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Direktbeteiligungen 28.01.2014

Prokon und die Folgen

Der Sparkassen-Kaufmann und Diplom-Sozialökonom Jörg Rohwedder ist ehemaliger Geschäftsführer der Bewegungsstiftung. / Quelle: privat

Nach der Prokon-Pleite will die Bundesregierung den grauen Kapitalmarkt stärker regulieren: Das bringt kaum mehr Sicherheit für Anleger, erschwert Bürgerenergieprojekten aber den Zugang zu Geld.

Ein Standpunkt von Jörg Rohwedder.

Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Windkraft-Firma Prokon werden vielfach auch der graue Kapitalmarkt im Allgemeinen und Genussrechte im Besonderen diskreditiert. Das Genussrecht sei eine „besonders riskante“ Anlageform, mit einem Totalverlust müsse gerechnet werden. Zudem würde der graue Kapitalmarkt zu wenig reglementiert. So sei es allerlei schwarzen Schafen möglich, mit überhöhten Zinsversprechen den Menschen die Spargelder aus der Tasche zu locken. Nun plant die Bundesregierung einzelne Finanzprodukte zu beschränken oder sogar zu verbieten.


Der Kapitalmarkt ist bunt nicht grau

Wer nach weiteren Regeln ruft, sollte sich aber auch bewusst sein, dass der graue Kapitalmarkt eigentlich ein bunter ist: Die relativ niedrigen Hürden ermöglichen es gerade kleinen und mittleren Projekten, günstig an Geld zu kommen, das ihnen eine Bank gar nicht leihen würde.
Der bunte Kapitalmarkt bietet beispielsweise Kuhaktien des Kattendorfer Hofs.  Dividende gibt es in Naturalien, alle Erzeugnisse des Biobauernhofs in Schleswig-Holstein. Was hier den Namen Aktie trägt, ist ein Genussschein. Oder es finden sich Nachrangdarlehen, dem Genussschein in der Haftung ähnlich, aber mit einer festen Verzinsung versehen, nicht mit einer gewinnabhängigen Dividende wie beim Genussschein. Ohne solche Nachrangdarlehen würden viele Wohnprojekte nicht entstehen, würde kaum ein Bürgerenergieprojekt ein Windrand finanzieren können. Eine stärkere Regulierung würde all diesen gesellschaftlich innovativen Projekten den Zugang zum Kapitalmarkt erschweren.


Regulierung schützt nicht vor Totalverlust

Darüber hinaus ist zu bezweifeln, dass eine stärkere Regulierung des grauen Kapitalmarktes den AnlegerInnen mehr Sicherheit bringen würde. Denn Aufsichtsbehörden wie die Bafin werden immer nur die formalen Regeln, nie aber die Erfolgsaussichten einer Geschäftsidee bewerten können. Darüber hinaus sind bereits jetzt hochregulierte Produkte wie Aktien und Beteiligungen riskant und potentiell mit Totalverlust bedroht, wenn sie auch zumindest Stimm- und Kontrollrechte bereitstellen. In allen Fällen schützt aber weder eine Prospektpflicht noch ein geregelter Zugang zu einer Börse davor, dass die Unternehmensidee floppt oder das Management Fehler macht.


Klar ist: Nicht der grau-bunte Kapitalmarkt an sich ist das Problem. Wie überall gibt es hier schwarze Schafe. Aber gleichzeitig tummeln sich hier viele Projekte die technische und gesellschaftliche Innovationen angehen und eine Idee wagen wollen. Sie müssen sich dazu die Mittel, vor allem das Geld, beschaffen können. Der bunte Kapitalmarkt ist ein Weg dazu.


Dringend gesucht: Mehr Sachkenntnis bei den Anlegern

Das Problem ist hingegen die fehlende Sachkenntnis und Gutgläubigkeit vieler Anleger. Bei Prokon reichte es schon vor vier Jahren aus, die Begriffskombination „Prokon, Kritik, Problem, Risiko“ in eine Suchmaschine einzugeben. Rasch stieß man auf Foren, in denen die Szenarien gut begründet beschrieben wurden, die heute eintreffen.
Um Pleiten wie bei Prokon zu vermeiden, sollten Anleger eine informierte Entscheidung über das Risiko der Anlage treffen. Wie kann das gelingen? Im gesamten Kapitalmarkt sind die Vermittler inzwischen verpflichtet, zu dokumentieren, wann und wie sie auf die jeweiligen Risiken hingewiesen haben. Im bunten Kapitalmarkt ist die Beziehung oft direkt, einen Vermittler gibt es gar nicht. Die Kuhaktien bekommt man direkt vom Bauern.

Bildnachweis: Ausschnitt aus einem Internetwerbefilm von Prokon. / Quelle: Unternehmen


Das gibt die Möglichkeit, direkt Fragen zu stellen. Rasch findet man auch die Webseite der ecoreporter, die einen Teil des Marktes beobachten und dokumentieren. Eine wichtige Orientierung können auch Vorbilder geben, die qua Institution ähnliche Interessen haben wie private Anleger: eine Geldanlage, in der Risiken und Ertrag miteinander ausgewogen sind und die ethisch-ökologischen Ansprüchen genügt. Im Netzwerk Wandelstiften sind rund zwanzig alternative Stiftungen organisiert, die ihre Anlage strengen ethischen Kriterien unterwerfen. Einige von ihnen legen ihre aktuelle Geldanlage und zum Teil auch die Begründungen für ihre Anlageentscheidung offen.


Wer auf Risiko setzt, muss den Verlust einkalkulieren

Generell gilt: Gut beraten ist, wer sein Vermögen breit streut, bei hohen Zinsversprechen skeptisch bleibt und nur dort riskiert, wo er zum Verlust bereit ist. Innovationen sollte man nur mit dem Teil des eigenen Vermögens unterstützten, den man vielleicht auch gespendet hätte. Idealerweise wird das immer dann der Fall sein, wenn die Innovation nicht nur dem eigenen Vorteil dient, sondern auch dem gesellschaftlichen Fortschritt. So wie die bei der Kuhaktie: Sie finanziert nicht nur einem Bauern die Milchwirtschaft und sorgt für gesündere Nahrung, sie weist auch den Weg in eine extensive Landwirtschaft, eingebunden in regionale Wirtschaftskreisläufe.

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