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Direktbeteiligungen 12.04.2012

ECOanlagecheck: StufenzinsAnleihe IV von Energiekontor – Sachwertinvestment mit 6 und 6,5 Prozent festem Zins

Mit dem Kapital der vierten Stufenzinsanleihe des Bremer Windprojektierers Energiekontor sollen drei bestehende Windparks in Deutschland refinanziert werden. Die Anleihe soll erstrangig besichert werden und bietet 6 Prozent Festzins in den ersten sechs Jahren der Laufzeit und 6,5 Prozent in den folgenden vier Jahren. Die Rückzahlung erfolgt in zwei Stufen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Windkraftprojekt von Energiekontor. / Quelle: Unternehmen

 

20 Prozent der Anlagesumme sollen die Anleger nach sechs Jahren zurückerhalten, 80 Prozent nach zehn Jahren. Ab 3.000 Euro können Anleger sich beteiligen. Insgesamt will Energiekontor 11,25 Millionen Euro bei Anlegern platzieren. Eine Platzierungsgarantie gibt es nicht, sie war allerdings bei den drei Vorläuferanleihen auch nicht notwendig: Die Stufenzinsanleihen I bis III hatte Energiekontor innerhalb von ein bis vier Monaten platziert.
Das Kapital aus der Stufenzinsanleihe IV soll als Darlehen an die Betreibergesellschaften von drei bestehenden Windparks weitergereicht. Für diese Darlehen gibt es Sicherheiten: Die Kommanditanteile der Betreibergesellschaften der Windparks werden vollständig an die Gesellschaft abgetreten, die die Anleihe herausgibt (Anleiheemittentin), solange die Anleihe noch nicht an die Anleger zurückgeführt ist.


Durch die Emission der Anleihe entstehen Energiekontor Kosten von bis zu acht Prozent des Emissionserlöses, also bis zu 0,9 Millionen Euro. Diese setzen sich im Wesentlichen zusammen aus Personalaufwendungen, Rechtsberatung, Druckkosten, Vertriebskosten und Abwicklungskosten. Mögliche Provisionen für Vermittler sind in die Gesamtkosten bereits miteinbezogen. Die Emittentin plant, die Anleihe fast ausschließlich selbst zu vertreiben.


Unternehmensprofil Energiekontor Finanzierungsdienste

Emittentin der Anleihe ist die Energiekontor Finanzierungsdienste GmbH & Co. KG aus Bremerhaven. Deren Kommanditistin mit einem Anteil von 97 Prozent ist die Energiekontor AG. Die Emittentin erzielt ihre Einnahmen fast ausschließlich aus den Zinserträgen für Darlehen, die sie zur Refinanzierung an Betreibergesellschaften von Windparks der Energiekontor-Gruppe vergibt. Die Emittentin hatte bis 2009 einen Genussschein mit einem Ausgabevolumen von 0,8 Millionen Euro und eine Anleihe mit einem Volumen von 2,8 Millionen Euro platziert, die 2009 bzw. 2010/2011 vollständig zurückgezahlt wurden.
2010 hat die Emittentin zwei Stufenzinsanleihen mit einem Anlagevolumen von 10,1 Millionen Euro bzw. 8,48 Millionen Euro herausgegeben. Mit dem Anleihekapital wurden Finanzierungs-Darlehen bestehender Windparks in Deutschland abgelöst. Mit der dritten Stufenzinsanleihe – Volumen 7,65 Millionen Euro – wurde die Übernahme des Geschäftsbetriebs eines niedersächsischen Windparks finanziert. Als Sicherheit wurden jeweils die Kommanditanteile der Betreibergesellschaften der Windparks an die Anleiheemittentin abgetreten. Laut Prospekt ist die Emittentin ihren Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Anleihegläubigern und Genussrechteinhabern bislang ohne Ausnahme plangemäß nachgekommen.
Mit dem Kapital aus der Stufenzinsanleihe IV soll der Kauf der Kommanditanteile des Windparks Giersleben in Sachsen-Anhalt (Investitionsvolumen 7,33 Millionen Euro) und der Kauf der Windenergieanlage Beckum in Nordrhein-Westfalen (0,9 Millionen Euro) finanziert werden. Zudem soll der Windpark Geldern in Nordrhein-Westfalen (2,12 Millionen Euro) refinanziert werden.
Der 1999 errichtete Windpark Giersleben besteht aus 15 Anlagen des Typs WW 750/52 des dänischen Herstellers NEG Micon, der 2004 vom dänischen Hersteller Vestas gekauft wurde. Die Anlagen haben eine Nennleistung von jeweils 0,75 Megawatt (MW). Die Windenergieanlage Beckum des Typs AN Bonus 1,3 MW 62 vom dänischen Hersteller Bonus Energy A/S, der 2004 von Siemens übernommen wurde, ist seit 2001 im Betrieb. Der Windpark Geldern ist seit 2006 am Netz und besteht aus zwei Anlagen des Typs Repower MD 77 mit einer Nennleistung von jeweils 1,5 MW.


