozone in eine Schockstarre verfallen sind und keinerlei Entscheidung treffen“, stellt Hermann Klughardt, Geschäftsführer des Düsseldorfer Emissionshauses Voigt & Collegen, fest. Sein Unternehmen ist seit langem sowohl in Spanien als auch in Italien als Solarfondsinitiator aktiv. „Das Anlegerverhalten ist aktuell von einer generellen Unsicherheit geprägt“, so Klughardt weiter. Davon sei allerdings nicht allein die Anlageklasse Photovoltaik betroffen, stellt er klar.


Diese Ängste der Anleger teilen die Marktakteure so nicht.  „Risiken einer europaweiten Rezension für unser Geschäft sehen wir nicht“, sagt Andrea Wegner, Sprecherin des Photovoltaik-Systemherstellers Phoenix Solar. Dennoch setzt die prekäre Lage in wichtigen Photovoltaik-Staaten wie Spanien und Italien speziell den Herstellern von Solartechnik zu. „Durch die Finanzkrise kam es in den letzten Monaten zu Verzögerungen in der Finanzierung“, nennt Alexander Gorski vom Vorstand der Conergy AG auf Nachfrage von ECOreporter.de ein Hauptproblem auf den südeuropäischen Kernmärkten für Photovoltaik. „Die Kredit-Entscheidungen und Zusagen verzögern sich. Manchmal klappt die Zusage in wenigen Wochen, manchmal dauert es Monate. Dies führt zu Planungsunsicherheit und zu Verzögerungen“, erklärt Sylvia Ratzlaff, Sprecherin des Berliner Solarkonzerns Solon SE mit Blick auf Italien. „Das wird besonders für das Jahresendgeschäft kritisch, wenn es darum geht, Kraftwerke noch bei Gültigkeit eines höheren Stromeinspeisetarifs fertig zu stellen. Im schlimmsten Falle kann eine Verzögerung so dazu führen, dass ganze Projekte sich nicht mehr lohnen“, führt sie weiter aus.


Dass es etwa im Falle Italiens wegen der Staatsverschuldung zum Äußersten kommen könnte, dem vollendeten Bankrott, gilt den Befragten als unwahrscheinlich. „Als G8-Nation ist und bleibt Italien einer der Träger der Europäischen Union. Das Land hat sich hauptsächlich bei den eigenen Bürgern und weniger im Ausland verschuldet, ähnlich wie Deutschland zwischen 1991 und 2000. Italiens Wirtschaft wächst auch seit 1992 durchgängig positiv“, sagt André Wreth, Geschäftsführer des Hamburger Emissionshauses Enrexa Capital, das aktuell einen Italien Solarfonds vertreibt.


Als Grund für die Kreditklemme etwa in Italien sehen die Befragten nicht vorrangig die klammen Staatskassen. „Es ist in Italien aufwändiger geworden, Langfristfinanzierungen für Photovoltaik-Projektentwicklungen zu erhalten, weil das neue Erneuerbare-Energie-Gesetz Conto Energia IV fortlaufend sinkende Einspeisevergütungstarife für neue Solaranlagen vorsieht. Die Banken sind heute bereit, Finanzierungen für italienische Photovoltaikparks zu gewähren, wenn der Anlage ein konkreter Tarif zugewiesen wurde. Dies geschieht  in der Regel  erst nach ihrer Fertigstellung“, erläutert Fondsinitiator Klughardt. Stehe die Tarifzuweisung fest, seien die Banken weiterhin  durchaus bereit Kapital zur Verfügung zu stellen. Dies bedeute, dass die finanziellen Anforderungen an Projektierer und Generalunternehmer gestiegen sei, so Klughardt weiter.

Bildhinweis: Hermann Klughardt. / Quelle: Voigt & Collegen


„Unter dem neuen Conto Energia IV ist der Markt für Freiflächenprojekte praktisch zum Erliegen gekommen. Stattdessen verlagert sich auch in Italien die Entwicklung mehr und mehr auf das Gewerbedachsegment.“, skizziert  Sylvia Ratzlaff vom Hersteller Solon SE die Marktlage.  „In Spanien ist zu Boomzeiten bis zum Jahr 2008 eine relativ große Solarindustrie entstanden, die zwar in den letzten Jahren stark gelitten hat, aber damit rechnet, dass ein gewisses Grundniveau an Aktivitäten erhalten bleibt.“, so Ratzlaff weiter. Hier kämpfen zahlreiche  Marktakteure derzeit gerichtlich dagegen, dass die im Dezember eingeführte Neuregelung der Einspeisevergütung für Sonnenstrom auch rückwirkend die Tarife für Solaranlagen gekürzt hat, die seit langem Strom ins Netz einspeisen. In Spanien steht nun nach den Wahlen vom Wochenende ein Regierungswechsel an. Deshalb hofft ein großes Investorenkonsortium, dem sich auch einige deutsche Emissionshäuser angeschlossen haben, auf bessere Erfolgschancen einer seit Monaten laufenden Sammelklage gegen die rückwirkende Kürzung (ECOreporter.deOpens external link in new windowberichtete).  


Dennoch bleiben die südeuropäischen Photovoltaikmärkte aus der Sicht der befragten Fondsinitiatoren  „auch weiterhin attraktiv“, wie Hermann Klughardt von Voigt & Collegen betont. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein:  „Italien ist aus unserer Sicht aufgrund der Rechtslage und der weiteren Rahmenbedingungen eindeutig das attraktivste Investitionsland“, sagt Peter Heidecker aus der Geschäftsleitung des Münchner Fondsanbieters Chorus GmbH.Neben der Tatsache, dass die guten Sonnenstromerträge selbst in Norditalien für außergewöhnlich gute Renditen sorgten, werde die auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung für Solarstrom nicht vom Staat gezahlt, sondern wie in Deutschland durch ein Umlagesystem von den Stromverbrauchern, so Heidecker.  Zudem habe  Südeuropa sich in Sachen Photovoltaik-Bürokratie verbessert, konstatiert  wiederum Klughardt.  „Insbesondere Spanien und Italien haben im Bezug auf ihre Genehmigungsprozesse einen sehr hohen Reifegrad erreicht“, sagt er. Voigt & Collegen investiere aber dennoch grundsätzlich nicht in Projektentwicklungen,  um jedes Genehmigungsrisiko auszuschließen. Und bestehende Solaranlagen  zu erwerben sei in Italien wie Spanien unproblematisch.

Bildhinweis: Peter Heidecker. / Quelle: Chorus

 
Auch die Herstellerunternehmen sehen weiterhin Marktpotenziale in Südeuropa. „Die sonnenreichen südeuropäischen Länder haben den Ausbau der Photovoltaik in der Vergangenheit stark vorangetrieben. Diesen Trend sehen wir unverändert, zumal Photovoltaikprojekte nicht über Staatshaushalte finanziert werden“, sagt Alexander Gorski von Conergy. „Das Projektgeschäft in Südeuropa wird schwieriger, vor allem in Italien und Frankreich“, prognostiziert Andrea Wegner von der Phoenix Solar AG. Während in Italien ab 2012 die Photovoltaik-Großkraftwerke auf Ackerland verboten würden, sei das Ausschreibungsverfahren für Großvorhaben in Frankreich unattraktiv, erläutert sie. Griechenland hingegen sei ein „stabiler Markt mit gutem Potenzial“, so Wegner.

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