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Erneuerbare Energie 05.12.2012

Europas Umwelttechnologie-Unternehmen stecken in der Krise - welche Sektoren haben Wachstumspotential?

Die deutsche Solarbranche hat ihren Status als Job-Maschine verloren. / Quelle: Phoenix Solar

Europas Umwelttechnologie-Branche steckt in der Krise. So ist im vergangenen Jahr der Umsatz der europäischen Umwelttechnologie-Unternehmen um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Darauf weist eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hin, die den weltweiten Cleantech-Markt analysiert. Die Studie berücksichtigt dabei börsennotierten Unternehmen, die sich schwerpunktmäßig mit Cleantech-Technologien beschäftigen. 


Europäische Unternehmen hatten bisher auf diesem Wachstumsmarkt klar die Nase vorn. Ob erneuerbare Energien, Effizienztechnologien, Energiespeicher, ressourcenschonende Produkte und Prozesse, Elektromobilität oder moderne Techniken zur Wasseraufbereitung: Europa setzte die Trends und entwickelte die relevanten Technologien – nicht zuletzt, weil strenge Umwelt- und Klimaauflagen das Thema für die Wirtschaft früh interessant machten. Ressourceneffiziente und klimaschonende Technologien veränderten ganze Branchen, trieben technologische Entwicklungen voran, schufen neue Geschäftsmodelle und Produkte. Vor allem deutsche Unternehmen waren auf den Cleantech-Märkten vorgeprescht und exportierten Hochtechnologie in die ganze Welt. Die Bundesrepublik galt als Motor dieser neuen industriellen Revolution.


Doch die Zeiten der europäischen Vorherrschaft sind vorbei, wie die vorgelegte Studie belegt: „Spätestens seit China die „grüne Revolution“ ausgerufen hat, haben asiatische Unternehmen aufgeholt. Mit einer aggressiven Wachstumsstrategie und staatlicher Unterstützung haben sie einen harten Preiswettbewerb auf den Cleantech-Märkten losgetreten – und innerhalb weniger Jahre Europa als umsatzstärksten Standort abgelöst“, stellt dazu Robert Seiter fest, Leiter des deutschen Cleantech-Teams bei Ernst & Young. „Auch Unternehmen aus Nord- und Lateinamerika haben längst zur Aufholjagd angesetzt. Der Wettbewerb auf dem weltweiten Cleantech-Markt wird härter.“


Laut der Studie haben Umwelttechnologie-Unternehmen in Asien wie auch in Nord- und Lateinamerika ihre Umsätze zuletzt deutlich steigern konnten. Asiatische Unternehmen sei es in 2011 gelungen, mit einem Umsatzsprung um 20 Prozent auf 56 Milliarden US-Dollar die in der weltweiten Cleantech-Industrie die Spitze zu erobern und Europa (49,5 Milliarden US-Dollar) klar auf den zweiten Platz zu verweisen. Auch Unternehmen aus den USA (plus 29 Prozent) und Lateinamerika (plus 21 Prozent) sieht Ernst & Young weiter auf Wachstumskurs.


„Vor allem chinesische Unternehmen haben es sich klar zum Ziel gesetzt, auf dem Cleantech-Markt die Führungsrolle zu übernehmen“, sagt Seiter. „Sie verfolgen eine aggressive Wachstumsstrategie, die radikal auf Umsatzwachstum ausgelegt ist – auch, wenn das auf Kosten der Gewinn-Margen geht.“ Inzwischen stamme bereits rund die Hälfte der größten Cleantech-Unternehmen aus China.


Die Tiefstpreise der asiatischen Unternehmen haben dem Clentech-Experten zufolge einen harten Preiswettkampf auf den Weltmärkten ausgelöst. Weltweit habe die Branche im Jahr 2011 insgesamt 11,7 Milliarden US-Dollar weniger erwirtschaftet als im Vorjahr. Die Unternehmen der Region Asien-Pazifik seien selbst Opfer der Dumpingpreis-Politik geworden und hätten Verluste in Höhe von drei Milliarden US-Dollar geschrieben. Nachdem sie  im Vorjahr noch dieselbe Summe als Gewinn ausgewiesen hätten. In Europa und den sei fiel der Gewinneinbruch noch deutlich stärker ausgefallen.


Der Job-Motor Cleantech geriet über diese Entwicklung ins Stocken. Über Jahre hinweg haben viele Tausend Europäer neue Arbeitsplätze bei Umwelttechnologie-Unternehmen gefunden.  Aber in 2011 mussten europäische Cleantech-Unternehmen bei den Personalkosten sparen, um den Margeneinbruch aufzufangen, und entließen der Studie zufolge jeden Dritten ihrer Mitarbeiter. Allein in Deutschland, dem nach Umsatz und Anzahl der Unternehmen wichtigsten europäischen Cleantech-Standort, seien fast 9.000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen.Die asiatischen Unternehmen hingegen hätten nur acht Prozent ihrer Stellen abgebaut, was dem weltweiten Durchschnitt in der Cleantech-Branche entsprochen habe.