Die Windparks sind bei Übernahme frei von Verbindlichkeiten und haben bis Ende 2011 im Durchschnitt ein operatives Ergebnis (Stromeinnahmen abzüglich Betriebsausgaben) von zusammen rund 1,72 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Bei dem Volumen der Stufenzinsanleihe IV von 11,25 Millionen Euro betragen die Zinszahlungen an die Anleger durchschnittlich 0,64 Millionen Euro pro Jahr. Demnach ist aus heutiger Sicht die Ertragskraft der Windparks hoch genug, um die Zinszahlungen leisten zu können.
Positive Ertragskraftprognosen gelten auch für die Windparks, die mit dem Kapital der drei vorherigen Stufenzinsanleihen refinanziert wurden. Als Sicherheit für die Darlehen wurden ebenfalls die Kommanditanteile der Betreibergesellschaften der Windparks an die Anleiheemittentin Energiekontor Finanzierungsdienste abgetreten. Nach erfolgter Refinanzierung durch das Anleihekapital befand sich kein weiteres Fremdkapital in den Betreibergesellschaften der Windparks.


Die Anleger können die Anleihe nicht vor dem Ende der Laufzeit kündigen. Energiekontor strebt an, die Stufenzinsanleihe IV über eine deutsche Wertpapierbörse handeln zu lassen. Die ersten drei Stufenzinsanleihen von Energiekontor werden an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Die Kurse der drei Anleihen liegen derzeit (Stand: 15. März 2012) zwischen 96,6 und 99,9 Prozent, was eine Rendite von 6,56 bis 6,01 Prozent ergibt und den nicht-spekulativen Charakter der Anleihen unterstreicht. Die Anleger sind ihrem Investment treu: Der Umsatz der ersten beiden Stufenzinsanleihen betrug in den letzten drei Monaten zusammen nur 96.000 Euro (6 Monate: 324.000 Euro).


Die Energiekontor-Gruppe

Die Energiekontor-Gruppe ist seit 22 Jahren in der Windenergie tätig. Zu ihrem Kerngeschäft zählen Planung, Realisierung, Finanzierung, Vertrieb und Betriebsführung von Windparks. Zudem verkauft Energiekontor Strom aus eigenen Windparks. Das Unternehmen hält Windparks mit einer Nennleistung von über 123 MW im Eigenbestand, von denen 37 MW im Rahmen der Stufenzinsanleihen I bis III (re)finanziert wurden. Bisher hat Energiekontor 445 Windkraftanlagen mit insgesamt 522 MW Leistung und einem Investitionsvolumen von über 760 Millionen Euro errichtet. Neben Deutschland ist die Gruppe in Portugal und Großbritannien aktiv.


Energiekontor plant drei Windparks in der Nordsee. Beim küstennahen Windpark Nordergründe laufen derzeit die Verhandlungen mit den institutionellen Eigenkapitalpartnern, die bedingte Zusage zum Anschluss an das Stromnetz liegt vor.Der Windpark soll 2013 in Betrieb gehen. Die Projektrechte für den Windpark Borkum Riffgrund I (Pilotphase) hat Energiekontor im November 2011 an das dänische Unternehmen Dong Energy verkauft. Der Windpark Borkum Riffgrund II (Ausbauphase) ist noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium, hier ist die Genehmigung beantragt, den Park zu errichten.

