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Nachhaltige Aktien 10.10.2008

„Unsere Aktie ist krass unterbewertet“ – ECOreporter.de-Interview mit Karl-Heinz Maerzke, Vorstand der Helma Eigenheimbau AG

Den Bau von energieeffizienten Häusern hat sich die Helma Eigenheimbau AG aus Lehrte auf die Fahnen geschrieben. Das seit September 2006 börsennotierte Unternehmen plant und errichtet schlüsselfertige oder teilfertige Ein- und Zweifamilienhäuser. ECOreporter.de sprach mit Helma- Vorstand Karl-Heinz Maerzke über sein Unternehmen.

Helma-Vorstand Karl-Heinz Maerzke / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Ihr Unternehmen bietet ein „Sonnenhaus“ an. Was zeichnet dieses Haus gegenüber anderen Häusern aus, die Sie für Ihre Kunden bauen?
Karl-Heinz Maerzke:Das Sonnenhaus ist ein bestimmtes Konzept. Der Kunde kann die Vorteile eines Passivhauses nutzen, ohne dass er sein Wohnverhalten grundlegend ändern muss. Das Haus wird optimal nach Süden ausgerichtet, es darf keine Verschattung haben. Das Dach haben wir mit Sonnenkollektoren zur Wärmegewinnung versehen. Im Haus ist ein Pufferspeicher mit 6 – 10.000 Litern Volumen. Über die Kollektoren wird dieser Speicher beheizt, daraus wird dann die Heizung und die Warmwasserversorgung gespeist. Wir kommen in ganz Deutschland fast zu 100 Prozent mit der so gewonnen Wärme aus. Als Zusatzheizung reicht ein Stückholzofen, der bei einer Durchschnittsfamilie pro Jahr ein bis drei Kubikmeter Holz verbraucht.


Wir machen dazu ein Projekt mit der TU Stuttgart. Über unsere Internetseite lässt sich die Speichertemperatur unseres Musterhauses in Lehrte ablesen. Dadurch wird der Effekt sehr plausibel. Um die vollständige Unabhängigkeit zu gewährleisten verfügt unser Musterhaus zusätzlich noch über eine kleine Solarstromanlage. Sie produziert genug Strom, um die Pumpen der Wärmeversorgung zu betreiben.


ECOreporter.de: Welchen Stellenwert haben das Sonnenhaus und andere energiesparende Haustypen in Ihrem Gesamtangebot? Was tragen sie zum Umsatz und Ertrag Ihres Unternehmens bei?
Maerzke:Das Sonnenhaus hat beim Auftragseingang aktuell einen Anteil von zehn Prozent. Die energieeffizienten Häuser zusammen genommen, machen derzeit 50 Prozent unseres Umsatzes aus – mit sicher weiter steigender Tendenz.


ECOreporter.de: Liefern sie den gleichen Deckungsbeitrag wie konventionelle Häuser?
Maerzke:Ja, da gibt es keine Unterschiede.


ECOreporter.de: Welche Bedeutung haben ökologische Baustoffe für Ihre Haustypen?
Maerzke:Wir legen großen Wert auf natürliche Baustoffe. Unser wichtigster Baustoff für Mauern ist der Ziegelstein, also gebrannter Ton. Materialien und Baustoffe, die extrem unwirtschaftlich sind, verwenden wir aber nicht. Die Wirtschaftlichkeit muss da sein, sonst würden wir unverhältnismäßig teuer.
Umweltverträglichkeit ist uns sehr wichtig. An unseren Baustellen werden beispielsweise alle Verpackungsmaterialien getrennt gesammelt und entsorgt.


ECOreporter.de: Fördern Sie aktiv Bebauungskonzepte, die helfen, den Flächenverbrauch zu reduzieren?
Maerzke:Wir sind da dran. Besonders in den Ballungsräumen ist das wichtig, dort ist Fläche naturgemäß teuer. Wir arbeiten aktuell zum Beispiel an einem Projekt in Berlin; auf der Fläche waren 110 Einfamilienhausplätze geplant. Wir haben mit dem Bauamt gesprochen, um dort eine wesentlich höher verdichtete Bauweise zu realisieren. Nun werden wir wahrscheinlich 200 bis 250 Einheiten bauen.


ECOreporter.de: Das Bauen ist heute mit enormen Transportkosten verbunden. Inwieweit versuchen Sie, Baustoffe für Ihre Häuser möglichst regional einzukaufen?
Maerzke:Wir sind ein so genanntes Bauregieunternehmen, wir organisieren das Bauen. Die eigentliche handwerkliche Arbeit vor Ort wird von lokalen Vertragsfirmen durchgeführt. Wir legen natürlich Wert darauf, dass die aus der Region kommen. Die Handwerker haben von uns die Vorgabe, dass sie die Baustoffe möglichst vor Ort einkaufen.

