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ECOanlagecheck 24.01.2017

Unabhängige Analyse: Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced im ECOanlagecheck

Der Swisscanto-Mischfonds ist unter anderem in die Eisenbahn-Aktie von Canadian National Railway investiert. Er setzt auf Wertpapiere von Unternehmen, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen, etwa im Verkehr. / Foto: Canadian National Railway

Der nachhaltige Mischfonds "Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced" stellt hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Staaten und Unternehmen. Er investiert nur in Aktien und Anleihen von Ländern und Konzernen mit den besten Nachhaltigkeitsnoten. Entscheidend sind dabei deren Beiträge zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Luft sowie zu mehr Chancengerechtigkeit. Anbieter des Fonds ist die Swisscanto Asset Management International S.A.Ihre Muttergesellschaft ist die Swisscanto Holding AG mit Sitz in Zürich, die zur Zürcher Kantonalbank gehört. 


Kurzportrait Swisscanto Invest

Das Asset Management der Zürcher Kantonalbank verwaltete zum 30. Juni 2016 ein Kundenvermögen von 144,7 Milliarden Schweizer Franken (CHF). Das sind umgerechnet 133,5 Milliarden Euro. 2,5 Prozent davon sind nachhaltige Geldanlagen. 2011 waren es 1,5 Prozent. Die Bank strebt laut ihres Nachhaltigkeitsberichts einen weiteren Ausbau der nachhaltigen Geldanlagen um eine Milliarde CHF pro Jahr an.

Das nachhaltig angelegte Kundenvermögen ist zu fast einem Drittel in Fonds unter der Marke Swisscanto Invest investiert (2,22 Milliarden CHF). Swisscanto Invest gehört zu den Pionieren im Bereich nachhaltiger Investmentfonds und hat schon 1998 mit dem Aktienfonds Swisscanto (CH) Equity Fund Green Invest einen ersten Nachhaltigkeitsfonds auf den Markt gebracht. Inzwischen bietet Swisscanto Invest im Bereich nachhaltiger Investmentfonds für private Anleger vier Aktienfonds an, einen Rentenfonds und drei Mischfonds.


Anlagegrundsätze der Swisscanto Invest

Für Anlageprodukte der Swisscanto Invest – auch die nicht ausdrücklich nachhaltigen – sind Investments in Rüstungsunternehmen generell tabu, wenn sie international geächtete Waffen, etwa Streubomben, produzieren. 

Die Zürcher Kantonalbank hat die Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI) unterzeichnet. Damit verpflichtet sie sich, Nachhaltigkeitsaspekte wie zum Beispiel Umweltschutz oder Menschenrechte bei der Analyse von Investments zu beachten. Sie muss sich auch als Investor für mehr Nachhaltigkeit von Unternehmen einsetzen und darauf hinwirken, dass Nachhaltigkeitsgrundsätze in der Investmentbranche weiter verbreitet werden.

Die Swisscanto Invest wendet bei allen Fonds, auch bei den nicht ausdrücklich nachhaltigen, einen sogenannten Nachhaltigkeitsindikator an. Das ist eine Innovation. Der Nachhaltigkeitsindikator signalisiert Kunden inwieweit sie Nachhaltigkeitsrisiken eingehen und weist eine Skala von A bis G aus. 


Der Nachhaltigkeitsansatz des Fonds

Der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced investiert in Aktien und in Anleihen. Zu den Investments in Anleihen zählen auch Rentenpapiere von Staaten. Allerdings müssen diese Länder von der Zürcher Kantonalbank als im Vergleich besonders nachhaltig eingestuft worden sein. Nur Anleihen von Staaten, die im Staaten-Ranking des Nachhaltigkeitsresearchs der Zürcher Kantonalbank im oberen Drittel rangieren, kommen für diesen Mischfonds in Frage. Zum Beispiel gehören die USA nicht dazu, weshalb der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced nicht in US-Staatsanleihen investiert.

