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Finanzdienstleister 29.08.2014

„Das Geld unserer Kunden fließt nicht in ethisch oder ökologisch bedenkliche Geschäfte“ - Christoph Freytag ProCredit Bank

Christoph Freytag, Jahrgang 1967, ist Diplom-Volkswirt. Er zählt zum Vorstand der ProCredit Bank / Foto: Unternehmen.

Kleine und mittelständische Unternehmen sind ein Wirtschaftsmotor. Das gilt für Industrieländer ebenso wie für Schwellenländer. Die ProCredit Bank aus Frankfurt hat sich auf die Finanzierung ebensolcher Unternehmen in den ärmeren Regionen der Welt spezialisiert. Was das bedeutet und wie das funktioniert, erläutert Bankvorstand Christoph Freytag im Interview. Außerdem erklärt er den Nachhaltigkeitsansatz der ProCredit Bank und spricht darüber, was die Bank Privatkunden in Deutschland anbietet.


Die ProCredit Bank ist Aussteller der Messe Grünes Geld Hamburg die am Samstag, 6. September in der Handelskammer Hamburg stattfindet. Bei freiem Eintritt bietet die Messe Neueinsteigern wie Finanzprofis zwischen 9:30 Uhr und 18:00 Uhr einen detaillierten Überblick über Trends, Entwicklungen und neue Angebote am nachhaltigen Finanzmarkt. Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Grün oder grün gewaschen? Sicher oder riskan? Wie Sie nachhaltige Geldanlagen beurteilen können.“ und eine umfangreiche Vortragsreihe rund um „grüne“ Investments. Ein ebenfalls kostenloses Kinderprogramm macht die Messe zusätzlich familienfreundlich (mehr zur Veranstaltung erfahren Siehttp://www.gruenes-geld.de/hamburghier).


ECOreporter.de: Die ProCredit Bank ist auf Entwicklungsfinanzierung spezialisiert. Was genau bedeutet das, vergeben Sie Mikrokredite in Schwellenländern oder verfolgen Sie ein anderes Geschäftsmodell?

Christoph Freytag:  Wir haben uns auf die Finanzierung von sehr kleinen, kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern spezialisiert. In zahlreichen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Südosteuropas sind wir Hausbank für diese Unternehmen. Wichtig zu verstehen ist, dass wir als Vollbank vor Ort sind und nicht mit Partnerorganisationen zusammenarbeiten.
In aufstrebenden Volkswirtschaften ist besonders das Angebot von formalen, verlässlichen und bedarfsorientierten Finanzdienstleistungen für Unternehmer von großer Bedeutung um verbesserte Wachstums- und Einkommensmöglichkeiten zu schaffen und damit zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Länder beizutragen. Außerdem ist ein gut funktionierender und fairer Finanzsektor, eine wichtige Voraussetzung um das wirtschaftliche Potenzial eines Landes zu entwickeln und optimal zu nutzen. Als ProCredit Bank bemühen wir uns in allen Ländern, in denen wir tätig sind, zu einem inklusiven und transparenten Finanzsektor beizutragen. Daher ist unser Ansatz seit Jahren als robuste, faire, stabile und gut regulierte Bank kleine und mittelgroße Unternehmen zu finanzieren.
Typischerweise vergeben wir Kredite an Produzenten, Händler und Dienstleister. Ein großer Schwerpunkt liegt außerdem auf der Finanzierung landwirtschaftlicher Betriebe. Darüber hinaus gewinnt der Bereich Green Finance immer größere Wichtigkeit und wird von uns strategisch weiter ausgebaut. Hier sind insbesondere Finanzierungen zur Förderung der Energieeffizienz und der Erneuerbaren Energien zu nennen. Generell vergeben wir Kredite zwischen 10.000 und 500.000 Euro, in einigen Ländern auch bis zu 5 Mio. Euro. 95 Prozent der von uns vergebenen Kredite liegen unter 50.000 Euro.
Sie sehen, wir kommen ursprünglich aus der Mikrofinanzierung, haben uns jedoch seit 2005 schrittweise weiter entwickelt. Wir sind nicht mehr davon überzeugt, dass Märkte mit Mikrofinanzierung verantwortlich finanziert werden können. Der entwicklungspolitische Nutzen ist auch wissenschaftlich stark umstritten. 70 Prozent unseres Geschäftes findet in Südosteuropa statt. Dort haben sich die Märkte in den letzten 10 Jahren stark verändert. Die informellen Unternehmen von früher sind gewachsen und es gibt inzwischen einen sich rege entwickelnden Mittelstand.


