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Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 01.10.2015

„Unser Ethik-Anlagerat hat den Verkauf aller Allianz-Anteile der Steyler Fonds beschlossen.“ – Interview mit Jutta Hinrichs, Steyler Ethik Bank

Jutta Hinrichs ist Referentin für Ethik & Nachhaltigkeit der Steyler Ethik Bank. / Quelle: Unternehmen

Die Steyler Ethik Bank hat Allianz-Aktien aus ihren Nachhaltigkeitsfonds ausgeschlossen. Den Anstoß gaben Informationen ihrer Ethik-Scouts. Die Steyler Ethik Bank begnügt sich aber nicht mit dem Verkauf der Allianz-Aktien. Sie will den Versicherungskonzern zu mehr Nachhaltigkeit drängen. Wie ein derartiges "Engagement" erfolgt und wie die Ethik-Scouts der nachhaltigen Bank aus Sankt Augustin bei Bonn arbeiten, erläutert Jutta Hinrichs, Referentin für Ethik & Nachhaltigkeit der Steyler Ethik Bank. 


ECOreporter.de: In welcher Verbindung steht die Steyler Ethik Bank mit den Steyler Missionaren?

Jutta Hinrichs:  Die Steyler Ethik Bank wurde 1964 von den Steyler Missionaren gegründet und ist bis heute zu 98 Prozent im Besitz des Ordens. Ziel ist es, die Prinzipien des Ordens und seinen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung im Bankgeschäft umzusetzen. Das gilt für die ethische Kundenberatung, die nachhaltige Kapitalanlage und die soziale Gewinnverwendung. Die ausgeschütteten Bankgewinne fließen zusammen mit den Zins- und Kapitalspenden der Kunden in weltweite Steyler Missionsprojekte.


ECOreporter.de: Welche Aufgaben erfüllen die Steyler Missionare? Beschränken sie sich auf die Verbreitung des christlichen Glaubens oder engagieren sie sich auch sozial?

Jutta Hinrichs:  Die Steyler Missionare betreiben in über 70 Ländern Einrichtungen und Projekte mit den Schwerpunkten Ausbildung, Gesundheit, Seelsorge und Soziales. Die Verbreitung des christlichen Glaubens geschieht somit durch gelebte Nächstenliebe für Straßenkinder, Aids-Waisen, Behinderte, alte Menschen, Flüchtlinge vor Naturkatastrophen und Kriegen sowie auf viele andere Weisen. Weltweit sind 10.000 Steyler Missionsschwestern und Missionare im Einsatz für die Menschen, die in ihrer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Sie arbeiten in den armen Bezirken großer Mega-Cities oder in entlegenen Winkeln von Entwicklungs- und Schwellenländern, überwiegend in Südost-Asien, Zentralafrika und Südamerika.


ECOreporter.de: Wie kam es zu der Idee, Steyler Missionare als Ethik-Scouts für nachhaltige Investments einzusetzen? Welche Geldanlagen haben einen Nutzen von diesem Einsatz?

Jutta Hinrichs:  Die Steyler Ethik Bank investiert seit jeher ausschließlich nach ethisch-nachhaltigen Kriterien. Doch es wird immer komplexer, fundiert zu bewerten, wie nachhaltig Unternehmen und Staaten agieren. So kamen wir auf die Idee, zusätzlich zu den Bewertungen von Ratingagenturen auch Informationen von unseren eigenen Leuten vor Ort einzuholen, also den Missionaren und Missionsschwestern. Sie arbeiten schließlich täglich mit den Menschen, die unter den oft schwierigen Rahmenbedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern leiden.
Neben den Regierungen haben Unternehmen den größten Einfluss auf das Leben der Menschen, negativ oder positiv. Als ethischer Investor möchte die Steyler Ethik Bank daher die Unternehmen zu einem nachhaltigeren Geschäftsverhalten motivieren. So verbreiten wir christliche Werte auf dem Kapitalmarkt und helfen, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern.
Aber auch die Investoren profitieren: Wer in seinem Auswahlprozess Umwelt- und Sozialkriterien berücksichtigt, verbessert meist auch sein Rendite-Risiko-Profil. Mit nicht nachhaltigen Investitionen kann man viel Geld verlieren, man denke nur an die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder das Atomunglück in Japan. Bei den Steyler Fair und Nachhaltig-Fonds können Anleger sicher sein, dass ihr Geld nicht in Unternehmen fließt, deren Geschäftsfelder und -praktiken Mensch und Natur schaden.