Damit Anleihen in das Portfolio aufgenommen werden, müssen die zugehörigen Unternehmen strengen Ausschlusskriterien Stand halten und werden einer ausführlichen Best-in-Class-Analyse unterzogen. Bei den Aktien geht Swisscanto Invest noch einen Schritt weiter und verlangt zusätzlich, dass die Unternehmen mit ihren Produkten oder Dienstleistungen zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell beitragen.

Swisscanto Invest nennt folgende Schlüsselbereiche einer ressourceneffizienten und sozialverträglichen Volkswirtschaft:
• Energie
• Ressourcen
• Mobilität
• Gesundheit
• Finanzen
• Wissen

Aus diesen Schlüsselbereichen hat Swisscanto Invest konkrete Investitionsthemen abgeleitet, unter anderem Bildung, Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Ressourceneffizienz, Zugang zu Finanzdienstleistungen, Gesundheitsförderung, Logistik und Verkehr.

Der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced investiert in Wertpapiere von Unternehmen, die in diesen Bereichen aktiv sind. Und die dabei Lösungen für Nachhaltigkeitsprobleme entwickeln, anwenden oder dies ermöglichen. Das Fondsmanagement sieht Unternehmen im Vorteil, die einen solchen gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Es erwartet, dass deren Produkte und Dienstleistungen "mittelfristig  überdurchschnittlich nachgefragt werden". 

In der sogenannten Sustainability Impact Analyse erstellen die Nachhaltigkeitsanalysten für jeden Titel einseitige Profile, die den gesellschaftlichen Nutzen des Unternehmens in Bezug auf ein Nachhaltigkeitsproblem darstellen.
Im Kern werden in diesem Profil die folgenden Fragen beantwortet:
1.    Welches Nachhaltigkeitsproblem adressiert das Unternehmen?
2.    Welchen Beitrag leistet das Unternehmen zur Lösung dieses Nachhaltigkeitsproblems?
3.    Sind diese Lösungsbeiträge für den Erfolg des Business Models relevant?

Der Anteil der Aktien des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced muss mindestens 35 Prozent des Fondsvolumens betragen. Er darf aber nicht über 65 Prozent liegen. Zum Zeitpunkt dieser Analyse (Mitte Dezember 2016) lag er bei 54 Prozent.


Das Nachhaltigkeitsresearch

Das Nachhaltigkeitsresearch für den Swisscanto-Fonds liefern Experten aus dem Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Dabei stützt sich das Nachhaltigkeitsresearch auch auf externe Dienstleister. Dazu gehören zum Beispiel MSCI ESG oder Trucost, die auf Nachhaltigkeitsanalysen spezialisiert sind, oder der Datenanbieter RepRisk. RepRisk sammelt Medienberichte aus aller Welt über Nachhaltigkeitskontroversen, in die Unternehmen verstrickt sind. Das können zum Beispiel Berichte über Kritik von Umweltschützern oder von Gewerkschaften sein.

Das Nachhaltigkeitsresearch sammelt weitere Informationen von den Unternehmen selbst und von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Alle Informationen und Bewertungen fließen dann in Nachhaltigkeitsanalysen zu den einzelnen Unternehmen ein. Ein wichtiger Punkt bei der Aktienanalyse ist, wie groß die Bedeutung der nachhaltigen Produkte oder Dienstleistungen für das Geschäftsmodell eines Unternehmens ist.

Die Nachhaltigkeit von Staaten untersucht die Zürcher Kantonalbank bereits seit 1999. Die Daten für die Nachhaltigkeitsanalysen von Staaten beziehen ihre Experten von internationalen Institutionen wie etwa der Weltbank oder dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Auch Informationen von NGOen wie Amnesty International, Transparency International oder Greenpeace fließen ein. In den Analysen werden Aspekte der drei Bereiche Umwelt, Soziales und Governance gleich stark gewichtet. Einzelfaktoren sind zum Beispiel der Energieverbrauch pro Kopf, die durchschnittliche Lebenserwartung, das Ausmaß von Korruption und von Einkommensunterschieden.

