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Prokon: Klares Votum – Insolvenzverwalter entscheidet Machtkampf für sich

Windräder in Polen. Einen Teil der Windparks, die Prokon betreibt stehen im Nachbarland. Das Kerngeschäft als Windkraftprojektierer soll nach dem Willen des Insolvenzverwalters fortgeführt werden.

Die Ära von Firmengründer Carsten Rodbertus beim Windkraftunternehmen Prokon ist endgültig vorbei. Darauf laufen die Ergebnisse der Gläubigerversammlung hinaus, die das insolvente Unternehmen aus Itzehoe gestern in den Hamburger Messehallen durchgeführt hat. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hatte Grundzüge einer möglichen Sanierung entworfen und zur Gläubigerversammlung eingeladen, um einen Auftrag für einen detaillierteren Sanierungsplan zu erhalten. Rund 75.000 Anleger hatten in den vergangenen Jahren über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro in Prokon investiert. 2.350 stimmberechtigte Gläubiger waren nach Angaben des zuständigen Amtsgerichts persönlich nach Hamburg gekommen. Insgesamt sind nach Angaben des Gerichts 29.600 Gläubiger vertreten gewesen, die zusammen für knapp die Hälfte des Genussrechtskapitals standen.


Carsten Rodbertus, den Penzlin im Frühjahr aus dem Unternehmen gedrängt hatte, wirft diesem vor, Prokon zerschlagen zu wollen und hatte im Vorfeld der Versammlung mehrere Sanierungsmodelle ins Spiel gebracht, unter anderem eine Genossenschaft und eine Aktiengesellschaft. Über die von ihm gegründete 'Prokon Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft' hatte er versucht, Anleger von Prokon hinter sich zu sammeln. Aber gleich zu Beginn der Versammlung musste Rodbertus seine Hoffnungen begraben, doch wieder Einfluss auf das Unternehmen zu gewinnen. Denn die zuständige Gerichtspflegerin erklärte die 15.000 Stimmen, die aus dem Umfeld des Ex-Chefs gesammelt worden waren, für ungültig. Es liege ein Interessenkonflikt vor, hieß es zur Begründung (mehr dazu lesen Sie hier).


Das Votum für den Insolvenzverwalter fiel dann eindeutig aus: 99 Prozent der Gläubiger beauftragten Penzlin damit, einen detaillierteren Sanierungsplan auszuarbeiten. Außerdem wurde er in seinem Amt als Insolvenzverwalter bestätigt. Wie es weitergehen soll, hatte Penzlin auch im Vorfeld schon umrissen. Prokon soll im Kern weitergeführt werden, mit Fokus auf dem Bau und den Betrieb von Windparks. Die Entwicklung der eigenen Windturbine P-3000 sowie die Tätigkeiten jenseits der Windkraft soll Prokon aufgeben. Für 150 der bislang 450 Mitarbeiter von Prokon gibt es laut Penzlin keine Zukunft in dem Unternehmen.


Abstimmung über Insolvenzplan Anfang 2015

Von dieser Konzentration auf den Bereich Windkraftprojektgeschäft erhofft sich der Insolvenzverwalter unter anderem, eine Barzahlung an die Genussrechte-Gläubiger leisten zu können. Ein Teil der Genussrechte soll in Anleihen umgewandelt werden, um Anlegern den Ausstieg zu ermöglichen. Die Investoren werden nach Penzlins derzeitiger Schätzung aber viel Geld verlieren. Sie haben ihm zufolge nur Aussicht auf die Rückzahlung von 30 bis 60 Prozent ihres investierten Geldes. Doch bis es so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Der detaillierte Insolvenzplan soll erst Anfang 2015 zur Abstimmung vorliegen.


Carsten Rodbertus nutzte seine 20-minütige Rede vor dem Plenum der Gläubiger dazu, seine Vorwürfe gegen Penzlin zu wiederholen und vor einer Zerschlagung von Prokon durch „die Finanzindustrie“ zu warnen.  Er vertrat auch weiterhin die Position, Prokon sei als Ganzes zu erhalten. Dass bei Prokon künftig ein größerer einzelner Investor einsteigen könnte, schloss der Insolvenzverwalter Penzlin nicht aus, er stellte jedoch klar, dass der in seinem Rahmenplan umrissene Weg mit den Genussrechtsgläubigern an Bord die „favorisierte Lösung“ sei. Er könne sich nun „hoffentlich in Ruhe der Sanierungsarbeit zuwenden“, so Penzlin.


Der Insolvenzverwalter hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, gegen Rodbertus Schadensersatzklage zu erheben und konkretisierte in Hamburg seine Vorwürfe (über die wir hier  berichtet hatten). Als Beispiele für die "chaotische Buchhaltung" bei Prokon verwies er unter anderem darauf, dass das Unternehmen sämtliche Zahlungen, von Investoren ebenso wie von Stromkunden und für die Vergütung des erzeugten Windstromes nur über ein Bankkonto abgewickelt und es kein Controlling gegeben habe. Wichtige Funktionen der Computer-Software für die Buchhaltung seien ausgefallen, weil keine Updates erworben wurden.


Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat vor kurzem Ermittlungen gegen Carsten Rodbertus wegen des Verdachts der insolvenzverschleppung aufgenommen und will laut Penzlin auch prüfen, inwiefern Buchführungs- und Bilanzierungsvergehen vorliegen.

ECOreporter hatte bereits in 2011 vor dem Investment in Genussrecht von Prokon gewarnt.

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