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Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 27.12.2013

Carbonfaser-Hersteller: Aussichtsreiche nachhaltige Aktien, beflügelt durch neue Autos wie den BMW i3? Fondsmanager im Interview

Der BMW i3 soll den Münchner Autohersteller BMW in Sachen E-Mobilität nach vorn bringen. / Bildquelle BMW AG, München.

Pieter Busscher, Manager des RobecoSAM Smart Material Fonds, sieht große Chancen bei den Herstellern neuer, leichter Werkstoffe, die in der Luftfahrt oder im Automobilbau einzusetzen sind. Eignen sie sich für nachhaltige Anleger? Warum bieten sich jetzt Chancen?


ECOreporter.de: Herr Busscher, sie erklären, die zivile Luftfahrt böte unter allen Industriezweigen auf Sicht von fünf Jahren die stabilste Nachfrage und große Chancen – die Auftragsbücher von Boeing und Airbus seien so gut gefüllt wie noch nie. Empfehlen Sie Boeing- und Airbus-Aktien für nachhaltige Anleger zum Kauf?

Pieter Busscher:Im Rahmen des RobecoSAM Smart Materials Fonds würden wir nicht in Boeing oder Airbus investieren, sondern in deren Zulieferer. Als attraktiv sehen wir das Wachstum im Bereich der leichten Werkstoffe und dabei insbesondere Carbonfasern und Titan. Hier wird die Nachfrage stark ansteigen, weil neue Flugzeuge – um effizienter zu werden – einen immer höheren Anteil an diesen Werkstoffen enthalten. Diese leisten einen grossen Beitrag, um die Kerosinnachfrage zu senken. Erwartete Wachstumsraten für Carbonfasern liegen bei circa elf Prozent pro Jahr bis 2018.

Bildnachweis: Fondsmanager Pieter Busscher, RobecoSAM. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Welche Unternehmen unter den Zulieferern halten Sie für nachhaltig und attraktiv?

Busscher:
Eines vorweg: bei Themenfonds steht nicht die unternehmerische Nachhaltigkeit des Unternehmens per se im Vordergrund sondern, ob die angebotenen Produkte und Dienstleistungen gegenwärtige Probleme lösen können. Im konkreten Fall: die nötigen Effizienzsteigerungen in der zivilen Luftfahrt.
Unter den Zulieferern für die Luftfahrtindustrie ist vor allem Hexcel zu nennen. Die Firma ist einer der führenden US Produzenten von Carbonfasern und sieht besonders starkes Wachstum aus der zivilen Luftfahrt, dem am stärksten wachsenden Segment. Während die Firma an einer Boeing 737 z.B. ca. 300.000 US-Dollar Umsatz macht, ist der Betrag bei einer Boeing 787 bereits 1,5 Millionen US Dollar und beim Airbus 350 sogar 5 Millionen US-Dollar. In Deutschland hat SGL Carbon die besten Chancen, in Kooperation mit BMW. Hier liegt der Fokus allerdings auf der Entwicklung von Carbonfasern für die Automobilbranche.


ECOreporter.de: Halten Sie die Aktien von Flugzeug-Herstellern oder Fluggesellschaften für nachhaltig?

Busscher:Je nach Überzeugung des Anlegers und des gewünschten Anlageansatzes des Investors kann es legitim sein, auch in diese Industriezweige zu investieren. Wünscht sich beispielsweise ein Investor eine Diversifikation über alle Branchen hinweg, kann er in die unternehmerisch nachhaltigsten Airlines investieren. Dieser Ansatz nennt sich „Best in Class“.
Ist ein Anleger bereit, aus Überzeugung Sektoren auszuschließen, ist das auch legitim, wenn man sich der Konsequenzen bewusst ist. Dieser Ansatz nennt sich „Exclusion“.


ECOreporter.de: Gerade in den letzten Wochen hat sich der Klimawandel wieder etwas mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit geschoben: die erfolglosen Klimagipfel, die Stürme, neue Nachrichten zu schmelzendem Eis an den Polen. Die Luftfahrt gilt als eine der Hauptursachen für die Klimabelastung, auch wenn manches Flugzeugtriebwerk sparsamer wird. Müsste man nicht schon aus Klimaschutzgründen die Luftfahrt komplett ausklammern, wenn man nachhaltig investieren will?

Busscher:Unsere Anlagephilosophie kennt den simplen Ausschluss von Sektoren nicht; außer Kunden wünschen das Explizit. Wer sich als Kunde für einen „Best In Class“-Ansatz entscheidet, investiert in die vorbildlichsten Unternehmen der existierenden Wirtschafszweige. Wer sich für einen Themenansatz entscheidet (z. B. den RobecoSAM Smart Materials Fonds) investiert in die Lösungsanbieter zu existierenden Problemen.


ECOreporter.de: Gibt es Unternehmen, die Sie als nachhaltig klassifizieren deren Hauptgeschäftsfeld im Bereich Carbonfasern liegt?

Busscher:Bei Themenfonds steht das Produkt respektive dessen Beitrag zur Lösung eines existierenden Problems im Zentrum – nicht die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens per se. Wir sehen die Carbonfaserhersteller als wichtig an im Kontext unserer Investitionen im Smart Materials Fonds. Dabei stehen der Effizienzgewinn und die mögliche Gewichtsreduktion im Fokus. Die Luftfahrt ist aktuell wichtig in der Nachfrage, aber in der Zukunft sehen wir eine breitere Nachfrage im Automobilbau. BMW setzt im elektrischen Auto i3 bereits Carbonfasern ein und hat große Pläne für eine generelle Verwendung in Zukunft. Das sehen wir im Gesamtzusammenhang des Gesamttrends hin zu leichten Werkstoffen, die die effizientere Rohstoffnutzung ermöglichen.


ECOreporter.de: Wie handhabt RobecoSAM selbst Dienstreisen - sind Flüge erlaubt? Sind sie das "letzte Mittel", falls Bahnreisen oder Telefonkonferenzen nicht möglich erscheinen?

Busscher:Wir nutzen täglich die modernen Kommunikationsmittel wie Video- und Telefonkonferenzen, um mit Kollegen und Kunden aus der ganzen Welt zu kommunizieren. Dienstreisen und -flüge sind erlaubt, werden jedoch vollumfänglich kompensiert. Im Jahr 2001 erhielt RobecoSAM als erstes Schweizer Unternehmen den CarbonNeutral®-Status und hat ihn seither auch behalten.

Bildnachweis: Für die Luftfahrtindustrie sind Carbonfaser-Hersteller ebenfalls wichtige Zulieferer. / Bildquelle: Fotolia


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Busscher.


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