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Nachrichten 30.06.2011

„Die geplanten Neuerungen im EEG sind ein fauler Kompromiss.“ - Interview mit Wilfried Haas, Gedea-Ingelheim GmbH

Wie wird sich die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2012 auf Deutschland-Solarfonds auswirken? Wie wird sich der Markt für geschlossene Beteiligungen an Erneuerbare-Energie-Projekten generell weiterentwickeln? Und worauf sollten Neueinsteiger bei ihren Investmententscheidungen achten? Antworten zu diesen und weiteren Fragen gibt Wilfried Haas, Geschäftsführer des Erneuerbare-Energien-Projektierers Gedea-Ingelheim.

Wilfried Haas ist 52 Jahre alt und verheiratet. Der Diplom-Ingeneur ist seit 1986 im Bereich Erneuerbare Energie tätig und seit 2003 Geschäftsführer der Gedea-Ingelheim Gruppe.



Die Gedea-Ingelheim initiiert Beteiligungsangebote an Erneuerbare-Energie-Projekten in Deutschland. Das Unternehmen ist einer der mehr als 30 Aussteller der Messe Grünes Geld München am 9. Juli im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Die für Besucher kostenlose Veranstaltung bietet Finanzprofis wie Einsteigern einen umfassenden Überblick über Entwicklungen, Trends und aktuelle Angebote am Markt für nachhaltige Geldangen im deutschsprachen Europaraum.


ECOreporter.de: Die Einspeisevergütung für Solarstrom wird zum 1. Juli nicht gekürzt. Wie ist dies aus der Sicht von Solarfonds-Anbietern und -Anlegern zu bewerten?

Wilfried Haas:Für uns ist die Aussetzung der Kürzung ein richtiges Signal zur Energiewende und nimmt zeitlichen Druck aus Projekten. Sie zeigt aber auch die momentane Schwäche des Marktes – trotz erhöhter Sensibilisierung der Bevölkerung und Atomausstiegsbeschluss.


ECOreporter.de: Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) soll mit Wirkung zum 1. Januar 2012 erneuert werden. Welche Vor- und Nachteile können die geplanten Änderungen für Solarfonds bringen? Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Haas:Glücklich sind wir mit der Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nicht: Für uns sie ein fauler Kompromiss, der die Solar- und Binnenwindbranche in Deutschland deutlich schwächt. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss mindestens in dem Tempo erfolgen, wie die atomaren und fossilen Kraftwerke vom Netz gehen – und zwar verbrauchsnah und dezentral. Solarenergie im Verbund mit Binnenland-Windenergie wird den mit Abstand größten Anteil an der Energiewende tragen – und treibt damit den Markt und das Marktvolumen weiter an. Daher lehnen wir den Degressionsfaktor für neue Photovoltaikanlagen und die einseitige Bevorzugung von Offshore-Windparks ab. Stattdessen fordern wir dezentralen Solar- und Binnenland-Windenergieausbau. Außerdem brauchen wir endlich Investitionen in Smart Grids – also so genannte intelligente Stromnetze, Netzausbau und Aufbau von Speichersystemen zum Lastmanagement. Deutschland kann hier eine weltweite Vorreiterrolle in Technologie und Anwendung übernehmen.


ECOreporter.de: Werden in Deutschland Solarfonds mit der Neuregelung des EEG ab 2012 noch rentabel bleiben? Inwiefern macht es Sinn als Anleger oder Initiator auf andere Erneuerbare-Energieformen zu setzen, auf Beteiligungsangebote auszuweichen, die im Ausland investieren?

Haas:Solarfonds ebenso wie andere Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien werden immer Wege zur Rentabilität finden, wenn die zugrundeliegenden Projekte seriös geplant und gemanagt sind. Darum gibt es für Anleger und Investoren keinen Grund, bei jeder angekündigten EEG-Änderung aufzuschrecken. Wir schätzen die Zukunft der Photovoltaik und damit unsere Entwicklung weiterhin positiv ein. Wir haben und werden auch in Wind, Biomasse und Wasserkraft investieren. Photovoltaikanlagen in Deutschland werden weiterhin rentabel sein. Der deutsche Markt gibt uns rechtliche Sicherheit zu verlässlichen Bedingungen, von daher setzen wir weiter auf Projekte in Deutschland. Und auch viele Anleger schätzen es, dass unsere Anlagen in ihrer Nähe sind, so dass sie auch mal persönlich dort vorbeischauen können.


ECOreporter.de: Die EEG-Novelle 2012 sieht vor, Dachanlagen gegenüber Freiflächenanlagen deutlicher zu bevorzugen. Wie schätzen Sie die Marktaussichten von Dachphotovoltaik ein? Wie wird sich dies auf künftige Deutschland-Solarfonds auswirken?