Bildhinweis: Windräder von Energiekontor drehen sich auch im Ausland. / Quelle: Unternehmen


Ökologische Wirkung

Stromerzeugung aus Windenergie ist ökologisch vorteilhaft. Die energetische Amortisationszeiten von Windenergieanlagen liegen laut verschiedener Studien nur zwischen acht und zwölf Monaten. In diesem Zeitraum erzeugt eine Windenergieanlage genug Energie, um den Energieverbrauch für Herstellung, Transport, Wartung und Rückbau der Anlage auszugleichen. Kurze energetische Amortisationszeiten ergeben sich auch für Repowering-Maßnahmen. Sie sind für die meisten der Windenergieanlagen geplant, die durch die Stufenzinsanleihen refinanziert werden. Beim Repowering ersetzen moderne Windenergieanlagen die älteren und leistungsschwächeren Anlagen, so dass die Leistung deutlich steigt, ohne dass eine neue Infrastruktur oder zusätzliche Flächen benötigt werden. Die moderneren Windenergieanlagen sind zudem trotz einer höheren Leistung zumeist leiser als die Altanlagen.


Risiko

Die Energiekontor Finanzierungsdienste GmbH & Co. KG als Emittentin der vier Stufenzinsanleihen erhält im Gegenzug für die Darlehen an die Betreibergesellschaften der Windparks Sicherheiten: Die Betreibergesellschaften treten die Kommanditanteile ab. Wenn die Verpflichtungen aus einem Darlehensvertrag nicht erfüllt werden sollten, kann die Emittentin die entsprechenden Gesellschaftsanteile verwerten. Die Windenergieanlagen samt der Infrastruktur der Windparks und eventuelle Nutzungsrechte sind zum Zeitpunkt der Anleiheemission Eigentumswerte der Gesellschaften. Aus dem Verwertungserlös könnten dann die Forderungen der Anleihegläubiger (Anleger) erfüllt werden. Es soll sich kein weiteres Fremdkapital in den Betreibergesellschaften befinden, so dass die Anleihegläubiger der Stufenzinsanleihe erstrangig bedient werden könnten.
Die hier vorliegende Stufenzinsanleihe IV läuft zehn Jahre. Sie steht somit plangemäß erst dann zur Rückzahlung an, nachdem die Stufenzinsanleihen I bis III  zurückgezahlt sind. Dementsprechend sind insbesondere die Gläubiger der Stufenzinsanleihe IV davon abhängig, dass die Sicherheiten werthaltig bleiben und die Windparkgesellschaften Anschlussfinanzierungen vereinbaren können, um die Darlehen an die Anleiheemittentin zurückzahlen zu können.


Die Werthaltigkeit der Sicherheiten sind aus heutiger Sicht gegeben. Die langjährigen Erfahrungswerte sind ein wesentlicher Vorteil, da der aktuellen Finanzkalkulation dadurch fundierte und realistische Stromertragsprognosen zugrunde liegen. Bei Fortschreibung der bisherigen Einnahmen-/Ausgabensituation würden die Windparks in den nächsten zehn Jahren einen Gewinn (Stromeinnahmen abzüglich Betriebsausgaben und Zinszahlungen für die Stufenzinsanleihe IV) vor Steuern von 10,8 Millionen Euro erwirtschaften, so dass das Anleihekapital von 11,25 Millionen Euro rechnerisch schon teilweise aus dem Gewinn zurückgezahlt werden könnte. Allerdings ist zu erwarten, dass die Windenergieanlagen mit zunehmenden Alter reparaturanfälliger werden.
17 der 18 Windenergieanlagen, die durch die Stufenzinsanleihe IV finanziert werden, befinden sich auf so genannten Windvorrangflächen. Das bedeutet, dass auf diesen Gebieten laut Flächennutzungsplan auch zukünftig vorrangig Windenergieanlagen betrieben werden sollen. Zudem haben die Nutzungsverträge für die Standorte der Windenergieanlagen eine Laufzeit bis 2030, was den Substanzwert der Standorte und damit die Werthaltigkeit der Sicherheiten für die Anleihegläubiger erhöht.


