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Finanzdienstleister 16.02.2016

Interview: Warum die UmweltBank jetzt kein Genussrecht anbietet, sondern einen CoCo-Bond mit 2,85 Prozent Zinsen

Wer in den CoCo-Bond der UmweltBank investiert, stellt ihr Kapital für die Finanzierung von Umweltprojekten zur Verfügung. Was Anleger über das Angebot wissen müssen erklärt Gabriele Glahn-Nüßel, Leiterin der UmweltBank-Vermögensberatung, im ECOreporter-Interview. / Foto: Unternehmen

Mit ihrem CoCo-Bond bietet die UmweltBank AG eine besondere Form einer Anleihe an. Sie ist pro Jahr mit 2,85 Prozent verzinst. Rund neun Millionen der angestrebten 20 Millionen Euro hat die UmweltBank mit dem CoCo-Bond bereits eingesammelt. Jetzt können auch Nicht-Aktionäre der UmweltBank in diese Wandelanleihe investieren. Wofür die UmweltBank das Kapital der Anleihe-Investoren einsetzen will, wie der CoCo-Bonds funktioniert und was Anleger sonst noch bei diesem Angebot beachten müssen, das erläutert Gabriele Glahn-Nüßel, Leiterin der UmweltBank-Vermögensberatung, im Interview.


ECOreporter.de: Frau Glahn-Nüßel, die UmweltBank hatte bisher unter anderem Genussrechte an Anleger ausgegeben. Die Anleger erhielten feste Zinsen, die Bank stärkte ihr Eigenkapital. Warum bringen Sie nun einen so genannten CoCo-Bond heraus? 

Gabriele Glahn-Nüßel:  Unsere bisher zwölf Genussrechte – das letzte kam 2011 heraus – hatten ein Gesamtvolumen von über 63 Millionen Euro. Nun hat sich das Recht in Europa geändert, und das betrifft auch Genussrechte: Diese zählen regulatorisch nicht mehr in vollem Umfang zum Eigenkapital. Die Folge: Vereinfacht gesprochen können wir dieses Kapital nicht mehr in ausreichendem Maß gegen unsere Umweltkredite rechnen. Deshalb mussten wir von dem bei unseren Anlegern so beliebten Instrument Genussrecht Abstand nehmen. Aber trotz des anderen Namens und der etwas anderen Konstruktion: Der CoCo-Bond ist der legitime Nachfolger unserer Genussrechte.


ECOreporter.de: Warum braucht die UmweltBank denn neues Eigenkapital – reicht das alte nicht mehr? 
 
Gabriele Glahn-Nüßel:  Nein, und das ist ein gutes Zeichen! Denn eine Bank benötigt Eigenkapital, um Kredite an Kunden vergeben zu können. In unserem Fall Kredite im Dienste der Umwelt. Für jeden Kredit, den wir einem Kunden zusagen, müssen wir als Faustformel etwa zehn Prozent Eigenkapital nachweisen. Und weil immer mehr Kunden bei uns Kredite nachfragen, brauchen wir mehr Eigenkapital. Allein 2015 haben wir ökologische Projekte im Gesamtvolumen von mehr als einer halben Milliarde Euro finanziert. Laut den vorläufigen Zahlen, die wir am 1. Februar veröffentlicht haben, belief sich zum Jahresende 2015 das so genannte „haftende Eigenkapital“ der UmweltBank auf gut 216 Millionen Euro. Diese Summe mal zehn – das wäre vereinfacht gesagt die maximal mögliche Summe, die wir an Umweltkrediten vergeben können. Der CoCo-Bond erhöht unser Eigenkapital um bis zu 20 Millionen Euro. Das heißt: Wir können dadurch weitere ökologisch sinnvolle Projekte im Gesamtvolumen von rund 200 Millionen Euro finanzieren.


ECOreporter.de: Und was genau ist ein CoCo-Bond? 