Das interne Nachhaltigkeitsresearch

Dr. Gerhard Wagner ist im Asset Management der Zürcher Kantonalbank der Leiter Nachhaltige Anlagen (ESG Solutions). Der Doktor der Naturwissenschaften arbeitete von 1994 bis 2001 als Wissenschaftler an der ETH/EAWAG im Bereich Klimaphysik.2006 erwarb er das Diplom zum Chartered Financial Analyst (CFA). Ab 2008 leitete er bei Swisscanto den Bereich nachhaltige Anlagen – bis Swisscanto von der Zürcher Kantonalbank übernommen wurde und er dort diese Leitungsposition übernahm. Im Asset Management der Zürcher Kantonalbank stehen Wagner insgesamt elf Nachhaltigkeitsanalysten und Fondsmanager zur Seite. Mit Marion Swoboda zählt dazu auch die frühere Leiterin des Nachhaltigkeitsresearchs von Swisscanto. Im Durchschnitt verfügen die Analysten im Nachhaltigkeitsresearch jeweils über rund zwölf Jahre Erfahrung. Jeder von ihnen ist auf einzelne Industriesektoren spezialisiert.

Gerhard Wagnerist Leiter Nachhaltige Anlagen bei der Zürcher Kantonalbank. / Foto: Swisscanto


Kontroversen-Analyse

Ein fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsanalyse von Unternehmen ist die Kontroversen-Analyse. Basierend auf systematischen Daten und Informationen von RepRisk werden Unternehmen identifiziert, welche gegen Richtlinien oder Normen für soziale oder ökologische Nachhaltigkeit verstoßen. Nicht nur das Ausmaß des Verstoßes ist für die Bewertung wichtig. In die Nachhaltigkeitsanalyse fließt auch mit ein, wie ein Unternehmen auf Missstände reagiert. Überzeugen die Maßnahmen nicht, schlägt sich das negativ in der Nachhaltigkeitsbewertung nieder. Ein Beispiel aus Deutschland für Unternehmen, die RepRisk als besonders kontrovers einstuft, ist zum Beispiel die Deutsche Bank. Für den Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced liefert RepRisk wertvolle Informationen, um kontroverse Unternehmen zu ermitteln.

RepRisk beobachtet kontinuierlich über 10.000 Unternehmen weltweit unter anderem in folgenden Bereichen:
• Klimarahmenkonvention (UNFCCC) inkl. Kyoto-Protokoll
• Stockholmer Konvention über langlebige organische Schadstoffe (POP-Übereinkommen)
• ILO-Kernarbeitsnormen (u.a. Arbeitsbedingungen, Kinder-, Zwangsarbeit)
•    UNO-Menschenrechtsabkommen
• UNO-Abkommen zu konventionellen, geächteten Waffen


Ausschluss- bzw. Negativkriterien

Ausschlusskriterien gelten für den Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced bei der Auswahl von Staatsanleihen nicht. Anders verhält es sich bei Wertpapieren von Unternehmen. Hier greifen Ausschluss- bzw. Negativkriterien des Fonds bei Unternehmenstätigkeiten, die nach Einschätzung des Researchs die größten Nachhaltigkeitsprobleme verstärken. Es gilt hierbei die Null-Prozent-Regel für den Umsatz: Unternehmen dürfen in den Bereichen, die ausgeschlossen sind, überhaupt kein Geschäft machen. Viele andere Anbieter nachhaltiger Fonds räumen sich mit Toleranzschwellen von fünf oder zehn Prozent mehr Spielraum ein, nicht selten liegt die Grenze sogar höher.

