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Umweltschutz 25.04.2013

Philosophisch begründete Ansätze der Umweltethik

Großstadt-Smog: Wie wirkt sich die Umwelt auf den Menschen aus, und umgekehrt? Auch das war und ist immer wieder Gegenstand philosophischer Betrachtungen. / Quelle: Kzenon, Fotolia

Von der anthropozentrischen bis zur ganzheitlichen Umweltethik: Wir stellen verschiedene Denkansätze und philosophische Richtungen vor.

a) Anthropozentrische Umweltethik

Die anthropozentrische (griech. Anthropos = Mensch) Umweltethik geht davon aus, dass auf dieser Welt alles nur Mittel ist, um dem Menschen zu dienen. Sie rechtfertigt das mit der Sonderstellung des Menschen in der Natur. Außerdem argumentieren ihre Vertreter, dass der Kampf der Arten ums Überleben natürlich sei; der Mensch verhalte sich naturgerecht, wenn er andere Arten ausrotte. Die anthropozentrische Umweltethik rechtfertigt jede Ausbeutung der Natur für die Zwecke des Menschen.

Grundlage dieser Ethik ist das Weltbild des Cartesianismus. Es geht zurück auf den französischen Philosophen René Descartes (1596-1650). Er ging davon aus, dass es auf der Welt nur zwei Kategorien gibt: Den Geist und die Materie. Den menschlichen Körper, Tiere, Pflanzen und die unbelebte Natur sah er als Materie an, die nach rein mechanischen Gesetzen funktioniert.

Den Geist dagegen fasste er als etwas spezifisch Menschliches auf, das in keiner Hinsicht mit der Natur verbunden ist. Demzufolge hielt er Tiere für unbeseelt, ja, sogar für nicht in der Lage, Schmerzen zu empfinden. Die mit der Neuzeit (ab etwa 1500) beginnende wissenschaftliche Forschung und die Untersuchung lebender Tiere ließ sich damit rechtfertigen.

In eine ähnliche Richtung gingen die Thesen des Londoner Philosophen und Staatsmannes Francis Bacon (1561-1626). Er forderte, die menschliche Herrschaft über die Natur solle bis an die Grenzen des überhaupt möglichen ausgedehnt werden. Als wichtigstes Hilfsmittel dazu sah er die Naturwissenschaft an. Mit der Betonung der Naturwissenschaften in der Neuzeit entstand das sogenannte "Mechanistische Weltbild".

Dieses Weltbild wurzelt in dem cartesianischen Dualismus von Geist und Materie; also der Annahme, dass die ganze Natur nach mechanischen, mathematischen und chemischen Gesetzen funktioniert. Alle Wissenschaft trachtete danach, die "Maschine Welt" zu verstehen und zu steuern.

Dass man einer Maschine, die man besitzt und beherrschen will, keinen eigenen Wert, eigene Würde oder gar Rechte zugestehen wollte, scheint selbstverständlich. Das mechanistische Weltbild wirkt bis in die heutige Zeit hinein; die vielbeschworene "Wendezeit" zu einem ganzheitlichen Weltbild vollzieht sich nur langsam.

Wenn das mechanistische Weltbild heute auch widerlegt ist, so wird die anthropozentrische Umweltethik immer noch vertreten. Neuere Ansätze der anthropozentrische Umweltethik gehen davon aus, dass der Mensch zwar eine Sonderstellung in der Natur habe, dass daraus jedoch eine besondere Verantwortung herrühre.

Auch in dieser gemilderten Form der Anthropozentrik bleibt es dabei, dass der Mensch der eigentliche Sinn der Natur ist und dass die Umwelt nur um des Menschen willen zu schützen ist, nicht um der Natur selbst willen.


b) Ethik, die die Natur einbezieht

Erste Ansätze einer europäischen Ethik, die nicht nur den Menschen einbezieht, findet man bei dem Griechen Pythagoras. Aufgrund der Seelenwanderungslehre wandte er sich gegen die Tötung von Tieren: In dem getöteten Tier hätte nach dieser Lehre die Seele eines Verwandten stecken können. Gegen Tierquälerei und für vegetarische Lebensweise trat auch Plutarch (45-120 n.Chr.) ein.

Einen lange Zeit einflussreichen Grundsatz der Tierethik stellte der Philosoph Immanuel Kant auf. Er meinte, weil Tiere keine Vernunft besäßen, seien sie nur "Sachen". Deshalb dürfe man sie mit menschlicher Willkür behandeln. Sobald andere Menschen zuschauten, dürfe man Tiere allerdings nicht quälen, weil das das menschliche Mitgefühl abstumpfe. Tierschutz war bei Kant also nur ein Reflex des Menschenschutzes, er diente nicht dem Tier selbst.

Arthur Schopenhauer setzte dem die Moral des Mitleids mit den Tieren entgegen. Noch weiter ging Jeremy Bentham, ein englischer Philosoph und Jurist. Grundlage seiner Ethik war die Überzeugung, dass auch Tiere leiden können. Die Fähigkeit zu leiden sah er als wesentliche Gemeinsamkeit von Mensch und Tier an. Und zwar als so wesentlich, dass er Tierversuche ablehnte.