ECOreporter.de: Welche Rolle spielt soziale, ethische und ökologische Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell der ProCredit Bank?

Freytag:  Die ProCredit Bank hat ein klares, wertebasiertes Geschäftsmodell. Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft und verzichten auf jede Art von Spekulation. Unser Angebot ist bewusst einfach und damit für jedermann verständlich gehalten. Bei all unseren Mitarbeitern legen wir großen Wert darauf, dass unsere Werte gelebt werden. Dies versuchen wir besonders durch eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung zu erreichen. Für die Ausbildung des internationalen Führungskräftenachwuchses haben wir in Deutschland, Lateinamerika und Osteuropa Akademien mit einem sehr umfassenden Ausbildungsansatz aufgebaut, in denen auch Geschichte, Anthropologie und Philosophie Teil des Lehrplans sind.
Von Beginn unseres Engagements weltweit an ist uns eine verantwortungsbewusste Kreditvergabe wichtig. Die ProCredit Bank bewirbt keine Konsumentenkredite und wir versuchen anhand einer guten Analyse die Kreditfähigkeit jedes Kunden genau zu prüfen um Überschuldung zu vermeiden. Darüber hinaus sehen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung in einem stets fairen Umgang mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden. Kunden treten wir auf Augenhöhe gegenüber und versuchen ihnen auf Basis einer fairen und fundierten Beratung nur solche Lösungen anzubieten, die ihnen wirklich von Nutzen sind.
Außerdem ist uns sowohl bei der Kreditvergabe als auch im Arbeitsalltag die Umsetzung von Umweltstandards wichtig. Bereits 2001 haben die Eigentümer die weltweite Einführung einer Ausschlussliste für die Kreditvergabe beschlossen, in der klar definiert ist, welche Art von Geschäften wir nicht finanzieren – von Waffengeschäften über Kinderarbeit bis hin zum Handel mit wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Damit können unsere Kunden sicher sein, dass ihr Geld nicht in ethisch oder ökologisch bedenkliche Geschäfte fließt.
Darüber hinaus setzen wir ein aus drei Säulen bestehendes Umweltmanagementsystem weltweit um. Erstens wird jeder Kredit einer Umweltrisikobewertung unterzogen und zweitens fördern wir die Entwicklung eines Green Finance-Angebotes in allen unseren Ländern. Dazu gehören Kredite für Energieeffizienzmaßnahmen oder Investitionen in Erneuerbare Energien. Drittens bemühen wir uns intern um eine möglichst große Energieeffizienz und überprüfen kontinuierlich unseren eigenen ökologischen Fußabdruck hinsichtlich Optimierungsmöglichkeiten.
 

ECOreporter.de: Anleger wünschen sich Transparenz von ihrer Bank, wie hält es die ProCredit Bank damit?


Freytag: 
Transparenz über unsere Geschäftstätigkeit wird bei uns groß geschrieben. Nach dem Start unseres Publikumsgeschäftes in Deutschland im März 2013 haben wir im Frühjahr einen Rückblick auf unser erstes Geschäftsjahr in Deutschland veröffentlicht. Darin ist jeder einzelne von uns vergebene Kredit aufgeführt, sind alle von uns finanzierten Banken der ProCredit Gruppe genannt sowie unsere eigenen Anlagen als Bank aufgelistet. Damit können Anleger genau nachvollziehen, was wir mit ihrem Geld machen. Dieser Bericht ist für jeden auf unserer Webseite einsehbar. Außerdem legen wir unsere für eine Bank bewusst moderat gestaltete Gehaltsstruktur offen dar. Unser Vergütungssystem setzt keine Anreize für kurzfristig orientiertes Handeln. Mitarbeiter erhalten bei uns keine Bonuszahlungen.


