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Erneuerbare Energie 21.11.2016

So geht Divestment: Was Anleger bewegen können

Beim Divestment trennt man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind – zum Beispiel Energiekonzerne, die auf Öl und Kohle setzen. / Foto: Pixabay/CC0-Lizenz

Den Klimawandel bremsen – das gelingt unter anderem durch den Ausstieg aus der Kohle-, Gas-, und Ölindustrie mit Hilfe von Divestments. Auch in Deutschland fordern Nichtregierungs-Organisationen wie Urgewald und Umweltschutzverbände wie Greenpeace, dass Anleger nicht mehr in unökologische Unternehmen investieren sollen. Aber was genau steckt eigentlich hinter dem Trend "Divestment"? Wie sollten nachhaltige Investoren und Privatanleger ihr Geld anlegen, um das Klima und die Umwelt besser zu schützen?


Kampf gegen die Apartheid: Eine kurze Geschichte des Divestments

"Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind", so die Definition der weltweiten Bewegung "Fossil Free", die auch in Deutschland aktiv ist. Investitionen in fossile Brennstoffe stellen demnach ein Risiko für den Planeten dar – und auch für Investoren. Denn angesichts der globalen Klimaziele der Weltklimakonferenz und den schrumpfenden Reserven fossiler Rohstoffe ist das Geldanlegen in diese Spate längst unattraktiv geworden. Tatsächlich fällt der Begriff Divestment mittlerweile häufig im Zusammenhang mit fossilen Energien wie Kohle.

Divestment, auch Desinvestition oder Devestition genannt, wurde zum ersten Mal in den 1980er Jahren als Teil politischer Kampagnen (englisch "divestment campaigns") angewendet, insbesondere in den USA. Es gab seitdem viele Divestment-Kampagnen, die einiges bewegt haben. Der Rückzug des Apartheidregimes in Südafrika ist beispielsweise einer der großen Divestment-Erfolge. Bis Mitte der 80er Jahre hatten 155 Universitäten in den USA, darunter einige der höchst angesehenen, ihr Vermögen aus Unternehmen abgezogen, die in Südafrika wirtschafteten. Regierungen von 26 Bundesstaaten, 22 Landkreisen und 90 Städten, darunter einige der größten im Land, deinvestierten ihr Vermögen aus den multinationalen Unternehmen. Die südafrikanische Divestmentkampagne trug wesentlich dazu bei, dem Apartheidregime das Rückgrat zu brechen und eine Ära der Demokratie und Gleichberechtigung einzuläuten.

Eine Rolle in der Divestment-Diskussion spielt auch die sogenannte "Carbon Bubble", die Kohlenstoffblase. Demnach sind die Rohstoffkonzerne maßlos überbewertet, weil sich ihr Marktwert an den Reserven bemisst, die sie besitzen und künftig fördern wollen. Allerdings werden sie dies vermutlich nach den strengeren Klimaschutzvorgaben nicht mehr dürfen. Der britische Ökonom Nicolas Stern, bekannt für seinen wegweisenden Report zur Ökonomik des Klimawandels hatte bereits darauf hingewiesen: Wenn die Klimaziele erreicht werden sollen, müssen mindestens zwei Drittel der Kohle-, Öl- und Gasreserven im Boden bleiben. Entsprechend verlieren die Aktien der Konzerne an Wert. Diese Theorie ist nicht unumstritten, allerdings erscheint sie plausibel.


Weltklimaziele: Gute Gründe für das Divestment bei fossilen Energien

Um die auf der Pariser Klimakonferenz festgelegten Weltklimaziele erreichen zu können, dürfte bis 2050 laut dem US-amerikanischen Umweltaktivisten Bill McKibben nur eine bestimmte Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2), nämlich etwa 570 Gigatonnen, in die Atmosphäre freigesetzt werden. Nur so könnten die Unterzeichner des Klimaabkommens ihr Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad erreichen. Auch die Unternehmen sind hierbei in der Verantwortung. So hat Deutschland in seinem Klimaschutzplan festgelegt, dass einzelne Wirtschaftssektoren nur bestimmte Mengen CO2 emittieren dürfen.  Dennoch wird es dauern, bis die Klimaziele erfüllt sind, zumal sich die Industrie gegen strenge Auflagen wehrt. Bis dahin können Anleger ihren Teil zum Klimaschutz beitragen und mit Divestment Einfluss nehmen.