Konkret sind bei diesem wie bei anderen nachhaltigen Swisscanto Invest Fonds Unternehmen mit folgenden Tätigkeiten ausgeschlossen:

- Förderung fossiler Energieträger (Erdöl, Kohle, Erdgas)
- Betrieb von fossilen Kraftwerken
- Herstellung von Autos und Flugzeugen
- Betrieb von Fluggesellschaften
- Herstellung aller relevanten ozonabbauenden Substanzen
- Nicht nachhaltige Waldwirtschaft (ohne FSC-Zertifizierung o.ä.)
- Fischerei ohne MSC-Label
- Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen (Grüne Gentechnik)
- Kernenergie (Betrieb von Kernkraftwerken, atomaren Wiederaufbereitungsanlagen und atomaren Endlagern, Herstellung von Kernreaktoren)
- Herstellung von Waffen, militärischen Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen
- Herstellung von Tabak und Raucherwaren

Mit dieser umfassenden Liste setzt Swisscanto Invest einen besonders hohen Nachhaltigkeitsanspruch. Nur wenige Anbieter nachhaltiger Fonds verzichten auf Auto-Aktien und Investitionen in die Luftfahrt und definieren so eindeutig, welche umweltschädlichen Geschäfte sie nicht tolerieren.


Neben Ausschlusskriterien greift der Best-in-class-Ansatz

Das Nachhaltigkeitsresearch ermittelt aus dem Kreis der Unternehmen, die nicht gegen Ausschlusskriterien verstoßen, diejenigen, die in ihrer Branche die Nachhaltigkeitsbesten sind (Best-in-class-Ansatz). Hierfür setzt das Nachhaltigkeitsresearch rund 50 Positivkriterien ein. Mit ihnen beleuchtet es Aspekte aus den Bereichen Umwelt (= Environmental), Soziales und Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung). Sie werden unter dem Kürzel ESG zusammengefasst.

Im Bereich Umwelt prüft das Nachhaltigkeitsresearch mit Positivkriterien unter anderem: die Qualität des Umweltmanagements, den Einsatz von Ressourcen wie Wasser und Energie, den Umgang mit Abfällen.

Soziale Positivkriterien verlangen unter anderem faire Arbeitsbedingungen, die Förderung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern und die Respektierung der Menschenrechte.

Im Bereich Governance geht es beispielsweise darum, wie transparent ein Unternehmen ist, wie gut es auf die Interessen von Anwohnern in der Nähe von Produktionsstätten eingeht, ob es über wirksame Richtlinien zur Korruptionsvermeidung verfügt.

Die Unternehmen, die bei der Bewertung dieser Positivkriterien im Vergleich zur Konkurrenz die meisten Punkte erhalten, sind dann die Nachhaltigkeitsbesten ihrer Branche.


Zusammengefasst:

Für den Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced kommen nur Wertpapiere von Ländern mit guten Nachhaltigkeitsnoten in Frage – und von Unternehmen, die sich durch besondere Nachhaltigkeitsleistungen auszeichnen. Ein umfassendes Nachhaltigkeitsresearch filtert diese Länder und Unternehmen heraus. Im Folgenden einige Beispiel für Aktien des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced:

Gamesa
Gamesa aus Spanien ist einer der größten Windenergieanlagenhersteller der Welt. Der Konzern trägt insbesondere zum Ausbau der Windkraft in Schwellenländern bei und erwirtschaftet dort den Großteil des Jahresumsatzes. So ist Gamesa unter anderem Marktführer in Indien und in Mexiko. Der Klimawandel ist nur zu bremsen, wenn wachstumsstarke Schwellenländer verstärkt auf Erneuerbare Energie setzen.

Canadian National Railway
Canadian National Railway ist die größte kanadische Eisenbahngesellschaft. Sie transportiert auch in den USA große Gütermengen auf der Schiene. Canadian National Railway trägt damit zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Verkehrssektor bei.

Novo Nordisk
Ein Beispiel für eines der Fonds-Investments mit sozialer Ausrichtung ist Novo-Nordisk aus Dänemark. Der Pharmakonzern ist der weltweit größte Anbieter von Insulin, dem wichtigsten Medikament zur Behandlung von Diabetes. In den 50 ärmsten Ländern der Welt verkauft der Konzern Insulin rund 20 Prozent günstiger sonst.
 
