Werbung
Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 21.03.2012

Durchwachsene Bilanz - die Entwicklung der nachhaltigen Mischfonds über fünf Jahre

Mit einer flexiblen Anlagestrategie sicher durch die Wellentäler der Kapitalmärkte schiffen, das ist die Anlagestrategie nachhaltiger Mischfonds. Wir haben untersucht, wie sich die Angebote auf dem deutschen Markt in den letzten fünf Jahren entwickelt haben.

Mischfonds reagieren mit einer flexiblen Anlagestrategie darauf, ob die Kurse bei einem Bärenmarkt nach unten oder bei einem Bullenmarkt nach oben gehen. / Quelle: Fotolia



Während Aktienfonds ganz auf die Aktienmärkte setzen müssen und für Rentenfonds nur festverzinsliche Wertpapiere in Frage kommen, können Mischfonds beides verbinden und auch auf andere Wertpapiere setzen. In der Theorie kann es so gelingen, von starken Aktienmärkten zu profitieren und verstärkt auf sichere Renten zu setzen, wenn die Aktienkurse fallen. Im Praxistest der letzten fünf Jahre hat dies nur  bei einer Minderheit der nachhaltigen Mischfonds funktioniert. Lediglich ein Drittel der 21 Produkte, die seit März 2007 in Deutschland zugelassen sind, hat seither einen Wertzuwachs erzielt. Mehr als die Hälfte liegt auf fünf Jahre einstellig im Minus, die drei schwächsten nachhaltigen Mischfonds haben sogar zweistellig an Wert verloren.


Mit 13,8 Prozent hat der Prime Values Income der österreichischen Gutmann KAG über die letzten fünf Jahre am stärksten zugelegt. Für das Fondsmanagement ist die Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG zuständig, eine Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft mit langjähriger Expertise im Bereich ethisch-nachhaltige Investments. Sie ist aus dem Zusammenschluss der Dr. Höller Vermögensverwaltung AG (ethisch-nachhaltige Investments) und der Bastei Privatfinanz AG (Family Office) entstanden. Beide Gesellschaften waren 100-prozentige Töchter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA aus Deutschland. Dies gilt auch für die fusionierte Gesellschaft.


Der Prime Values Income investiert weltweit in Anleihen und Aktien großer und mittlerer Unternehmen und Emittenten. Dabei darf der Aktienanteil bis zu 30 Prozent betragen. Ende Februar lag er bei rund 17 Prozent, wie Roman Limacher erläutert, Direktor Ethik-Investments der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG. Der Fonds könne zu 100 Prozent auf Anleihen setzen; Ende letzten Februar 2012 habe der Anteil der Anleihen am Portfolio bei rund 72 Prozent gelegen. Dass das Fondsmanagement sehr aktiv und flexibel eingreifen kann, um so schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren, ist nach Einschätzung von  Limacher ein wesentlicher Grund für die gute Wertentwicklung. Zum Beispiel sei der Fonds im Dezember 2009 noch zu 28 Prozent in Aktien veranlagt gewesen. Als sich das Marktumfeld ab Mitte Januar dann verschlechterte, sei es gelungen, diese Quote rasch auf rund zehn Prozent zu senken.


„Es ist uns aber auch gelungen, Markttrends wie Energieeffizienz oder nachhaltige Logistik frühzeitig zu antizipieren und entsprechend von Kursanstiegen zu profitieren“, so Limacher weiter. Auch sei der Fonds im Bereich der Erneuerbaren Energien, in dem die Aktienkurse zuletzt stark nach unten zeigten, stark untergewichtet. Wesentlich für den Erfolg sei ferner, „dass wir durch den Ethik-Filter weniger Risiko im Portfolio haben“. Für den Prime Values Income wie auch für den stärker auf Aktien ausgerichteten Prime Values Growth kämen nur Wertpapiere von Emittenten in Frage, die ethische und moralische Grundprinzipien erfüllen. „Das hat dazu geführt, dass wir zum Beispiel in Anlagesektoren wie Banken oder Staatsanleihen Anlagerisiken vermieden haben“, so Limacher. Für diese These spricht, dass auch der Prime Values Growth, der mit einem maximalen Aktienanteil von 80 Prozent deutlich offensiver ausgerichtet ist, dennoch über fünf Jahre ebenfalls fast zweistellig an Wert gewonnen hat.


