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Finanzdienstleister 07.05.2009

„Kunden wollen Nachhaltigkeit.“ – Teil 2 des ECOreporter.de-Interviews mit Kirchenbankern

Wenn es um nachhaltige Geldanlage geht, sind Kirchenbanken gefragter denn je. Auch in der Finanzkrise kommen die Kunden in Scharen. Im ECOreporter- Gespräch verraten die Bank für Kirche und Caritas und die KD-Bank ihren Weg zur Umstellung auf nachhaltiges Investment. Lesen Sie hier die Fortsetzung des ECOreporter.de-Interviews mit den Kirchenbankern. PerOpens external link in new windowMausklickgelangen Sie zum 1. Teil des Gesprächs.


Die Gesprächspartner:
Dr. Richard Böger  (50) ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas (BKC) aus Paderborn.
Dr. Helge Wulsdorf (41), Theologe und Bankkaufmann, leitet seit 2003 bei der BKC den Bereich Nachhaltige Geldanlage.
Dr. Ekkehard  Thiesler (44) ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Dortmunder KD-Bank.
Christian  Müller (38) ist Bereichsleiter Vorstandsstab/Marketing bei der KD-Bank.


ECOreporter: Was müssten denn Banken allgemein ändern, um nachhaltiger zu agieren?

Böger, BKC:Das Wichtigste  ist die Nachhaltigkeit  im Kundengespräch. Unsere Berater erhalten beispielsweise keine verkaufsabhängigen Provisionen.  Sie beraten ausschließlich im Kundeninteresse!

Müller, KD-Bank:Das ist bei uns genauso, das ist  die Basis für das Vertrauensverhältnis der Kunden zu unseren Beratern.

Wulsdorf, BKC:Nachhaltigkeit wirkt in alle Bereiche einer Bank hinein. Das beginnt bei der Ausbildung  der Mitarbeiter. Wir  schicken  zum  Beispiel unsere Anlageberater  in den Fernlehrgang  zum  Fachberater  für  Nachhaltige  Geldanlagen. Überdies haben wir für unsere Mitarbeiter einen  umfangreichen Sozialkatalog entwickelt,  in dem  die Bank ihre soziale Verantwortung für die Mitarbeiter zum Ausdruck bringt. Die äußerst geringe  Fluktuation  ist  ein  klares  Zeichen  für  einen  nachhaltigen Umgang mit unseren Mitarbeitern. 

Böger, BKC:Natürlich wollen wir als Bank auch  ökologisch handeln, zum Beispiel Energie sparen.  Unser Ziel ist es, nach dem Umbau unseres Bankhauses  das  energieeffizienteste  Firmengebäude  in Paderborn zu haben und damit ein Modell für  andere zu sein. Unser  Fokus  liegt  bei  der  Nachhaltigkeit  der  Geldanlagen, also bei der Kreditvergabe und bei  den Eigenanlagen, für die wir unseren Nachhaltigkeitsfilter einsetzen. Den Anteil unserer Anlagen, die nachhaltig  sind, haben wir von 46,5  Prozent  im  Jahr  2006  auf  84,7  Prozent  2008  erhöht.  Bei  10,8  Prozent  liegt  uns  kein Rating  vor, und nur 4,5 Prozent unserer Anlagen waren  Ende  2008 nach unseren Kriterien nicht nachhaltig.  Nach  außen  dokumentieren  wir  unsere  Nachhaltigkeit im Geschäftsbericht, über das Internet und nicht zu vergessen  im persönlichen  Kundengespräch. 

Müller, KD-Bank:Den Prozess zu mehr Nachhaltigkeit, den wir begonnen haben,  verstehen wir  ganzheitlich. Das  reicht vom schonenden  Umgang mit  Wasser,  Papier  und  Energie  über  ein  Vorschlagswesen  bis  hin  zu  einem  nach  EMAS  II zertifizierten Umweltmanagementsystem, das  wir im vergangenen Jahr eingeführt haben. Neben  der  Betriebsökologie  hat  die Nachhaltigkeit bei der Kreditvergabe und bei den  eigenen  Wertpapieranlagen  zentrale  Bedeutung.  Bei  der  Gestaltung des Nachhaltigkeitsfilters, den wir für  unsere  eigenen  Wertpapieranlagen  verwenden,  haben wir uns mit dem  Institut  Südwind  einen  sehr  kritischen,  unabhängigen  Partner  ins  Boot  geholt,  um  ein  hohes Niveau  an Nachhaltigkeit zu garantieren.


ECOreporter: Was  hat  sich  –  im  Vergleich  zu  vor zehn Jahren – im Bereich Eigenanlagen bei  Ihren Banken konkret verändert?

Böger, BKC:Wir treffen heute unsere Anlageentscheidungen sehr bewusst unter dem Aspekt der  Nachhaltigkeit. Für jede Asset-Klasse hat die BKC  einen Nachhaltigkeitsfilter  eingerichtet:  für Aktien, Fonds, Pfandbriefe, Anleihen aus Entwicklungsländern. Wir überprüfen unsere Nachhaltigkeitsfilter ständig.


ECOreporter:  Wer  nimmt  die  Überprüfung  vor?

