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Umweltschutz 25.04.2013

Die Umweltschutzbewegung

Weltweit setzen sich Aktivisten für Umweltschutz ein, hier vor der japanischen Botschaft in Thailand. / Quelle: Greenpeace, Vinai Dithajohn

Vorläufer der Umweltschutzbewegung - oder, kürzer: Umweltbewegung - gab es schon in der Romantik; auch in der weit älteren Naturschutzbewegung ist ein Vorreiter der Umweltbewegung zu sehen. So wurde der "Deutsche Bund für Vogelschutz" schon 1899 gegründet. 1990 wurde er in "Naturschutzbund Deutschland" umbenannt; er ist nun zu den Umweltverbänden zu zählen. Eine wichtige gesellschaftliche und politische Rolle eroberte sich die deutsche Umweltbewegung erst in den 1970er Jahren. In den USA waren schon vorher Wegbereiter der Umweltbewegung auszumachen. Ein Schrittmacher war dort das Buch "Silent Spring", deutscher Titel: "Der stumme Frühling". In diesem Buch beschreibt Rachel Carson vor allem die verheerenden Folgen des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft.


Die eigentliche Geschichte der Umweltbewegung ist in drei Phasen aufzuteilen. Die erste Phase war die Gründungsphase Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre. Verschiedentlich wird die Ansicht geäußert (z.B. v. Lersner), ein Faktor für das Zustandekommen der Umweltbewegung seien die Studentenunruhen gewesen. Die konservative Regierung unter Richard Nixon in den USA soll versucht haben, die Jugend von ihrem Protest gegen den Vietnam-Krieg abzubringen und ihr ein neues Ziel für ihr Engagement zu geben. Ob diese Vermutung zutrifft, ist unsicher; jedenfalls hatte die Studentenbewegung sich zunächst fast gar nicht mit Umweltschutz befasst. Sicher sind verschiedene andere Faktoren (auch) ausschlaggebend für die Gründung der Umweltbewegung: Z.B. die Gründung des "Club of Rome" und die von ihm in Auftrag gegebene Studie "Die Grenzen des Wachstums". In der Studie untersuchten Wissenschaftler die Ursachen und Folgen des Wachstums der Bevölkerung, des Industriekapitals, der Nahrungsmittelproduktion, des Rohstoffverbrauchs und der Umweltverschmutzung. Die Ergebnisse erregten weltweites Aufsehen. In Deutschland kam hinzu, dass die sozial-liberale Bundesregierung 1971 ein Umweltprogramm verabschiedete. Etwa zur selben Zeit verabschiedeten auch andere westeuropäische Staaten sowie Japan und die USA Umweltprogramme und richteten Umweltbehörden ein.


Die zweite Phase der Umweltbewegung ist gekennzeichnet durch die Bildung einer Basis in der Bevölkerung.  Anfang und Mitte der 70er Jahre gründeten sich in Deutschland viele lokale und regionale Bürgerinitiativen.  1972 wurde der "Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz" (BBU) gegründet, 1975 der "Bund für Umwelt und Naturschutz" (BUND). 1980 wurde Greenpeace Deutschland gegründet; Greenpeace International existierte bereits seit 1972. 1982 spaltete sich ein Teil von Greenpeace Deutschland ab und formierte sich als "Robin Wood". Sie alle versuchten, die Umweltpolitik zu beeinflussen. In großen Teilen der Politik und der Wirtschaft sahen sie ihre Gegner. Die "Öl"- bzw. "Energie"krise 1973 gab den Initiativen zusätzliche Schubkraft. Denn aus dieser Krise resultierten auch die Regierungspläne, die Atomkraft zur wesentlichen Energieversorgungsquelle auszubauen. Gegen den weiteren Bau von Atomkraftwerken leisteten die Bürgerinitiativen erbitterten Widerstand. Dieser Widerstand gipfelte in den Kämpfen um das Atomkraftwerk Brokdorf und die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und im Widerstand gegen andere Großanlagen wie den Flughafenausbau durch die Startbahn West in Frankfurt. Unterstützung bekam die Umweltbewegung auch durch die Friedensbewegung; z.T. waren diese Bewegungen identisch.


