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Wachhund-Warnung 22.02.2006

Blue Star oder Black Box? Neues Unternehmen will auf der Neue-Energie-Welle mitreiten und Aktien an Anleger verkaufen - ein Fall für die Wachhund-Rubrik

Ein Erneuerbare-Energie-Unternehmen mit Sitz an der feinen New Yorker Park Avenue: So stellt sich die Bluestar New Energy, Inc. derzeit dar. Sie spricht deutsche Anleger an. Die sollen im Rahmen eines so genannten "private placement" insgesamt zwei Millionen Vorzugsaktien kaufen. Bluestar New Energy wolle das Geld in Beteiligungen an aussichtsreichen anderen Erneuerbare-Energie-Unternehmen investieren, heißt es. ECOreporter.de hat sich das Angebot angeschaut - und rät vom Investment ab.

 

Anleger können sich bei Bluestar New Energy für sieben US-Dollar je Aktie beteiligen, die Mindestzeichnung beträgt 3500 Dollar (2950 Euro). Den Emissionserlös wolle Bluestar in Beteiligungen aus allen Bereichen der Erneuerbaren Energien investieren, schreibt das Unternehmen. 2007 oder 2008 wolle man selbst an die Börse, heißt es weiter.

 

Insgesamt vierzehn Millionen Dollar soll die Aktienemission in die Kassen der Bluestar New Energy spülen. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge ein Authorized Capital (Stammkapital) in Höhe von zehn Millionen Dollar. Dieses verteile sich auf fünf Millionen Stammaktien (Shares of Common Stock) und fünf Millionen Vorzugsaktien (Shares of Preferred Stock), heißt es. Von den letztgenannten biete die Bluestar nun im Rahmen einer "vorbörslichen Aktienausgabe" zwei Millionen Stücke an. Der theoretische Unternehmenswert beläuft sich demnach auf 70 Millionen Dollar (10 Millionen Aktien x 7 Dollar je Aktie). Eine stolze Summe für ein erst im April 2004 gegründetes Unternehmen.

 

ECOreporter.de hat nachgefragt: Wie haben die Initiatoren der Bluestar den Ausgabepreis errechnet? Michael Ernst, President und CEO (Vorstandsvorsitzender) der Bluestar, gibt darauf keine Antwort. Wer hält die Stammaktien der Bluestar? Auch hier: Kein Kommentar. Etwas entgegenkommender gibt sich Ernst, als es um die bestehenden Beteiligungen der Bluestar geht. Das Unternehmen hält eigenen Angaben zufolge je 49 Prozent der Anteile der Firmen InnoEnergie GmbH, Aachen, und RSD Middle East GmbH, Stuttgart.

 

Die InnoEnergie habe spezielle Kleinwindenergieanlagen entwickelt, so Ernst. Die Geräte mit einer Leistung von 3 bis 50 Kilowatt basierten auf einem neuen, „leistungsfähigeren und ökonomisch deutlich günstigeren“ vertikalen Rotor. Dieser ermögliche eine Reduzierung der Bau- und Instandhaltungskosten, höhere Stromerträge, mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit bei einer niedrigeren Bauhöhe.

 

Eigentlich genau das, was die Windenergiebranche immer schon brauchte. Warum nur hat es noch keiner realisiert?

 

Die RSD Middle East GmbH beliefere Länder des mittleren Ostens mit patentierten, solarbetriebenen Anlagen zur Trinkwassergewinnung und -Reinigung der Firma RSD Rosendahl System in Hannover, so Bluestar. Das Unternehmen betreibe Tochterfirmen als Joint Ventures mit finanzstarken Partnern im Ausland, erklärt der Bluestar-Vorstand. Und weiter: "In Libyen und Ägypten sind solche Joint Ventures bereits vertraglich abgesichert, in anderen Ländern steht die RSD unmittelbar vor entsprechenden Vertragsabschlüssen."

 

Wie hoch ist das Engagement bei den Unternehmen, in die bereits investiert wurde? Da mag sich Ernst nicht festlegen: "Über die genaue Höhe der investierten Gelder wurde mit den Zielunternehmen Vertraulichkeit vereinbart", sagt er. Für die ersten Finanzierungsrunden seien jedoch in die beiden genannten Beteiligungen Gelder "in deutlich sechsstelliger Größenordnung" geflossen. Also ist mächtig viel Geld im Spiel?

 

Die Bluestar New Energy, Inc. sei 2004 als Joint Venture von "U.S.-amerikanischen Venture Capital Spezialisten und europäischen Marktkennern" gegründet worden, schreibt das Unternehmen. Die amerikanische Seite setze sich aus erfolgreichen Partnern zusammen, die in den vergangenen zwanzig Jahren in verschiedenen Stadien und Stufen des Venture Capital Marktes aktiv tätig gewesen seien. Wer denn diese "Venture Capital Spezialisten und Marktkenner" seien, will ECOreporter.de von Bluestar wissen? Ernst nennt ungern Namen und verweist auf ein Netzwerk von Finanzierungsspezialisten, Business Angels und VC Kennern". Ein "Herrn W. Matthias" habe zudem "exzellente Kontakte zur RWTH Aachen und zur AGIT".

 

In "Sondierungsgesprächen" hätten Unternehmen wie die Thyssen - Krupp AG sowie Alstom S.A. "deutliches und nachhaltiges Interesse an den Entwicklungen der InnoEnergie GmbH bekundet", berichtet Bluestar. Wie konkret ist das Interesse? Wieder eine der Fragen, die Herr Ernst unbeantwortet lässt.

 

Wenig überzeugend fallen auch die Argumente des Unternehmens für die US-Beziehungen aus: Weshalb will die Bluestar in den USA an die Börse, arbeitet operativ aber in Deutschland? "Die USA bieten Unternehmen nach wie vor die liquidesten Kapitalmärkte weltweit. Deutschland hingegen ist Weltmarktführer im Bereich erneuerbarer Energien", argumentiert Ernst. Wenn dem so ist, werden die Aktien der Bluestar dann auch parallel am "liquidesten Kapitalmarkt der Welt" platziert? Nein. "Eine Platzierung von Aktien der Bluestar in den USA wird spätestens beim Börsengang des Unternehmens erfolgen", vertröstet der Manager. Aber deutsche Anleger haben sich bei ECOreporter.de gemeldet, dass sie auf das Bluestar-Angebot aufmerksam gemacht wurden.

 

Fazit: Anleger sollten die Finger von den Aktien der Bluestar New Energy, Inc. lassen. Selbst wenn die Beteiligungen des Unternehmens erfolgversprechend sind, die Werthaltigkeit der Aktien ist derzeit spekulativ. Wichtige Auskünfte zum Unternehmen und zum vorliegenden Angebot wurden auch auf gezielte Nachfrage hin nicht erteilt. Investoren haben somit keinerlei Möglichkeiten, sich ein Bild über die Substanz des Unternehmens zu verschaffen. Sie kaufen bildlich gesprochen keinen blauen Stern (blue star) sondern eine schwarze Schachtel (black box). ECOreporter stuft die Bluestar New Energy deshalb bis auf weiteres in die Wachhundrubrik ein. Wir raten: Nicht kaufen!

 

 

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Bild: ECOreporter.de-Wachhund Pino

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