ECOreporter.de: Wie sieht die Eigentümerstruktur der ProCredit Bank aus?


Freytag:  Unsere Eigentümerstruktur wurde bewusst so gestaltet, dass sich unsere soziale und auf die Förderung von Entwicklung ausgerichtete Orientierung darin widerspiegelt. Die ProCredit Bank ist eine hundertprozentige Tochter der ProCredit Holding. Diese wiederum ist ein Public Private Partnership. Sie wird getragen von privaten Investoren wie dem Frankfurter Beratungsunternehmen IPC und der Mitarbeitergesellschaft IPC Invest sowie von öffentlichen, international tätigen Förderinstitutionen wie der KfW Entwicklungsbank und der zur Weltbank-Gruppe gehörenden International Finance Corporation (IFC), die auf die Förderung des Privatsektors in Entwicklungsländern ausgerichtet ist. Auch die ökologisch und entwicklungspolitisch engagierte niederländische DOEN-Stiftung begleitet seit vielen Jahren unser Engagement. Alle Anteilseigner sind langfristig orientiert und erwarten eine am dauerhaften Erfolg ausgerichtete Unternehmensführung bei moderater Eigenkapitalrendite. Mit dieser Gesellschafterstruktur ist die Balance von kommerziellen und entwicklungsorientierten Zielen gewährleistet.


ECOreporter.de: Seit wann gibt es die ProCredit Bank und warum wurde sie gegründet?

Freytag:  Als Bank mit Publikumsgeschäft in Deutschland gibt es uns seit März 2013. Unsere Gründung ist sicherlich als ungewöhnlich zu bezeichnen. Als Unternehmen deutsche Wurzeln in Frankfurt am Main zu haben, als erstes in Entwicklungs- und Schwellenländern erfolgreich zu sein und dann erst im Heimatmarkt aktiv zu werden dürfte als Unternehmensgeschichte in Deutschland einmalig sein. Auf den ersten Blick scheint der deutsche Bankenmarkt mit rund 1.800 Banken mehr als gesättigt zu sein. Betrachtet man jedoch das Segment der alternativen Banken, so ist die Zahl schon sehr viel übersichtlicher. Verstärkt durch die Finanz- und Bankenkrise schauen viele Menschen inzwischen sehr viel genauer hin, wo sie ihr Geld anlegen und was die Bank mit ihrem Geld macht. Wir denken, dass wir für diese Menschen interessant sind, und haben 2013 als den richtigen Zeitpunkt gesehen uns auch in Deutschland zu engagieren.
Ein weiterer Grund war der Wunsch der Eigentümer die ProCredit Bank weltweit unter die deutsche Bankenaufsicht durch BaFin und Bundesbank zu stellen. Regulierung ist uns weltweit wichtig, da wir der Überzeugung sind, dass vernünftige Regeln ein verantwortungsvolles Bankwesen fördern. Bei unserem langjährigen Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern hat sich immer wieder bestätigt, dass nur ein zuverlässiges, faires Finanzsystem mit gut regulierten und dadurch soliden Banken wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Entwicklung fördert.


ECOreporter.de: Was qualifiziert ein Unternehmen dazu, ein Darlehen von der ProCredit Bank zu bekommen, wie funktioniert die Auswahl?

Freytag:  Die ProCredit Bank finanziert weltweit im Prinzip jeden zuverlässigen und zahlungskräftigen Unternehmer, jedoch entscheiden wir über jeden Kredit auch unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte. Darüber hinaus haben wir unsere Ausschlussliste aufgestellt.
Für deutsche Unternehmen ist an erster Stelle sicherlich unsere Expertise in zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern interessant. Damit sind wir ein geeigneter Finanzierungspartner für Unternehmen und Organisationen, die von Deutschland aus in einem der Länder der ProCredit Bank aktiv sind. Außerdem finanzieren wir in Deutschland Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, besonders im Bereich Windenergie. Sehr gerne kommen wir auch mit nachhaltig ausgerichteten Unternehmen, die unser Geschäftsmodell spannend finden, ins Gespräch. Wir denken, dass wir mit unserer klaren Geschäftspolitik für diese Art von Unternehmen ein überzeugender Partner sind.

