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Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 12.06.2017

Vier Mikrofinanzfonds im Test – welcher liegt vorne?

Mit der Hilfe von Mikrokrediten können sich Kleinunternehmerinnen in ärmeren Ländern selbstständig machen. Das Bild zeigt Näherinnen in Indien. / Foto: Opmeer Reports, Oikocredit

Für viele Anleger sind Mikrofinanzfonds eine gute Wahl. Vier Mikrofinanzfonds hat ECOreporter einem Vergleichstest unterzogen: zwei etablierte Fonds, die wir schon 2016 geprüft haben, und zwei neue Mikrofinanzfonds. Wie stehen die vier Fonds da in den Punkten Rendite, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Transparenz? Wie schneiden die beiden älteren Mikrofinanzfonds IIV Mikrofinanzfonds  und Dual Return Fund - Vision Microfinance  ab gegenüber den Neulingen GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds  und KCD Mikrofinanzfonds - III?


Geld anlegen und damit Gutes tun. Das erhoffen sich Anleger, die in Mikrofinanzfonds investieren. Denn solche Fonds sammeln Kapital, um in armen Weltgegenden Mikrokredite zu finanzieren. Das sind Darlehen an Kleinstunternehmer, die sich damit aus der Armut herausarbeiten können.

Lange war in Deutschland nur ein Mikrofinanzfonds zum Vertrieb zugelassen, der 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds. IIV steht für Invest in Visions. Die von Edda Schröder gegründete und geleitete Invest in Visions GmbH hat diesen Mikrofinanzfonds entwickelt. Anfang 2015 startete dann die Bank im Bistum Essen (BiB) ihren KCD Mikrofinanzfonds - III. Die katholische Kirchenbank investiert selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz.

Im Dezember 2015 folgte der GLS Alternative Investments (abgekürzt AI) - Mikrofinanzfonds. Der bereits 2006 aufgelegte Dual Return Fund - Vision Microfinance der C-Quadrat Asset Management GmbH aus Wien ist zwar der älteste Mikrofinanzfonds im Test. In Deutschland ist er jedoch erst seit Mai 2016 zum Vertrieb zugelassen. C-Quadrat Asset Management gehört zur C-Quadrat Gruppe, einem international operierenden Vermögensverwalter.

Mikrofinanzfonds erreichen stabile Jahresrenditen

Alle vier Mikrofinanzfonds stoßen auf starkes Anlegerinteresse, ihr Volumen ist enorm angestiegen. Beispielhaft zeigt das der Mikrofinanzfonds der GLS Bank, der nach seinem Start in nur 17 Monaten ein Volumen von über 60 Millionen Euro erreichte. Oder der Dual Return Fund - Vision Microfinance: In den zwölf Monaten nach der Marktzulassung in Deutschland hat sich sein Volumen auf 462 Millionen Euro nahezu verdoppelt.

Mikrofinanzfonds sind bei Anlegern wohl auch deshalb gefragt, weil sie als vergleichsweise sicheres Investment gelten. Sie verleihen das Geld der Anleger an Mikrofinanz-Dachorganisationen. Diese wiederum vergeben es an Mikrofinanzinstitute – also an Mikrofinanzbanken, etwa in Peru. Deren Mitarbeiter sind die Kundenberater, die das Geld zu den Kunden bringen und später wieder abholen, samt Zinsen.

Dadurch, dass ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät zwar einmal ein Mikrofinanzinstitut in Schwierigkeiten. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr sicher erwiesen. Auch wegen der extrem guten Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Schließlich ist ein Mikrokredit für viele Menschen ohne sonstigen Zugang zu Finanzdienstleistungen eine meist einmalige Chance, sich aus der Armut zu befreien.

Das starke Volumenwachstum ist eine Herausforderung

Keiner der getesteten Mikrofinanzfonds erlitt bisher einen Jahresverlust. Der im Dezember 2015 gestartete GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds legte bis Ende April 2017 2,9 Prozent zu. Der Ende Januar 2015 aufgelegte KCD Mikrofinanzfonds - III erreichte bis Ende April 2017 rund 5 Prozent Plus. Die beiden älteren Fonds, der Dual Return Fund - Vision Microfinance und der IIV Mikrofinanzfonds, haben jedes Jahr im Schnitt zwischen 2 und 3 Prozent an Wert gewonnen. In den letzten fünf Jahren verbesserten sie sich insgesamt um rund 12 bzw. 13 Prozent.