Bildhinweis: Verpackung von Insulin-Produkten bei Novo-Nordisk. / Foto: Unternehmen


Henkel
Der Henkel-Konzern aus Düsseldorf, bekannt für Marken wie Persil und Pritt, gestaltet seit Jahren sowohl seine Produktion als auch seine Produkte immer umweltfreundlicher. Henkel hat den Verbrauch von Energie und Wasser sowie die Treibhausgasemissionen seit 2008 um ein Drittel verringert und sich zu weiteren Reduzierungen verpflichtet.

Staatsanleihe Österreich
Österreich zeichnet sich unter anderem durch den großen Anteil von Erneuerbarer Energie an der Stromversorgung aus. Zudem ist es einer der wenigen Industriestaaten ohne Atomkraftwerk.


Nachhaltigkeitsbeirat

Das Nachhaltigkeitsresearch trifft einmal im Vierteljahr mit einem Nachhaltigkeitsbeirat zusammen, um sich über die Nachhaltigkeitsanalysen auszutauschen.  Dieser Nachhaltigkeitsbeirat ist nur mit externen Fachleuten besetzt. Damit stellt sich das Nachhaltigkeitsresearch einer unabhängigen Kontrolle, was  keineswegs üblich ist. Das Nachhaltigkeitsresearch kann diesen Beirat aber auch zwischenzeitlich in die Diskussion über einzelne Unternehmen einbinden. Dem Nachhaltigkeitsbeirat gehören fünf Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen an:

Elvira Bieri, Vorsitz, Geschäftsführerin Zertifizierungsgeschäft des Warenprüfkonzerns SGS (früher Société Générale de Surveillance) Schweiz;

Paola Ghillani, Gründerin der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Unternehmensberatung Paola Ghillani & Friends;

Florianne Koechlin, Mitglied Eidgenössische Ethikkommission;

Prof. Dr. Thomas Stocker, Professor für Klima- und Umweltphysik, Universität Bern;

Georg Wüest, Umweltmanagement-Berater.

Der Nachhaltigkeitsbeirat prüft, ob die Investments die Ausschlusskriterien erfüllen. Er erhält die Listen des nachhaltigen Anlageuniversums einschließlich der Research-Resultate, er bekommt eine Präsentation der Veränderungen sowie die Nachhaltigkeitsresultate. Das Nachhaltigkeitsresearch muss kritische Anmerkungen des Nachhaltigkeitsbeirats bei der Festlegung des nachhaltigen Anlageuniversums berücksichtigen.


Das Zusammenspiel der Nachhaltigkeitsgremien des Fonds

Für die Zusammenstellung des nachhaltigen Anlageuniversums für den Fonds ist das interne Nachhaltigkeitsresearch der Zürcher Kantonalbank zuständig. Der Nachhaltigkeitsbeirat prüft das ermittelte nachhaltige Anlageuniversum.

Dieses nachhaltige Anlageuniversum ist für die Portfoliomanager des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced bindend. Das interne Controlling überwacht laufend, ob das Fondsmanagement sich an das vorgegebene Anlageuniversum hält. Aus dem nachhaltigen Anlageuniversum wählt das Fondsmanagement die nach ökonomischen Kriterien aussichtsreichsten Aktien aus. Die Unternehmen müssen mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Das Nachhaltigkeitsresearch durchleuchtet die Investments des Fonds laufend auf Nachhaltigkeitsprobleme und auf mögliche Schwachstellen hin. Dazu gibt es  wöchentliche Sitzungen mit den Portfoliomanagern.

Tritt ein schwerer Nachhaltigkeitsverstoß eines Wertpapieremittenten auf, wird er sofort auf die "Watchlist" gesetzt. Dies dient als Warnhinweis für die Portfoliomanager. Wenn ein Wertpapieremittent unter Beobachtungsstatus steht, darf der Fondsmanager nicht in seine Aktien oder Anleihen investieren und auch nicht bereits bestehende Positionen erhöhen. Nach Abschluss der Analyse des Verstoßes kann der Emittent aus dem nachhaltigen Anlageuniversum ausgeschlossen werden. Das Fondsmanagement muss dann die Aktie oder die Anleihe aus dem Portfolio entfernen – innerhalb einer bestimmten Frist, meist innerhalb von fünf Werktagen.


