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Direktbeteiligungen 06.08.2009

„Solarfonds zählen zu den Gewinnern der Wirtschafts- und Finanzkrise“ - ECOreporter.de-Interview mit Tobias Pehle, White Owl Capital

Wie entwickelt sich die Nachfrage für diese Anlageprodukte? Auf welche Märkte setzen Unternehmen, die geschlossene Fonds für Projekte im Bereich der regenerativen Energie anbieten? ECOreporter.de hat mit Tobias Pehle, Gründer und Vorstand der Berliner White Owl Capital (WOC) AG, über die Marktsituation gesprochen.

WOC-Vorstand Tobias Pehle / Quelle: Unternehmen



ECOreporter.de: Herr Pehle, wenn Sie 2009 mit 2008 und 2007 vergleichen: Wie ist das Interesse der Anleger an geschlossenen nachhaltigen Fonds, z. B. Erneuerbare-Energie-Fonds?

Tobias Pehle:Solarfonds zählen zu den Gewinnern der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Einnahmen sind staatlich garantiert und damit von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt. Neubewertungen wie bei Schiffen oder Immobilien müssen selbst in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwunges nicht vorgenommen werden. Anleger honorieren diese besondere Stabilität.


ECOreporter.de: Interessieren sich in diesem Jahr mehr neue Anlagevermittler für Ihre nachhaltigen geschlossenen Fonds?

Pehle:Aus den genannten Gründen erleben wir eine sehr gute Nachfrage seitens der Investoren. Dies übrigens auf allen Kanälen gleichermaßen: Banken, Family Offices (vermögende Privatkunden, die Red.) und auch freie Vermögensberater fragen unsere Fonds nach. Einen besonderen Schub erleben wir in diesem Jahr bei den Volksbanken und Sparkassen. Die Alternativen sind rar. Ein Solarfonds bietet eine solide, risikoarme Euro-Rendite-Beteiligung. Ein solcher Fonds ist deshalb eine sehr begehrte Alternative zu niedrig verzinsten Festgeldanlagen und deshalb ein idealer Baustein für das persönliche freie Vermögen. Diese Meinung hat sich zwischenzeitlich in vielen Instituten und bei vielen Anlegern durchgesetzt. Mit „Öko“ oder Weltrettung hat das nichts zu tun. Es zählen einzig und allein die ökonomischen Fakten.


ECOreporter.de: Bei welchen Ihrer Angebote zeigen sich die Anleger zurückhaltend?

Pehle:Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf unsere Marktnische. Diese liegt im spanischen Solarmarkt. Daher möchte oder kann ich mich zu anderen Marktsegmenten nicht äußern. Es ist kein Geheimnis, dass die vormaligen Blockbuster-Segmente wie Schiffe, Container oder Lebensversicherungen und Private Equity aktuell eher zurückhaltend von Anlegern nachgefragt werden.


ECOreporter.de: Werden Sie in der zweiten Jahreshälfte 2009 neue nachhaltige geschlossene Fonds auf den Markt bringen? Aus welchen Bereichen?

Pehle:Wir sehen uns als Fondsboutique. Wir investieren sehr stark in unsere Investitionsressourcen. Trotzdem bleibt die Anzahl qualitativ sehr hochwertiger Assets limitiert. Deshalb wird WOC maximal ein bis zwei Fondsprodukte pro Jahr lancieren. Diese verkaufen sich dann glücklicherweise wie von selbst. Unser letztes Produkt, der WOC Nachhaltigkeitsfonds 02, ist im Juli 2009 gestartet. Viele unserer Geschäftspartner spüren die gute Annahme des Fonds deutlich. Das platzierte Volumen steigt noch schneller, als es der erfolgreiche Vorgängerfonds hätte vermuten lassen. Ob bis Ende des Jahres 2009 ausreichend Volumen zur Verfügung steht, kann ich heute noch nicht einschätzen. Einen neuen Fonds aus unserem Hause wird es dann erst wieder im Jahr 2010 geben.


ECOreporter.de: Sehen Sie derzeit eher ein Überangebot oder eher eine Marktenge bei Erneuerbare-Energie-Projekten, die sich für geschlossene Fonds eignen?

Pehle:Ich kann auf diese Frage wiederum nur für unser Spezialgebiet antworten. WOC kauft derzeit sehr erfolgreich so genannte Bestandssolaranlagen in Spanien auf. Wir haben im ersten Halbjahr rund 50 Millionen Euro investiert und dürften damit die Spitzenpositionen unter den Emissionshäusern in Deutschland einnehmen. Die Möglichkeit, antizyklisch in bestehende spanische Solarkraftwerke zu investieren, ist momentan größer denn je. Durch den Errichtungsboom im Jahr 2008 hat sich ein Markt für den Handel mit am Netz angeschlossenen Solarkraftwerken etabliert. Zudem verstärkt die spanische Immobilienkrise den Abgabedruck bei vielen Erst-Eigentümern, die sich unter Liquiditätsdruck befinden. Aus der Kombination beider Entwicklungen – Abgabedruck und Errichtungsboom – lässt sich eine entsprechend positive Perspektive für unsere Investitionsstrategie ableiten.


ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie die Bereitschaft von Banken, Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien für geschlossene Fonds zu finanzieren?

