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Direktbeteiligungen 12.12.2012

ECOanlagecheck: Geschlossener Sonnenenergie-Fonds Jura Solarparks von IBC SOLAR

Mit dem „Jura Solarparks“ bringt die IBC SOLAR Invest GmbH aus Bad Staffelstein ihren bislang größten Solarfonds heraus. Der Fonds investiert in fünf Solarparks in Bayern, die bereits Strom ins Netz liefern. Anleger können sich ab 10.000 Euro an dem Fonds beteiligen. Ein Agio wird nicht erhoben. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Der Solarpark Schirradorf von IBC. / Quelle: Unternehmen

 

Alle Solarparks liegen unmittelbar an der Autobahn 70 in Bayern auf sogenannten Trassen-/Korridorflächen. Als Trassen-/Korridorflächen gelten laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Flächen im Abstand von 110 Metern an Autobahnen oder Eisenbahnschienen. Zusammen mit vier anderen Solarparks, die ebenfalls IBC SOLAR Invest realisiert hat, sind die fünf Solarpark-Betreibergesellschaften des Fonds an einem eigens errichteten Umspannwerk beteiligt. Es bringt den Strom auf die im Netz benötigte Spannung.
Fondsanbieterin und Leistungsbilanz

Die Fondsanbieterin IBC SOLAR Invest GmbH aus Bayern hat seit ihrer Gründung 2003 bereits über 20 Solarfonds aufgelegt. In der im Prospekt abgebildeten Leistungsbilanz 2010 sind zwölf Solarfonds aufgeführt. Von den 37 Einzelanlagen, die in den zwölf Fonds enthalten sind, liegen bei der Einnahme-/Überschussrechnung 27 über Soll, eine im Soll und neun unter Soll.


Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtfinanzierungsvolumen: 37,3 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 9,25 Millionen Euro (24,8 Prozent)
Platzierungsgarantie: Ja
Fremdkapitalvolumen: 28,05 Millionen Euro (75,2 Prozent)

Die fünf Betreibergesellschaften der Solarparks haben bei Sparkassen bzw. bei der DAL (Deutsche Allgemeine Leasing) jeweils ein Darlehen mit einer Laufzeit von 16 bzw. 17 Jahren aufgenommen, die bereits ausbezahlt sind. Bei den Darlehen handelt es sich um zwei KfW-Darlehen und um drei Bankdarlehen. Die KfW-Darlehen haben einen Darlehenszins von 3,6 Prozent und 3,0 Prozent, bei einer Zinsfestschreibung für zehn Jahre. Hier kalkuliert IBC SOLAR Invest mit unveränderten Zinsen nach Ablauf der zehn Jahre. Die drei Bankdarlehen haben variable Zinssätze, die aber über den Abschluss von Zinssicherungsgeschäfte für 15 Jahre auf maximal 3,36 Prozent, 3,89 Prozent und 3,99 Prozent fixiert sind.


Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 0,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 0,0 Prozent
Prospekt-Layout und Druck: 0,3 Prozent
Gesamtweichkosten: 0,3 Prozent

Laut des prospektierten Investitionsplanes gibt es quasi keine Weichkosten. Sollten dennoch Provisionen, insbesondere Vermittlungsprovisionen, anfallen, werden die laut Prospekt von der Fondsanbieterin getragen, so dass der Fonds nicht mit den Kosten belastet wird.

Die Muttergesellschaft IBC SOLAR der Fondsanbieterin ist Generalunternehmerin und teilweise Modullieferantin für die fünf Solarparks des Fonds, so dass eine Quersubventionierung der Fondsnebenkosten hätte stattfinden können.  Die von ECOreporter.de ermittelten Projekt(kosten)-Kennzahlen und die von der Anbieterin bei den Betreibergesellschaften ausgewiesenen Projektentwicklungskosten liegen aber im marktüblichen Bereich, so dass es keinen Indiz oder Beleg für eine Querfinanzierung gibt.


Laufende Kosten

Technische Betriebsführung (inkl. Wartung, erstes Jahr): 4,4 Euro pro Kilowattpeak (kWp)
Kaufmännische Geschäftsführung (inkl. Fondsverwaltung, erstes Jahr): 3,6 Euro/kWp
Kostensteigerung (pro Jahr): 2,0 Prozent (Kalkulation für technische Betriebsführung, vertraglich fixiert für kaufmännische Geschäftsführung und Fondsverwaltung)

Die Vergütung für die technische Betriebsführung je kWp liegt deutlich unter der durchschnittlichen Vergütungshöhe, die ECOreporter.de in den letzten zwölf Monaten bei Solarfonds mit Investitionen in Deutschland ermittelt hat. Allerdings handelt es sich bei den Betriebsführungsverträgen laut Prospekt nicht um Vollwartungsverträge, so dass Kosten für Reparaturen mit der Vergütung nicht abgedeckt sind. Für eventuelle Reparaturen sind in der Prognoserechnung 4,9 Euro/kWp einkalkuliert. Wenn dieser Betrag nicht benötigt wird, steht er zur Rücklagenbildung oder als zusätzliche Ausschüttung zur Verfügung.
Die Vergütung für die kaufmännische Betriebsführung (inkl. Fondsverwaltung) ist niedrig.


Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2038, Prognosezeitraum aber nur 20 Jahre, erstmalige ordentliche Kündigung zum 31. Dezember 2030 möglich
Gesamtausschüttungsprognose (für 20 Jahre): 250 Prozent (inkl. 100 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Renditeprognose vor Steuer pro Jahr (IRR): ca. 7,0 Prozent
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb
Einkaufsfaktor (Kaufpreis Solaranlagen/prognostizierte Stromerlöse erstes Jahr): 9,5
Gesamtfinanzierung: 1.990 Euro/kWp
Einspeisevergütung: 21,11 Eurocent/kWh (für vier Solarparks), 17,94 Eurocent/kWh (fünfter Solarpark)

Der Einkaufsfaktor liegt geringfügig über dem Durchschnitt bei Solarfonds, die in Deutschland investieren, obwohl die Gesamtfinanzierung (Summe aus Eigenkapital und Fremdkapital) je kWp für Solarparks mit einer 2011er-Einspeisevergütung sehr günstig ist. Der Grund für die niedrige Gesamtfinanzierung/kWp sind die äußerst niedrigen Fondsnebenkosten. Dagegen liegt der Einkaufsfaktor etwas über dem Durchschnitt der von ECOreporter in den letzten zwölf Monaten analysierten Solarfonds in Deutschland. Der Grund: Bei der Stromertragsprognose ist ein besonders hoher Sicherheitsabschlag angesetzt.

Die Grundstücke, auf denen sich die Solarparks befinden, sind für jeweils 25 Jahren zzgl. einer Verlängerungsoption von fünf Jahren gepachtet. Daher sind gegenüber der Prospektprognose Mehrerlöse möglich, wenn die Solaranlagen nach 20 Jahren in einem technisch funktionsfähigen Zustand sein sollten: Dann können sie weiterhin Strom produzieren, der dann allerdings nicht mehr nach einer gesetzlich geregelten Einspeisevergütung bezahlt werden wird.


Technik und Erträge

Der Fonds hat fünf Solarparks mit Nennleistungen von 2,10 MWp, 4,02 MWp, 4,14 MWp, 3,01 MWp und 5,47 MWp erworben. In vier Parks sind polykristalline Module der IBC SOLAR AG und im fünften Park polykristalline Module des chinesischen Herstellers Jinko Solar im Einsatz. Die Wechselrichter des Typs STP 17000TL kommen vom deutschen Weltmarktführer SMA Solar Technology AG aus Niestetal bei Kassel.

Für jeden Solarpark wurde nur ein Ertragsgutachten erstellt vom Sachverständigen Prof. Dr.-Ing. Gerd Becker von der Hochschule München, Labor für Solartechnik und energetische Anlagen. Branchenüblich sind zwei Gutachten je Solarpark. Allerdings hat die Anbieterin für die Prognoserechnung vom Gutachterwert (durchschnittlich 969 kWh/kWp) rund 4,5 Prozent abgezogen. Dieser hohe Sicherheitsabschlag wird aber etwas dadurch relativiert, dass die Anbieterin nicht mit einer jährlichen Leistungsabnahme der Module (Degradation) kalkuliert. Diese wird branchenüblich bei polykristallinen Modulen mit 0,2 Prozent pro Jahr angesetzt.


Ökologische Wirkung

Alle fünf Solarparks liegen unmittelbar an einer Autobahn auf sogenannten Trassenflächen, somit auf Flächen mit einem tendenziell geringen ökologischen Bodenwert.
Die energetische Amortisationszeit der Module kann mit rund zwei Jahren angesetzt werden. In weniger als zwei Jahren erzeugen die Module mehr Energie, als für ihre Herstellung, Montage und Entsorgung/Recycling verbraucht wird.

Mit der Stromproduktion des Solarparks können voraussichtlich jährlich circa 11.000 Tonnen CO2 gegenüber der Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken eingespart werden. Mit der produzierten Strommenge können bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh rund 5.000 Haushalte jährlich versorgt werden.


Risiko

Der Fonds hat fünf Solarparks erworben, die im ersten Halbjahr 2012 ans Netz gegangen sind. Daher bestehen keine Projektentwicklungs- Fertigstellungs- oder Blindpoolrisiken. Die Darlehensverträge sind alle abgeschlossen und die Darlehensbeträge bereits an die Betreibergesellschaften der Solarparks ausbezahlt worden.

