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Nachhaltige Aktien 10.12.2009

„Uns stört der Preisverfall gar nicht.“ – ECOreporter.de-Interview mit Dr. Thomas Kneip, Centrosolar Group AG

Dr. Thomas Kneip / Quelle: Centrosolar

Der Münchener Solarkonzern Centrosolar Group AG hat von sich Reden gemacht: Für das erste Halbjahr 2009 meldete das Unternehmen wachsende Gewinne (Opens external link in new windowECOreporter.de berichtete) und im November führte es eine umfangreicheOpens external link in new windowKapitalerhöhungdurch. ECOreporter.de sprach mit Dr. Thomas Kneip, Leiter Finanzen und Strategie bei Centrosolar, über die Ursachen der positiven Entwicklung und die weiteren Pläne seines Unternehmens.


ECOreporter.de: Dr. Kneip, Ihr Unternehmen hat im Herbst eine Kapitalerhöhung um bis zu 5,8 Millionen Aktien durchgeführt. Wurden alle Aktien aus der Emission gezeichnet? Wie hoch war der Nettoerlös?
Dr. Thomas Kneip:Die Kapitalerhöhung wurde komplett gezeichnet. Der Erlös lag brutto bei 20 Millionen Euro, nach Abzug von Emissionskosten verblieb ein Nettoerlös von etwa 19,5 Millionen Euro. Die Kapitalerhöhung wurde vollständig durch unsere Altaktionäre gezeichnet.


ECOreporter.de: Die frischen Mittel sollten unter anderem genutzt werden, um die Verschuldung des Unternehmens zu verringern. Wie hoch sind die verbliebenen Verbindlichkeiten?
Kneip:Ende September belief sich unsere Nettoverschuldung auf 88 Millionen Euro; zum Jahresende werden es 68 Millionen Euro oder sogar noch weniger sein. Mittelfristig wollen wir das Kapital natürlich wieder in weiteres Wachstum investieren.


ECOreporter.de: Weiter sollte der Erlös der Kapitalmaßnahme in die Geschäftsfelder Solar Integrated Systems und antireflexionsbeschichtetes Solarglas fließen. Wodurch zeichnen sich diese beiden Geschäftsbereiche aus und was sind Ihre Ziele für diese Segmente?
Kneip:Centrosolar hat zwei große Geschäftsbereiche: Solar Key Components und Solar Integrated Systems. Das Segment Integrated Systems umfasst vor allem Aufdachsolaranlagen für Privathäuser. In diesem Bereich sind wir wahrscheinlich Marktführer in Frankreich, in Deutschland gehören wir zu den Top 5 der Branche. Wir wollen das Geschäft weiter internationalisieren, Schwerpunkte sind die europäischen Märkte und die USA.

Spezialglas ist der wichtigste Bereich der Sparte Solar Key Components, wir sind Weltmarktführer bei Glas mit Antireflexbeschichtungen. Die Beschichtung in Nanotechnologie ermöglicht etwa vier bis sieben Prozent mehr Leistung für das Solarmodul. Wir wollen die Produktion dieser Spezialgläser regional ausweiten und wir haben eine neue Technologie eingeführt, die wir ausbauen wollen. Bisher haben wir  mit einem Tauchverfahren gearbeitet, das doppelseitig beschichtet. Mit der neuen Technik sind wir in der Lage, eine einseitige Beschichtung herzustellen. Damit sparen wir erheblich Material; gleichzeitig ist der Durchsatz bedeutend schneller, die Produktionskapazität steigt.


ECOreporter.de: Wie verteilten sich Umsatz und Ertrag im letzten Abrechnungszeitraum auf die verschiedenen Geschäftsbereiche der Centrosolar AG?
Kneip:Wir erwirtschaften etwa zwei Drittel der Erlöse und Gewinne im Geschäftsbereich Integrated Systems. Auf den Bereich Key Components entfällt zirka ein Drittel.

ECOreporter.de: Die Prognosen für die Entwicklung der Photovoltaikbranche laufen vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise deutlich auseinander. Allgemein wird erwartet, dass die Preise weiter sinken werden. Wieviel Degression kann die Branche verkraften ohne in Existenznot zu geraten?
Kneip:Die Modulpreise sind seit 2008 um über 30 Prozent gefallen, die Preise für Komplettanlagen etwas weniger, denn darin enthalten sind auch beispielsweise Handwerkerleistungen mit vergleichsweise konstanten Preisen. Die Einspeisevergütung wurde zum 1. Januar 2009 um neun Prozent reduziert, zum 1. Januar 2010 ist eine weitere Reduzierung der Einspeisevergütung um zehn Prozent vorgesehen. Vor dem Hintergrund des deutlichen Preisverfalls in 2009 und dem weiteren Preissenkungspotential durch technologischen Fortschritt, schlägt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor, die Hälfte der für 2011 vorgesehenen Degression von rund neun Prozent zeitlich auf den 1. Juli 2010 vorzuziehen.
Die radikalsten Forderungen kommen von den großen Energieversorgern, die den Wettbewerb durch die volkswirtschaftlich sinnvolle dezentrale Stromversorgung auf den eigenen Dächern fürchtet. Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, das diesen Konzernen nahe steht, fordert eine Halbierung der Einspeisevergütung. So einen Einschnitt würde die deutsche Solarindustrie mit derzeit rund 50.000 Arbeitsplätzen sicher nicht überleben.