Damit war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur modernen Tierschutz- und auch Umweltethik getan: Das Tier sollte um seiner selbst willen geschützt werden, nicht, weil es einen Wert für den Menschen hat. Der nächste Schritt war die biozentrische Ethik (griech. bios = Leben). Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass alles, was lebt, ein Lebensinteresse hat. Daraus leitet sie ab, dass alles Lebende einen Zweck aus sich selbst heraus hat. Es ist also nicht von vorneherein dazu geschaffen, nur dem Menschen zu dienen. Wer dieses Leben zerstört (also z.B. Bäume abholzt) darf das nach dieser Ethik nur, wenn er einen rechtfertigenden Grund dafür hat.

Die ganzheitliche Umweltethik geht davon aus, dass auch die unbelebte Natur einen Wert an sich darstellt. Geistige Vorväter der ganzheitlichen Umweltethik sind Philosophen wie Bruno, Paracelsus, Leibniz, Herder und Schelling. Sie alle wiesen darauf hin, dass der Mensch ein Teil der Natur sei und nichts von ihr losgelöstes.

Die deutlicher gewordene Umweltzerstörung brachte dann in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts den Amerikaner Aldo Leopold dazu, eine "ökologische Ethik" zu formulieren. Er meinte, eine menschliche Handlung sei nur dann richtig, wenn sie die Integrität, Stabilität und Schönheit der Natur bewahre.

Später versuchten einige Philosophen, die Ökologie selbst für die Ethik fruchtbar zu machen. Das gelang jedoch nicht, da die Ökologie im engeren Sinn eine Wissenschaft ist, die beschreibt, was ist - und nicht, was sein soll. Ethische Urteile lassen sich deshalb mittels der Ökologie nicht begründen.


In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben verschiedene Denker neue Ansätze zu einer umfassenden Umweltethik geliefert. Deren Grundlagen lassen sich so charakterisieren: Der Umweltschutz hat eine neue Dimension, seit der Menschheit bewusst wird, dass sie die gesamten Lebensbedingungen der Erde verändert. Gab es früher im Bewusstsein der Christen den ohnmächtigen Menschen, der der Natur unterlegen war, und den allmächtigen Gott, so wird heute klar: Der Mensch hat die Macht, die Natur so zu beeinflussen, dass er sämtliche Lebensgrundlagen verändert. 

Es ist allerdings eine kleinkindliche Allmächtigkeit, die der Zerstörung: Wie das Kleinkind Teile aus einem Puzzle nehmen kann, aber kein neues Bild schaffen kann, kann der Mensch Teile des Ökosystems Erde zerstören. Ein neues Gleichgewicht mit für ihn erträglichen Lebensbedingungen kann er jedoch nicht bewusst herbeiführen. Hat er Pech, vernichtet er seine eigenen Lebensgrundlagen.

Für die Ethik hat diese Situation ein neues Problem geschaffen: Bisher hat es nur begrenzte Wirkungen gehabt, wenn ethische Normen nicht beachtet wurden. Selbst die völlige Nichtbeachtung ethischer Grundsätze in Zeiten wie dem Zweiten Weltkrieg hatte nur begrenzte Bedeutung. Bei den Umweltproblemen jedoch geht es um mehr. Es geht um die Veränderung der gesamten Biosphäre.

Diese Veränderung ist universell und global: Sie kann Folgen für alle Menschen und für alle Zeiten haben. Philosophen wie z.B. Hans Jonas zogen aus diesem Befund den Schluss, dass die Biosphäre nun ein Treugut des Menschen geworden sei. Deshalb habe die Natur so etwas wie einen moralischen Anspruch an den Menschen - nicht um des Menschen willen, sondern um ihrer selbst willen und aus eigenem Recht.


Einen anderen Ansatz für eine ganzheitliche Umweltethik haben in den 1980er Jahren Denker bevorzugt, die in ihren Theorien neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Geisteswissenschaften berücksichtigten: Sie gehen, wie z.B. Klaus Michael Meyer-Abich, davon aus, dass Mensch und Natur eine Einheit sind. Das unterstützen sie mit den Erkenntnissen der neuen Physik seit Einstein.

Diese neue Physik hat unter anderem bewiesen, dass es einen engen Zusammenhang von Beobachter und beobachtetem Objekt gibt: Das Objekt verändert sich schon durch die Beobachtung. Damit ändert sich jedoch auch die Beziehung von Objekt und Beobachter. Wenn man diesen Gedanken auf den Umweltschutz überträgt, bedeutet das: Jede Veränderung der Natur wirkt sich auch auf das Verhältnis des Menschen zu Natur aus und damit letztlich auf den Menschen selbst. Geist und Materie sind also nicht trennbar.

Die Natur insgesamt ist deshalb ethisch bedeutsam. Wie bei den anderen Ansätzen zu einer "ganzheitlichen Umweltethik" ergibt sich die Konsequenz: Kein Teil der Erde existiert "für" einen anderen Teil. Alles hat seinen Zweck in sich; es ist nicht auf den Menschen hin geordnet. Greift der Mensch in die Natur ein, braucht er deshalb eine Rechtfertigung. Daraus ergibt sich der wesentliche Unterschied zur anthropozentrischen Umweltethik: Ihr Hauptanliegen war es gerade, die ganze Natur durch den Menschen neu zu ordnen.

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