Die IBC SOLAR Invest GmbH, Fondsanbieterin und zudem geschäftsführende Komplementärin des Fonds, ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der IBC SOLAR AG. Die IBC Solar AG hat als Generalunternehmerin die fünf Solarparks errichtet, übernimmt deren Betriebsführung und hat den größten Teil der in den Solarparks verwendeten Module hergestellt. Zudem hat die IBC Solar AG die Solarparks selbst technisch abgenommen. Eine Abnahme durch eine unabhängige Prüforganisation (z. B. TÜV Rheinland) wird im Prospekt nicht genannt.

Aus dieser Konstellation heraus können sich Interessenkonflikte ergeben. Falls beispielsweise technische Probleme an den Modulen entstehen sollten, würde sie üblicherweise der Betriebsführer feststellen und über die Betreibergesellschaft an die Fondsgesellschaft melden. Daraufhin hätte die Fondsgesellschaft eventuell Schadenersatzansprüche gegenüber dem Modulhersteller. Es besteht daher das Risiko, dass Interessenkonflikte zu Ungunsten der Fondsgesellschaft gelöst werden. Das Risiko könnte sich erhöhen, wenn das Kommanditkapital nicht vollständig platziert wird, da in diesem Fall die IBC Solar AG als Platzierungsgarantin in die Fondsgesellschaft eintreten und – abhängig von ihrem Kapitalanteil – einen beherrschenden Einfluss in der Gesellschafterversammlung einnehmen kann. Nach eigenen Angaben hat die IBC SOLAR Invest GmbH bereits 3,5 Millionen Euro von 140 Kommanditisten eingesammelt (Stand 10.12.2012).

Das Auseinandersetzungsguthaben (Abfindung), welches Gesellschafter erhalten, die vor Beendigung der Fondsgesellschaft ausscheiden, wird laut Gesellschaftsvertrag vom Steuerberater der Fondsgesellschaft verbindlich festgelegt. Diese Regelung benachteiligt ausscheidende Gesellschafter, da der Steuerberater des Fonds in diesem Fall nicht als unabhängig gelten kann und eine unabhängige Schiedsstelle laut Gesellschaftsvertrag nicht vorgesehen ist.

Der Fonds ist bei seinen Solaranlagen wirtschaftlich abhängig von den gesetzlichen Einspeisevergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG). Es kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass das EEG mit rückwirkender Wirkung für Bestandsanlagen geändert wird oder die Steuerlast für Solarparkbetreiber erhöht wird. Beides könnte einen wirtschaftlichen Betrieb der Solaranlagen erschweren.


Stärken                    
Alle Anlagen bereits erworben
Darlehen ausbezahlt
Keine Fertigstellungsrisiken
Erfahrene Fondsanbieterin und Betriebsführerin
Sehr geringe Weichkosten

Schwächen
Potential für Interessenkonflikte
Nur ein Ertragsgutachten je Solarpark

Chancen
Steigende Strompreise
Weiterbetrieb oder Verkauf der Parks nach 20 Jahren

Risiken
Energieertragsschwankungen


Fazit:

Finanziell


Der Fonds hat fünf Solarparks erworben, die seit mehreren Monaten am Netz sind; die Bankdarlehen sind ausbezahlt. Also bestehen einige der wesentlichen Projektrisiken nicht mehr. Obwohl der Fonds die Solarprojekte „nur“ zu marktüblichen Kondition erworben hat, ist die Renditeerwartung überdurchschnittlich hoch, weil die Fondsnebenkosten äußerst gering sind. Zudem wurde der geplante Weiterbetrieb der Solaranlagen nach Ablauf von 20 Jahren in der Prognoserechnung nicht berücksichtigt, so dass Mehrerlöse möglich sind.

Nachhaltigkeit

Solarparks auf Trassenflächen sind ökologisch nachhaltig. Zudem hat IBC SOLAR Invest GmbH nach den vorliegenden Informationen die Solarprojekte in enger Abstimmung mit den Gemeinden und den Bürgern vor Ort verwirklicht.


ECOreporter.de-Empfehlung

Der Solarfonds ist überdurchschnittlich sicherheitsorientiert konzipiert und bietet den Anlegern trotzdem wegen der niedrigen Weichkosten eine attraktive Renditeerwartung.

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Basisdaten

Anbieterin, Prospektverantwortliche und geschäftsführende Komplementärin: IBC SOLAR Invest GmbH, Bad Staffelstein
Fondsgesellschaft (Emittentin): Jura Solarparks GmbH & Co. KG, Bad Staffelstein
Beteiligungsform: Direktkommanditist

Fondswährung: Euro
Gesamtfinanzierungsvolumen: 37,3 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 9,25 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2038, erstmalige ordentliche Kündigung zum 31. Dezember 2030 möglich

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Ja
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja/Nein
Mittelverwendungskontrolle: Nein
Sensitivitätsanalyse: Ja
Haftsumme: 100 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)