Böger, BKC:Dafür haben wir ein Gremium eingerichtet,  den  Nachhaltigkeitsbeirat.  Nach wie vor haben wir  eine  gewisse Quote  an  nicht  nachhaltigen Investitionen. Das erläutern wir in unserem  Jahresbericht. Wir bemühen uns, diese Quote zu  senken. Sie eines  Tages auf Null  reduzieren  zu  können, erscheint mir jedoch illusorisch.  


ECOreporter: Inwiefern können Sie auf aktuelle Entwicklungen eingehen, wenn etwa bei Sie- mens ein Korruptionsskandal hochkocht?

Böger, BKC:Wir waren nie  in Siemens  investiert,  aufgrund der Rüstungsaktivitäten des Konzerns.  Korruption  ist aber ein wichtiges Ausschlusskriterium. Wir würden über unsere Datenbank entsprechende Informationen bekommen. Dies muss  nicht  immer zum sofortigen Ausschluss  führen.  Vielmehr schauen wir uns jeweils das ganze Unternehmen an. Es kann auch positive Aspekte geben, die vielleicht die negativen überwiegen.

Müller, KD-Bank:
Uns geht es um ein planvolles  Vorgehen, wir wollen  uns  nicht  an  Einzelfällen aufhängen  und  nicht aus dem Bauch heraus entscheiden,  sondern auf  der  Basis  umfassender  Fakten,  die  in einem  systematischen Prozess  erhoben  werden.  Ein  Korruptionsskandal  von  dem Ausmaß,  wie  er  bei Siemens  vorgekommen  ist,  schlägt  sich natürlich  in  der  Einschätzung nieder und führt  zu  einem  Ausschluss. Wichtig  ist  jedoch, dass  auch Aktivitäten beobachtet werden, die nicht so ausführlich  in unserer Presse vorkommen. Damit weisen wir  auch gegenüber den Kunden unsere Kompetenz  im nachhaltigen Investment nach.


ECOreporter: Können Kunden erfragen, wie Sie  die Nachhaltigkeit einzelner Aktien beurteilen?

Wulsdorf, BKC:Wir können anhand unserer Datenbank den Kunden Listen von Unternehmen  erstellen,  die  aus  unserer  Sicht  für  ein  nachhaltiges  Investment  in Frage kommen. Die Datenbank beinhaltet zirka 2.800 Unternehmensbewertungen,  hinzu  kommen  noch  zahlreiche  Ratings  für  Länder  und  Pfandbriefanstalten  – alle zum Bereich Nachhaltigkeit. Wir können  dem Kunden hierdurch sehr innovative Dienstleistungen im Bereich nachhaltige Geldanlagen  anbieten. 

Thiesler, KD-Bank:In Sachen Nachhaltigkeit wollen wir für unsere Kunden  ein Kompetenzlotse  sein. Insofern sind die Einschätzungen der Nachhaltigkeit der Anlagen, die wir unseren Kunden  empfehlen, fester Bestandteil unserer Anlageberatung für Privatkunden, Stiftungen sowie kirchliche und diakonische Einrichtungen.


ECOreporter:  Inwiefern  nutzen  Sie  Ihren  Einfluss, um  andere  Institutionen  zu Nachhaltigkeit anzuregen?

Thiesler, KD-Bank:Die KD-Bank gehört - wie auch die anderen Kirchenbanken - zum Verbund der  Volks-  und  Raiffeisenbanken. Dort hat Dr.  Böger ein wichtiges Mandat beim Bundesverband.  Ich selbst nehme ein Mandat bei der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank  (WGZ-Bank AG) wahr; dort haben wir das Thema Nachhal- tigkeit  platziert. Mit  den  anderen  katholischen  und  evangelischen  Kirchenbanken  engagieren  wir uns und  wirken darauf  hin,  dass  sich  bei  der WGZ-Bank  in Richtung mehr Nachhaltigkeit  etwas bewegt.  Da  wir als Kirchenbanken  über  knapp 10 Prozent des Aktienkapitals der WGZ- Bank verfügen, hört man uns  zu, wenn wir uns  aktiv einbringen.


ECOreporter: Meine Herren, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Die Bank für Kirche und Caritas eG  (BKC) aus Paderborn, 1972 als Selbsthilfeeinrichtung kirchlich caritativer Einrichtungen gegründet, ist eine genossenschaftlich organisierte Kirchenbank. Institutionelle Kunden können sich an ihr beteiligen. Die BKC-Kunden sind die katholische Kirche und deren Institutionen sowie deren hauptamtliche Mitarbeiter. Die Bank hat 75 Mitarbeiter und verwaltet (Stand Ende 2008) rund 3,1 Milliarden Euro von Kunden.
Opens external link in new windowwww.bkc-paderborn.de

Die Dortmunder Bank für Kirche und Diakonie, kurz KD-Bank eG, ist eine Genossenschaftsbank mit christlichen Wurzeln und Werten. Sie ist 2003 hervorgegangen aus dem Zusammenschluss der Bank für Kirche und Diakonie und der Evangelischen Darlehensgenossenschaft  in Münster. Die Bank hat etwa 170 Mitarbeiter, fünf Filialen und eine Bilanzsumme (Stand: Ende 2008) von 4,1 Milliarden Euro Zum Kundenkreis der Bank zählen 5.500 Institutionen aus Kirche und Diakonie und 23.000 christlich orientierte Privatkunden. Opens external link in new windowwww.kd-bank.de 

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