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Erneuerbare Energie 18.04.2012

Mehr Schein als Sein? - Siegel für nachhaltiges Palmöl in der Kritik

Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff für Unternehmen der Lebensmittelbranche. Aber im Palmölgeschäft geht es oft dreckig zu: in sozialer, ökologischer und politischer Hinsicht. Prüfungen und Kontrollen sollen die Branche umweltfreundlicher machen und Unternehmen auch für nachhaltige Anleger investierbar machen. Die Teilnahme am Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (Round Table on Sustainable Palmoil, RSPO) bringt Lebensmittelkonzernen wie Nestle oder Unilever Pluspunkte bei nachhaltigen Fonds. Nichtregierungsorganisationen (NGO) bezweifeln dessen Nutzen und sprechen von „Etikettenschwindel“.

Indonesische Ureinwohner protestieren gegen den Abriss ihrer Siedlung durch einen Unilever-Palmöl-Zulieferer vor dem Unilever-Gebäude in Hamburg / Quelle: dpa


Vor etwa zehn Jahren hat die Umweltschutzorganisation WWF den sogenannten „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) ins Leben gerufen. Heute beraten etwa 580 Mitglieder über den nachhaltigen Plantagenanbau von Ölpalmen.
Richtlinien des RSPO fordern Verzicht auf jegliche Art von Kinderarbeit und die Rodung von Urwäldern, Wahrung des ökologischen Gleichgewichts sowie Beachtung von Landes- und Eigentumsrechte und die Förderung der lokalen Wirtschaft. Seit Mitte 2011 können Unternehmen nachhaltig erzeugtes und geerntetes Palmöl mit dem „RSPO“-Siegel schmücken. 

Das von RSPO genehmigte Zertifizierungsprogramm für nachhaltiges Palmöl (“Green Palm Sustainability“) hat sein Siegel bereits an mehr als 300 Unternehmen vergeben. Auch eine öffentlich zugängliche „schwarze Liste“ für nicht nachhaltige Palmölproduzenten gibt es auf der Homepage von Green Palm Sustainability. Sie ist allerdings leer. Die Zahl der bis jetzt abgelehnten Zertifizierungsanträge ist ebenfalls unbekannt.


Teilnahme am RSPO als Nachweis für Nachhaltigkeit?

Die Teilnahme am RSPO wird von Anbietern nachhaltiger Fonds oft als Begründung dafür angeführt, warum sie in Aktien von Unternehmen investieren, die Geschäfte mit Palmöl machen, obwohl dessen Produktion so problematisch ist.

Das Siegel gilt ihnen als Nachweis für das Bemühen um mehr Nachhaltigkeit. Daher verlangen beispielsweise nachhaltige Fonds der französische BNP Paribas die Mitgliedschaft in der RSPO-Initiative als Nachweis für die nachhaltige Produktion von Palmöl. So kommt es, dass im BNP PARIBAS L1 Green Tigers auch die Aktie von Wilmar International Ldt. mit 4,04 Prozent vertreten ist (Stand: 16. April 2012).

Bildnachweis: Palmölplantage in Indonesien / Quelle: Robin Wood

Das Unternehmen mit Sitz in Singapur ist einer der größten Palmölhersteller weltweit und ist zuletzt wegen der vermeintlichen Menschenrechtsverletzungen in Indonesien in Kritik geraten (wirOpens external link in new windowberichteten). Aber auch Wilmar gehört dem RSPO und dem Green Palm Sustainability-Programm an.

Weitere große Palmöl-Produzenten und deren Großkunden wie beispielsweise Nestlé und Unilever führt BNP Paribas in nachhaltigen Fonds wie etwa dem BNP PARIBAS L1 Strategy Balanced SRI Europe oder dem Parvest Sustainable Equity Europe (Stand: 16. April 2012).
Wie Unilever mit ihrem Zulieferer Wilmar und der Nachhaltigkeitsproblematik beim Palmöl umgeht, haben wir berichtet. PerOpens external link in new windowMausklickgelangen Sie zu dem Beitrag. Auch dieser Lebensmittelkonzern verweist auf sein Engagement beim RSPO, ein Manager des Lebensmittelkonzerns leitet derzeit das Gremium.


„Geschicktes Vermarktungsinstrument“


Doch ist dieses Siegel und die Teilnahme am RSPO wirklich ein Nachweis dafür, dass sich Unternehmen um mehr Nachhaltigkeit bei der Palmölproduktion bemühen? „RSPO ist - wie viele andere Siegel und Zertifikate auch - ein geschicktes Vermarktungsinstrument. Es soll lediglich den Palmöl-Verbrauchern in Europa das schlechte Gewissen nehmen“, behauptet die Hamburger Umweltschutzorganisation ‚Rettet den Regenwald‘.

Die RSPO-Standards für als nachhaltig zertifiziertes Palmöl seien zu lax. Sie würden zum Beispiel die Umwandlung von Tropenwäldern in Ölpalmen-Monokulturen erlauben.
„Die Trockenlegung von Torfflächen, die später für den Plantagenanbau genutzt werden sowie die Treibhausgase, die durch den Palmölanbau entstehen, werden bei der RSPO-Siegelvergabe nicht negativ berücksichtigt“, führt Martina Fleckenstein, Agrarpolitik-Leiterin des WWF Deutschland, als weiteren Schwachpunkt an.

Hinzu kommt, dass der RSPO keine wirkliche Sanktionsmacht habe und bleibe damit auch für die vermeintlichen Umweltsünder nur bedingt gefährlich sei, kritisiert zudem die NGO Robin Wood aus Bremen. Rund 250 Nichtregierungsorganisationen, darunter zum Beispiel Greenpeace, lehnen das RSPO-Siegel auf Palmölprodukten ab. Sie bezichtigen die Teilnehmer des Runden Tischs der Voreingenommenheit und des „Greenwashing“, also des grünen Mäntelchens für Produkte.


Umweltschützer beim RSPO in der Minderheit


WWF-Referentin Ilka Petersen verteidigt die Mitgliedschaft ihrer Naturschutzorganisation am RSPO: „Am Runden Tisch vertritt jedes Mitgliedseine eigenen Interessen. Der WWF versucht, möglichst viel für die Natur zu erreichen, andere Mitglieder wollen möglichst viel Ertrag pro Hektar oder mehr Gewinn.“ Die unabhängigen Nichtregierungsorganisationen sind in dieser Runde mit 26 Sitzen vertreten und bilden damit eine Minderheit am Runden Tisch. „Die Relationen sind ganz klar.

Die Nichtregierungsorganisationen sind hier keine wirklichen Entscheidungsträger“, sagt Peter Gerhardt, Fachreferent für Tropenwald der der NGO Robin Wood.
Tatsächlich handelt es sich bei mehr als 500 der 580 Mitglieder des RSPO überwiegend um Palmöl-Produzenten und deren Abnehmer. Banken und Großinvestoren sind ebenfalls dabei.

Bildnachweis: Peter Gerhard, Fachreferent für Tropenwald bei Robin Wood / Quelle: Robin Wood

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