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Direktbeteiligungen 22.07.2014

Prokon-Pleite: Vorentscheidung gegen Ex-Chef Rodbertus?

Der Insolvenzverwalter von Prokon Dietmar Penzlin scheint sich im Machtkampf mit dem ehemaligen Geschäftsführer Carsten Rodbertus durchzusetzen. Im Bild das Kerngeschäft von Prokon: Windräder. / Foto: Fotolia (Vollmer)

Die Chancen des ehemaligen Prokon-Geschäftsführers Carsten Rodbertus, im Insolvenzverfahren die Zügel wieder in die Hand zu bekommen, sind heute offenbar deutlich gesunken. Auf Antrag der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sind für die heutige Gläubigerversammlung in Itzehoe tausende Stimmrechte für ungültig erklärt worden. Das erklärte der Rechtsanwalt Klaus Nieding, Vizepräsident DSW und Partner der Frankfurter Kanzlei Nieding und Barth.


Die DSW feiert den Beschluss als „Sensation“ und  Niederlage für Ex-Geschäftsführer Rodbertus. Insgesamt seien die Stimmrechte von 15.000 Anlegern für nichtig erklärt worden, weil diese von einem engen Vertrauten von Rodbertus eingesammelt worden seien, so Rechtsanwalt Nieding. Begründung: Damit habe sich für Rodbertus als Geschäftsführungsorgan und Vertreter von Genussrechten ein nicht zulässiger Interessenkonflikt ergeben. Eingeworben worden waren die Vollmachten der 15.000 Anleger von Alfons Sattler, der vor der Insolvenz zur Führungsriege von Prokon zählte (ECOreporter.de berichtete). „Die Herrn Sattler erteilten Vollmachten sind rechtswidrig und werden deshalb in der Gläubigerversammlung nicht berücksichtigt“, erläutert Nieding. Den Antrag dazu hatte der Jurist selbst gestellt. Lesen Sie auch dieses  ECOreporter.de-Interview mit Klaus Nieding.

Bild: Rechtsanwalt Klaus Niedeing von Nieding + Barth. / Quelle: Unternehmen

Sattler sei in dieser Konstellation ein „vorgeschobener Strohmann“. Nieding erklärt: „Die Interessenkollision ergibt sich daraus, dass der bestellte Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin bereits öffentlich mitgeteilt hat, dass er Schadensersatzansprüche gegen den Geschäftsführer der Schuldnerin wegen Pflichtverletzungen prüfe. Die von dem Geschäftsführer zu verantwortenden Schäden könnten in hunderten Millionen Euro zu messen sein.“ Damit habe Rodbertus ein „überragendes finanzielles Interesse“ an der Beherrschung des Insolvenzverfahrens.


Bis zum Versammlungsbeginn um 11 Uhr waren nach übereinstimmenden Medienberichten rund als 4.000 Gläubiger in die Hamburger Messehallen gekommen. Die DSW unterstützt gemeinsam mit der Gläubiger-Interessengemeinschaft „Die Freunde von Prokon“ die Pläne des Insolvenzverwalters Penzlin, der angekündigt hatte, den Kern von Prokon erhalten zu wollen (ECOreporter.de berichtete).


Zu Beginn des geregelten Insolvenzverfahrens hatte der Insolvenzverwalter 30 bis 60 Prozent als Insolvenzquote in Aussicht gestellt, zugleich aber darauf hingewiesen, dass eventuelle Zahlungen frühestens 2015 zu erwarten seien.