Dabei war 2016 für die vier Fonds ein eher schwieriges Jahr – eben weil Anleger in wenigen Monaten sehr viel Geld in die Mikrofinanzfonds investierten. Mikrofinanzfonds benötigen jedoch Zeit, um seriöse Mikrofinanzinstitute zu finden, die das Geld an Kreditnehmer weitergeben. Die Mikrofinanzinstitute sollen beispielsweise gewährleisten, dass die Kreditnehmer sich nicht überschulden und dass sie keine umweltschädlichen Geschäftsideen finanzieren.

Dieser Prüfungsaufwand hinderte die Mikrofinanzfonds teilweise daran, das Geld der Anleger direkt weiterzugeben. Sie mussten Teile der neuen Mittel parken, die so aber keine Rendite einbringen konnte. Der IIV Mikrofinanzfonds nahm 2016 sogar drei Monate lang kein neues Geld von Anlegern an.

Bemerkenswert: Zwar führten diese Probleme zu gelegentlichen Monatsverlusten der Mikrofinanzfonds. Diese fielen aber äußerst gering aus. Und alle vier Fonds im Test schlossen 2016 klar im Plus ab. Unsere Kursgrafiken in den einzelnen Fondstests zeigen die Wertentwicklung der Fonds.

Kein schneller Ausstieg aus den Mikrofinanzfonds möglich

Einen Aktienfonds kann man von einem Werktag auf den anderen verkaufen. Bei den Mikrofinanzfonds ist die Rückgabe von Fondsanteilen nicht so kurzfristig möglich. Die Anteile des GLS-Fonds sind beispielsweise nur Ende Juni und Ende Dezember zurückzugeben, vorher ist noch die dreimonatige Kündigungsfrist zu beachten. Das heißt: Wer im Mai kündigt, erhält sein Geld erst im darauf folgenden Dezember wieder heraus.

Die GLS Bank erklärt dies damit, dass sie möglichst viel Kapital in Mikrokrediten binden wolle und daher frühzeitig wissen müsse, ob Anleger Kapital zurückfordern. Bei den anderen Fonds ist der Verkauf monatlich bzw. pro Quartal möglich. Kaufen können Anleger dagegen bei allen vier Fonds in jedem Monat. Der jeweilige Preis der Fondsanteile ergibt sich aus zweierlei: Zum einen aus wirtschaftlichen Kennzahlen der Mikrofinanzinstitute, in die die Fonds investieren, zum anderen bewerten unabhängige Dienstleister die Darlehen.

Jahresgebühren bei zwei Prozent

Mikrofinanzfonds verursachen einen hohen Verwaltungsaufwand. Hier geht es schließlich nicht um schlichte Aktienkäufe, sondern darum, Geld an Mikrofinanzinstitute in meist fernen Ländern zu verleihen. Das führt zu hohen Personalkosten im Fondsmanagement. Daher betragen die Gesamtkosten pro Jahr, die – und das ist wichtig – nach Abzug der Kosten für die Anleger in der Regel noch übrig bleiben, bei den vier Mikrofinanzfonds etwa zwei Prozent der Anlagesumme. Das ist nicht wenig angesichts von insgesamt zwei bis drei Prozent Wertsteigerung.

Die bei jedem Fonds angegebenen Gesamtkosten pro Jahr (TER, Total Expense Ratio) beinhalten die Summe aller Kosten: Verwaltungsgebühren, Betriebskosten, Depotbankgebühren und andere. In diesen Kosten nicht enthalten ist der einmalige Ausgabeaufschlag, der bei dem Investment in einen Fonds anfällt. Er beträgt beim GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds 2,5 Prozent und bei den drei anderen Fonds jeweils 3,0 Prozent.

Mikrofinanzfonds bringen Sicherheit ins Anlegerdepot

Mikrofinanzfonds weisen nur geringe Wertschwankungen auf. Alle getesteten Fonds schütten anfallende Jahresgewinne an die Anleger aus. Das Geschäft mit Mikrokrediten verläuft weitgehend unabhängig von den Börsen – im Gegensatz zu Investments in Aktien oder Anleihen. Daher eignen sich Mikrofinanzfonds auch für Anleger mit höherem Sicherheitsbedürfnis. Für spekulativ ausgerichtete Investoren, die Wert auf eine hohe Rendite legen, kommen Mikrofinanzfonds dagegen nicht in Frage.