Fondsmanagement

Chef des Fondsmanagements für nachhaltige Anlagen im Asset Management der Zürcher Kantonalbank ist Dr. Gerhard Wagner als Leiter ESG Solutions. Fondsmanager des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced ist Roman Boner. Der Senior Portfolio Manager gehört seit 2013 zum Asset Management der Zürcher Kantonalbank und verfügt über 15 Jahre Erfahrung im Portfoliomanagement.


Nachhaltige Wirkung / Engagement

Fonds, die wie der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced in Wertpapiere von Unternehmen investieren, können diese zu mehr Nachhaltigkeit auffordern. Dies geschieht, indem sie den direkten Kontakt zu den Firmen suchen, Verbesserungen vorschlagen oder anmahnen. Und sie können das Stimmverhalten auf Hauptversammlungen danach ausrichten, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeit verbessern. Mit diesem Engagement erreichen sie eine nachhaltige Wirkung. Die Swisscanto Invest gehört zu den Anbietern nachhaltiger Investments, die sich solches Engagement auf die Fahne schreiben. Sie befördert damit einen Branchentrend, dem sich noch längst nicht alle Anbieter angeschlossen haben.

Für den Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced nimmt das Nachhaltigkeitsresearch Engagement-Aufgaben wahr. Es kontaktiert Unternehmen per E-Mail oder Brief, telefonisch oder persönlich. Anlässe für Engagement-Kontakte sind etwa unterdurchschnittliche Resultate (innerhalb der jeweiligen Branche) von Unternehmen in den Nachhaltigkeitsanalysen. Es gibt aber auch Engagement-Kontakte als Reaktion auf Kontroversen, also auf mögliche Verstöße gegen soziale oder ökologische Normen und den Umgang von Unternehmen damit.

Darüber hinaus kann der Nachhaltigkeitsbeirat einen Engagement-Prozess anstoßen. Das Nachhaltigkeitsresearch setzt bei diesem Dialog vor allem auf Best-Practice- Beispiele. Diese Beispiele von Unternehmen mit vorbildlichen Nachhaltigkeitsleistungen sollen den Gesprächspartnern konkrete Anregungen für Verbesserungen ihrer Nachhaltigkeit geben.

Die Swisscanto Asset Management AG übt für alle Fonds unter ihrem Label und unter dem der Zürcher Kantonalbank  die Stimmrechte aus. Sie orientiert sich hierbei an mit ISS (Institutional Shareholder Services Inc.) erarbeiteten Abstimmungsrichtlinien. Diese zielen vor allem auf eine vorbildliche Corporate Governance ab. Swisscanto Invest informiert über das Abstimmungsverhalten frei verfügbar im Internet. Einen Engagement-Bericht gibt es noch nicht.


Transparenz des Fonds

Die nachhaltigen Swisscanto-Fonds tragen das Transparenzsiegel von Eurosif, dem europäischen Dachverband für nachhaltige Geldanlage. Das bedeutet, dass sie gemäß dem Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds ausreichend über die Umsetzung ihres Nachhaltigkeitsanspruches berichten.

Online informieren die Swisscanto-Homepage und die Transparenzleitlinien (www.eurosif.org) über den Fonds, den Nachhaltigkeitsansatz sowie darüber, wie dieser Ansatz umgesetzt wird.  Auf www.swisscanto.ch/voting kann zusätzlich das Abstimmungsverhalten eingesehen werden.

Im monatlich auf der Swisscanto-Homepage aktualisierten Factsheet werden die jeweils größten Aktien- und Anleihen-Posititionen des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced veröffentlicht. Im Jahresbericht  sind dann sämtliche Investitionen des Fonds aufgelistet.