Diese zweite Phase der Umweltbewegung ist gekennzeichnet durch die Feindschaft der Umweltschützer und der Wirtschaft. Zu Gesprächen zwischen den Umweltverbänden und der Wirtschaft kam es kaum. Die Umweltverbände analysierten die Umweltprobleme, klagten die Wirtschaft an und sorgten durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie Massendemonstrationen oder Schornsteinbesetzungen für Medienwirksamkeit. Konkrete Pläne und Vorschläge, wie die Wirtschaft mehr für den Umweltschutz leisten könnte, gab es in der Umweltbewegung kaum; dieses Feld überließ sie weitgehend der Politik. Hier hatten sich allerdings mittlerweile die Partei der "Grünen" etabliert, so daßss die Umweltbewegung sich z.T. als im Parlament vertreten ansah.
Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends geriet die Umweltbewegung in Deutschland - zum Teil auch weltweit - in eine Krise.


In den Hintergrund gedrängt wurde das Umweltproblem in Deutschland durch die deutsche Einigung 1989 und die damit verbundenen Probleme. Auch der Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa und die Folgen dieses Zusammenbruchs lenkten die Aufmerksamkeit vom Umweltschutz ab. Das gleiche gilt für Kriege wie den Golfkrieg und den Bürgerkrieg in Jugoslawien.


Daneben begannen die Feindbilder der Umweltbewegung unscharf zu werden. Das lag zum Teil an den Erfolgen der Umweltpolitik; so konnte die Luft- und Wasserverschmutzung in vielen Bereichen merklich gesenkt werden. Zu einem anderen Teil lag es auch daran, dass die Industrie sich des Themas Umweltschutz nun annahm. Mit großen Werbe- und Öffentlichkeitskampagnen versuchten Unternehmen, ihr schlechtes Umwelt-Image aufzubessern. Zumindest zum Teil steckten hinter diesen Kampagnen wirkliche Erfolge der Unternehmen im Umweltschutz. Vor allem die Umweltverschmutzungen, die bei der Produktion anfielen, wurden geringer. In der chemischen Industrie und der Automobilindustrie beispielsweise wurden die Schadstoffe, die bei der Produktion anfallen, wesentlich geringer je Tonne fertigen Produktes. Infolgedessen wurde es für Umweltverbände wie Greenpeace immer schwieriger, durch spektakuläre Aktionen auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Das Besetzen von Schornsteinen etwa versprach auch deshalb immer weniger Erfolg, weil aus diesen Schornsteinen zumindest in den alten Bundesländern weniger Schadstoffe quollen. Seit Anfang der 90er Jahre richten sich die Aktionen der Umweltverbände nun nicht mehr vor allem gegen die Folgen der industriellen Produktion, sondern auch gegen die Produkte selbst. Es kommt nicht nur darauf an, dass die Produktion eines Autos möglichst wenig die Umwelt belastet - es ist wichtig, dass das Auto selbst die Umwelt belastet: Durch den Ausstoß der Abgase oder dadurch, dass das Auto ein schwierig zu verwertender und zu lagernder Abfall ist, wenn es nicht mehr gebraucht wird.
Durch diese Umstellung der Ziele der Umweltbewegung geriet letztlich der Verbraucher ins Visier der Umweltschützer: Er wurde als Verantwortlicher der meisten Umweltschäden erkannt - nach dem Motto: Die Industrie produziert nur das, was die Verbraucher kaufen. Das wiederum brachte die Feindbilder durcheinander, weil die Industrie als Gegner der Umweltbewegung zum Teil ausfiel, während der Verbraucher und damit auch die Individuen der Umweltbewegung Ziel der Umweltschutzkampagnen wurden. Innerhalb der Umweltbewegung kam es nun zu Auseinandersetzungen darüber, welcher Kurs zu steuern sei. Zum Teil sah man Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft als den richtigen Weg an. Derartige Formen der Zusammenarbeit gab es z.B. durch das "Ökosponsoring". Hier spendeten Unternehmen Geld- oder Sachleistungen für den Umweltschutz. Im Grunde zeigte sich an den Schwierigkeiten, die die Umweltbewegung nun mit sich selbst hatte, wie erfolgreich sie gearbeitet hatte: Einige Umweltschützer saßen nun in den Managementetagen, wobei oft nicht erkennbar war, ob diese Manager dem Umweltschutz gerade Priorität einräumten oder nicht.