ECOreporter.de: Wie funktioniert der Einsatz der Steyler Missionare als Ethik-Scouts konkret?

Jutta Hinrichs:  Die Ethik-Scouts vor Ort werden in der Regel aktiv, wenn Fragen zu einem konkreten Unternehmen oder Projekt aufkommen. So hatten wir zum Beispiel von oekom research die Information erhalten, dass die Allianz als Rückversicherer am Bau des Belo-Monte-Staudamms in Brasilien beteiligt ist. Also baten wir die Steyler Missionare in Südamerika um ihre Einschätzung der sozialen und ökologischen „Nebenwirkungen“ der Großbaustelle. Ihr Bericht war schockierend: Die Liste reichte vom Land Grabbing (die illegitime Aneignung von Land – die Red.) im großen Stil über Hausenteignungen ohne Entschädigungen bis zum Versuch, Ureinwohner durch großzügige, aber völlig nutzlose Geschenke zu bestechen. Das waren Fahrzeuge, Boote und Nahrungsmittel, die nicht zu ihrer gewohnten Ernährung gehören. Zudem wurden die Rechte der indigenen Bevölkerung auf Anhörung im Parlament missachtet.
Grundsätzlich kommt jeder Steyler Missionar und jede Steyler Missionsschwester für diesen Einsatz in Frage. In erster Linie arbeiten wir aber mit Ordensmitgliedern zusammen, die ohnehin in ihrer Ordensprovinz den Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung koordinieren. Diese sogenannten JPIC-Koordinatoren (Justice, Peace, Integrity of Creation) werden durch das Steyler Generalat in Rom geleitet. Neue Ethik-Scout werden von uns mit Schulungsunterlagen und Workshops schrittweise an ihre neue Aufgabe herangeführt.


ECOreporter.de: Was geschieht dann mit den Informationen? Wie wird daraus konkretes Engagement? Werden betroffene Unternehmen mit den Informationen konfrontiert?

Jutta Hinrichs: Als Referentin für Ethik & Nachhaltigkeit bewerte ich die Informationen, gleiche sie mit den Angaben von oekom research ab und stelle die Ergebnisse dem Ethik-Anlagerat vor. Im Fall der Allianz haben die Informationen unserer Ethik-Scouts dazu geführt, dass der Ethik-Anlagerat den Verkauf aller Allianzanteile der Steyler Fonds beschlossen hat.Zudem berät die Steyler Ethik Bank aktuell nicht mehr zu Allianz-Produkten. Zusätzlich haben wir einen Unternehmensdialog mit der Allianz gestartet. Wir hoffen, dass die Schilderungen der dramatischen sozialen und ökologischen Folgen des Staudamms den Versicherungsriesen wachrütteln.

Bildhinweis: Hauptsitz der Allianz in München. Die Steyler Bank will den Versicherungskonzern zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Wie werden die Erfolge des Engagement nachgehalten, wird überprüft und gegenüber den Anlegern auch kommuniziert, inwiefern Verhaltensänderungen erreicht wurden oder nicht?


Jutta Hinrichs: Uns ist bewusst, dass ein internationaler Versicherungskonzern nicht von heute auf morgen aus geschlossenen Verträgen aussteigen kann. Unser Anliegen ist es aber, die Allianz zu motivieren, die Folgewirkungen von Großprojekten stärker zu berücksichtigen und in kritischen Fällen auf einen Vertragsabschluss zu verzichten. Im Falle des Belo-Monte-Vertragswerks wissen wir, dass die geschlossenen Verträge bis 2017/18 laufen. Dann gilt es zu überprüfen, ob die Allianz wirklich ernst macht mit ihrer Ankündigung aus dem letzten Briefwechsel. Darin heißt es: „Eine neuerliche Risikoprüfung und damit einhergehend auch die Entscheidung, ob man sich weiterhin an so einem Projekt beteiligt, wird mit Ablauf des bestehenden Vertrages stattfinden und wird sich selbstverständlich an den oben erwähnten Richtlinien orientieren“. Den Steyler Bankkunden gegenüber wurde das im Nachhaltigkeitsreport 2014 kommuniziert.