Inwiefern beide Prime Value Mischfonds bei der Titelauswahl auf Nachhaltigkeitskriterien setzen erklärt Limacher: „Bei den Positivkriterien bewerten wir das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen, das Produkt- und Dienstleistungsangebot sowie die verschiedenen Prozesse vor, während und nach der Produktion.Außerdem analysieren wir die ökologischen Aspekte im Betrieb und bei den Produkten. Grundsätzlich schließen wir Unternehmen aus, die Menschenrechte missachten, die Waffen produzieren und handeln oder, die an der Herstellung von Produkten oder Technologien beteiligt sind, die gesellschaftlich sehr kontrovers sind. Der nicht nachhaltige Abbau natürlicher Ressourcen führt ebenfalls zum Ausschluss. Darüber hinaus gibt es noch weitere Kriterien, die wir im Einzelfall berücksichtigen. Unser hauseigenes Ethikresearch erstellt für jeden Titel eine Analyse. Dabei greifen wir auch auf Daten und Informationen der Nachhaltigkeitsrating-Agentur Inrate zurück. Ein interdisziplinär zusammengesetztes Ethik-Komitee, das sich aus unabhängigen Wissenschaftlern zusammensetzt, entscheidet schließlich in regelmäßigen Konferenzen über die Aufnahme der einzelnen Aktien und Anleihen ins Anlageuniversum oder eben deren Ausschluss.“

Bildhinweis: Roman Limacher. / Quelle: Hauck & Aufhäuser


Im Bereich der Anleihen zählen niederländische Wertpapiere zu den größten Positionen der beiden Prime Values Mischfonds. Beim Prime Values Income ist zudem eine Anleihe der europäischen Investitionsbank die größte Position. Im Aktienbereich ist der Fonds zum Beispiel stark in das US-amerikanische IT-Unternehmen Akamei investiert, in das britische Qualitäts- und Prüfunternehmen Intertek und in den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius. Er hat ein Volumen von knapp 74 Millionen Euro angesammelt, die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 1,55 Prozent.


Mit 10,8 Prozent liegt der Dexia Sustainable European Balanced Low im Zeitraum März 2007 bis März 2012 ebenfalls zweistellig im Plus. Im Gegensatz zu den Prime Value Mischfonds setzt dieser nicht auf ein kriterienbasiertes Auswahlverfahren, sondern auf den so genannten Best-in-Class Ansatz. Dabei werden die Emittenten von Wertpapieren durch das hausinterne Nachhaltigkeitsresearch von Dexia auf deren Nachhaltigkeit hin analysiert. Die Unternehmen, die dabei innerhalb ihrer Branche die besten Ergebnisse zeigen, werden als potenzielle Investmentkandidaten ausgewählt. Im Bereich der Aktien sind das beim Dexia Sustainable European Balanced Low die 50 Prozent der Nachhaltigkeitsbesten, im Bereich der Anleihen die 35 Prozent der Nachhaltigkeitsbesten. Eine weitere Besonderheit: Der Dexia Sustainable European Balanced Low investiert nicht selbst in diese Wertpapiere, sondern in Dexia-Fonds mit dieser Anlagestrategie.


Angesichts dieser „hellgrünen“ Anlagestrategie verwundert es wenig, dass Ölkonzerne wie Shell oder der umstrittene Lebensmittel-Multi Nestle zu den größten Positionen des Dexia Sustainable European Balanced Low zählen. Im Bereich der Anleihen ist der Fonds stark in Wertpapiere von Euroländern wie Frankreich, Belgien und Deutschland investiert. Der Fonds verwaltete Ende Februar 2012 rund 143 Millionen Euro. Ungewöhnlich hoch ist sein Anteil an Barmitteln, nur etwa drei Viertel des Anlagevermögens waren Ende Februar 2012 in Anleihen (43 Prozent) oder Aktien (33 Prozent) investiert. Gewinne werden nicht an die Anleger ausgeschüttet, sondern thesauriert, also erneut investiert. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei 1,0 Prozent.

