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Gut Erklärt 04.10.2016

Nachhaltigkeit: Definition

Die Konturen der Erdkontinente nachgebildet aus grünen Pflänzchen. Darunter und drum herum auf braunem Grund Symbole für Kreislauf, Bildung, Forschung, Natur, Klima, Urbanität, Industrie, Nahrungsmittel

Nachhaltigkeit umfasst viele Aspekte. Nachhaltigkeit ist ein alter Begriff, zu dem es verschiedene Definitionen gibt. / Foto: Sustainable World Concept/@malp-Fotolia.com

Nachhaltigkeit ist in aller Munde – aber gibt es eine allgemein gültige Definition für Nachhaltigkeit? Je öfter man das Wort liest oder hört, desto klarer wird: Unter Nachhaltigkeit versteht wohl jeder etwas anderes. Wer jedoch in die Geschichte schaut, sieht schnell, dass Nachhaltigkeit keine Erfindung des letzten Jahrhunderts ist, wie man meinen könnte, sondern ein althergebrachtes Prinzip, das der Forstwirtschaft entstammt und in den 1980er Jahren zu "dem" Schlagwort internationaler Umweltpolitik schlechthin avancierte.


Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit: Kaum ein Begriff hat in den letzten Jahren so viele Hoffnungen und Erwartungen geschürt. Kaum ein anderes Wort findet sich auf den Fahnen so vieler Organisationen, Institutionen und Unternehmen. Vielleicht wird dort nicht immer der deutsche Begriff "Nachhaltigkeit" verwendet. Aber die englische Variante "Sustainability" findet sich wohl noch häufiger. Aber was ist denn nun Nachhaltigkeit oder Sustainability?

Nachhaltigkeit in der sächsischen Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts

Als Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt Hans CarlTitelblatt des Buchs von Hans Carl von Carlowitz ‚Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht‘ von 1713von Carlowitz (1645 – 1714). Der Oberberghauptmann aus Freiberg (Sachsen) veröffentlichte 1713 das Buch "Sylvicultura oeconomica". Untertitel: Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht. Dort formulierte er den Gedanken, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte.

Carlowitz wohnte in Freiberg, der alten sächsischen Silberstadt an den Ausläufern des Erzgebirges. Damals hatten landwirtschaftliche Aktivitäten sowie zunehmender industrieller Holzbedarf, vor allem für die Berg- und Hüttenwerke und Eisenhämmer zu einer Übernutzung der Wälder geführt. Angesichts der knapper werdenden Holzbestände suchte man eine bessere Bewirtschaftungsweise. Sie sollte einen möglichst hohen und zugleich dauerhaften Holzertrag der Wälder gewährleisten.

Das erste Buch zur Nachhaltigkeit: Titelblatt des Buchs von Hans Carl von Carlowitz ‚Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht‘ von 1713


Letztlich wird heute meist die Kurzfassung des Prinzips von Carlowitz verwendet: Es soll nicht mehr Holz geschlagen werden als nachwächst. Im übertragenden Sinn: Die Menschheit soll von den Zinsen und nicht von der Substanz unseres Planeten leben.Nachhaltigkeit war also in der Anfangsphase eher ein ökonomischer Gedanke. Der Umweltgedanke bildete damals jedenfalls nicht das ausschlaggebende Moment.


Definition der Nachhaltigkeit Ende des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts

Heute geht die Bedeutung des Begriffs Nachhaltigkeit weit über die Forstwirtschaft hinaus. Dies ist der internationalen umweltpolitischen und entwicklungspolitischen Diskussion zu verdanken. Sie gewann vor allem ab den frühen 70er Jahren in der so genannten westlichen Welt an Bedeutung.

Welches sind die ersten Meilensteine für die Nachhaltigkeit im 20. Jahrhundert?

1972 fand die erste große UN-Umweltkonferenz in Stockholm statt. Wenig später wurde das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gegründet. Als weiterer Meilenstein folgte der erste Bericht des Club of Rome mit dem Titel "Grenzen des Wachstums". Diese Studie beruhte auf einem Computermodell. Ihr Ergebnis: Wenn es so weiterginge mit Bevölkerungswachstum, Ressourcenausbeutung und Umweltverschmutzung, dann drohe der ökologische Kollaps. Und in der Folge komme es zu wirtschaftlichem Niedergang und Bevölkerungsschwund. Um diesem Szenario vorzubeugen, sollte ein Nullwachstum von Bevölkerungszahl und Industriepotenzial angestrebt werden, hieß es.

Wie definiert der Brundtland-Bericht Nachhaltigkeit?

Den wohl wichtigsten Impuls brachte die 1983 unter dem Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland eingesetzte UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung (UNEP) mit der Vorlage des Berichts "Our Common Future" ("Unsere gemeinsame Zukunft", so genannter "Brundtland-Bericht", 1987). Die mit Politikern und Wissenschaftlern aus Industrie- und Entwicklungsländern besetzte Kommission definierte den Begriff Sustainable Development als "eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können." Die deutsche Ausgabe des Berichts übersetzt Sustainable Development mit "dauerhafte Entwicklung".


Was sagen die "Erdgipfel" (worldsummits) zum Begriff Nachhaltigkeit?