Wichtig ist uns: Wir nehmen aus den Regionen keine Arbeit weg, sondern wir organisieren sie. Die Arbeit bleibt in der Region.


ECOreporter.de: Sie liefern keine fertigen Häuser sondern fertige Baukonzepte?
Maerzke:Genau.


ECOreporter.de: Welche EBIT-Marge streben Sie mit Ihrem Unternehmen an? Wo stehen Sie aktuell?
Maerzke:Es ist ja bekannt, dass wir 2007 einen großen Verlust hinnehmen mussten. Vor etwa einem Jahr haben wir ein Kostensenkungsprogramm gestartet. Das zeigt recht gute Erfolge. Wir streben für das laufende Jahr einen Umsatz von 55 bis 58 Millionen Euro an. Das entspricht einer Steigerung von gut 20 Prozent gegenüber 2007. Das EBIT soll nach minus 5,3 Millionen Euro im letzten Jahr positiv ausfallen. Wir rechnen mit 0,4 bis 0,7 Millionen Euro. Das Nettoergebnis wird voraussichtlich leicht negativ ausfallen.


2009 werden wir dann deutlich im Plus liegen: Der Umsatz soll um nochmals 20 bis 25 Prozent wachsen auf 68 bis 72 Millionen Euro. Beim EBIT wollen wir 2,7 bis 3,3 Millionen Euro erwirtschaften. Dabei wird dann auch ein kräftig positiver Nettogewinn heraus kommen.


Die mittelfristige Zielgröße beim EBIT liegt bei sechs bis neun Prozent. Wir sind optimistisch, das in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erreichen. Wir kommen von minus fünf Millionen Euro, wenn wir in 2008 den Turnaround beim EBIT schaffen, sind wir schon ein gewaltiges Stück voran gekommen.


ECOreporter.de: Wie wird sich nach Ihrer Erwartung die Finanzkrise auf den Bausektor auswirken?
Maerzke:Das Geld ist ja vorhanden und es muss irgendwie angelegt werden. Was wir im Augenblick erleben ist eine Vertrauenskrise, das Vertrauen wird aber wieder zurück kommen. Es ist ja nicht so, dass wir in Deutschland eine unsachgemäße Hypothekenfinanzierung seitens der Banken gehabt haben, wie in den USA und teilweise vielleicht auch in Spanien. Insofern bin ich ganz zuversichtlich. Auch wir werden Bremsspuren erleben, ich erwarte aber keine langfristigen Beeinträchtigungen.


ECOreporter.de: Nennen Sie uns bitte einige gute Gründe, weshalb nachhaltig orientierte Anleger die Aktie Ihres Unternehmens kaufen sollten.
Maerzke:Unsere Aktie ist aus unserer Sicht krass unterbewertet. Wir sind natürlich wegen des Verlusts 2007 abgestraft worden. Die Aktie kommt von 23 Euro, wir liegen jetzt ungefähr bei vier. Unsere Zukunftsperspektiven sind außerordentlich gut. Die Aktie sehe ich auf jeden Fall im zweistelligen Bereich.


Wir sind ein Spezialunternehmen für energieeffiziente Lösungen im Einfamilienhausbau. Bei neuen Entwicklungen sind wir immer ganz vorne mit dabei. Im laufenden Jahr haben wir zum Beispiel zusammen mit Erdgas Schwaben das Bioerdgashaus heraus gebracht. Das ist das erste Haus, das zu 100 Prozent mit Biogas versorgt wird.


ECOreporter.de: Herr Maerzke, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Für das dritte Quartal 2008 meldete die Helma-Gruppe einen Netto-Auftragseingang von 16,6 Millionen Euro (Vorjahr: 12,3 Millionen Euro; plus 35 Prozent). Die Anzahl der abgesetzten Einheiten sei von 79 auf 100 gestiegen. Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2008 liegt der Netto-Auftragseingang den Angaben zufolge bei 52,1 Millionen Euro (Vorjahr: 42,0), die Anzahl der abgesetzten Einheiten beträgt 315 (Vorjahr: 279). Die durchschnittlichen Netto-Verkaufspreise kletterten auf rund 166.000 Euro (Gesamtjahr: 2007: 153.000 Euro). Die Aktie des Unternehmens wird seit zwei Jahren im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.

Helma Eigenheimbau AG: WKN A0EQ57 / ISIN DE000A0EQ578

Bilder: Helma-Sonnenhaus (Musterhaus in Lehrte bei Hannover); Einsetzen eines Pufferspeichers in ein Haus der Helma-Gruppe. / Quelle: Unternehmen

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