Mehr und mehr Institutionen und Städte bekennen sich zum Divestment

Weltweit haben sich schon mehr als 500 institutionelle Anleger zum Divestment bekannt, darunter Universitäten, Pensionsfonds und Städte wie Kopenhagen, Oslo, Oxford und San Francisco. Auch in Deutschland sind schon seit längerem Erfolge zu verzeichnen: Als erste deutsche Großstadt hat die Stadt Münster 2015 Investitionen in fossile Brennstoffe ausgeschlossen.  Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt hatte beschlossen, kommunale Geldanlagen im Wert von rund 22 Millionen Euro von Investitionen in die klimaschädliche Kohle-, Öl- und Gasindustrie zu befreien. Die Pensionsgelder für die städtischen Beamten werden mittlerweile nicht mehr in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Frackingindustrie angelegt.  

Wie dieses Jahr bekannt wurde, soll nun auch Berlin folgen. Die Hauptstadt will in den nächsten fünf Jahren die Rücklagen für die Beamtenpensionen, die zu einem Teil in klimaschädlichen Unternehmen angelegt sind, mit einem Wert von ca. 750 Millionen Euro divestieren.

Kirchen und ethische Banken wie die Steyler Ethik-Bank setzen zunehmend auf Divestment

Mittlerweile sind Kirchen und kirchliche Organisationen in vielen Ländern dem  Aufruf zu einem Abzug von Kapitalanlagen aus Unternehmen der Öl-, Kohle- und Gasindustrie gefolgt. Ein Beispiel dafür ist die Church of Sweden. Die Church of Sweden, eine ehemalige Staatskirche, hatte bereits im Jahr 2014 ihre gesamten Geldanlagen aus dem Geschäft mit fossilen Energieträgern (ca. 2 Millionen Euro) abgezogen und nachhaltig angelegt.

In Deutschland teilte im Dezember 2015 die erste Landeskirche in Deutschland mit, dass sie sich der Divestment-Bewegung anschließe. Die Landeskirche Hessen-Nassau strebt das Ziel an, bis zum Jahr 2021 45 Millionen Euro neu anzulegen, sodass keine Investitionen mehr in den Kohle-, Erdöl- und Erdgassektor getätigt werden.

Auch Ethikbanken wie die Steyler Ethik-Bank verzichten zunehmend auf unökologische Investments. So hat sich die Steyler Fair und Nachhaltig-Fondsfamilie 2015 aufgrund des VW-Skandals um manipulierte Abgaswerte von allen Volkswagen-Werten getrennt. Mit der Kohle-Industrie wurde zudem der Ausschluss einer kompletten Branche beschlossen, die als Hauptverursacher des Klimawandels zählt. "Die Unternehmen der Kohlebranche spielen aufgrund ihrer schlechten Nachhaltigkeitsratings schon jetzt praktisch keine Rolle in unserem Anlage-Universum. Trotzdem ist uns der formale Ausschluss der Kohle-Industrie wegen seiner Signalwirkung wichtig", erklärte Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank.

Divestment muss nicht den gesamten Rückzug aus der Öl-, Kohle- und Gasindustrie bedeuten

Divestment bedeutet, dass Geld aus bestimmten Institutionen zurückgezogen wird. Der Begriff alleine sagt allerdings nichts über die Menge der Geldanlagen aus, die eine einzelne Institution aus Wertanlagen in fossile Rohstoffe desinvestiert. 

Beispielsweise hat die Allianz Versicherung angegeben, künftig nicht mehr in Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihrer Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen beziehen,  zu investieren. Das bedeutet aber, dass nach wie vor in Unternehmen, die bis zu 30 Prozent der erzeugten Energie aus fossilen Brennstoffen gewinnen, investiert wird. Und auch, dass die bestehenden Geldanlagen nicht divestiert werden. Wenn ein Unternehmen  bekannt gibt, dass es sich aus der Kohle-, Gas-, und Ölindustrie Geldanlagen zurückziehen will, sagt das noch nichts über die Menge der zu divestierenden Geldanlagen aus.

