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Nachhaltige Aktien 05.01.2012

Jahresrückblick Bioaktien: Kurse überwiegend rückläufig

Obwohl 2011 viele neue Biogas-Anlagen in Betrieb gingen, gaben die Aktien der Branchenunternehmen kaum Anlass zur Freude. Auch die Anteilsscheine der Biokraftstoffhersteller fuhren teils große Verluste ein. Skepsis herrscht auch, was die Aussichten in 2012 betrifft.

Biogasanlage der Altus AG. / Quelle: Unternehmen


Es gibt verschiedene Untergruppen bei den Bioenergie-Aktien: Die Unternehmen, die Biogas- oder Biomassekraftwerke errichten und betreiben, die Hersteller von Biokraftstoffen sowie die Lieferanten der entsprechenden großtechnischen Anlagen.


Die Zahl der im Jahresverlauf in Deutschland neu in Betrieb gegangenen Biogasanlagen dürfte auch 2011 wieder stark gestiegen sein. Das ergeben vorläufige Berechnungen des Fachverbandes Biogas, die Anfang November 2011 veröffentlicht wurden. Demnach sollten bis zur Jahresfrist 2011 deutschlandweit rund 1.100 Biogasanlagen mit 489 Megawatt (MW) Leistungskapazität neu mit der Stromproduktion begonnen haben. Damit stiege die neu installierte Grünstromleistung aus Bioenergie im Vergleich zu 2010 um 21 Prozent, und es wären insgesamt 7.100 Biogasanlagen mit 2.780 MW Leistung in Betrieb. Mit der Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die zum 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist, sind die Vergütungssätze für Biogasstrom durchschnittlich um 15 Prozent gesunken.


Der Fachverband Biogas sieht darin einen maßgeblichen Treiber der Flut von Neuinstallationen in 2011, denn zahlreiche Investoren bemühten sich, ihre Biogasprojekte noch vor diesem Stichtag umzusetzen. Daher hätten speziell die Biogasanlagenbauer 2012 mit Auftragseinbußen zu rechnen. Allerdings könnten diese Einbußen zunächst durch Instandsetzungs- und Modernisierungsaufträge (Repowering) aufgefangen werden, sagt Claudio da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbands.


Biogas-Aktien: ein großer Gewinner und viele Verlierer

Von der Jahresendrallye am Biogasmarkt 2011 profitierte die 2G Energy AG aus Heek im Münsterland, deren Aktie die mit Abstand stärkste Bioaktie des Jahres 2011 war und die ECOreporter.de schon zum Jahresanfang 2011 empfohlen hatte: Ihr Kurs hat sich im Jahresverlauf mehr als verdoppelt. Sie kletterte bis zum 30. Dezember um 102 Prozent und beschloss das Börsenjahr 2011 bei 24,10 Euro. Für die ersten neun Monate 2011 verbuchte die Spezialistin für Kraft-Wärme-Kupplungs-Anlagen (KWK) einen Umsatzsprung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 69 Prozent auf 55,7 Millionen Euro.

Bildnachweis: Motor der 2G Biogas Energy AG. / Quelle: Unternehmen

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte auf Jahressicht sogar noch deutlicher. Es stieg um satte 91 Prozent auf 4,2 Millionen Euro. Infolge der Marktentwicklung hatte 2G seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2011 mehrfach angehoben. Der Anlagenbauer rechnet mit 155 Millionen Euro Umsatz. Eine konkrete Gewinnprognose für 2011 gab das Unternehmen nicht ab. Weil die 2G Bio Energy AG davon ausgeht, dass die Nachfrage vor allem am Heimatmarkt 2012 aufgrund der neuen EEG-Rahmenbedingungen wesentlich niedriger sein wird als im Vorjahr, bekräftigte das Unternehmen zum Jahresende nochmals seine Pläne, künftig stärker im Ausland aktiv zu werden. Als Zielmärkte nannte Vorstandschef Christian Grotholt neben Frankreich und Italien Großbritannien, Irland sowie die USA.


