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Gold 12.08.2016

Faires Gold: den Preis wert?

Arbeiter der Fairtrade Goldmine Sotrami in Peru profitieren von den besseren Arbeitsbedingungen. Für gewöhnlich erfolgt die Förderung von Gold ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Für nachhaltige Anleger ist Gold daher ein problematisches Investment. Doch inzwischen gibt es Alternativen wie faires Gold. / Foto: Transfair e.V. Deutschland

Ethisch in Gold investieren – das geht jetzt, sogar mit Fairtrade-Siegel. Eine gute Nachricht für Anleger, die das Edelmetall bisher aus Umweltschutzgründen gemieden haben. 


Ob die Geldanlage in Gold sinnvoll ist, dazu gibt es hunderte Meinungen. Einigkeit herrscht jedoch in einem Punkt: Die Ökobilanz der konventionellen, modernen Goldgewinnung ist schlichtweg katastrophal. Alleine schon, weil Goldminen Raubbau an der Natur betreiben. Um die Winzigkeit einer Feinunze Gold (31,1 Gramm) zu gewinnen, muss etwa 300.000 Mal so viel Erdreich abgebaut werden – zehn Tonnen. Und in der Regel setzen die Minenbetreiber außerdem hochgiftige Stoffe wie Quecksilber und Cyanwasserstoff (Blausäure) ein, um die Goldpartikel aus dem umgebenden Gestein zu lösen. Die langfristige Folge sind Mondlandschaften und schwerkranke Minenarbeiter.

Fair gefördertes Gold soll diese Auswirkungen vermeiden. Claudia Brück, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von TransFair e.V.: „Die Fairtrade-Zertifizierung für Gold enthält Sicherheitsbestimmungen für Mensch und Umwelt, sie schreibt Schutzkleidung sowie Gesundheitsund Sicherheitstrainings vor.“ Der Einsatz von Chemikalien werde so weit wie möglich reduziert. Vor allem aber: „Kinderarbeit ist in Fairtrade-zertifizierten Minen verboten. Fairtrade-Gold steht für eine nachhaltige Zukunft der Minenarbeiter, ihrer Familien und Gemeinschaften“, so Brück.  Fairtrade-zertifizierte Minen erhalten zudem eine Fairtrade-Prämie in Höhe von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm Gold. Das Geld fließe beispielsweise in Gemeinschaftsprojekte in den Dörfern, etwa in Schulen und Gesundheitszentren, so Brück.

In Deutschland wurde das Fairtrade-Siegel für Gold 2015 eingeführt. Insgesamt hat TransFair zwölf Gold-Lizenzpartner, die das Fairtrade-Siegel verwenden dürfen. Ein Partner ist die Traid GmbH aus Berlin. Sie bietet nicht nur Münzen und Kleinbarren zwischen 5 und 10 Gramm an, sondern auch gegossene Unzenbarren (31,1 Gramm). Gründer und Geschäftsführer Florian Harkort sagt über den Preis für Faires Gold: „Eine Plattform oder einen Index für den Tages-Handelspreis von fairem Gold gibt es nicht. Der Preis orientiert sich an der außerbörslichen Handelsplattform London Bullion Market Association (LBMA).“ Wer Fairtrade-Gold kaufe, zahle im Schnitt 20 Prozent mehr als für konventionelles Gold, so Harkort. Bei Kleinbarren und Münzen sei der Aufschlag etwa 25 bis 40 Prozent. Am 10. August 2016 kostete die Unze Fairtrade- Gold bei der Traid GmbH 1.470 Euro.


Zweitmarkt für faires Gold

Dominik Lochmann von ESG Edelmetalle aus Rheinstetten nennt 2,50 Euro pro Gramm als Mehrkosten für Fairtrade- Gold. ESG bietet Fairtrade-Gold zunächst in den Größen ein, zwei, fünf und zehn Gramm an. Vertriebspartner ist die Bayerische Landesbank, welche Fairtrade-Barren über die Sparkassen vertreibt.

Also ein faires, aber finanziell schlechtes Geschäft? „Wir glauben, dass sich mittelfristig ein Zweitmarkt etablieren wird. Das heißt, wann immer man einen Fairtrade- Goldbarren verkaufen will, sollte sich ein Käufer finden, der bereit ist, den Fairtrade-Aufschlag zu bezahlen“, sagt Harkort. Und er verspricht, bis sich ein solcher Zweitmarkt gebildet habe, wolle sein Unternehmen die bei ihm gekauften Goldbarren und Goldmünzen mit dem Fairtrade- Preisaufschlag jederzeit wieder zurückkaufen. Nur der branchenübliche Abschlag von vier bis fünf Prozent vom Tageskurs falle an. Das sei vergleichbar mit der Spanne zwischen Ver- und Ankaufspreisen bei Banken, so der Edelmetall-Experte.

Bildhinweis: Eine Unze fair gefördertes Gold. / Foto: Transfair


Warum ist faires Gold teurer?

Bisher haben nur sehr wenige Minen das Fairtrade- Siegel bekommen. Keine der großen Goldschürf-Gesellschaften gehört dazu. Sondern nur kleine Betriebe. Diese liegen sämtlich im Hochgebirge der Anden, also im Hochland des südamerikanischen Landes Peru. Allein die geringen Fördermengen von rund 20 bis 25 Kilogramm Gold pro Monat führen zu höheren Kosten. „Ein Kostenfaktor sind auch die umweltfreundlicheren und humaneren Produktionsmethoden“, sagt Harkort. Außerdem bekämen die Fairtrade-Minen derzeit etwa 99 Prozent des jeweils aktuellen Goldkurses am London Bullion Market, so Harkort. Bei herkömmlichen Minen läge die Preispanne hingegen nur zwischen 70 und maximal 90 Prozent, erläutert der Experte.

Weil die Handelskette von der Goldmine bis zum Endkunden deutlich kürzer sei als beispielswiese bei fair gehandeltem Kaffee oder Obst, verbleibe bei den Fairtrade-Goldminen ein verhältnismäßig hoher Anteil vom Verkaufspreis, sagt Harkort. Hinzu kämen noch 1,50 Euro pro Gramm Gold als Fairtrade- Lizenzgebühr.

Was faires Gold kostet und ob so genanntes Recycling-Gold eine noch bessere Alternative ist erfahren Sie in Teil 2  dieses Artikels. 

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