ECOreporter.de: Warum setzen Sie welche regionalen Schwerpunkte bei der Entwicklungsfinanzierung?

Freytag:  Unsere regionalen Schwerpunkte sind zum Großteil im Zusammenhang mit der Geschichte und wirtschaftlichen Entwicklung der Finanz- und Bankenmärkte der jeweiligen Länder zu betrachten. Alle unsere Banken sind dort gegründet worden, wo ein großer Bedarf für die Finanzierung von sehr kleinen, kleinen und mittelgroßen Unternehmen bestand.
Osteuropa hat sicherlich die am weitesten entwickelten Bankenmärkte. Die Märkte in denen die ProCredit Bank tätig ist, sind sehr heterogen und auch unsere Größe und Marktposition ist je nach Markt sehr unterschiedlich. Wir sind überzeugt mit unserem Ansatz in allen Ländern eine wichtige Rolle in der Finanzierung von kleinen Unternehmen zu spielen. Nach der Finanzkrise, die Osteuropa stark getroffen hat, waren die ProCredit Bank sehr wichtig für die fortgesetzte, verlässliche Finanzierung von Unternehmen. Viele andere Banken haben sich zu der Zeit aus diesen schwierigen Märkten zurückgezogen. Wir versuchen in schwierigen makroökonomischen Umständen weiterhin verlässlichen Zugang zu Finanzierung mit fairen Konditionen für die Unternehmen sicherzustellen. Dieses Modell der Finanzierung von sehr kleinen, kleinen und mittelgroßen Unternehmen haben wir gemeinsam mit öffentlichen Gebern auch in Lateinamerika und Afrika erfolgreich umgesetzt.

ECOreporter.de:  Können Privatkunden die ProCredit Bank zu ihrer Hausbank machen? Gibt es „gewohnte“ Bankangebote die sie (noch) nicht anbieten?

Freytag:  Im Moment sind wir keine Hausbank für Privatkunden, da wir noch kein Girokonto anbieten. Bisher gibt es für sie nur klassische Sparangebote in Form von Tages- und Festgeldern. Wir arbeiten als junge Bank weiterhin engagiert am Ausbau unseres Angebotes. Ein Girokonto werden wir 2015 anbieten. Dieses Jahr arbeiten wir unter Hochdruck an der Entwicklung unseres erweiterten Internet-Bankings, einem Kartenangebot sowie allen notwendigen technischen Voraussetzungen für ein Girokonto. Mit diesem Konto werden unsere Kunden dann übrigens schnelle und kostengünstige Auslandsüberweisungen in die Länder der ProCredit Bank tätigen können. Das wird es sehr attraktiv für in Deutschland lebende Menschen machen, die aus einem der Länder der ProCredit Bank kommen.

ECOreporter.de:  Inwiefern gibt es eine Anlagesicherung bei der ProCredit Bank?

Freytag:  Wie bei allen Banken sind bei uns Anlagen in Höhe von 100.000 Euro gesetzlich abgesichert. Über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus sind wir freiwillig Mitglied im Bundesverband deutscher Banken. Damit sind bei uns als Neumitglied 250.000 Euro pro Anleger abgesichert.

ECOreporte.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld präsentieren und was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Freytag:  Auf der Messe werden wir unsere inzwischen bewährten Sparangebote Tages- und Festgeld sowie Sparbriefe präsentieren. Damit richten wir uns an Privat- und Firmenkunden. Uns ist der Austausch und persönliche Kontakt zu Kunden wichtig. Veranstaltungen wie Grünes Geld sind für uns eine wichtige und willkommene Gelegenheit mit interessierten Menschen ins Gespräch zu kommen.

ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Freytag.

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