Auch die auf den Bau und Betrieb von Biogaskraftwerken spezialisierte Envitec Biogas AG aus Lohne zeigte 2011 eine starke Entwicklung. Der Aktienkurs des Unternehmens ging im Jahresverlauf 2011 dennoch zurück: Die Aktie verlor zwölf Prozent und beendete das Geschäftsjahr 2011 mit 9,49 Euro. In den ersten neun Monaten 2011 erzielte Envitec Biogas 171,8 Millionen Euro Umsatz. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies eine Steigerung um 71 Prozent. Zugleich kletterte das EBIT um knapp 35 Prozent auf rund acht Millionen Euro. Für das noch nicht abschließend bilanzierte letzte Quartal 2011 sei weiteres Wachstum wahrscheinlich, so die Unternehmensspitze. Die Erweiterung des in Eigenregie geführten Biogasanlagen-Kraftwerkspark bis zur Jahresfrist 2011 auf 40 MW Leistungskapazität laufe nach Plan, hatte Envitec im November erklärt. Um dem für 2012 zu erwartenden Nachfragerückgang im Kerngeschäft zu begegnen, hat Envitec außerdem die Envitec Energy Contracting GmbH gegründet und im vierten Quartal 2011 mit der Direktvermarktung von Strom aus Biogas begonnen.


Die Aktie der BKN biostrom AG aus Vechta verlor vor allem seit dem Sommer 2011 stark an Wert. Die Spezialistin für Biogasanlagenbau aus Vechta litt im ersten Halbjahr witterungsbedingt unter Verschiebungen im Projektgeschäft. Daher verharrte sie in den roten Zahlen und musste einen Umsatzeinbruch hinnehmen. Für das Gesamtjahr kündigte sie die Rückkehr in die Gewinnzone an. Außerdem eröffnete sie mit dem Energie-Einsparcontracting für Kunden aus der Immobilienwirtschaft ein zweites Geschäftsfeld, um künftig weniger vom Kerngeschäft Biogasanlagenbau abhängig zu sein. Das Vertrauen der Börsianer konnte die BKN biostrom AG aber dennoch nicht zurückgewinnen. Der Anteilsschein verlor über das Jahr gesehen mehr als 43 Prozent und sank auf 0,80 Euro.


Die Aktie der DTB – Deutsche Biogas AG aus Friesoythe verbilligte sich aufJahressicht um rund 31 Prozent auf 5,85 Euro am Jahresende. Das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/2012 (Bilanzstichtag 30. September) beendete die DTB – Deutsche Biogas AG trotz eines Umsatzsprungs mit deutlich weniger Gewinn als im Vorjahreszeitraum. Zwar kletterte der Umsatz um 74 Prozent auf 13,2 Millionen Euro. Das EBIT jedoch sackte auf 1,5 Millionen Euro ab. Grund dafür sei ein erheblich gestiegener Materialaufwand bei der Instandhaltung der Biogas-Kraftwerke im Eigenbetrieb sowie die deutlich erweiterte Geschäftstätigkeit. Trotz der durch das neue EEG ab 2012 erschwerten Rahmenbedingungen am Biogasmarkt in Deutschland rechnet Vorstandschef Horst Lammers damit, das Wirtschaftsjahr 2011/2012 mit weiterem Wachstum zu beschließen.

Biogasanlage der Schmack AG. / Quelle: Unternehmen.

Ende Januar 2011 scheiterten die letzten Rettungsversuche, die S&R Biogas Energiesysteme AG Moosburg an der Isar vor der Pleite zu bewahren. Der überschuldete und zahlungsunfähige Biogasanlagenbauer musste endgültig die Segel streichen, nachdem die Verhandlungen mit potenziellen Investoren geplatzt waren. Eine Wirtschaftsprüfung kam zu dem Schluss, dass die S&R Biogas Energiesysteme AG offenbar lange vor der Insolvenz wirtschaftlich kaum mehr lebensfähig war: Schon auf der Grundlage des Jahresabschlusses 2009 sei es unmöglich gewesen, dem Unternehmen „eine positive Fortführungsprognose“ auszustellen, urteilte der Wirtschaftsprüfer.


