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11.10.2007

Umwelttechnologie aus Fernost – Das S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat: Was nachhaltig denkende Anleger dazu wissen sollten

Das historisch einzigartige wirtschaftliche Wachstum, das sich seit rund zehn Jahren in China vollzieht, hat zu enormen ökologischen Problemen geführt. Einer Studie der Weltbank zufolge sterben dort jährlich rund 750.000 Menschen an den Folgen von Umweltverschmutzung. Ein Problem des Landes ist der hohe Verbrauch an fossilen Brennstoffen. Es ist mittlerweile für knapp 18 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Nach Berechnungen der internationalen Energieagentur könnte das ehemalige Reich der Mitte schon 2010 die USA als größten CO2-Verursacher ablösen. Um diese enorme Luftbelastung insbesondere in den Ballungszentren und die hohen Kosten für den Import fossiler Brennstoffe zu verringern, soll der Anteil erneuerbarer Energieträger wie Wind und Photovoltaik an der Deckung des chinesischen Primärenergiebedarfs bis 2020 auf 16 Prozent steigen, die Stromproduktion sogar auf mehr als 30 Prozent.

 

Auch auf anderen Gebieten will die Regierung in Peking entgegensteuern, sie hat dazu ein gigantisches Investitionsprogramm aufgelegt. Laut ihrem aktuellen Fünfjahresplan sollen insgesamt 175 Milliarden US Dollar in Umwelttechnologien fließen. Neue Bestimmungen der zumindest offiziell weiterhin kommunistischen Machthaber für die Kommunen und Millionenstädte fordern diesen ebenfalls einen verstärkten Einsatz von Umwelttechnologie ab. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen zur verbesserten Wasserver- und vor allem -entsorgung. Gegenwärtig werden lediglich 25 Prozent der chinesischen Abwässer geklärt. Mit verschmutztem oder nicht ausreichendem Wasser müssen sich 300 Millionen Chinesen derzeit noch abfinden. Durch die zunehmende Industrialisierung verschärft sich die Situation für das Milliardenvolk noch, denn die überall aus dem Boden schießenden Fabriken verbrauchen Milliarden Tonnen von Wasser.

 

Wenn auch in geringerem Umfang, stehen andere asiatische Staaten vor ähnlichen Umweltproblemen. Auch dort haben etliche Regierungen begonnen, mit staatlichen Programmen entgegen zu steuern, etwa in Südkorea und Vietnam. Die steigenden Ausgaben für Umwelt- und Klimaschutz in der Region können vor allem denjenigen Unternehmen zugute kommen, die moderne Umwelttechnologien und -produktionsweisen entwickeln oder einsetzen würden. Eine Auswahl solcher Gesellschaften hat die Börse Stuttgart für ihren S-BOX Asien Umwelt Performance-Index ausgewählt. Dieser enthält Unternehmen aus dem asiatischen Raum, die insbesondere in China Produkte und Dienstleistungen rund um die Themenfelder regenerative Energien und Umweltschutz anbieten. Die zur Deutsche Bank AG gehörende X-markets hat im Frühjahr ein Zertifikat auf diesen Index emittiert, das S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat auf den S-BOX Asien Umwelt Peformance-Index. Seit März kann es über den Börsenhandel erworben werden.

 

Die Zusammensetzung des Indexes wird halbjährlich aktualisiert. Erstmals geschah dies im September. Keines der zuvor 12 enthaltenen Unternehmen fiel heraus, drei wurden neu aufgenommen. Nicolai Tietze ist bei der Deutschen Bank für das S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat zuständig. Gegenüber ECOreporter.de erläuterte er, der Aktienauswahl gehe kein Nachhaltigkeitsrating voraus. Die Unternehmen im Index müssten jedoch überwiegend im Bereich „Umwelt“ agieren, insbesondere in den Branchen klimaschonende Energieerzeugung, Abfall- und Wassermanagement. Die Mindestmarktkapitalisierung der für den Index in Frage kommenden Unternehmen liegt bei 200 Millionen Euro, sie müssen in einem geregelten Börsensegment notiert sein und in einem ausreichend Umfang für ausländische Investoren handelbar sein. Die regionale Auswahl ist auf den ost- und südostasiatischen Raum beschränkt. Bis zur nächsten Überarbeitung im März 2008 bilden folgende Titel den S-BOX Asien Umwelt Peformance-Index:

 

• Bio-Treat Technology Ltd

• China Water Affairs Group Ltd

• China Solar Energy Holdings Ltd

• Tianjin Capital Environmental Protection Co Ltd

• China Resources Power Holdings Co Ltd

• China Sun Bio-Chem Technology Group Co Ltd

• Hyflux Ltd

• Sino Environment Technology Group Ltd

• Epure International Ltd

• JA Solar Holdings Co Ltd

• LDK Solar Co Ltd

• Solarfun Power Holdings Co Ltd

• Suntech Power Holdings Co Ltd

• Trina Solar Ltd

• Yingli Green Energy Holding Co Ltd

 