Risiko und Volatilität

Risiken für Fondsanleger ergeben sich bei Mischfonds insbesondere daraus, dass die Kurse von Anleihen und vor allem die von Aktien schwanken. Beim Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced kommt noch hinzu, dass der Fonds zwar in Euro notiert, aber auch in fremden Währungen investiert, vor allem in US-Dollar. Das führt zu Wechselkursrisiken.

Laut dem Factsheet von Ende Dezember 2016 weist der Fonds pro Jahr eine Wertschwankung (Volatilität) von rund fünf Prozent auf. Das bedeutet, dass die Tageswerte, zu denen der Fonds gehandelt wird, rund fünf Prozent vom durchschnittlichen Wert eines Jahres abweichen können (nach oben genauso wie nach unten). Wer kurzfristig seine Fondsanteile verkaufen muss, könnte eine Abschwungphase erwischen - ebenso aber eine Phase mit Wertzuwachs. Mischfonds investieren in einem erheblichen Umfang in fest verzinsliche Wertpapiere. Sie haben daher generell eine geringere Volatilität als Aktienfonds. Große Kurssprünge sind bei ihnen weniger wahrscheinlich, große Kurseinbrüche aber auch.


Fazit Finanzielles:

Bei der Wertentwicklung über fünf Jahre ist der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced der erfolgreichste geprüfte nachhaltige Mischfonds. Er hat von Ende 2011 bis Ende 2016 über 40 Prozent zugelegt. Nur drei weitere der insgesamt 36 nachhaltigen Mischfonds auf dem deutschen Markt legten annähernd so viel zu. Zum Stichtag 31.12.2016 notierte nur jeder zweite von ihnen über fünf Jahre mit mehr als 20 Prozent im Plus. Bei den Gesamtkosten pro Jahr (TER, Total Expense Ratio) liegt der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Balanced mit 1,57 Prozent im Mittelfeld. Bei den nachhaltigen Mischfonds reicht die Bandbreite der jährlichen Gesamtkosten von 0,7 bis 2,7 Prozent.


Fazit Nachhaltigkeit:

Dieser Fonds hat Nachhaltigkeitskriterien, die über dem Durchschnitt nachhaltiger Mischfonds liegen. Streng ist er auch insofern als er Aktien ausgeschlossener Bereiche überhaupt nicht kauft und hier keine Toleranzregelung hat. Zudem greift das Nachhaltigkeitsresearch besonders tief: Es umfasst nicht wie bei vielen Wettbewerbern nur die Produktion und einzelne Aspekte der Produkte, sondern auch die Wirkung der hergestellten Produkte und Dienstleistungen. Es geht also um eine ganzheitliche Sichtweise der Nachhaltigkeitsauswirkungen von Unternehmen. Ebenfalls positiv: Der Fonds praktiziert Engagement. Er wirkt direkt darauf ein, dass sich Unternehmen nachhaltiger verhalten. Bei Staatsanleihen beschränkt sich der Fonds auf Wertpapiere von Ländern mit den besten Nachhaltigkeitsnoten.


Fazit Nachhaltigkeitsversprechen:

ECOreporter.de hat die Einzelpositionen des Fondsportfolios geprüft. Stichtag für die Prüfung des Portfolio- Bestands war der 31.12.2016. Die Prüfung des im Halbjahresbericht dargestellten Portfolios ergab, dass die einzelnen Positionen im Portfolio dem von Swisscanto gewählten Nachhaltigkeitsansatz genügen. Anhaltspunkte dafür, dass das Portfolio des Fonds den Vorgaben nicht entsprechen würde, ergaben sich nicht.

Hier  gelangen Sie zu einer PDF-Version dieses ECOanlagechecks.


Basisdaten

WKN: AODQU1
ISIN: LU0208341536
Ausgabeaufschlag: max. 3,0 Prozent
Verwaltungsgebühr: 1,35 Prozent
Performance-Gebühr: keine
TER: 1,57 Prozent
Auflagedatum: 7.3.2005
Fondswährung: Euro
Fondsvolumen in Mio. Euro: 122,9 zum 31.12.2016
Ausschüttungsart: Thesaurierend

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