Die Ago AG Energie + Anlagen ist auf den Bau von Anlagen zur Strom und Wärmeversorgung spezialisiert. Dabei setzt das Unternehmen aus Kulmbach auf Holz oder Bio- und Klärgas als Energieträger. 2011 standen die Zeichen für die Ago AG dank einiger Vertriebserfolge auf Konsolidierung. Die Anleger blieben jedoch wohl auch wegen der durchwachsenen Aussichten der Ago AG für 2012 skeptisch: Die Aktie verbilligte sich über das Jahr 2011 um zehn Prozent auf 2,70 Euro. Dabei verbuchte das Unternehmen für die ersten neun Monate 2011 mit 52,9 Millionen Euro 61,6 Prozent mehr Umsatz als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und schaffte die Rückkehr in die Gewinnzone. Die Zahlen für das Gesamtjahr 2011 liegen noch nicht vor. Die Ago AG geht allerdings davon aus, keine großen Wachstumssprünge gemacht zu haben. Laufende Restrukturierungsmaßnahmen würden die Bilanz belasten, hieß es. Mit einer Prognose für den weiteren Geschäftsverlauf 2012 hielt sich die Ago AG bislang zurück.


Neuer Biokraftstoff in Deutschland: Kein Kurstreiber für Aktien

Einige deutsche Biokraftstoffhersteller, wie die Verbio - Vereinigte BioEnergie AG und die CropEnergies AG, hatten Anfang 2011 große Hoffnungen in den neuen Kraftstoff E 10 gesetzt. Die Spritmixtur mit zehn Prozent Ethanol-Anteil war im Zusammenhang mit der EU-Biokraftstoffrichtlinie Anfang 2011 in Deutschland eingeführt worden. Der Kraftstoff wurde allerdings nur sehr zögerlich von den Autofahrern angenommen: Viele fürchteten Unverträglichkeit für ihre Motoren. Im Juli 2011 kam E10 in Deutschland auf 10 Prozent Marktanteil. Der Sprit war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht landesweit erhältlich.


Der Biokraftstoffhersteller Verbio ist auch als Biogasproduzent aktiv. Mittelfristig will das Unternehmen aus Leipzig die Biogasproduktion massiv erweitern. Dazu Vorstandschef Claus Sauter: „Ich erwarte bis 2015 in Osteuropa Investitionen in neue, industrielle Biogasanlagen im mittleren einstelligen Milliarden-Euro-Bereich. Nicht in Kleinanlagen wie in Deutschland, sondern in kosteneffiziente und moderne Großanlagen ? da sind wir dabei.“ 2011 musste Verbio in diesem Segment Einbußen hinnehmen: Technische Probleme hatten zu Jahresbeginn zur vorrübergehenden Aussetzung der Biogasproduktion geführt. Den Produktionsausfall machte Verbio mit dafür verantwortlich, dass der Gewinn in den ersten neun Monaten 2011 deutlich niedriger ausfiel. Das EBIT dieses Zeitraums sank auf Jahressicht um 49,3 Prozent auf vier Millionen Euro. Der Umsatz hingegen kletterte gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 um 45,5 Prozent auf 539,4 Millionen Euro. Das Gesamtjahr 2011 wird Verbio nach eigener Einschätzung mit bis zu 750 Millionen Euro Umsatz und zwischen sechs und neun Millionen Euro EBIT beschlossen haben. Die Verbio-Aktie verbilligte zwischen Januar und Dezember 2011 um rund 22 Prozent auf 3,21 Euro.