Pehle:Grundsätzlich erleben wir eine deutlich verbesserte Bereitschaft der Banken, langfristige Projektfinanzierungen einzugehen. Entscheidend für die Finanzierungsbereitschaft sind eine gute Vorbereitung durch den Sponsor, hochwertige Komponenten und ein sorgfältiges Monitoring. Umfassende Qualitätssicherung für Photovoltaik-Anlagen bedeutet für uns ein Paket von Maßnahmen, die sicherstellen, dass der vorausgesagte Ertrag über die gesamte Lebensdauer der Anlagen erreicht wird. Besondere Qualität und eine klare Trennung der Rollen Sponsor, Projektentwickler und Anlagenbauer wird seitens der finanzierenden Banken wertgeschätzt. Unabdingbar für eine professionelle Abarbeitung der jeweiligen Transaktion sind die Kreditspezialisten auf der Seite des Sponsors. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und während der Krise Spitzenmanager für unser Haus gewonnen. Dieses Know-how wird bankseitig honoriert. Ansonsten zählt Flexibilität: Als eines der wenigen Häuser arbeiten wir konsequent mit lokalen Banken in deren Heimatmärkten. Diese bieten meist deutlich attraktivere Konditionen.


ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie geschlossene Fonds, die auf Solarprojekten in Südeuropa basieren? Erscheint Ihnen dieser Markt attraktiv?

Pehle:Im Hinblick auf Italien sind wir abwartend. Hier möchten wir zunächst die Ergebnisse der Investoren abwarten, die sehr früh in den Markt gegangen sind. Spanien bietet exzellente antizyklische Investmentchancen.Der Markt teilt sich in Bestandsobjekte und Neuinstallationen. Wir sind in beiden Bereichen aktiv. Unser entscheidender Vorteil: Wir verfügen über eine beträchtliche Eigenkapitalausstattung. Daher sind wir in der Lage, hochwertige Solarkraftwerke mit Preisvorteilen zu erwerben. Für den Anlageerfolg ist somit die hohe und der Investitionsphase vorgeschaltete Eigenkapitalausstattung die optimale Basis, um schnell, flexibel und erfolgreich agieren zu können. Bei Bestandsprojekten besteht zudem die Aussicht auf einen raschen Investitionsfortschritt mit der Chance auf frühzeitige Ausschüttungen bei reduzierten Fertigstellungs- und Genehmigungsrisiken.

Übrigens: Die letzte Krise der spanischen Peseta war Anfang der 90er Jahre. Deshalb ist das spanische Vergütungssystem anders als das deutsche auf eine mögliche mittel- bzw. langfristige Geldentwertung vorbereitet. Als besonderer Vorteil erweist sich in Spanien die Kopplung der gesetzlichen Einspeisevergütung an den spanischen Verbraucherpreisindex: das heißt, dass die Einnahmen unserer Fonds von Jahr zu Jahr mit der Inflation steigen. Einen vergleichbaren Schutz bietet kein anderes System in Europa.


ECOreporter.de: Der Solarmodulmarkt zeigt einen deutlichen Preisverfall. Ist das die Chance für Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, zu höheren Renditen zu kommen?

Pehle:Wissen Sie, man hat uns belächelt, als wir Mitte 2008 angekündigt haben, dass wir in Spanien Anlagen für 4 Euro pro Wattpeak schlüsselfertig erwerben werden. Das ist heute Realität: Die Einspeisevergütungen sinken, die Anlagenpreise fallen, die Modulhersteller leiden. Für uns zählt allein die Anlegerrendite. Der Preisverfall kann temporär sicherlich positive Auswirkungen auf die Rendite haben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die fallenden Modulpreise bzw. die Preise für schlüsselfertige Anlagen sehr stark mit der jeweiligen Einspeisevergütung korrespondieren. Um eine stabile Anlegerrendite zu gewährleisten, setzt WOC auf ein leicht verständliches Einkaufskonzept. Wir kaufen Anlagen zum Ertragswert. Demnach soll der für die jeweilige Kaufpreisermittlung anzusetzende Preis nicht mehr als das x-Fache des jeweiligen voraussichtlichen Erlöses einer Jahresenergieproduktion betragen. Dadurch sichern wir für Anleger stabile Ausschüttungen, die vollkommen losgelöst von Marktpreisschwankungen und Einspeisevergütungen entstehen.


ECOreporter.de: Wie schätzen Sie im Bereich der geschlossenen nachhaltigen Fonds die weitere Marktentwicklung ein; welche Trends sehen Sie für die nahe Zukunft?

Pehle:Wir setzen nicht auf Trends. Wir beobachten Märkte und Technologien erst eine bestimmte Zeit und steigen bevorzugt in die zweite Welle ein. Möglicherweise sind Italien, Frankreich und Griechenland lukrative Zielregionen – doch das weiß ich als Finanzier erst, wenn einmal 500 oder 1000 Megawatt an das Stromnetz angeschlossen sind und erste Erfahrungen von Investoren vorliegen. Wir sind uns zudem der besonderen Verantwortung bewusst, die wir gegenüber privaten Anlegern haben. Deshalb gehen wir nur Investitionen ein, die technisch und genehmigungsseitig erprobt und erwiesenermaßen sicher sind. Kurzfristige Trends spielen bei unseren Investitionsentscheidungen keine Rolle.


ECOreporter.de: Herr Pehle, wir danken Ihnen für das Gespräch.



ECOreporter.de führt in diesen Wochen eine Interview-Serie mit Anbietern geschlossener Neue-Energie-Fonds durch. Zu unserem Gespräch mit Claus Eric Gärtner von der Münchener BVT Holding GmbH & Co. KG gelangen Sie per Opens external link in new windowMausklick.

Ein weitererOpens external link in new windowMausklickführt Sie zu unserem Gespräch mit Robert Massing Stellung, Leiter der Abteilung Public and Private Placements der KGAL aus München.

Ferner veröffentlichten wir einOpens external link in new windowECOreporter.de-Interviewmit Ulrich Uhlenhut, Vorstand der Kölner Wattner AG.


Bildhinweis: Solarprojekt im spanischen Alicante. / Quelle: SunTechnics Técnicas Solares

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