ECOreporter.de: Wie steuern Sie dem Preisverfall bei Centrosolar entgegen?

Kneip:Uns stört der Preisverfall gar nicht. Im Gegensatz zu den meisten unserer Wettbewerber haben wir in der Vergangenheit keine Langfrist-Einkaufsverträge für Solarzellen auf Basis der damaligen überhöhten Rohstoffpreise von Silizium abgeschlossen. Mittlerweile gibt es ein Überangebot an Solarzellen, so dass die Marktpreise deutlich unter den in den Langfristverträgen vereinbarten Preisniveaus liegen. Wir können daher günstig einkaufen und geben den Preisverfall bei Solarzellen in Form günstiger Modulpreise an unsere Kunden weiter.
Hinzu kommt: In 2008 mussten wir am Spotmarkt einkaufen, das war teuer. So waren wir gezwungen, schon im letzten Jahr sehr auf die Kosten zu schauen. Aktuell sind wir sicher einer der effizientesten Produzenten von Solarmodulen in Europa.


ECOreporter.de: Im Zuge der Entwicklung könnten kleinere Unternehmen schnell unter Druck geraten. Bieten sich da Gelegenheiten für weitere Zukäufe durch die Centrosolar?
Kneip:Gelegenheiten gäbe es. In den nächsten Jahren liegt der Fokus für uns aber auf dem organischen Wachstum. Vollkommen ausgeschlossen sind Akquisitionen natürlich nicht.


ECOreporter.de: Die Absätze der Centrosolar in Megawatt peak steigen. Warum entwickelt sich Ihr Unternehmen trotz der Probleme der Branche vergleichsweise konstant?
Kneip:Im Geschäftsbereich Integrated Systems liegt das zum einen an unserer bereits angesprochenen, besonders kosteneffizienten Produktion. Noch wichtiger ist jedoch unser Fokus auf Dachanlagen für Privathäuser. Hier hat sich im Rahmen der Finanzkrise die Finanzierungsbereitschaft der Banken deutlich weniger stark reduziert als bei der Projektfinanzierung großer Freilandanlagen.  Unsere Kunden sind Installateure, die neben Produktqualität „Made in Germany“ auch Unterstützung in Form von Schulungen und Lieferung kompletter Photovoltaiksysteme direkt auf die Baustelle erwarten. Darin sehen wir unseren Wettbewerbsvorteil. Daher produzieren wir seit Mai an unserer Kapazitätsgrenze.

Im Geschäftsbereiche Key Components haben wir die Hauptprodukte Antireflexglas und Befestigungssysteme. Für die Befestigungen gilt das Gleiche wie für die Sparte Integrated Systems, sie werden für die Aufdachanlagen benötigt.
Beim Antireflexglas gab es im zweiten Quartal einen gewissen Rückgang, weil viele unserer Kunden ihre Produktion nicht ausgelastet hatten. Im dritten Quartal hat sich die Situation jedoch deutlich verbessert und wir haben mittlerweile auch hier wieder unsere Produktionskapazitäten voll ausgelastet.


ECOreporter.de: Auch die Ertragslage der Centrosolar erscheint stabil. Wie haben Sie sich gegen den Verfall der Margen geschützt, mit dem andere Branchenunternehmen zu kämpfen haben?
Kneip:Unsere Margen haben sich sogar erhöht. Das liegt an der Marktposition und der erfolgreichen Kostenreduktion – wir haben uns bei der Modulfertigung auf einen Produktionsstandort konzentriert und uns mit Experten aus der Automobil- und Halbleiterindustrie verstärkt.


ECOreporter.de: Was macht ihr Unternehmen aktuell besonders attraktiv für Investoren? Wie sehen Sie die Aktie?
Kneip:Wir sind wachstumsstark und im europäischen Vergleich der aktuell margenstärkste Solarmodulproduzent. Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung hat sich auch unsere Eigenkapitalausstattung deutlich verbessert. Gleichzeitig ist die Aktie wohl noch immer die billigste in der Peer Group.


ECOreporter.de: Dr. Kneip, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Centrosolar Group AG: ISIN DE0005148506 / WKN 514850

Bilder: Befestigungssystem für Aufdachsolaranlagen "Intersole" der Centrosolar. / Quelle: Unternehmen

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