Haas:Wir bieten schon lange beide Varianten – Dach und Freifläche – als Bürgergesellschaften an. So beitreibt beispielsweise unsere Solarstrom-DEins KG nur Anlagen auf kommunalen Dachflächen, wie Schulen, Kindergärten oder Parkhäusern. Hier gibt es noch viele Ausbaumöglichkeiten. Durch die Bündelung mehrerer kleinerer und mittlerer Anlagen wird der Betrieb effektiver. Damit steht die Rentabilität der von größeren Freiflächenanlagen in nichts nach.
ECOreporter.de: Wie wird sich der Markt für geschlossene Erneuerbare-Energie-Fonds in nächster Zukunft entwickeln? Was wird ihn dabei maßgeblich beeinflussen? Gibt es Anlageklassen, die künftig besonders im Trend liegen werden?
Haas: Die politische Großwetterlage bleibt positiv und immer mehr private wie institutionelle Anleger entdecken alternative Investments, die ökologisch nachhaltig investieren und vom aktuellen Banken und Börsenmarkt unabhängig sind. Zudem werden nach und nach fossile wie atomare Kraftwerke ersetzt werden müssen. Durch dezentrale Energietechniken und Bürgerbeteiligungen wird eine Demokratisierung der Energieerzeugung möglich – Strom wird nicht nur günstig lokal produziert und angeboten, auch die Rendite verbleibt in der Region. Diese Trends werden den Markt in den nächsten Jahren voranbringen. Ein starker Trend geht momentan zu mittelfristigen Anlageformen mit fixem Zins und variabler Gewinnbeteiligung.


ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld in München präsentieren?

Haas:Wir präsentieren erstmals unser neues Sonnendarlehen. Es dient zum Aufbau von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien in Deutschland Das Sonnendarlehen ist fest verzinst; mit zusätzlicher variabler Gewinnbeteiligung ergeben sich bis zu 8,75 % pro Jahr. Es ist mit einer mittelfristigen Laufzeit bis mindesten 2014 ausgestattet. Beteiligen können sich Anleger mit 500 Euro Mindestbeteiligung. Weiterhin bieten wir klassische Bürgerbeteiligungen: Bürger werden Mitgesellschafter an Photovoltaik-Projekten und investieren somit direkt in Sachwerte in Deutschland. Hier ist ein Einstieg ab 2.000 Euro möglich. Wir werden auf der Messe außerdem einen Vortrag halten, der die Chancen von ‚grünen‘ Investments für Neueinsteiger und Besitzer von kleineren und mittleren Vermögen aufzeigt.


ECOreporter.de: Mit welchen Erwartungen kommen Sie zu der Veranstaltung?

Haas:Bei der Messe freuen wir uns auf viele neue Kundenkontakte – die letzte Veranstaltung in Hamburg lief diesbezüglich sehr gut. Wir präsentieren unsere Bürgergesellschaften und Geldanlageangebote zum ersten Mal im Münchner Raum. Zusätzlich wollen wir die Messe nutzen, um nicht nur Kunden für unsere eigenen Investmentangebote zu finden, sondern auch anderen Kraftwerksbetreibern, unser Ingenieurbüro als Generalunternehmen in den Bereichen Planung, Realisierung und Betrieb beziehungsweise Wartung von Anlagen für regenerative Energieerzeugung vorzustellen. Außerdem fangen langsam aber sicher Stadtwerke und Gemeinden an zu hinterfragen, wie sie von Erneuerbaren Energien im Rahmen eines energiepolitischen Gesamtkonzepts profitieren können. Auch dafür bieten wir Beratung und Lösungen.


ECOreporter.de: Was raten Sie einem Anleger, der sich erstmals nachhaltigen Geldanlagen nähert und direkt in die Energiewende in Deutschland investieren möchte?

Haas:Wir empfehlen, in transparente, kleinere Projekte vor Ort in Deutschland zu investieren, aus Risikosicht am Besten in bereits bestehende Anlagen. Miteigentümer an einem Bürgerkraftwerk investieren in Sachwerte.  Sie sind dadurch besonders abgesichert. Durch die Garantien im EEG sind sie zudem vom wirtschaftlichen Auf und Ab abgekoppelt. Risikostreuung ist bei allen Finanzinvestitionen entscheidend. Das Chancen-Risiko-Verhältnis sollte stimmen, denn kein Unternehmen verschenkt Geld: Es gibt keine sicheren, garantierten und nachhaltigen 10 Prozent Rendite pro Jahr ganz ohne Risiko, das muss jedem klar sein.


ECOreporter.de: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Haas.

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