Bildhinweis: Getriebe von Windkraftanlagen. Deutsche Unternehmen sind weiterhin die mit Abstand wichtigsten Zulieferer der globalen Windkraftbranche. / Quelle: REpower Wind Systems


Die sinkenden Margen belasteten auch die Aktienkurse der Unternehmen: Der Börsenwert europäischer Cleantech-Anbieter sank laut Ernst & Young um 58 Prozent auf 36,2 Milliarden US-Dollar. In den übrigen Regionen fielen die Aktienkurse ebenfalls, wenn auch weniger drastisch. „Der Preiswettkampf belastet insbesondere die Unternehmen in den etablierten Industriestaaten. Das ist auf dem Markt für Solar-Technologie besonders stark spürbar“, führt Seiter aus. Allerdings dürfe man den Markt für Cleantech nicht auf die Solar-Industrie reduzieren, betont der Experte. Zwar sei die Solar-Industrie nach Anzahl der Unternehmen, Marktwert und Mitarbeiterzahl noch immer der wichtigste Cleantech-Bereich – weltweit würden 179.500 Menschen in den von Ernst & Young analysierten Solarunternehmen arbeiten. „Doch auch andere Marktsegmente wie die Windenergie und Energieeffizienz-Technologien sind vielversprechende Märkte, die dynamisch wachsen und in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden“, führt Seiter an.


Seiter gibt sich davon überzeugt, dass gerade auf diesen Märkten europäische und deutsche Unternehmen gegen die Konkurrenz aus Asien punkten können. Auf dem Markt für Windkraftanlagen zum Beispiel seien europäische Hersteller technologisch noch immer führend. „Deutsche Anbieter profitieren von ihren Stärken im Engineering und im Anlagenbau“, erklärt Seiter. Anlagenbauer aus Deutschland und der Schweiz würden auf der ganzen Welt Fabriken für die Herstellung von Windkraftanlagen ausrüsten. „Die chinesischen Anbieter sind hingegen vor allem auf den eigenen Markt fokussiert.“ Allerdings werde auch die Windkraft-Industrie zunehmend gezwungen, Produktionsanlagen in die Märkte mit der stärksten Nachfrage zu verlagern: in die USA und nach Asien. „Ein Windrad verschifft man nicht mal eben um die ganze Welt, wie es mit Solarpanels möglich ist. Die Unternehmen müssen dort produzieren, wo die Anlagen zum Einsatz kommen“, sagt Seiter.


Auch wenn es um komplexe technische Lösungen wie etwa Effizienz-Verbesserungen im Produktionsprozess oder um Smart Grids gehe, bei denen mehrere Technologien integriert werden, sieht der Experte deutsche und europäische Anbieter weit vor der Konkurrenz. Ein wichtiges Ergebnis der Studie sei, dass sich der Markt weiterentwickle und ausdifferenziere. „Wir werden auf der einen Seite einen preisgetriebenen Massenmarkt für einige Technologien und Produkte sehen, andererseits einen Premium-Bereich, in dem hochkomplexe technische Systemlösungen gefragt sind.“


Wachstumschancen verspricht laut Seiter vor allem der Markt für Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Energieeffizienz und intelligente Verbrauchssteuerung: Während der Umsatz der Solar- und Windkraftbranche im Jahr 2011 leicht zurückgegangen sei, hätten die Energieeffizienz-Spezialisten ihren Umsatz weltweit um 55 Prozent gesteigert. „In diesem Bereich sind auch viele kleinere, spezialisierte Unternehmen aktiv, der Markt ist extrem dynamisch“, sagt Seiter. Darunter fallen etwa Smart Meter und Smart Grids, die den Energieverbrauch effizient regeln, und Speichertechnologien, die in intelligenten Stromnetzen zum Einsatz kommen, um die Schwankungen der erneuerbaren Energiequellen auszugleichen.


Insgesamt habe der Markteintritt der asiatischen und zunehmend auch amerikanischer Unternehmen aber auch positive Auswirkungen, meint Seiter: „Wir haben bis etwa zum Jahr 2008 eine Angebotsknappheit auf dem Markt gesehen. Das hat sich rasant gewandelt und dem Cleantech-Markt vorübergehend zu einem enormen Wachstumsschub verholfen“, sagt er. Weltweit steige die Zahl der Unternehmen, die auf dem Cleantech-Markt mitmischen wollen. Auch in Europa würden sich Unternehmer von dem härter werdenden Wettbewerb nicht abschrecken lassen: Die Anzahl der Unternehmen, die von dem Wachstums-Trend profitieren wollen, sei im Jahr 2011 um 15 Prozent gewachsen. „Wenn auf die Dumping-Preise nun aber ein Subventionswettkampf zwischen Asien, Europa und den USA folgt, würden die Wachstumschancen wieder zunichte gemacht“, warnt der Experte von Ernst & Young.

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