In dieser dritten Phase des Umweltschutzes begannen viele Mitglieder der Umweltbewegung, Konzepte für eine Umorientierung der Wirtschaft zu erarbeiten; z.T. wechselten sie von Öko-Instituten und Umweltschutzgruppen auch in Positionen in der Wirtschaft oder in der Politik. Andere gründeten selbst Unternehmen, die umweltorientiert arbeiten. So ging z.B. die Ökobank aus der Umweltbewegung hervor. Noch etwas anderes kennzeichnet die dritte Phase der Umweltbewegung: Sie wird nun als staatstragend anerkannt, während sie in der zweiten Phase, der Phase der harten Konfrontation, von großen Teilen der Wirtschaft und der Politik als Bedrohung des Staates angesehen wurde, auch als systemumstürzlerisch. Erblickt wurde diese Bedrohung allerdings besonders in dem eher kleinen fundamentalistischen Teil der Umweltbewegung.
Mit dem Wegfallen der Feindbilder hat die Umweltbewegung aufgehört, als klar zu definierende Bewegung zu existieren. Sie ist von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft absorbiert worden, was z.T. als Erfolg zu werten ist.  Ein Teil der Umweltbewegung, die Verbände und Bürgerinitiativen, existiert allerdings weiter. Ihre Aufgabe wird es weiterhin sein, Missstände beim Umweltschutz aufzuzeigen. Daneben müssen sie allerdings auch aufzeigen, wie eine Gesellschaft die ökologische Wende herbeiführen und dann mit ihr leben kann. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass zu viele Katastrophenwarnungen zu der Haltung führen "mein Engagement nutzt angesichts der schlechten Lage nichts mehr". Außerdem ist es schwierig, der Gesellschaft verständlich zu machen, wieso die ökologische Wende ein besseres Leben bewirken wird.


Die Umweltbewegung hat daneben die Aufgabe, zu versuchen, die Umweltangst, die Umweltdepression und die Hoffnungslosigkeit weiter Bevölkerungskreise in Aktivität für den Umweltschutz umzumünzen. Zudem ist es wohl nur der Umweltbewegung zuzutrauen, dass sie einen seltsam zwiespältigen Zustand zum Thema macht und den Konflikt auflöst: Dem Zustand, dass es großen Teilen der Bevölkerung materiell besser geht als je zuvor, während sich gleichzeitig die gesamte Bevölkerung von einer erwarteten Umweltkatastrophe bedroht sieht. Mit anderen Worten: Einer für viele erträglichen Gegenwart steht eine für unerträglich gehaltene Zukunft gegenüber.


Die Umweltbewegung muss deshalb Zukunftsentwürfe schaffen. Es wird darauf ankommen, Umweltschutz-Ziele zu stecken und festzulegen: Welche Bedeutung hat der Umweltschutz in der Gesellschaft, wie sieht eine Gesellschaft aus, die konsequent die natürlichen Lebensgrundlagen in ihrer Gesamtheit erhält, wie sieht die Wirtschaft für eine solche Gesellschaft aus? Mit der Beantwortung solcher Fragen würde die Umweltbewegung aus ihrer bisher oft reaktiven in eine aktive Rolle wechseln.

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