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Christliche Geldanlage 06.02.2013

Gebote der Geldanlage

Kann man als Christ Renditen mit Branchen wie Rüstung, Gentechnik, Atomenergie erzielen und damit gute Zwecke fördern – Kindererziehung, Altenbetreuung, Entwicklungsprojekte in armen Ländern?

Dr. Wolfgang Palaver ist Professor für Christliche Gesellschaftslehre und Leiter des Instituts für Systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Und Beirat des Hauck & Aufhäuser Fonds Prime Values. Palaver sagt: „Immer stärker setzt sich heute der ethische Grundsatz durch, dass Zweck und Mittel einander entsprechen müssen. Das gilt nicht nur für die christliche Ethik, sondern wurde schon von Mahatma Gandhi vor mehreren Jahrzehnten deutlich gemacht. Investments in problematischen Bereichen, um über Umwege dann guten Zwecken zu dienen, ist ein Holzweg.“ Und er birgt Risiken – für Mensch, Gesellschaft und Umwelt – und nicht zuletzt für das eigene Konto. Eine Geldanlage, die dem Schöpfungsauftrag gerecht wird – was heißt das konkret? Einige Beispiele:

Alkohol

Übermäßiger oder dauerhafter Konsum von Spirituosen kann süchtig machen. Der Leitfaden der evangelischen Kirche erlaubt Investments in die Produktion von Bier und Wein, also von Getränken mit weniger als 14 Prozent Alkohol. Spirituosen (15 bis 80 Prozent) sollen dagegen tabu sein.

Atomkraft

Atomenergie gilt der Bank für Kirche und Caritas als Hochrisikoenergie. Die Hoffnung, das globale Energieproblem mittels Atomkraft zu lösen, habe sich spätestens seit Tschernobyl und Fukushima als Irrweg erwiesen, so die Bank. Länder und Unternehmen, die ungemindert auf Kernenergie setzten, gingen Risiken ein, die Menschen und ökologische Systeme schädigen könnten. Laut Prof. Dr. Palaver sollte Kernenergie tabu sein, weil sie mit zu hohen Risiken verbunden sei und keine Nachhaltigkeit fördere.“ Gentechnisch verändertes Saatgut Der Leitfaden der evangelischen Kirche schließt Gentechnik in der Pflanzenzüchtung nicht generell aus. Aber Unternehmen, die signifikant gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugen, gelten als nicht investierbar. Als Gründe nennt der Leitfaden vor allem die extreme Marktkonzentration, die Bündelung der Wertschöpfungskette bei wenigen Unternehmen und die Vergabe von Biopatenten, die ökologische Gefahr der Kontamination „konventioneller“ Pflanzen und gesundheitliche Risiken. Das gelte auch für die Produktion gentechnisch veränderter Gehölze, etwa für Holz- oder Papierherstellung.

Glücksspiel

Glücksspiele können süchtig machen. Vor allem, wenn zwischen Einsatz und Ergebnis nur wenig Zeit zum Nachdenken bleibt und sich Verluste bewusst zu machen. Der Leitfaden der evangelischen Kirche sieht daher folgende Formen des Glücksspiels als kontrovers an: bestimmte Sportwetten, Glücksspielautomaten, Online-Casinos. Staatliche Lotterien nimmt der Leitfaden aus. Der Katechismus der Katholischen Kirche besagt, Spielleidenschaft drohe den Spieler zu versklaven.

Kinderarbeit

Der Leitfaden der Paderborner Bank für Kirche und Caritas differenziert zwischen ausbeuterischer und nicht ausbeuterischer Kinderarbeit. In vielen Regionen der Welt übe Kinderarbeit eine für die Entwicklung wichtige Funktion aus, die nicht pauschal abzulehnen sei, heißt es. Jede Form ausbeuterischer Kinderarbeit sei aber unannehmbar. Dazu gehörten beispielsweise Arbeit für Kinder unter 13 Jahren, Zwangsarbeit, Einsätze als Kindersoldaten, lange Arbeitszeiten oder Nachtarbeit.

Menschenwürde

Prof. Dr. Palaver sagt: „Tabu sind alle Investments, die mit der Verletzung der Menschenwürde einhergehen. Dazu zählen verbrauchende Embryonenforschungen und Abtreibungsmittel genauso wie die Euthanasie oder die Todesstrafe. Als problematisch gilt der Bereich der Waffenindustrie, insbesondere die Produktion von Massenvernichtungswaffen.“

Pornografie

Der Glaube, dass Gott den Menschen zum Ebenbilde geschaffen hat, beinhalte auch die Würde des Menschen und damit den Auftrag, diese Würde vor entwertenden, verunglimpfenden oder erniedrigenden Darstellungen zu schützen, sagt der Leitfaden der evangelischen Kirche. Es gelte hier, nicht nur pornografische Produkte zu berücksichtigen, sondern auch die Herstellung von Gewaltvideos und entsprechenden, Gewalt verherrlichenden Computerspielen. Der Katechismus der katholischen Kirche betont, Pornografie versetze alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie sei eine schwere Verfehlung.

Rüstung

Da Waffen und Rüstungsgüter nicht nur für Verteidigungs-, sondern auch für Angriffszwecke einzusetzen seien, widersprächen sie dem Friedensauftrag
der Kirchen, heißt es im Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche. Welche Waffen und Ausrüstungsgegenstände als Rüstungsgüter anzusehen seien, nenne die Anlage zum Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie führt beispielsweise ABC-Waffen, Kampfflugzeuge, U-Boote, Panzer und anderes auf. In Unternehmen, die verbotene Waffen herstellten, solle man auch dann nicht investieren, wenn der Umsatz damit unter zehn Prozent liege.

Tabak

„Leben und Gesundheit sind wertvolle, dem Menschen von Gott anvertraute Güter, für die der Mensch verantwortlich zeichnet“, heißt es im Nachhaltigkeitsfilter der Bank für Kirche und Caritas aus Paderborn. Der Genuss von Tabak gefährde auf absehbare Zeit die Gesundheit. Daher: keine Geldanlage mit Tabak. Tierversuche Tierversuche, die über rein medizinisch-wissenschaftliche Anliegen hinausgehen, sind moralisch verwerflich. Sie widersprechen der Eigenbedeutung nichtmenschlicher Schöpfung. Das besagen die Ausschlusskriterien der Bank für Kirche und Caritas.

Todesstrafe

Die Kirche lehnt heute die Todesstrafe ab, da sie als nicht vereinbar gilt mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und der Menschenwürde.Das heißt: In Anleihen von Ländern, welche die Todesstrafe verhängen, soll nicht investiert werden. Solche Länder sind beispielsweise die USA, Japan und Saudi-Arabien.

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