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Nachrichten 29.10.2010

Kein nachhaltiges Investment - Börsendebüt von Enel Green Power nutzt der Atomkraft

Auf den ersten Blick ist dieser Börsengang für nachhaltige Investoren sehr viel versprechend. Am 4. November will der Mutterkonzern Enel ein großes Aktienpaket seiner Grünstromtochter Enel Green Power (EGP) an die Börse bringen. ECOreporter.de hat genauer hingeschaut.

EGP betreibt viele Windparks in Italien: Projekt auf Sizilien mit Anlagen von Nordex. / Quelle: Unternehmen


Das Tochterunternehmen des italienischen Versorgers Enel S.p.A. ist in Europa einer der größten Akteure im Bereich der regenerativen Energien und auch in Nordamerika aktiv. EGP erzeugt 44 Prozent des Stromangebots aus Wasserkraft, 41 Prozent aus Windkraft und 13 Prozent aus Erdwärme, den Rest aus Photovoltaik und Biomasse. Insgesamt verfügen ihre regenerativen Kraftwerke über eine Spitzenleistung von 5.700 Megawatt (MW), davon knapp 800 MW in Nordamerika. Erst 2008 hat Enel die Grünstromsparte abgespalten, nun will der Energiekonzern knapp ein Drittel der Anteile an EGP verkaufen. Die Aktien sollen am kommenden Donnerstag in Mailand und in Madrid debütieren. Es handelt sich um einen der größten Börsengänge eines Grünstromunternehmens überhaupt.


Im Geschäftsjahr 2009 hat EGP einen Umsatz von 1,73 Milliarden Euro erzielt. Der operative Gewinn kletterte um 8,5 Prozent auf 791 Millionen Euro. Für 2010 prognostizieren die Emissionsbanken einen Zuwachs beim Gewinn nach Zinsen Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von acht Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Grünstromgesellschaft ist vergleichsweise gering verschuldet, sie will bis 2012 das Fremdkapital auf höchsten 4,3 Milliarden Euro erhöhen, um weiter in Erneuerbare Energie zu investieren und die Kapazität der Projekte auf 8.900 MW zu steigern.


Der Mutterkonzern bietet die Aktien der Tochter in einer Bezugspreisspanne von1,60 bis 2,10 Euro je Stück an. Enel kann damit auf Einnahmen von 2,6 bis 3,4 Milliarden Euro hoffen. Für die Grünstromtochter fällt dabei nichts ab, das Investment der Anleger kommt also nicht dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zugute. Die Erlöse aus der Emission sollen laut Konzernangaben vor allem dazu dienen, Schulden abzubauen und dem Mutterkonzern so die Verhandlungen mit Banken zu erleichtern. Um die Schuldenlast zu verringern, hatte Enel bereits in 2009 eine Kapitalerhöhung im Wert von knapp acht Millionen Euro durchgeführt.


Die Aktienemission zum Abbau von Schulden ist allerdings kein Hinweis auf einen strikten Sparkurs des Energiekonzerns. Vielmehr bereitet sich das Unternehmen auf neue Investitionen vor und will vor allem verstärkt auf Atomkraft setzen. Die Aussichten dafür sind nicht schlecht. Die Regierung Berlusconi drängt darauf, den in den 1980er Jahren verfügten Atomstop in Italien zu überwinden und neue Meiler zu errichten. Enel-Chef Fulvio Conti will nach eigener Aussage in den kommenden Jahren vier bis fünf neue Atomkraftwerke mit einer Leistung von je 1.800 MW errichten. Derzeit betreibt Enel Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 5.700 MW. Der Chef der Grünstromtochter EGP hat ebenfalls keine Berührungsängste gegenüber der Kernkraft. Chief Executive Officer (CEO) Francesco Starace war lange Jahre als Spezialist für Atomkraft für Unternehmen wie Alstom und General Electric aktiv.


Indem Enel einen Teil seiner Grünstromgesellschaft zu Geld macht, verbessert der Versorger seine Möglichkeiten, die geplanten Atomprojekte umzusetzen. Das sollten sich nachhaltige Anleger bewusst machen, die ein Investment in die jungen Aktien EGP erwägen.

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