Gabriele Glahn-Nüßel:  Ein „Bond“ ist eine Anleihe. „CoCo“ ist die Abkürzung für das englische „Contingent Convertible“. Übersetzt heißt CoCo-Bond dann bedingte Pflichtwandelanleihe. Ein CoCo-Bond ist daher eine Form der Wandelanleihe.


ECOreporter.de: Und eine bedingte Pflichtwandelanleihe ist…

Gabriele Glahn-Nüßel:  …eine Anleihe, die gegebenenfalls automatisch in Aktien umgewandelt wird. Das Prinzip funktioniert so: Anleger leihen der UmweltBank Geld. Zu einem Zinssatz von anfangs 2,85 Prozent pro Jahr. Wenn bestimmte Voraussetzungen eintreten, erhalten Anleger statt ihres Geldes UmweltBank-Aktien zurück. Das ist die „Wandlung“ darin: Aus einer Geldschuld wird eine Aktienschuld.


ECOreporter.de: Noch einmal zum Mitschreiben, bitte: Der Anleger investiert in eine Anleihe und erhält unter bestimmten Voraussetzungen statt Geld Aktien der UmweltBank zurück?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Ja. Eine Wandlung in Aktien erfolgt aber nur, wenn die so genannte harte Kernkapitalquote der UmweltBank unter 5,125 Prozent sinkt. Ende letzten Jahres lag diese bei 8,12 Prozent.


ECOreporter.de: Dann müssen wir jetzt noch wissen, was Sie unter einer harten Kernkapitalquote verstehen, oder?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Das ist einfach: Sie rechnen Grundkapital und Rücklagen zusammen und setzen das Ergebnis dieser Addition ins Verhältnis zu den ausgereichten Krediten. Die Kernkapitalquote sinkt, wenn die Bank ihr Kreditgeschäft unkontrolliert ausweitet oder hohe Verluste, beispielsweise durch Kreditausfälle oder in den Eigenanlagen verbuchen muss. Beides ist bei der UmweltBank nur schwer vorstellbar.


ECOreporter.de: Wie viele Kredite der UmweltBank fallen denn aus, werden also nicht zurückgezahlt?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Der Wert liegt seit Jahren im niedrigen Promille-Bereich und damit weit unter dem Durchschnitt der deutschen Banken. Wir haben also eine geringe Kreditausfallrate und eine solide Kreditpolitik. Außerdem spekulieren wir nicht am internationalen Geld- und Kapitalmarkt.


ECOreporter.de: Wie viele Aktien erhalten die Inhaber des CoCo-Bond im Fall der Wandlung?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Der Anleihegläubiger erhält im Wandlungsfall je Teilschuldverschreibung im Nennwert von 250 Euro mindestens eine, maximal zehn UmweltBank-Aktien. Die genaue Aktienanzahl ist abhängig vom Kurs der UmweltBank-Aktie zum Zeitpunkt der Wandlung.


ECOreporter.de: Ich erhalte dann als Anleihegläubiger also gerundet so viele Aktien, dass der Wert dieser Aktien 250 Euro ausmacht?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Grundsätzlich ja. Ich will es an einem Beispiel verdeutlichen: Liegt der Kurs der UmweltBank- Aktie zum Zeitpunkt der Wandlung bei 100 Euro erhält der Anleger rechnerisch 2,5 Aktien je Teilschuldverschreibung. Hat er 10 Teilschuldverschreibungen erhält er entsprechend 25 Aktien, bei 9 Teilschuldverschreibungen sind es rechnerisch 22,5 - der Anleger erhält somit 22 UmweltBank-Aktien.


ECOreporter.de: Wie wird der CoCo-Bond verzinst? 

Gabriele Glahn-Nüßel:  Mit 2,85 Prozent pro Jahr bis zum 31. Mai 2021. Danach wird der Zins neu festgelegt, für weitere fünf Jahre.


ECOreporter.de: Kann die UmweltBank den Zinssatz einfach so bestimmen?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Nein, es gibt eine feste Regel dafür…


ECOreporter.de: …und wir ahnen: Die ist erklärungsbedürftig. 