An weltweiter Publizität gewann der Gedanke an nachhaltige Entwicklung durch die Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED, Erdgipfel – worldsummit) 1992 in Rio de Janeiro. Auf diesem sogenannten "Erdgipfel" unterzeichneten die fast 180 teilnehmenden Staaten die "Agenda 21", ein umfangreiches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. In 40 Kapiteln steckt sie Handlungsfelder für eine globale nachhaltige Entwicklung ab. Das Ergebnis der Agenda waren unter anderem Nachhaltigkeitsaktionen auf kommunaler, nationaler und supranationaler Ebene. In 2002 folgte ein UN-Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg, der aber kaum neue Impulse gab.

2012 kam die Weltgemeinschaft erneut zu einem Erdgipfel in Rio de Janeiro zusammen (Rio +20). Das Ergebnis war allerdings ernüchternd. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise agierten die Regierungen allenfalls halbherzig. Sie blockierten viele neue Maßnahmenpakete. Zum Beispiel wehrten sich Schwellenländer gegen Umweltschutzziele, die sie als Hindernis für ihren wirtschaftlichen Aufstieg kritisierten. Die USA wollten solche Ziele nur akzeptieren, wenn sie auch für Schwellenländer festgeschrieben werden. Viele Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die sich auf vielfältige Weise für Nachhaltigkeit einsetzen, warfen der Staatengemeinschaft nach Abschluss der Veranstaltung Handlungsunfähigkeit vor.

Es gab aber auch einige, wenn auch geringe Fortschritte gegenüber den beiden vorausgegangenen Erdgipfeln. So wurde das UN-Umweltprogramm (UNEP) gestärkt und aufgewertet, wenngleich noch immer nicht zu einer UN-Sonderorganisation weiterentwickelt. Immerhin wurde vereinbart, dass es eine sichere, stabile und gesteigerte Finanzierung bekommt. Vor allem aber hat sich die Staatengemeinschaft 2012 in Rio darauf verständigt, das Konzept einer „grünen Wirtschaft“ zu unterstützen. Jedes Land wurde aufgefordert, eine grüne Wirtschaftspolitik zu entwickeln.

Insgesamt ging von dem jüngsten Rio-Gipfel also kein neues Signal für Nachhaltigkeit aus. Einzelne Staaten und Regionen, insbesondere die EU (Europäische Union), bekräftigten aber ihre Nachhaltigkeitsziele. Unternehmen wie Investoren können und müssen weiter einkalkulieren, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.


Nachhaltigkeit als Drei-Säulen-Modell bzw. das Magische Dreieck der Nachhaltigkeit

Sehr anschaulich ist das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, auch als das magische Dreieck der Nachhaltigkeit bezeichnet. Dieses Modell ist besonders populär geworden, seit dem es 1998 im Abschlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt" Verwendung fand. Nachhaltigkeit hat demnach drei Komponenten: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Das Abwägen zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem ist neu gegenüber der zuvor auf Umweltaspekte fokussierten Nachhaltigkeitsdiskussion und stellt Gesellschaft und Unternehmen vor große Herausforderungen. Nachhaltigkeit basiert auf folgenden drei Kernelementen:

Ökologische Nachhaltigkeit (1. Säule)

Ziel ökologischer Nachhaltigkeit ist die Erhaltung des ökologischen Systems, denn es ist die Lebensgrundlage.

Ökonomische Nachhaltigkeit (2. Säule)

Ziel ökonomischer Nachhaltigkeit ist die Erhaltung des ökonomischen Kapitalstocks. In diesem Kontext wird regelmäßig die Einkommenskonzeption des britischen Ökonomen John Richard Hicks herangezogen. Für ein Individuum ist das nachhaltige Einkommen genau die Summe, die maximal verbraucht werden kann, ohne den zukünftigen realen Konsum zu schmälern.

Übertragen auf die Gesellschaft wird als deren nachhaltiges Einkommen das bezeichnet, was von ihr in einer Periode konsumiert werden kann, ohne dass sich ihre Vermögensposition verschlechtert. Man kann es auch ergänzend so betrachten: Die ökonomische Nachhaltigkeit betrifft die Ressourcen, Rechtssysteme und Wirtschaftsweisen – alles das, was für eine funktionierende Wirtschaft notwendig ist.

Soziale Nachhaltigkeit (3. Säule)

Die Frage nach sozialer Nachhaltigkeit bezieht sich zum einen auf das Problem, inwieweit Entwicklungen in den Bereichen Ökologie und Ökonomie das soziale Gefüge einer Gesellschaft verändern. Zum anderen betrifft sie Fragen nach den sozialen Normen einer Gesellschaft, politischen und individuellen Bürgerrechten, der Chancengleichheit und vielem anderen mehr.


Zusammenfassung der Definitionen von Nachhaltigkeit:

1. Die Nachhaltigkeit aus Sicht des Carl von Carlowitz: Der aus der Forstwirtschaft entlehnte Begriff besagt, dass nicht mehr Holz geschlagen werden darf als nachwächst. Im übertragenden Sinn soll die Menschheit von den Zinsen und nicht von der Substanz unseres Planeten leben.

2. Der Begriff der Nachhaltigkeit im Brundtland-Bericht stellt auf die Verwirklichung von Lebenschancen zukünftiger Generationen ab, die bei Entscheidungen über die Entfaltung jetzt lebender Generationen mit einbezogen werden müssen.

3. Das so genannte Drei-Säulen-Modell oder das magische Dreieck der Nachhaltigkeit verlangt, dass neben ökonomischen gleichermaßen soziale und ökologische Wirkungsweisen bedacht und in Entscheidungen zum Ausdruck gebracht werden müssen.


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