Die Aktie der CropEnergies AG aus Mannheim büßte über das Jahr 2011 hinweg 13,8 Prozent an Wert ein. Sie notierte zum Jahresende bei 4,90 Euro. Das Unternehmen hatte sein starkes erstes Quartalsergebnis und die Einführung von E10 in Deutschland zum Anlass genommen, seine Prognose nach oben zu korrigieren. Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/2012 (Bilanzstichtag 31. August) wies CropEnergies mit 29 Millionen Euro 67 Prozent mehr Gewinn vor Steuern und Zinsen aus als in der Vorjahreshälfte. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 275,2 Millionen Euro. CropEnergies geht davon aus, 2011 mit bis zu 570 Millionen Euro Umsatz abgeschlossen zu haben. Die EBIT-Marge werde mit rund zehn Prozent Vorjahresniveau erreicht haben.

Bildnachweis: Biokraftstoffproduktionsanlage von Crop Energies. / Quelle: Unternehmen.

Für den Borkener Biodieselhersteller Petrotec AG startete das Jahr 2011 schlecht. Das Unternehmen stand kurzfristig im Verdacht, in einen Futtermittelskandal verwickelt zu sein, der zu Jahresbeginn Schlagzeilen machte. Dioxinhaltige Reststoffe aus der Petrotec-Produktion sollten über einen niederländischen Zwischenhändler in Hühnerfutter gelangt sein, das in Niedersachsen an zahlreiche Tiere verfüttert worden war. Mit einem Gutachten wehrte sich Petrotec erfolgreich gegen diese Vorwürfe. In den ersten neun Monaten 2011 erzielte die Petrotec AG knapp 130 Millionen Euro Umsatz. Gemessen am Ergebnis des Vorjahreszeitraums entspricht dies einem Sprung um 122 Prozent. Zugleich schaffte Petrotec damit in der zweiten Jahreshälfte die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Dies sei gelungen, weil der Biodiesel-Preis zwischen Januar und September 2011 gestiegen sei, hieß es. Die Petrotec-Aktie gab auf Jahressicht nach. Ihr Kurs fiel um 22,5 Prozent auf ein Euro.


Mehr als 35 Prozent Wertverlust im Verlauf des letzten Jahres verzeichnete die Aktie der österreichischen BDI-BioEnergy International AG. Sie fiel auf 13 Euro. Trotz eines Umsatzrückgangs um fünf Prozent gelang es dem Unternehmen aus Grambach, sein EBIT für die ersten neun Monate 2011 auf Jahressicht zu steigern. Bei 29,1 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete BDI Biodiesel International AG 3,2 Millionen Euro EBIT im ersten Dreivierteljahr 2011. Das entspricht einem EBIT-Zuwachs von 18 Prozent. Wegen seiner guten Auftragslage geht die österreichische Spezialistin für Anlagenbau zur Herstellung von Biokraftstoffen davon aus, auch das Gesamtkahr 2011 positiv abgeschlossen zu haben.


Durchwachsene Aussichten für deutsche Marktakteure in 2012

Experten schätzen die Entwicklung am deutschen Biogasmarkt in 2012 angesichts der um 15 Prozent gekappten Vergütungssätze für Biogasstrom als problematisch ein. „Für den Biogasbereich bedeutet die Neuregelung des EEG, dass im mittleren Anlagensegment kaum noch Projekte realisierbar sind“, erklärt Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbands Biogas. Bei großen Biogasanlagen werde das künftige Geschäft voraussichtlich stark auf Gas-Einspeiseanlagen hinauslaufen, sagt er voraus. Eine aktuelle Studie der Ecosyf Germany GmbH sieht den internationalen Biokraftstoff-Markt weiter weltweit als Wachstumsmarkt. Demnach wird die EU noch bis 2020 das weltweite Zentrum der Produktion und des Verbrauchs von Biodiesel bleiben. Die USA, Argentinien und Brasilien haben sowohl als Rohstofflieferanten als auch als Biokraftstoff-Exporteure in der vergangenen Dekade weltweit an Bedeutung gewonnen. Diese Internationalisierung der Biokraftstoffproduktion wird sich Ecosyf zufolge fortsetzen.

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