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Erneuerbare Energie 17.01.2018

Greenpeace Energy: "EU-Parlament will Ökostrom-Greenwashing im großen Stil ermöglichen"

Das Europäische Parlament will Konzernen künftig gestatten, ökologisch hochwertigen Strom etwa aus Wind- oder Solaranlagen zu beziehen, ohne dass sie die Kosten für dessen Produktion tragen müssen. Einen entsprechenden Richtlinien-Entwurf will das Parlament heute beschließen.

Nach Ansicht des deutschen Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy würde diese Änderung ein Greenwashing bisher ungekannten Ausmaßes ermöglichen. "Die zusätzlichen Produktionskosten sollen die Verbraucher weiterhin über die EEG-Umlage bezahlen, während sich die Großkonzerne gegen geringes Entgelt mit ökologisch hoher Stromqualität schmücken", sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.

Hintergrund sind die so genannten Herkunftsnachweise - quasi eine "Geburtsurkunde" für jede produzierte Megawattstunde Ökostrom. Diese Herkunftsnachweise sollen nach dem Willen des EU-Parlaments nicht mehr - wie bislang - ausschließlich für ungeförderten Strom ausgestellt werden. Auch geförderter Erneuerbaren-Strom, dessen Produktion etwa über das EEG eine Vergütung erhält, soll künftig dieses Ursprungs-Zertifikat erhalten.

"Bislang galt der Grundsatz: Eine Qualität, die man gegenüber den Stromkunden ausweist, muss man auch bezahlen", sagt Keiffenheim. "Mit diesem im Sinne des Verbraucherschutzes so wichtigen Prinzips will das EU-Parlament nun brechen - und damit Großkonzernen, aber auch konventionellen Stromanbietern Greenwashing im großen Stil ermöglichen."

Standbein der Energiewende in Gefahr?

Greenpeace Energy sieht durch den aktuellen Parlamentsentwurf ein wichtiges Standbein der Energiewende in Gefahr: "Wenn hinter Ökostrom keine zusätzliche Anstrengung zum Gelingen der Energiewende mehr steht, sondern bloß eine statistische Umverteilung zu Lasten der Umlagezahler, dann wird sauberer Strom an sich unglaubwürdig", so Keiffenheim.

Der Hamburger Ökoenergieanbieter hält mit seinen Grünstrom-Angeboten dagegen: Greenpeace Energy beschafft derzeit einen Anteil von 50 Prozent seines Ökostroms direkt von Windkraftanlagen, die keine Förderung erhalten. "Diese Art der Beschaffung ist ökologisch besonders wertvoll. Sie hält Windparks, die auf den Verkauf ihres Stroms zu guten Preisen angewiesen sind, wirtschaftlich am Leben und sorgt damit unterm Strich für einen geringeren CO2-Ausstoß im Energiesystem."

Droht eine Überflutung von Herkunftsnachweisen?

Die Pläne des EU-Parlaments gefährdeten diese positiven Effekte, denn sie würden Europas Strommarkt mit Herkunftsnachweisen überfluten: Allein hierzulande produzieren die über das EEG geförderten Erneuerbaren-Anlagen rund 200 Terawattstunden Strom pro Jahr - fast doppelt so viel wie alle privaten Haushalte in Deutschland verbrauchen.

"Wenn in Zukunft für sämtliche EEG-Anlagen Herkunftsnachweise ausgestellt würden, schliddern wir in eine absurde Situation: Alle kriegen scheinbar Ökostrom, und konventionelle Kohlekraftwerke laufen munter weiter", sagt Keiffenheim. Greenpeace Energy fordert angesichts des für heute erwarteten Parlamentsvotums die deutsche Bundesregierung auf, in Brüssel darauf hinzuwirken, dass die Ausweitung der Herkunftsnachweise aus der finalen Richtlinie wieder herausgestrichen wird.

Hintergrund: Die geplante Regelung zu Herkunftsnachweisen ist Teil der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (Art. 19) im EU-Paket "Saubere Energie für alle Europäer". Dessen Verordnungen und Richtlinien schreiben die legislativen Rahmenbedingungen für den europäischen Energiemarkt der kommenden Jahre fest.

Im Rahmen ihrer "Trilog"-Verhandlungen wollen EU-Kommission, Parlament und Europäischer Rat in den kommenden Wochen auf Grundlage ihrer jeweiligen Entwürfe einen gemeinsamen Kompromissvorschlag erarbeiten und noch 2018 verabschieden. 

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