ECOreporter.de: Inwiefern ist der Einsatz von Steyler Missionaren als Ethik-Scouts auch Beschränkungen unterworfen? Etwa in Ländern, in denen man versucht, kritische Nachfragen oder christliches Engagement zu behindern oder zu unterbinden?

Jutta Hinrichs:  In fast allen Entwicklungs- und Schwellenländern herrschen politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die ein vorsichtiges Agieren von Nichtregierungsorganisationen und Ordensgemeinschaften nahelegen. Egal ob Brasilien, Südafrika oder Indien: Sobald Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) oder Orden das Feld der reinen Sozialarbeit wie den Betrieb von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern verlassen und Regierung oder große Konzerne kritisieren, müssen sie mit staatlichen Repressalien rechnen. Schließlich zeigen sie Missstände auf und sind damit unangenehm. Unsere Ethik-Scouts müssen deshalb vorsichtig sein. Wir veröffentlichen daher auch keine Namen von Ethik-Scouts.


ECOreporter.de: Was kann Engagement von nachhaltigen Investoren aus Sicht der Steyler Ethik Bank generell erreichen? Wird es in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen - wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht?

Jutta Hinrichs:  Nachhaltige Investoren können den Kapitalfluss zu den nachhaltigen Emittenten lenken und so einen Wettbewerb um die beste Nachhaltigkeitsperformance fördern. Doch das allein reicht noch nicht aus, um wirklich Druck auf die Unternehmen auszuüben. Nachhaltige Investoren müssen auch direkten Einfluss auf die Unternehmen nehmen, um sie zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren. Die Steyler Ethik Bank hat damit schon einige positive Erfahrungen sammeln können, auch wenn diese Form der Einmischung manchmal wie der Kampf von David gegen Goliath erscheint. Wir möchten die Manager von Unternehmen davon überzeugen, dass nachhaltiges Wirtschaften die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens sichert.


ECOreporter.de: Die Steyler Ethik Bank gehört zu den Ausstellern der Messe Grünes Geld, die im November in Köln stattfindet. Was werden Sie dort den Besuchern präsentieren?

Jutta Hinrichs: Wer zu dieser Messe kommt, interessiert sich besonders für nachhaltige Geldanlagen. Daher präsentieren wir in erster Linie unsere Dienstleistungen rund um dieses Thema: Dazu gehören natürlich unsere Steyler Fair und Nachhaltig-Fonds und unsere Fondsgebundene Vermögensverwaltung. Erfahrungsgemäß interessieren sich viele Messebesucher aber auch ganz allgemein für unser Ethik-Konzept. Dieses gilt ja für alle unsere Bankdienstleistungen und selbstverständlich auch für unsere Eigenanlagen. Aber auch für alle anderen Fragen sind wir jederzeit offen: Egal, ob sich jemand für unser Steyler Stiftungszentrum interessiert oder eher für ein faires Angebot zur Immobilienfinanzierung bis hin zum Ethikcheck seiner  bisherigen Geldanlage – wir beraten die Besucher unseres Stands zu sämtlichen Themen des nachhaltigen Bankings und der Vermögensbildung.


ECOreporter.de: Frau Hinrichs, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Die Messe Grünes Geld Köln findet am 21. November 2015 im Gürzenich statt. Dort informieren Anbieter über nachhaltige Geldanlagen. Ein umfangreiches Vortragsprogramm ergänzt die Veranstaltung. Der Eintritt zu der Messe und die Vorträge ist kostenlos. Hier  erfahren Sie mehr über die Messe Gründes geld Köln.

Mehr über die Steyler Ethik Bank erfahren Sie in diesem Kurzportrait.

Die beiden Nachhaltigkeitsfonds der Steyler Ethik Bank, für die steyler Scouts aktiv sind, tragen das ECOreporter-Siegel für nachhaltige Geldanlagen. Es handelt sich um den Steyler Fair und Nachhaltig - Aktien und den Steyler Fair und Nachhaltig - Renten.

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