Tadschikistan: Frauen sortieren die Aprikosenernte. Die soziale Bank Eskhata OJSC hat den Betrieb finanziert. / Foto: Opmeer Reports, Oikocredit



Hohe soziale Wirkung

Alle vier getesteten Fonds punkten bei der Nachhaltigkeit. Das Geld der Anleger wirkt bei ihnen sozial: Denn in armen Regionen der Welt kann eine Schneiderin oft schon mit einem kleinen Kredit eine Nähmaschine erwerben und sich selbstständig machen. Herkömmliche Banken vergeben aber solche Kleinstkredite meist nicht. Sie befürchten dabei mehr Aufwand als Ertrag. Vor allem aber leben in Schwellen- und Entwicklungsländern viele Menschen nicht in der Nähe einer Bank. Stattdessen könnten sie sich vielleicht Geld bei einem lokalen Kredithai leihen, die Zinsen sind dann exorbitant hoch. Mikrofinanzen helfen hier. Dabei sind auch die Mikrokredite nicht billig, sie werden meist mit 15 bis 30 Prozent pro Jahr verzinst, zuweilen noch höher. Das ist stattlich, liegt aber noch weit unter den Tarifen lokaler Geldverleiher.

Die Zinsen sind meist auch nur prozentual sehr hoch – die realen Summen sind oft niedrig. Denn wenn ein Kreditsachbearbeiter per Moped 500 Dollar zu einem Kunden im Dschungel herausbringt, entstehen erhebliche Kosten. Der Zinsaufwand liegt dennoch bei einem halben Jahr und 20 Prozent Zins nur bei 50 Dollar. Dicke Gewinne erbringt das für das Mikrofinanzinstitut nicht, allein schon wegen der Spritkosten des Kreditsachbearbeiters.

Experten prüfen, an wen das Geld verliehen wird

Alle vier Fonds im Test erhielten gute Noten im Bereich "Auswahlprinzip". Sie wählen die Mikrofinanzinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten, nach eingehenden Prüfungen aus. Die Mikrofinanzfonds legen Wert darauf, dass die Mikrofinanzinstitute außer Krediten weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel Sparmöglichkeiten und Versicherungen, etwa gegen Ernteausfall.

Die Mikrofinanzinstitute müssen belegen, dass ihre Zinsen angemessen sind und dass sie Mikrokreditnehmer kompetent betreuen. Wenn die Mikrokredite der Umwelt nutzen, fließt das in die Bewertung durch die Fondsmanager ein. Entscheidend ist aber der soziale Nutzen der Darlehen.

Die Bank im Bistum Essen (BiB) baut bei der Auswahl der Mikrofinanzinstitute für den KCD Mikrofinanzfonds - III auf die umfassende Erfahrung ihrer eigenen Experten. Die übrigen Fonds setzen stark auf die Unterstützung durch auf Mikrofinanzen spezialisierte Agenturen. Einen Beirat mit externen Fachleuten gibt es beim GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds. Das gab Pluspunkte bei unserer Bewertung der "Management-Qualität".

Transparenz

Die Jahres- und Halbjahresberichte der Anbieter listen die Mikrofinanzinstitute auf, an welche die Mikrofinanzfonds Darlehen vergeben haben. Die Anbieter des IIV Mikrofinanzfonds und der Dual Return Fund - Vision Microfinance informieren auf der Homepage und in den Monatsberichten über einige ausgewählte Mikrofinanzinstitute und einzelne Kunden.

Anleger des KCD Mikrofinanzfonds - III erhalten weniger Angaben. Die beste Note im Bereich "Transparenz" erhielt der GLS-Fonds für besonders umfassende Informationen: Ein jährlicher Investitionsbericht stellt die Mikrofinanzinstitute vor, in die der Fonds investiert, erläutert die Rahmenbedingungen in den einzelnen Mikrofinanzmärkten und den Anlageprozess.

Starke Gesamtleistung aller vier Mikrofinanzfonds

Alle vier Mikrofinanzfonds haben im Vergleichstest überzeugt. Die Unterschiede bei der Gesamtnote sind so gering, dass Anleger keinen Fonds ausschließen müssen. Schon moderate Kursschwankungen können die Rangfolge der vier Fonds schnell verändern. Bei der Finanznote sind die etablierten Fonds nicht komplett mit den neuen vergleichbar. Denn nur die älteren Fonds (seit elf bzw. sechs Jahren auf dem Markt) konnten eine Unternote für die Fünf-Jahres-Wertung erhalten. 

Hier finden Sie Ergebnisse für die vier Mikrofinanzfonds-Tests im Einzelnen:

- Dual Return Fund - Vision Microfinance: Etablierter Fonds– Mikrokredite insbesondere für Kleinunternehmerinnen in Lateinamerika 

- IIV Mikrofinanzfonds: Etablierter Fonds – Mikrokredite insbesondere für Kleinunternehmerinnen

- KCD Mikrofinanzfonds – III: Junger Fonds – Mikrokredite insbesondere für Kleinunternehmerinnen 

- GLS AI – Mikrofinanzfonds: Junger Fonds – Mikrokredite insbesondere für Kleinunternehmer in Osteuropa


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