Bildhinweis: Tankstelle von Shell: / Quelle: Unternehmen


Mit einem Plus von 9,7 Prozent zeigt der österreichische Pioneer AT Ethik Fonds von Pioneer Investments Austria aus Wien die drittbeste Wertentwicklung. Dieser nachhaltige Mischfonds hat ein Volumen von rund 20 Millionen Euro, die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei 0,9 Prozent. Dieser nachhaltigen Mischfonds ist aktuell zu rund 69 Prozent in Anleihen investiert, die allesamt in Euro notieren. Dabei zählen Rentenpapiere von Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu den stärksten Positionen im Anleihenportfolio.


Der Hälfte der übrigen Investitionen des Pioneer AT Ethik Fonds entfällt auf US-Aktien. Aktien in Euro steuern nur fünf Prozent bei. Zu den größten Aktienpositionen gehören Apple und Microsoft aus den Vereinigten Staaten, die deutsche Allianz und der Ölkonzern Shell aus Europa. Das ethische Anlageuniversum des Pioneer AT Ethik Fonds richtet sich nach den Kriterien von E.Capital Partners. Die überprüft Emittenten unter anderem auf die Umweltbelastung ihrer Fertigung, der Produkte und Dienstleistungen, den fairen Umgang mit Mitarbeitern und mit Anteilseignern.


Die Reihenfolge der besten nachhaltigen Mischfonds im Zeitraum 3/2007 bis 3/2012

Name

ISIN

Kurs
in EUR

Entwicklung
über 5 Jahre
in %

 

Prime Values Income

AT0000973029

129,29

13,77

 

Dexia Sustainable European Balanced Low

BE0159412411

   3,79

10,82

 

Pioneer AT Ethik Fonds

AT0000857164

   4,70

  9,74

 

Prime Values Growth

AT0000803689

112,06

  9,52

 

Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced

LU0161535165

124,93

  5,28

 

Sarasin OekoSar Portfolio

LU0058892943

162,98

  4,10

 

BNP PARIBAS L1 Sustainable Diversified Europe Stability C

LU0087047089

334,87

  3,30

 

Dexia Sustainable European Balanced Medium

BE0159411405

  5,36

 -1,11

 

KCD-Union Nachhaltig MIX

DE0009750000

 48,73

 -1,58

 

Deka-Stiftungen Balance

DE0005896864

 54,17

 -2,64

 


ECOreporter untersucht den Markt der nachhaltigen Geldanlage seit 1997 kontinuierlich. Zu den von uns erhobenen Fonds zählen Aktien-, Renten-, Misch- und Dachfonds, Mikrofinanzfonds und ETFs. Als wir 1997 diese Daten erstmals ermittelten, gab es nur zwölf nachhaltige Fonds mit insgesamt lediglich 220 Millionen Euro Volumen. Ende 2011 belief sich das Volumen der rund 290 nachhaltigen Fonds in Deutschland auf insgesamt 28,1 Milliarden Euro. Unsere Daten zur Wertentwicklung der Fonds stammen in der Regel von den Fondsbörsen.

Werbung

ECOreporter.de-Abonnement

Als Abonnent haben Sie Zugriff auf alle Exklusivinformationen von ECOreporter.de.

Ein umfassender Service für alle, denen nachhaltige Investments etwas wert sind!

Abonnent werden

ecoanlageberater - deutschlandweit

ecoanlageberater - deutschlandweit

Wo finde ich eine/n Fachberater/in für Nachhaltiges Investment?
Absolvent/inn/en des Fernlehrgangs ecoanlageberater ganz in Ihrer Nähe

weiterlesen

ECOreporter - Artikel kaufen

PayPal

Sie möchten einen bestimmten Bericht in ECOreporter.de lesen? Sie können auch einzelne Artikel kaufen - vom Aktientipp bis zum ausführlichen Testbericht.
Schon ab 2,40 Euro!

Sie wollen alles in ECOreporter.de lesen? Dann abonnieren Sie! Ab 99,60 Euro pro Jahr, das sind pro Monat nur 8,30 Euro.
Die umfangreichste deutsche Seite zu nachhaltigen, ethischen Geldanlagen steht Ihnen dann komplett offen!
Abonnent werden

Einloggen schließen
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Zum Seitenanfang Zum Seitenanfang