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Nachrichten 25.06.2010

BP ist kein Einzelfall - Kommentar von ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber

Die Ölpest vor der Golfküste hat verheerende Folgen für die Tierwelt vor Ort: verendeter Wasservogel. / Quelle: Greenpeace

Die von BP zu verantwortende Umweltkatastrophe hat Auswirkungen, die weit über das Unternehmen und die Ölbranche hinaus reichen. Nicht nur wegen des Wertverlustes, den der massive Absturz der BP-Aktie auch in Depots von angeblich nachhaltige Fonds angerichtet hat.


Hier ist zweierlei anzumerken: Erstens wird es verunsicherte Anleger geben, die nicht nachvollziehen können, dass nachhaltige Fonds überhaupt auf solche Aktien setzen. Die Erklärung ist das Vorgehen nach dem best-in-class-Ansatz. Also die Auswahl von Aktien nach dem Grundsatz, nur die nachhaltigsten einer Branche zu ins Portfolio zu heben – selbst wenn es sich um Branchen handelt, die nicht als nachhaltig gelten.  Dieses Prinzip kann man kritisieren. Aber es hat auch viel für sich. Denn gerade in den nicht-nachhaltigen Branchen findet sich das größte Verbesserungspotenzial in Richtung Nachhaltigkeit. Wer das best-in-class-Prinzip nicht will, kann allerdings auf Fonds ausweichen, die auch die besten einer Branche auswählen, aber bestimmte Geschäftsfelder ausschließen, beispielsweise Öl, Atomkraft oder Gentechnik.


Die entscheidende Frage ist aber noch nicht beantwortet: Ist denn BP best-in-class? Eindeutig nein. Auch vor dieser Ölkatastrophe war das Unternehmen Verursacher vieler und schwerer Umweltschäden. Wer BP als „best-in-class“ eingestuft hat, der hat sich vielleicht von den Werbestrategen des Konzerns blenden lassen, der in Anzeigen verkündete, BP hieße nun „Beyond Petroleum“ und nicht mehr British Petroleum – als ob schon die Zeit nach dem Erdöl eingeleitet sei. Einige Solaranlagen auf Tankstellendächern machen aber aus BP noch keinen Erneuerbare-Energie-Konzern. Geborstene Pipelines in wertvollen Naturgebieten und etliche andere Skandale hätten jedes Fondsresearch warnen müssen. Haben sie aber in etlichen Fällen nicht – und das ist der eigentliche Fehler. Ein unverständlicher Fehler, weil es bei BP so leicht war, die Wahrheit zu sehen. Oder wollte es keiner sehen, weil bei dem Unternehmen die Gewinne noch kräftiger sprudelten als das Öl aus dem Bohrloch vor der US-Küste?


Zweitens kann die BP-Katastrophe einen Aufschwung für Nachhaltigkeit und die nachhaltiger Geldanlage anstoßen. Denn es ist allzu offenbar geworden:  Unternehmen, die Umweltrisiken nicht ernst nehmen, kann es kräftig erwischen. Schließlich ist nicht einmal auszuschließen, dass die Ölkatastrophe und der folgenden Schadensersatz-Prozesse BP den Garaus bereiten werden. Und wenn amerikanische Anwälte einmal Schäden aus dem Klimawandel als Geschäftsfeld entdecken, werden sie gegen Fluglinien und Flugzeughersteller klagen, gegen die Autobranche und andere – BP ist zwar ein spektakulärer Fall, aber kein Einzelner.  Das wird sich auch in der Finanzbranche zunehmend herumsprechen und dafür sorgen, dass immer mehr Fonds und Investoren stärker auf Nachhaltigkeit achten. So erhöht sich der Druck auf Unternehmen, ökologische und soziale Faktoren stärker zu berücksichtigen. Die Branche des nachhaltigen Investments hat die Instrumente für die Überwachung der Nachhaltigkeit von Unternehmen bereits entwickelt. Der Finanzsektor muss sie aber auch konsequent einsetzen.

Bildhinweis: Jörg Weber / Quelle: ECOreporter.de

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