Energiekontor plant zudem, die Nutzungsverträge zu verlängern, so dass ein Repowering der Windenergieanlagen möglich ist. Wenn eines der Windparkprojekte repowert wird, kann die betreffende Windpark-Gesellschaft das Darlehen der Anleiheemittentin Energiekontor Finanzierungsdienste GmbH & Co. KG ablösen. In diesem Fall kann die Anleiheemittentin ihrerseits die Stufenzinsanleihe ganz oder teilweise kündigen. Derzeit sind die Windpark-Gesellschaften schuldenfrei, so dass die Ansprüche aus der Stufenzinsanleihe IV erstrangig sind.
Falls das Repowering eines Windparkprojektes durch Banken-Fremdkapital finanziert wird, die Anleihe aber nicht abgelöst würde, wären die Ansprüche der Banken vorrangig, da diese dinglich besichert wären. Laut Anleihebedingungen gewährt die Anleiheemittentin Energiekontor Finanzierungsdienste den Betreibergesellschaften der Windparks die Darlehen nur gegen Bestellung erstrangiger Sicherheiten. Daher würde für den Fall des Repowering das Darlehen von den Betreibergesellschaft an die Anleiheemittentin zurückgezahlt werden. Die Anleiheemittentin würde dann ihrerseits die Anleihe – gegebenenfalls anteilig, wenn nicht alle Windenergieanlagen repowert werden – kündigen und an die Anleihegläubiger zurückzahlen. Durch die vorzeitige Kündigungsmöglichkeit kann somit verhindert werden, dass die Ansprüche der Emittentin der Stufenzinsanleihe nachrangig werden.
Für die Anleger bestehen bei einem festen Zinssatz und einer Laufzeit von 10 Jahren generell Inflations- und Marktzinsrisiken, die derzeit schwierig einzuschätzen sind.


Fazit:

Finanziell


Die Stufenzinsanleihe hat durch die Abtretung der Kommanditanteile ein überzeugendes Sicherheitsmerkmal. Mit dem Kapital aus den inzwischen vier Stufenzinsanleihen hat die Anleiheemittentin ein breit gestreutes Sicherheiten-Portfolio an Windpark-Beteiligungen aufgebaut. Vorteilhaft für den Anleger ist die geplante Handelbarkeit der Anleihe an der Börse. Für den insgesamt jungen Windenergiemarkt weist die Energiekontor-Gruppe mit 22 Jahren eine bereits lange Geschichte auf. Die Anleihen der Emittentin verliefen bislang ohne Probleme für die Anleger.

Nachhaltigkeit

Die Windkraft auf dem Land bietet in Deutschland eine sehr nachhaltige Form der Energieerzeugung – sowohl im ökologischen wie im volkswirtschaftlichen Sinne. Durch das geplante Repowering von bestehenden Windparks werden die vorhandenen Windvorrangflächen effizient genutzt.


ECOreporter.de-Empfehlung


Diese Stufenzinsanleihe eignet sich gut für Anleger, die eine feste Verzinsung bevorzugen, sicherheitsorientiert sind und auf Nachhaltigkeit großen Wert legen.

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Basisdaten

Emittentin: Energiekontor Finanzierungsdienste GmbH & Co. KG, Bremerhaven
Muttergesellschaft: Energiekontor AG, Bremen
Anlageform: Unternehmensanleihe (Inhaber-Teilschuldverschreibung)
Anlagevolumen: 11,25 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 3.000 Euro, höhere Beträge müssen durch 1.000 ohne Rest teilbar sein
Laufzeit: 10 Jahre
Rückzahlung: 20 % am 30.06.2018, 80 % am 30.06.2022
Zinsen: 6,0 % p.a. vom 01.07.2012 bis 30.06.2018, 6,5 % p.a. vom 01.07.2018 bis 30.06.2022 (bezogen auf den dann bereits um 20 % reduzierten Nominalbetrag)
BaFin-Gestattung: Ja
Handelbarkeit: Freiverkehr an einer deutschen Wertpapierbörse wird angestrebt
ISIN: DE000A1MLW0

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