Neu im Index enthalten sind das seit Juni 2007 an der Nasdaq notierte Solarunternehmen Yingli Green Energy, der seit Februar börsennotierte Solarzellenhersteller JA Solar Holdings und die Solarwaferproduzentin LDK Solar. Alle drei kommen aus China, mit ihrer Aufnahme ist das festgelegte Maximum von 15 Werten im Index ausgeschöpft. Die Wertentwicklung des S-BOX Asien Umwelt Peformance-Index wird aus dem Durchschnitt der Performance dieser fünfzehn Titel gebildet. Dabei darf die Gewichtung einzelner Titel nicht über 15 Prozent liegen. Mit diesem Wert ist die China Resources, ein Energieunternehmen aus Hong Kong, derzeit am stärksten gewichtet. Ihre Aktie hat in den letzten zwölf Monaten 170 Prozent an Wert gewonnen. Es folgt die LDK Solar mit 14,8 Prozent. Deren Aktiekurs war in den letzten Tagen um rund 50 Prozent eingebrochen, nachdem ein ehemaliger Finanzcontroller schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben und unter anderem behauptet hatte, die vorhandenen Polysiliziumreserven seien deutlich zu hoch inventarisiert worden. Die ebenfalls chinesische Solarzellenproduzentin Suntech hat eine Gewichtung von 13,3 Prozent. Seit ihrem Börsenstart vor rund zwei Jahren (wir berichteten:ECOreporter.de-Beitrag vom Dezember 2005) hat sich deren Aktienkurs ungefähr verdoppelt. Alle übrigen Titel kommen nur auf einstellige Prozentwerte. Insgesamt liegt der Fokus bei den Titeln zum einen auf dem Bereich „Wasser“: Sechs der fünfzehn Unternehmen sind in diesem Sektor aktiv. Zum anderen bildet die Photovoltaik mit sieben Titeln einen starken Schwerpunkt. Regional dominieren Titel aus China.

 

Dieser Fokus auf die Volksrepublik ist aus Nachhaltigkeitssicht ein großes Manko des S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikats. China ist ein Staat, in dem Verstöße gegen die Menschenrechte an der Tagesordnung sind, von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit bis zu der Tatsache, dass nirgends auf der Welt so viele Todesurteile vollstreckt werden wie dort. Arbeitnehmer können sich dort nicht frei organisieren, um deren Schutz und Rechte ist es schlecht bestellt. Zudem herrschen bei chinesischen Unternehmen häufig eklatante Mängel bei der Transparenz. Es erscheint fraglich, ob diese Mängel bei der sozialen Nachhaltigkeit es aufwiegen, dass die Unternehmen im Index ökologisch wichtige Leistungen erbringen. Hinzu kommt, dass Aktienunternehmen aus China aufgrund mangelnder Transparenz auch ein ökonomisches Risiko für den Anleger darstellen. Das Beispiel LDK Solar zeigt, dass die Börsianer nervös auf Gerüchte über Missstände reagieren. Da das S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat keinen Kapitalschutz bietet, könnte es für den Anleger auch ein böses Erwachen geben.

 

Nicolai Tietze erklärte gegenüber ECOreporter.de, dass dieses Investment eindeutig spekulativer sei als etwa das in den DAX. Ihm zufolge sollte der Anleger zumindest monatlich die Entwicklung der Performance verfolgen, um gegebenenfalls rechtzeitig reagieren zu können. Es handle sich bei dem Zertifikat „um kein Witwen- und Waisen Papier“, stellte er klar. Zudem ist das Währungsrisiko zu beachten, es kann die Rendite schmälern. Allerdings steht diesen Risiken die Aussicht auf eine im Durchschnitt sehr gute Wertentwicklung der Titel im Index entgegen. An dieser wird der Investor im Bezugsverhältnis 1:1 beteiligt. Seit der Emission im März hat das Zertifikat bereits rund 20 Prozent an Wert gewonnen. Der Geldkurs liegt jetzt bei 120,23 Euro, der Briefkurs bei 122,23 Euro, bei einem Spread in Höhe von 2,00 Euro. Im Sommer war das Papier allerdings zwischenzeitlich unter den Ausgabepreis von 100 Euro eingebrochen. Aber die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt, der Anleger könnte also Phasen mit schwacher Performance aussitzen und muss sich nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt von dem Papier verabschieden.

 

Fazit:

Wesentliches Argument für das Investment in Zertifikate ist die Möglichkeit, Risiko zu streuen. Statt auf die Aktie eines bestimmten Unternehmens zu setzen, wird hier das Anlagerisiko auf eine ganze Gruppe von Titeln verteilt. Beim S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat geht der Anleger jedoch immer noch ein hohes Risiko ein. Dies hängt zum einen mit der starken Fokussierung auf Unternehmen aus China und das Geschäft in dem Riesenreich zusammen, zum anderen mit der starken Ausrichtung auf chinesische Solarunternehmen. Deren Aktien werden zum Teil erst seit sehr kurzer Zeit an der Börse gehandelt, die Informationen über sie sind oft sehr spärlich. In ihren Kursen steckt sehr viel Fantasie. Zudem spricht aus Sicht sozialer Nachhaltigkeit vieles gegen chinesische Unternehmen. Diese Argumente wiegen aus unserer Sicht schwerer als die Chance auf eine gute Wertentwicklung des Zertifikats und die ökologischen Leistungen vieler der im Index enthaltenen Unternehmen. Wir raten daher von dem Investment ab.

 

 

S-BOX-Asien Umwelt-Zertifikat

WKN: DB1UMW

ISIN: DE000DB1UMW8

Laufzeitbeginn: 29.3.2007

Laufzeitende: endlos

Preis: 100 Euro

 

Bildhinweis:

Der Generalsekretär des chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie (links) bei einer Produktpräsentation von Suntech / Quelle: Unternehmen;

derartige Hinrichtungswagen dienen in China dazu, Delinquenten "zur Abschreckung" in der Nähe des jeweiligen Tatortes mittels Giftspritze zu töten. / Quelle: ECOreporter.de

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