Bildhinweis: Ein Ölbohrfeld–  auch Großinvestoren ziehen sich mehr und mehr aus klimaschädlichen Investments zurück und desinvestieren in Unternehmen aus der Kohle- und Erdölindustrie. / Foto: Pixabay/CC0-Lizenz


Ban Ki-moon, Obama und Prince Charles: Auch Privatanleger divestieren

Nicht zu vergessen sind die Privatanleger: Neben großen Institutionen schließen sich auch zunehmend mehr Privatpersonen der Divestment-Bewegung an. Darunter sind viele einflussreiche und prominente Personen, die ihr privates Vermögen aus der Öl-, Kohle- und Gasindustrie divestieren, darunter:

•    der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon
•    der (vormalige) US-Präsident Barack Obama
•    Charles Philip Arthur George, Prince of Wales
•    US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders
•    Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Margaret Chan, die Chinesin wurde im Mai 2012 für eine zweite Amtsperiode bis zum 30. Juni 2017 gewählt
•    Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman

Divestment-Kampagnen – was macht die Bewegung?

Umweltschützer und Klimaforscher fordern seit langem den Ausstieg aus der Kohleenergie. Divestment-Kampagnen zeigen, dass das Engagement, sich für den Klimaschutz durch Desinvestments und neuen Investments einzusetzen, vorhanden ist: Es gibt einen Trend zu Gas-, Kohle- und Öl-freien Investments. Besonders junge Aktivisten befassen sich intensiv mit dem Kohleausstieg in Deutschland und gehen dabei in Divestment-Kampagnen äußerst strategisch vor.

Häufig ist die erste Ebene, auf der sie aktiv werden können, die staatliche Universität. Universitäten sind kleine Institutionen, die von Bewegungen zum Divestment gedrängt werden und dadurch Medieninteresse wecken. In den USA hatte die Klimaschutz-Bewegung erreicht, dass seit 2012 mehrere Unis ihre Investitionen in Öl- und Kohleaktien beendet haben, darunter die University of California und die Georgetown University. Weltweit sind viele private und institutionelle Investoren diesem Beispiel gefolgt. So in 2015 etwa der Norwegische Staatsfonds und der französische Versicherungskonzern AXA.

Große Institutionen, die bereits den Schritt zum Divestment gewagt haben, werben für solche Kampagnen. Dadurch werden Divestment-Aufrufe bekannter. Der nächstgrößere Schritt sind Divestment-Forderungen an die mächtigen Institutionen, Banken, Versicherungen und Fonds, die sehr viel Geld in Fossilen Brennstoffen angelegt haben. Haben Divestment Kampagnen diesen Schritt erreicht, wird auch die Politik zunehmend unter Druck gesetzt.

Bei welchen Aktien ist ein Divestment sinnvoll?

Die Entwicklung zu immer mehr kohlefreien und zunehmend weniger klimaschädlichen Investments ist ein großer Schritt in eine grünere Zukunft. Es lohnt sich, in Erneuerbare Energien auch zukunftsorientiert Geld anzulegen. Anleger können mit verschiedenen Strategien versuchen, Klimarisiken im Portfolio zu mindern. "Eine zentrale Voraussetzung, um Klimarisiken in Anlageportfolios vorausschauend handhaben zu können, sind präzise Kenntnisse darüber, wie hoch die CO2-Konzentration in den Portfolios ist", erläutert Pierin Menzli, Leiter des Nachhaltigkeitsresearchs der Basler Bank J. Safra Sarasin, die Klimarisiken für Investoren untersucht hat.

Menzli weist darauf hin, dass nicht nur Aktien von Konzernen aus dem Energie- und Versorgersektor erhöhte Klimarisiken tragen. Betroffen seien auch Firmen aus dem Bereich der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe – also zum Beispiel Hersteller von Stahlprodukten und Zement – sowie Industrieunternehmen, deren Produktion ebenfalls sehr energieintensiv ist. Laut Menzli entfallen auf Unternehmen aus diesen vier Sektoren 90 Prozent der Emissionen aller Konzerne im herkömmlichen Weltaktienindex MSCI World DM Index. Mehr über sinnvolle Divestments lesen Sie auf ECOreporter.de in unserem "Gut erklärt: Divestments". 

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