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Finanzdienstleister 23.12.2014

Christliche Geldanlage: Wieviel Zins erlaubt der Glaube?

"Geld ist ein guter Diener und ein schlechter Herr", sagt ein Sprichwort. Wie hält es die christliche Ethik damit? / Quelle: Bistum Essen

Unbestritten: Geld kann sowohl Gutes tun als auch Schlechtes bewirken. Welche Regeln gibt es im christlichen Glauben zum Thema Geldanlage? Dürfen Christen überhaupt Zinsen und Renditen anstreben? Wenn ja, welche Geldanlagen sind erlaubt, welche verboten?


Renditen, Dividenden, Zinsen – alles schnöder Mammon, ein Tanz um das goldene Kalb? Ganz so ist es nicht. Die Geldanlage ist Christen nicht grundsätzlich verboten. „Geld ist eine Recheneinheit, es ist sozusagen das Schmiermittel, das den reibungslosen Ablauf des Wirtschaftslebens gewährleisten soll“, sagt Dr. Helge Wulsdorf, Theologe, Bankkaufmann und Nachhaltigkeitsbeauftragter der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn (hier gelangen Sie zu einem Kurzportrait der Bank). Doch er warnt auch: Geld sei nicht: ethisch neutral. „Man kann es benutzen, aber eben auch missbrauchen. Mit ihm lässt sich Positives wie Negatives erzielen“, so Wulsdorf.


Weitgehende Einigkeit besteht bei den Diskussionen um Gott und das Geld in einem Punkt: Privateigentum ist zulässig. Es dient dem Ziel, den Lebensunterhalt dauerhaft abzusichern. Kein Ziel ist es aber, derart viel Geld anzuhäufen, dass etwa Arbeit überflüssig wird. Im Register des Katechismus der Katholischen Kirche, ihrem Handbuch der Unterweisung in den Grundfragen des christlichen Glaubens, taucht das Stichwort Geld nicht auf. Und Jesus‘ Haltung? Sie erscheint zwar klar, aber auch radikal: „Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben…Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Matthäus 6,24; Lukas 16,13). Doch Wulsdorf weist auf die Zeitumstände hin, in denen Jesus Aussage entstand: „Weite Teile der Bevölkerung litten damals unter mehrfacher Besteuerung. Immer mehr Besitz konzentrierte sich in immer weniger Händen.“ Direkte Grenzen der Geldanlage lassen sich also aus Jesus' Worten nicht herleiten.


Theologie müsse nicht zwangsläufig über Wert und Unwert des Geldes befinden, so Wulsdorf. Vielmehr gehe es darum, die Gefahren im Umgang mit Geld aufzudecken und eine verantwortungsvolle Position gegenüber dem Geld zu beziehen. „Im Grundsatz gilt: Zinsen sind erlaubt. Aber nur, wenn jemand damit nicht die Notlage eines anderen ausnutzt“, erläutert Wulsdorf.

Foto: Dr. Helge Wulsdorf, Bank für Kirche und Caritas. / Quelle: ECOreporter.de


„Das biblische Gleichnis von den Talenten (Matthäus 25, 14-30) besagt, wir haben mit dem uns anvertrauten Geld zu wirtschaften. Wir dürfen, ja wir sollen unsere Talente sogar einsetzen, um Zinsen zu bekommen“, erläutert Pastor Andreas Kalkowski, Leiter des Evangelisch-Lutherischen Bildungs- und Tagungszentrums „Haus am Schüberg“ in Hamburg. Zinsen einnehmen, Renditen erzielen – das setzt ein Wirtschaftssystem voraus. Jede Wirtschaft greift jedoch in die Natur und damit in die göttliche Schöpfung ein. Ein Widerspruch?


Wulsdorf verneint und verweist auf den biblischen Schöpfungsauftrag: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren“ (Buch Genesis/ 1. Mose 2,15). Der Jahrtausende alte Text der Schöpfungsgeschichte beschreibe genau das Spannungsfeld, in dem wir uns heute befinden. Wie viel Bebauung oder – extremer formuliert – Vernichtung ist verantwortbar, und wie viel Bewahrung ist notwendig, um die Schöpfung nachhaltig sichern zu können? „Als christlicher Anleger muss ich mich daher ernsthaft damit auseinandersetzen, ob meine Geldanlage zerstörerische Kräfte freisetzt oder ob sie zukunftsweisende Wirtschafts- und Gesellschaftspraktiken fördert“, sagt Wulsdorf. Biblischer Schöpfungsauftrag und christlich orientierte Geldanlage lägen damit ganz dicht beieinander. „Nachhaltige Geldanlagen bieten die Möglichkeit, dem Schöpfungsauftrag gerecht zu werden. Dieser Verantwortung kann sich der Anleger heute nicht mehr entziehen!“, betont er.


Konkrete Anweisungen für Christen: Wo sollte nicht investiert werden:

Menschenwürde


Dr. Wolfgang Palaver, Professor für Christliche Gesellschaftslehre, erklärt: Tabu sind alle Investments, die mit der Verletzung der Menschenwürde einhergehen. Dazu zählen laut Palaver die sogenannte verbrauchende Embryonenforschung, Abtreibungsmittel, Euthanasie und die Todesstrafe.


Waffen und Rüstung

Da Waffen und Rüstungsgüter immer auch für Angriffe eingesetzt werden können, widersprächen sie dem Friedensauftrag der Kirchen, heißt es im Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage der evangelischen Kirche. Sie verweist für Näheres auf das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bildhinweis: Wer von Rüstung profitiert, leistet kaum einen Beitrag zum Frieden. / Quelle: Fotolia


Atomkraft

Die Atomenergie gilt bei Kirchenbanken und Theologen als tabu. Professor Palaver etwa sagt es so: „Zu hohe Risiken, keine Nachhaltigkeit.“


Gentechnisch verändertes Saatgut

Der Leitfaden der evangelischen Kirche schließt Gentechnik in der Pflanzenzüchtung zwar nicht generell aus, untersagt aber Investitionen in Unternehmen, die gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugen.


Kinderarbeit

Ausbeuterische Kinderarbeit sei unannehmbar, besagen die Anlagekriterien der Paderborner Bank für Kirche und Caritas. Dazu gehörten Arbeit für Kinder unter 13, Zwangsarbeit, Einsätze als Kindersoldaten, lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.


Tierversuche

„Tierversuche, die über rein medizinisch-wissenschaftliche Anliegen hinausgehen, sind moralisch verwerflich“, sagen beispielsweise die Investitionskriterien der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn.

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