Gabriele Glahn-Nüßel:  …zugegeben. Die Basis zur Berechnung des neuen Zinssatzes ist der so genannte „5-Jahres- Euro-Swap-Satz“ plus einer Marge von rund 2,7 Prozent. Der Euro-Swap-Satz ist vereinfacht gesagt der unter Banken vereinbarte durchschnittliche Zinssatz für eine bestimmte Anlagedauer. Liegt das allgemeine Zinsniveau in fünf Jahren über dem heutigen Niveau, wird auch die Anschlussverzinsung des CoCo-Bond entsprechend höher sein. Übrigens: Die Zinsen bezahlen wir rückwirkend jeweils am 1. Juni eines Jahres, erstmals bereits am 1. Juni 2016.


ECOreporter.de: Und wann bezahlt die UmweltBank den CoCo-Bond zurück?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Die Laufzeit ist nicht befristet. Damit die Anleger aber wieder an ihr Geld herankommen, wollen wir wie bei unseren eigenen Genussrechten und den von uns angebotenen Projekt-Anleihen während der gesamten Laufzeit einen Telefonhandel anbieten. Zu einem späteren Zeitpunkt ist ggf. der Handel des CoCo-Bond über die Börse ein Thema.


ECOreporter.de: Welche Risiken geht der Anleger mit dem CoCo-Bond ein?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Die Zinszahlung des CoCo-Bond ist gewinnabhängig und steht entsprechend der gesetzlichen Vorgaben im freien Ermessen der Emittentin. Im Insolvenzfall erhalten die Anleger, also hier die Gläubiger dieser bedingten Pflichtwandelanleihe, eine Zahlung erst dann, wenn alle anderen Gläubiger der Bank vollständig ihr Geld zurückbekommen haben.


ECOreporter.de: Fällt der CoCo-Bond unter die Einlagensicherung?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Nein, und das bedeutet, dass im Fall einer Insolvenz der Emittentin mit Verlusten bis hin zum Totalverlust zu rechnen ist. Der Erwerber muss sich zudem bewusst sein, dass eine automatische Wandlung der Anleihe in Aktien erfolgen kann. Der Anleihegläubiger wird dadurch zum Miteigentümer, mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken. Entsprechend haben wir den CoCo-Bond ebenso wie die UmweltBank-Aktie in die Risikoklasse 4 auf der bankeigenen Skala von 0 (risikolos) bis 5 (spekulativ) eingestuft.


ECOreporter.de: Welchen Vorteil hat der Anleger dadurch, dass die Anleihe in Aktien zurückgezahlt werden kann?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Es gibt zwei Ausgestaltungsmöglichkeiten eines CoCo-Bonds. Neben der Wandlung in Aktien gibt es die Abschreibungsvariante, bei der die Anleger einen Teil der Verluste tragen und eine – zumindest vorübergehende – Abschreibung ihrer Wertpapiere hinnehmen müssen. Bei unserem CoCo-Bond würde der Anleger aber bei der Unterschreitung der definierten harten Kernkapitalquote Aktien erhalten und damit zukünftig direkt an der weiteren Entwicklung der UmweltBank partizipieren.


ECOreporter.de: Wie können Interessenten den CoCo-Bond erwerben?

Gabriele Glahn-Nüßel:  Im Rahmen ihres Bezugsrechts hatten unsere Aktionäre zunächst die bevorrechtigte Möglichkeit zum Erwerb des CoCo-Bond. Mit Beginn des öffentlichen Angebots am 8. Februar können auch Kunden und Interessenten die bedingte Pflichtwandelanleihe zum Kurs von 100 Prozent plus den seit dem 1. Februar 2016 aufgelaufenen Stückzinsen gebührenfrei kaufen.

ECOreporter.de: Frau Glahn-Nüßel, wir danken Ihnen für die Antworten.

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